Lindas neues Leben 31

Meine Lieben, die Rauhnächte gehen mit der nächsten Nacht zu Ende und heute kommt der 31. und letzte Teil der Geschichte über Lindas neues Leben. Und natürlich ist es hier noch nicht zu Ende. Wer wissen möchte, wie es mit Linda weitergeht, muss nur ein wenig Geduld haben. Unten verlinke ich wieder den Artikel zur letzten Rauhnacht und heute Abend gibt es auf Youtube das letzte Rauhnacht Special. Ab morgen geht es mit den Morgen-Impulsen weiter. Aber auf eine neue Art und Weise…. wie genau erfahrt Ihr morgen.


Linda und Simon standen noch eine Weile auf der Terrasse. Linda setzte sich als erstes und griff wieder nach ihrem Weinglas. Sie prostete Simon zu: „Auf dass wir nicht auch noch total verrückt werden“, sagte sie und meinte das gar nicht ganz so spaßig, wie sie es gesagt hatte. All diese Dinge kreisten in ihrem Kopf und je mehr sie sich um Antworten bemühte, umso weniger wollten sich welche einstellen.

Simon hob ebenfalls sein Glas, schwieg aber. Nach einer Weile sagte er: „Mir sind das insgesamt zu viele Rätsel. Da ist dieser seltsame Mann, der eindeutig kein Mensch zu sein scheint. Aber in meiner Welt gibt es nur Menschen, die wie Menschen aussehen. Es gibt noch Primaten, die fast wie Menschen aussehen, aber das sind Tiere. Und was ist er?“ Grübelnd schwenkte er den Wein in seinem Glas und schwieg weiterhin beharrlich.

Dann setzte er noch einmal an zu sprechen: „Und dann ist es nicht genug damit, dass wir diesen seltsamen Mann gesehen haben, jetzt hat er auch noch zu uns gesprochen. Und mit dem was er sagte, konnte ich nichts anfangen. Für mich hat er in Rätseln gesprochen. Dann die vielen Zeichnungen von Breitner Hans, mit denen wir uns noch gar nicht beschäftigt haben und ich bin mir auch gar nicht sicher, ob wir das überhaupt tun sollten. Vielleicht drehen wir sonst wirklich eines Tages noch durch.“ Linda hörte Simon nur zu ohne etwas zu sagen, denn er sprach genau das aus, was sie auch dachte. Allerdings hatte sie ein wenig mehr Lust auf Abenteuer als Simon.

Simon sprach weiter: „Und dann habe ich dich getroffen und mich Hals über Kopf verliebt, obwohl ich mir geschworen hatte, als Single alt zu werden. Ganz nebenbei habe ich die erste eigene Praxis meines Lebens eröffnet. Und dann war da noch die seltsame Aussage deines Ex-Mannes. Das ist ganz schön viel auf einmal.“

Linda durchfuhr ein Schreck. Tatsächlich hatte sie Georgs Aussagen von gestern total verdrängt. Wenn sie diese ernst nahm, gab es mehr als genug nachzudenken. Und Simon hatte gestern mit seinen Fragen, ob sie eigentlich wirklich wusste, wer Georg war, einiges in ihr losgetreten. Aber irgendwo in ihrem Inneren gab es eine Sperre, darüber nachzudenken. Was würde geschehen, wenn sie feststellte, dass er gar nicht der war, für den er sich ausgegeben hatte? Und warum hätte er das tun sollen? Und wenn er nicht der war, von dem sie meinte, dass er es war, wer war er dann? Und noch mehr Gedanken dieser Art schossen ihr durch den Kopf. Immerhin waren ihre beiden Eltern kurz nachdem sie Georg kennengelernt hatte, bei einem Unfall gestorben, dessen Hergang sich nie genau rekonstruieren ließ. Nein, darüber wollte sie jetzt beim besten Willen nicht nachdenken, auch wenn Georgs Drohung sie beunruhigte. Doch sie wusste instinktiv, dass sie damit die Büchse der Pandora öffnen würde. Genauso wie mit den Zeichnungen von Hans Breitner.

Sie hatte sich doch ein ruhiges und beschauliches Leben gewünscht, als sie Hals über Kopf auf den Breitner Hof gezogen war. Doch wenn sie ehrlich mit sich selbst war, war es auch hier noch keinen einzigen Moment beschaulich gewesen. Alle Ereignisse hatten sich überschlagen. Sogar einen Job hatte sie bereits wieder, obwohl sie doch eine Pause einlegen wollte. Und all die vielen Tiere, die teilweise auf so sonderbare Weise in ihr Leben gekommen waren…

Auf der einen Seite war alles irgendwie anstrengend und sie schaffte es kaum, ein Ereignis zu verarbeiten, bevor das nächste eintrat und doch war es auf eine Art wunderschön. Zärtlich schaute sie zu Simon, der immer noch den Wein in seinem Glas schwenkte. Er sah auf und erwiderte ihren Blick. Linda hatte das Gefühl, als schaute er auf den Grund ihrer Seele. Simon war der Mensch, mit dem sie glücklich war, der ihr auch ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit gab. Und auch wenn sie noch gar nicht viel Zeit für sich gehabt hatten, so war durch die gemeinsame Arbeit eine große Vertrautheit zwischen ihnen entstanden.

Nach längerem Schweigen sagte Linda zu ihm: „Weißt du, dass ich noch nie bei einem Menschen so ein selbstverständliches Vertrauen verspürt habe, wie bei dir?“ Simon lächelte sie an und nahm ihre Hand. „Mir geht es ganz genauso“, murmelte er und küsste die Innenfläche ihrer Hand. Linda fühlte einen wohligen Schauer. Eines Tages würde es soweit sein, und sie würden sich auch auf der körperlichen Ebene noch viel näherkommen. Doch derzeit genügte ihr diese Art von Nähe. Und Simon schien es genauso zu empfinden. Sie hatten Zeit, alle Zeit der Welt. So viele Rätsel würden sie noch gemeinsam lösen…

Simon erhob sich schwerfällig. Auch er war müde von dem langen und anstrengenden Tag. „Ich gehe rüber und lege mich ins Bett“, sagte er. „Morgen ist wieder ein sehr langer Tag.“ Linda nahm ihn noch einmal fest in die Arme und sie standen eine ganze Weile eng umschlungen. Simon streichelte ihre Haare und Linda schlang ihre Arme um seinen Rücken. Da er so groß war, reichte Linda gerade mal bis zu seiner Brust. Aber genau dies gab ihr das Gefühl der Geborgenheit. In Simons Gegenwart würde sie alle Widrigkeiten bestehen können. Gemeinsam waren sie unschlagbar. In diesem Moment wusste sie noch gar nicht, wie sehr dieses Gefühl noch auf die Probe gestellt werden würde.

„Ich hole dich um kurz nach sieben ab“, murmelte Simon nur noch schläfrig. „Perfekt. Ich werde fertig sein“, sagte Linda. Als Simon über die Felder ging, sah Linda ihm noch eine Weile nach. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hatte sie Beppo und Herta zugeschaut, wie sie zufrieden über die Felder zu ihrem Haus gingen. Und sie hatte damals gedacht, dass sie so ein Glück und so eine Harmonie wohl nie erleben würde. Doch sie hatte sich für die beiden gefreut. Und nun ging hier der Mann ihres Lebens und sie wusste, dass nun auch für sie dieser Traum wahr wurde.

Bald war Simon in der Dunkelheit verschwunden. Linda schloss die Tür. Bevor sie sich all den Rätseln in ihrem Leben zuwandte, würde sie zunächst einmal versuchen, den Alltag wie er war, zu bewältigen. Die Arbeit in der Praxis, der Hof, die Kinder mussten bald in eine neue Schule… es war viel zu erledigen. Und sobald sich Routinen eingestellt hatten, würde sie sich den Rätseln widmen. So dachte sie, als sie noch einmal auf die Terrasse trat. Sie schaute in die Dunkelheit des Gartens. Es war nicht leicht, die Geschehnisse rund um den ungewöhnlichen Mann zur Seite zu schieben. Doch gab es eine leise Stimme in ihren Inneren, die ihr zuraunte, dass sich alles zu seiner Zeit aufklären würde.

Langsam schloss sie die Terrassentür und schlenderte durch das Haus. Das war ja das nächste Rätsel. Sie kannte dieses Haus und wusste nicht wieso. Bisher dachte sie, dass ihr Leben eigentlich ziemlich unspektakulär gewesen war. Doch so langsam überkamen sie Zweifel diesbezüglich. Vielleicht hatte sie bisher nur immer einen Aspekt ihres Lebens betrachtet? Vielleicht waren viele magische und seltsame Zusammenhänge nur nicht bis in ihr Bewusstsein gedrungen? Vielleicht hatte sie in einer Matrix der Normalität gelebt, die gar nicht echt war?

Sie strich mit der Hand über den Küchentisch. Sogar die Textur des Holzes schien ihr bekannt zu sein. Es war, als würde sich ihre Hand erinnern, aber ihr Kopf nicht. Nur war ihre Hand damals viel kleiner gewesen. Als sie die Treppen hinaufstieg, fühlte sie, wie das Haus sie umfing. Es war, als wäre sie endlich wieder da angekommen, wo sie hingehörte, als wäre sie zuhause.

Leise öffnete sie die Tür zu Klaras Zimmer. Sie lag im Bett und schlief mit rosigen Wangen. Wie glücklich die Kinder hier waren und wie schicksalshaft sich alles gefügt hatte. Klaras Katzen lagen alle drei zusammengerollt auf Klaras Bettdecke. Und obwohl Linda das ursprünglich nicht wollte, war es, wie alles im Moment, auf seltsame Art richtig. Zärtlich strich Linda ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann drehte sie sich um, und ging langsam wieder zur Tür und schloss sie leise von außen.

Jonas schlief mittlerweile auch. Linda nahm das Handy, das auf seiner Bettdecke lag und legte es zur Seite. Auch bei ihm verharrte sie eine ganze Weile. Wie glücklich sie sich schätzen konnte, solche Kinder zu haben. Und nun hatte sie auch noch einen wunderbaren Mann. Und mit Beppo und Herta waren sie als Familie komplett. Draußen hörte sie die leisen Schlafgeräusche der Hühner, die Kühe standen mit ihren Kälbern auf der Weide und unten lagen Ernie und Bert in ihren Körbchen und bewachten das Haus. Wie wunderbar das alles war. Linda war bereit, dieses Abenteuer fortzusetzen.


Meine Liebe, ich danke Dir, dass Du mit Linda mitgefiebert hast. Wie Du ja aus der Geschichte weißt, gibt es noch viele Dinge aufzuklären und offenbar steht Linda auch noch eine sehr spannende Zeit bevor. Dieser Teil und alle Fortsetzungen wird es in wenigen Wochen auf Amazon geben. Ich würde mich freuen, wenn Du Linda treu bleiben würdest. Natürlich erfährst Du es hier und im Newsletter, wenn es soweit ist. Dankeschön!

Hier ist jetzt noch ein Artikel zur kommenden und letzten Rauhnacht: 13. und letzte der heiligen Nächte

Und heute Abend gibt es ein letztes Rauhnacht-Special auf Youtube: Manou Gardner auf Youtube

Ganz liebe Grüße

Manou

Lindas neues Leben 29

Hier kommt Teil 29 der Geschichte um Lindas neues Leben. Außerdem gibt es unten wieder einen verlinkten Artikel zur kommenden Rauhnacht und heute Abend gehts auf Youtube weiter. Ich wünsche Dir viel Vergnügen -zunächst mit Linda.


Simon führte Linda auf die Terrasse, wo sie sich erst einmal setzte. Beppo erkannte die Situation sofort und schnappte sich die Kinder, um nach der kleinen Rinderherde zu schauen. Sie mussten die Kühe und ihre Kälber Schritt für Schritt an sich gewöhnen. Bisher hatte sich nur Beppo einmal kurz auf die Weide getraut. Die Mütter waren sehr ängstlich. Und wer wollte es ihnen verdenken, wurden ihnen doch bisher ihre Kinder immer schon kurz nach der Geburt entrissen.

Simon setzte sich Linda gegenüber und sah sie schweigend an. Er wusste, dass sie sprechen würde, sobald sie soweit war. „Ich glaube, Georg hat mir gerade gedroht“, sagte sie. Simon wirkte nicht besonders überrascht. „Will er das Sorgerecht noch einmal anfechten?“, fragte er. Doch Linda schüttelte den Kopf. „Nein, ganz anders. Er sagte, wenn man nicht wisse, was gut für einen ist, nimmt man ganz rasch ein tragisches Ende, wie meine Eltern und Hans Breitner.“ Linda stockte und grübelte. „Ich frage mich gerade, ob ich mich verhört habe. Aber so wie er es gesagt hatte, klang es so, als hätte er etwas damit zu tun. Aber das ist doch absurd!“

Simon war zunächst etwas verwirrt. „Wie hat er das gemeint?“, fragte er daher. Linda schüttelte den Kopf. „Wenn ich das wüsste, wäre ich schlauer. Ich habe genau gespürt und auch gewusst, dass die zuerst gezeigte freundliche Fassade nicht stimmte. Ich kenne Georg lange genug. Der kommt nicht einfach mal vorbei, um mich zu fragen, ob wir es noch einmal miteinander versuchen sollten. Zumindest nicht deshalb, weil ich ihm etwas bedeute. Wenn ihm das wichtig sein sollte, dann aus einem anderen Grund. Und was mich ebenfalls überrascht hat, wie schnell er seine Maske abgelegt hat. Das macht er nur, wenn er seine Emotionen gar nicht mehr im Griff hat, so wie vor Gericht.“

Linda schwieg und starrte vor sich hin. In ihrem Kopf raste es. Wie konnte Georg das gemeint haben? Sie wurde einfach nicht schlau daraus. Auch Simon dachte nach. „Sag mal Linda, ich frage jetzt was ganz Blödes, aber bist du dir sicher, dass du weißt, wer Georg eigentlich ist?“ Linda schaute auf. „Was meinst du damit?“ „Ach, ich weiß auch nicht, aber mir kommen ganz komische Gedanken in den Sinn. Vielleicht habe ich aber einfach früher nur zu viele Serien geschaut.“

Linda wusste, dass Simon nicht einfach irgendwas daherredete. Daher grübelte sie weiter über die Frage nach. „Woran könnte ich denn festmachen, ob ich wirklich weiß, wer Georg ist?“, fragte sie mehr zu sich selbst als zu Simon. Doch der griff den Faden auf. „Naja, kennst du seinen Arbeitsplatz, seine Kollegen und Freunde?“ Linda versank zunächst wieder in Schweigen. „Freunde in dem Sinn hat er keine, zumindest keine, die ich kenne. Kollegen kenne ich ein paar, aber nur von den dienstlichen Abendessen bei uns. Und da durfte ich ja immer nur bekochen und mich dann zurückziehen. Sein Büro ist im Business Tower in der Innenstadt. Aber dort war ich noch nie.“

Lange schwiegen die beiden. Dann stand Linda auf. „Ich denke ja gar nicht daran, den Rest des Sonntags über Georg nachzugrübeln. Dann hätte er ja erreicht, was er wollte. Simon nickte. „Gut, lass uns mal auch nach deiner Rinderherde schauen. Übrigens lässt Mama fragen, ob ihr zum Abendessen kommen wollt.“ Linda war erfreut. Schon lange hatten sie nicht mehr bei Herta gegessen. „Ja, sehr gerne kommen wir.“

Die Kühe standen zufrieden auf der Weide. Alle drei wirkten so glücklich mit ihren Kälbern. Es war so unendlich idyllisch hier. Und doch hatte sich seit Georgs Besuch ein Schatten über ihr Glück gelegt. Linda hasste ihn dafür. Das konnte er wirklich gut – sogar jetzt noch, wo sie bereits geschieden waren. Sie versuchte ihre Gedanken zu verdrängen, doch es gelang ihr nur halb.

„Lass uns einen Kaffee trinken“, sagte sie zu Simon. „Dann können wir den Ablauf für morgen noch einmal durchgehen. Ich bin doch schon sehr nervös“, gestand Linda. Simon lachte. „Was glaubst du, wie nervös ich bin? Ich habe schon alle Katastrophen im Geiste durchgespielt. Ich bin nur froh, dass die beiden Assistentinnen diese Geräte bereits kennen. Ich komme mir nämlich vor wie ein Volltrottel. Aber ich muss ja auch nur die Befunde erstellen. Und ihr zwei am Empfang werdet das Kind auch schaukeln. Das Terminbuch für morgen ist ja gestopft voll.“

Mit einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen bewaffnet setzten sie sich auf die Terrasse. Beppo hatte die Kinder mit zu Herta genommen. Wahrscheinlich wurden sie dort bereits gründlich abgefüttert. Wie wunderbar die beiden waren. Simon und sie konnten in aller Ruhe den morgigen Eröffnungstag noch einmal durchplanen, ohne dass Linda ein schlechtes Gewissen haben musste, weil sie ihre Kinder vernachlässigte. Die Brutpflege übernahm Herta ganz selbstverständlich. Das Leben könnte so schön sein…wenn Georg heute nicht aufgetaucht wäre.

Der Abend verlief so wunderschön harmonisch. Wie stolz die beiden auf ihren Sohn waren, der morgen seine Praxis in Heidetal eröffnete. Und wie glücklich sie sich darüber zeigten, dass Linda ihm so tatkräftig beistand. Über das zarte Band zwischen Linda und Simon wurde immer noch nicht gesprochen. Keiner wollte zu voreilig sein. Außerdem fraß die bevorstehende Praxiseröffnung auch alle Kräfte auf. Da hatte kaum etwas anderes Platz. Und das war ganz in Ordnung so.

Müde und vollgegessen machte sich Linda mit den Kindern nach Einbruch der Dunkelheit auf den Weg durch die Felder. Sie wollten noch eine Runde mit Ernie und Bert drehen, bevor sie alle zu Bett gingen. Die Kinder waren für morgen eingeteilt, die Häppchen, die Herta zubereitete, an die Gäste und Patienten zu verteilen. Natürlich würden Herta und Beppo auch kommen, um den großen Tag mitzuerleben.

Jonas und Klara hatten viel zu erzählen. In wenigen Wochen würden sie ihre neue Schule in Heidetal besuchen und sie waren doch schon sehr aufgeregt. Linda unterbrach ein wenig ihren Redefluss. „Sobald die Praxiseröffnung gut über die Bühne gebracht ist und alles halbwegs rund läuft, möchte ich gerne mit euch die Kisten von Onkel Hans durchsuchen, was wir da noch finden. Ich denke immer wieder darüber nach, aber dazu brauchen wir ein wenig Zeit. Was haltet ihr davon?“ Die Kinder fanden das natürlich großartig und Jonas schlug vor, dass er mit Klara ja auch schon vorsortieren könnte. Linda fand, dass dies eine gute Idee war und so nutzten sie den Rückweg um zu besprechen, wie das funktionieren könnte.

Die Praxiseröffnung verlief bombastisch. Nicht nur eine Menge Patienten strömten in die Praxis, auch der Bürgermeister und ein paar weitere Kommunalpolitiker erschienen, und wurden mit Hertas wunderbaren Häppchen gefüttert. Es war fabelhaft. Linda war ganz in ihrem Element. Mit ihren Kolleginnen verstand sie sich prächtig und Simon wurde gebührend gefeiert. Natürlich waren auch viele Leute von der Presse gekommen, um ein paar Schnappschüsse zu erstellen und Simon zwischen Tür und Angel ein paar Fragen zu stellen. Daher waren die Wartezeiten an diesem Tag nicht wirklich kurz, doch die Patienten waren zufrieden, wurden sie doch verpflegt und manch einer stellte sich auch gerne für die Zeitungsfotos zur Verfügung.

Spät am Abend verließen Linda und Simon die Praxis. Sie waren todmüde, aber überglücklich. Es war besser gelaufen, als sie sich auch nur erträumt hatten. Beppo und Herta hatten die Kinder schon lange mitgenommen, sodass Linda und Simon alles in Ruhe noch beenden konnten. Hand in Hand schlenderten sie zum Parkplatz. Doch plötzlich gefror ihnen das Blut in den Adern.


Was Linda und Simon entdeckt haben, erfährst Du morgen 🙂

Hier ist der Artikel zur kommenden Rauhnacht: Tag 11 der 13 heiligen Nächte

Und heute Abend sehen wir uns auf Youtube, wenn Du magst: Manou Gardner auf Youtube

Ich wünsche Dir einen schönen Dienstag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Lindas neues Leben 28

Hier kommt die Fortsetzung der Linda Geschichte. Auch heute Abend geht es wieder auf Youtube weiter mit der Rauhnacht-Begleitung. Heute wieder mit einer speziellen Meditation.


Schwer atmend stand Linda im Vorraum und merkte erst jetzt, wie groß ihre Wut auf Georg eigentlich war. Natürlich war sie nicht unschuldig daran gewesen, wie die Ehe verlaufen war. Aber Georg hatte sich über viele Jahre wie ein Despot benommen, das merkte sie erst jetzt, seit sie in ihrer Freiheit angekommen war.

Immer noch war kein Motorengeräusch zu hören.  In diesem Moment kamen die Kinder die Treppe herunter. „Habe ich gerade Papas Stimme gehört?“, fragte Jonas. Linda nickte und zeigte mit dem Kopf zur Tür. „Ja, da draußen steht er. Ich habe gesagt, er solle abhauen, aber ich höre ihn nicht wegfahren. „Ich gehe mal raus zu ihm“, sagte Jonas und Klara ging ebenfalls mit hinaus. Linda hörte gedämpft, wie die drei miteinander sprachen. Sie hoffte nur, dass die Kinder Georg nicht hereinbaten.

Aber sie kamen alleine zurück. Prüfend schaute Jonas seine Mutter an. „Er scheint tatsächlich ganz zerknirscht zu sein. Magst du wirklich nicht mit ihm sprechen? Ich verstehe, wenn du sauer bist. Ich bin auch sauer nach der Aktion bei den Großeltern. Aber er ist und bleibt eben unser Vater…“ Jonas` Blick hatte etwas Bittendes.

Linda atmete tief durch. Jonas hatte recht. Natürlich wäre es für alle einfacher, wenn sie ein halbwegs vernünftiges Verhältnis miteinander hätten. Vielleicht könnte sie ja über ihren Schatten springen. „Unter zwei Bedingungen. Er kommt nicht ins Haus und den Kaffee für ihn machst du“, sagte sie und lächelte ihren Sohn an.

Wenn es sein Wunsch war, würde sie ihm diesen erfüllen. Aber sie würde niemals Georgs abfällige Bemerkungen über ihr Haus ertragen und sie hatte nicht die geringste Lust ihn jemals wieder zu bedienen. Jonas antwortete: „Geht klar. Wo soll er sich hinsetzen?“ Linda überlegte. Unter dem Nussbaum wollte sie ihn nicht haben. Das war ihr Platz und den wollte sie nicht mit einer Erinnerung an Georg kontaminieren. Auf der Terrasse wollte sie ihn auch nicht haben, da konnte er in die Küche schauen.

„Ich hab`s!“ sagte sie. „Nimm zwei Terrassenstühle und stelle sie hinten neben die Scheune. Da sitze ich sonst nie. Da setze ich mich mit ihm hin.“ Sie sah, dass Jonas ihre Vorsicht etwas skeptisch betrachtete und vielleicht sogar für übertrieben hielt, aber sie wusste, dass es für sie wichtig war, klare Grenzen zu Georg zu ziehen. „Gut, dann stell mal die Stühle hin und ich komme dann“, sagte Linda. Wenige Minuten später machte sie sich auf den Weg zur Scheune, wo Georg schon etwas verloren auf einem der Terrassenstühle saß.

Der Boden war etwas uneben und er hatte Mühe den Stuhl in einer halbwegs stabilen Position zu halten. Linda setzte sich ebenfalls auf einen der Stühle und sah Georg unfreundlich an. „Na, du hast es ja mal wieder geschafft, deinen Kopf durchzusetzen. Mach es kurz. Also, was willst du hier?“, fragte sie und winkte Jonas zu, dass sie ebenfalls gerne einen Kaffee hätte.

Georg war sichtlich unbehaglich zumute. Nicht nur, dass er in so einer schwachen Position war, er erkannte auch, dass das Sitzen auf diesem wackligen Stuhl durchaus eine Machtgebärde von Linda war, die zwar ebenfalls nicht sicherer saß, durch das Landleben aber offenbar sehr viel besser damit umgehen konnte. Er, der nur teure Bürostühle gewohnt war, machte dabei die deutlich schlechtere Figur. Jonas kam und überreichte ihnen beiden einen Kaffee.

Georg versuchte trotz der Aufmerksamkeit, die er brauchte, um die Balance zu halten, die Kaffeetasse einigermaßen würdevoll an den Mund zu führen. Jonas hatte den Kaffee in zwei Henkelbecher gefüllt. Georg hingegen war gutes Porzellan und Untertasse gewohnt. Aber er machte keine Bemerkung darüber.

Nach dem ersten Schluck starrte er auf eine Stelle am Boden und setzte an: „Linda, wie gesagt, ich habe viel nachgedacht. Über unsere Ehe und wie wir als Familie gelebt haben. Ich bereue, dass ich mich oft wie ein Idiot benommen habe. Glaubst du, dass wir eine zweite Chance hätten?“ Linda spuckte beinahe ihren Kaffee aus. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“, fragte sie.

Georg schaute immer noch auf den Boden, dann hob er den Kopf. „Doch, Linda, es ist mein Ernst. Ich sehe meine Fehler ein und ich vermisse euch“, sagte er. „Glaubst du ernsthaft, ich würde jemals wieder hier weggehen?“, fragte Linda. Georg sah sich auf dem Hof um. „Ich glaube nicht, dass das hier das angemessene Leben für dich ist. Ich könnte dir so viel mehr bieten, als diesen…diesen alten Schuppen hier“, sagte er und Linda wusste in diesem Moment, dass Georg sich nicht geändert hatte.

„Jetzt sag ich dir mal was Georg. Wenn du nur das geringste bisschen Feingefühl hättest, würdest du bemerken, dass es mir und den Kindern hier so gut gefällt wie noch an keinem anderen Ort der Welt. Aber du denkst immer noch, dass man Prunk und Protz braucht, um im Leben glücklich zu sein.“

Georg versuchte immer noch das Gleichgewicht zu halten. „Linda, bitte versteh doch. Das Haus ist so leer ohne dich und die Kinder. Ich möchte nicht morgens aufwachen…“ Linda unterbrach ihn. „…und dir deinen Kaffee selbst kochen“, vollendete sie den Satz. Georg schaute sie nun an. „Hast du es wirklich so empfunden?

Dass es mir nur wichtig war, dass du mir das Frühstück gemacht hast?“, fragte er. „Nein, natürlich nicht. Es war dir nicht nur wichtig, dass ich dir das Frühstück machte, sondern auch deine Pausenbrote und das Abendessen. Und wehe, es war nicht so, wie es deine Mutter gemacht hätte…“ Linda brach ab, weil sie merkte, dass sie sich in Rage redete. Georg schwieg. Linda überlegte, wie sie das Gespräch nun beenden konnte.

In dem Moment sah sie, dass Beppo und Simon über die Felder gestapft kamen. Sie atmete auf. Verstärkung! Das konnte sie jetzt gut gebrauchen. Als die beiden nah genug waren, winkte sie ihnen zu. „Hallo Linda, wir wollten mal nach dem Rechten schauen, da wir sahen, dass du Besuch hast“, sagte Beppo mit einem Schmunzeln. Natürlich hatte er Georgs Wagen erkannt.

Linda wurde es ganz warm ums Herz. Es war so schön, dass sich jemand um sie kümmerte. Georg verzog das Gesicht. Nur zu gut erinnerte er sich an seine letzte Begegnung mit Beppo. Die beiden traten zu ihnen heran. „Ein lauschiges Plätzchen für einen Kaffee“, sagte Simon und Linda sah, dass er das Grinsen unterdrückte. Simon reichte Georg die Hand. „Doktor Simon Ludwig“, sagte er. Linda konnte sich ein Grinsen kaum verkneifen. Sie wusste nur zu gut, dass Simon seinen Titel normalweise nicht erwähnte. Aber da sie ihm erzählt hatte, dass Georg vor Titeln großen Respekt hatte, schien er die Gelegenheit gleich zu nutzen.

Georg stand auf. „Georg Hohenfeld“, sagte er steif. „Gut, dass wir uns mal anständig bekannt machen, sagte Beppo. Bisher war es ja immer etwas turbulent, wenn wir uns getroffen haben“, sagte er und reichte Georg ebenfalls die Hand, die dieser widerstrebend annahm. Kurz trat ein peinliches Schweigen ein.

Simon schaute Georg unverwandt an, was diesem ganz offensichtlich gar nicht gefiel. Nach der Begrüßung hatte er sich nicht mehr hingesetzt, denn einem Hünen wie Simon auf einem klapprigen Untergrund gegenüberzusitzen, während dieser stand, war das letzte, was er sich antun wollte. Und obwohl Georg stand, musste er zu Simon aufschauen. Linda genoss die Situation ganz im Gegensatz zu Georg.

Da keiner das Gespräch aufnahm räusperte sich Georg und sagte zu Linda: „Tja, ich fahre dann mal. Auch wenn unser Gespräch nicht besonders fruchtbar war.“ Linda nickte. „Okay, ich begleite dich zum Auto.“ Mit einem verschwörerischen Lächeln in Richtung Simon und Beppo deutete sie in Richtung Einfahrt und Georg machte sich tatsächlich auf den Weg zum Auto.

Als sie außer Hörweite waren, zischte er Linda kurz zu: „Du solltest ein wenig besser auf dich aufpassen. Nicht, dass du auch so tragisch endest wie deine Eltern und Hans Breitner.“ Linda schaute ihn verwirrt an. „Was meinst du damit?“, fragte sie ihn noch. Doch Georg hatte bereits die Autotür geöffnet und sein Gesichtsausdruck hatte sich merklich verändert. Mit einem widerlich sardonischen Grinsen schaute er sie nur an und zuckte die Schultern. „Wenn man nicht weiß, was gut für einen ist, nimmt man schnell mal ein rasches Ende“, sagte er nur noch und betätigte den Startknopf des Autos. Die Reifen drehten im trockenen Hof etwas durch, sodass Linda in eine Staubwolke gehüllt wurde. Sprachlos schaute sie Georgs Auto nach, als es die Einfahrt Richtung Wald verließ.

Hatte Georg ihr gerade gedroht? Und wieso hatte er ihre Eltern erwähnt. Lindas Stimmung war nun vollkommen gekippt. Simon kam ihr entgegen und sagte: „Linda! Was ist los? Du bist ja weiß wie eine Wand.“ Linda ergriff seine Hand und sagte: „Ich muss mich jetzt erst einmal setzen.“


Tja, wohin das jetzt wohl noch führt…..Du darfst gespannt sein 🙂

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Lindas neues Leben 27

Ich wünsche Dir ein wunderschönes Neues Jahr. Hier kommt die Fortsetzung der Linda-Geschichte, heute Abend kommt das erste Video im neuen Jahr und unten ist ein passender Artikel zur kommenden Rauhnacht verlinkt.


Als Linda nach vier Tagen wieder zurück auf dem Breitner Hof war, hatte sie das Gefühl, als käme sie aus den Flitterwochen zurück. Die Abende mit Simon in den Gassen von Venedig waren einfach traumhaft gewesen. Und obwohl sie sich nicht näher als zum Kuss gekommen waren, war es selbst für die Kinder deutlich sichtbar, dass die beiden nun als Paar durchs Leben gingen. Jonas und Klara grinsten sich oft genug vielsagend an. Alleine die vielen liebevollen und zärtlichen Gesten zwischen ihnen waren unübersehbar.

Und natürlich rochen auch Beppo und Herta den Braten und freuten sich riesig. Aber offiziell wurde noch nicht darüber gesprochen. Nicht einmal Simon und Linda selbst hatten bislang irgendwelche Pläne geschmiedet. Warum auch? Sie hatten alle Zeit der Welt. Nichts war eilig, außer Simons Praxis, die in der Zwischenzeit große Fortschritte gemacht hatte. Linda, Jonas und Klara waren nun vormittags alle drei in der Praxis und bauten Möbel auf und dekorierten. Nur noch eine Woche bis zur Eröffnung. Herta und Beppo betreuten Lindas Hof weiterhin, damit Linda den Kopf für die Praxis frei hatte.

Mittlerweile arbeiteten Linda und Simon sogar abends auf der Terrasse an der Lindas Einschulung. Da ging es um die verschiedenen Untersuchungen und die Räume, in denen sie stattfanden und um die Zeit, die es einzuplanen galt. Glücklicherweise hatten sie mittlerweile eine Kollegin für Linda gefunden, die sich mit der Kassenabrechnung auskannte, sodass Linda dies nicht auch noch lernen musste.

Die Zeit raste. In der letzten Woche vor der Eröffnung machte Linda bereits Telefondienst und nahm die Anmeldungen für die nächste Zeit an. Das Telefon wollte gar nicht aufhören zu läuten und ihr wurde langsam klar, dass so eine Praxis wahnsinnig anstrengend sein würde. Simon hatte nun auch noch die Wohnung hinter der Praxis dazu gemietet, sodass er unter der Woche gar nicht erst ins Dorf zu seinen Eltern fahren, sondern gleich in Heidetal übernachten würde. So hatte er es zumindest für die erste Zeit geplant. Er musste auch noch so viel lernen und sich in so viele Dinge einarbeiten, sodass er nicht mit Freizeit rechnete in der nächsten Zeit.

Linda freute sich auf die Zeit, in der sie sich wieder mehr ihrem Hof und vor allen Dingen auch den geheimnisvollen Zeichnungen von Hans Breitner widmen konnte. Immer wieder schielte sie auf den Karton, doch sie wusste, dass sie Zeit brauchen würde, um in diese Welt einzutauchen. Daher verschob sie es auf die Wochen nach der Praxiseröffnung.

Endlich war das letzte Wochenende vor der Eröffnung da. Den ganzen Samstag putzten und dekorierten Linda und Simon noch in der Praxis und packten unzählige Kisten mit Büromaterial aus, das Simon bestellt hatte. Zuletzt machten sie noch einmal einen Rundgang und waren ausgesprochen zufrieden mit ihrer Arbeit. Der Montag konnte kommen. Trotz ihrer Nervosität nahmen sie sich vor, den Sonntag zum Ausruhen zu nutzen.

Linda saß am Sonntagmorgen seit langer Zeit mal wieder auf ihrer Bank unter dem Nussbaum und sagte sich selbst, dass sie bald wieder in dieses behagliche Dasein zurückfinden wollte. Gerade hatte sie diesen Gedanken zu Ende gedacht, als sie ein Motorengeräusch hörte. Wer konnte das sein? War das etwas schon Simon? Sie schaute zur Auffahrt und erstarrte. Das war Georgs Wagen. Was wollte er hier?

„Hallo Linda“, rief er ihr schon beim Aussteigen zu und schien in versöhnlicher Stimmung zu sein. Linda zog die Augenbrauen hoch. „Georg, was machst du hier?“, fragte sie ohne jede Begeisterung in der Stimme.

Gespannt wartete Linda, ob die Beifahrertür aufging und die langbeinige Blondine ausstieg, aber scheinbar war er alleine gekommen. „Was willst du, Georg?“, wiederholte sie ihre Frage. „Jetzt sei doch nicht so unfreundlich. Ich wollte einfach mal vorbeischauen um mit euch zu plaudern. Insbesondere mit dir“, sagte er.

In Linda schrillten die Alarmglocken. Wenn Georg in scheinbar so absichtsloser Stimmung war, führte er immer etwas im Schilde. In seinem Leben gab es keine Absichtslosigkeit. „Komm schon Georg, rede nicht um den heißen Brei herum und sag, was du willst“, antwortete sie daher brüsk.

Ihre Stirn lag in Falten und sie war wütend. Wütend auf sich selbst, weil sie sich alleine durch das Auftauchen von Georg so aus ihrem neuen Leben gerissen fühlte. Und sie war wütend auf Georg, der ohne Anmeldung einfach hier auftauchte. „Sei doch nicht so böse, Linda“, wiederholte Georg zu allem Ärger auch noch und fuhr fort: „Wie wäre es, wenn du mir einen Kaffee anbieten würdest?“

Linda kniff die Lippen zusammen. Sie hatte nicht die geringste Lust Georg in ihr Haus zu lassen und schon gar nicht, ihm einen Kaffee zu kochen. Linda stand immer noch schweigend in der Auffahrt und ignorierte den aufdringlichen Wunsch nach Kaffee.

Georg stand etwas unschlüssig herum. Offenbar hatte er sich den Empfang nicht so frostig vorgestellt. „Können wir einfach normal miteinander sprechen, Linda?“, startete er noch einmal einen Versuch. „Das wäre seit langem das erste Mal und außerdem kommt es darauf an, worüber du sprechen willst. Ich erinnere mich noch an deine gemeinen Ausführungen vor Gericht und du und deine Eltern haben doch so eine schlechte Meinung von mir, dass ihr sogar die Kinder damit behelligen müsst. Außerdem hast du dich weder angemeldet noch gefragt, ob es mir recht ist, dass du einfach hier aufkreuzt“, sagte Linda und machte dabei ihrem Ärger Luft.

„Stimmt“, nickte Georg scheinbar zerknirscht. „Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten habe ich mich heute zu einem spontanen Entschluss hinreißen lassen. Tut mir leid. Aber ich habe so viel nachgedacht in der letzten Zeit und hatte einfach das Bedürfnis mit dir darüber zu sprechen.“

Lindas Miene hellte sich nicht im geringsten auf. „Ja, das kenne ich bereits. Deine Bedürfnisse stehen stets über den Bedürfnissen anderer Menschen. Daher hast du dich selbstverständlich auch nicht gefragt, ob ich wohl ebenfalls das Bedürfnis habe, dich zu sprechen. Und obwohl du nicht gefragt hast, werde ich dir die Antwort verraten: Nein, ich habe nicht das Bedürfnis mit dir über egal was zu sprechen. Ich möchte hier meine Ruhe haben und mich mit angenehmen Menschen umgeben und du gehörst da definitiv nicht dazu. Auch ich habe nachgedacht und mich gefragt, wieso ich deine ekelhafte Art mit mir umzuspringen eigentlich solange erduldet habe. Ich finde dafür keinen plausiblen Grund, lediglich den ausdrücklichen Wunsch, dass dies ein für alle Mal Geschichte ist.“

Linda hatte sich in Rage geredet. „Entschuldige bitte, Linda“ sagte Georg so kleinlaut, wie Linda ihn noch nie erlebt hatte. „Ich glaube, ich habe wirklich großen Mist gebaut und genau darüber möchte ich mit dir sprechen“, fügte er hinzu. Linda schnaubte. „Georg, für mich gibt’s da nichts mehr zu besprechen. Es ist glücklicherweise Vergangenheit und wie du diese nun bewältigst, überlasse ich ganz dir. Such dir einen guten Therapeuten oder mach sonst was. Aber behellige mich bitte nie mehr mit deinen Befindlichkeiten.“

Mit diesen Worten drehte sich Linda um und schloss die Tür. Sie hoffte, dass er ins Auto steigen würde und wieder wegfuhr. Aber leider hörte sie keinen Motor starten.#


Was Georg wirklich von Linda will, erfährst du morgen.

Hier ist ein Artikel über die Qualität des Neujahrstages aus dem letzten Jahr: Neujahr

Und heute Abend geht es auf Youtube weiter. Manou Gardner auf Youtube

Ich wünsche dir einen wunderschönen Neujahrstag.

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Lindas neues Leben 26

Heute erfährst Du, welche Überraschung Simon für Linda und die Kinder hat. Und außerdem findest Du unten wieder den Artikel zu kommenden Rauhnacht, der Silvesternacht, verlinkt. Und heute Abend geht`s weiter auf Youtube mit dem Rauhnacht-Special. Heute: Die magische Nacht des Jahreswechsels.

Simon ließ sie noch einen Moment zappeln, dann sagte er: „Wie wäre es, wenn wir für ein paar Tage einfach wegfahren. Meine Eltern würden sich sicher um die Tiere kümmern, und wir könnten alle einmal einen Tapetenwechsel brauchen. In der Praxis können wir die nächsten Tage nichts machen, weil die Handwerker sich gegenseitig auf die Füße treten und der Architekt das Ganze beaufsichtigt. Ich würde Venedig vorschlagen. Und ich würde euch drei gerne einladen.“ Dabei schaute er Jonas, Klara und Linda abwechselnd an. Linda war sprachlos. Sie schaute sich um. Konnte sie den Hof wirklich ein paar Tage alleine lassen. Doch als sie sah, wie Herta und Beppo begeistert nickten, stimmte sie zu. Die Kinder führten einen Freudentanz auf. „Ich war noch nie in Venedig und ich freue mich riesig“, rief Klara.

Schon am nächsten Morgen fuhren sie los. Herta und Beppo brauchten keine Einschulung, sie wussten genau, was zu tun war und freuten sich für die vier. Jonas und Klara waren ganz aufgekratzt. Das war ein toller Ferienbeginn. Allerdings waren sie nicht die einzigen Urlauber, die an diesem Tag Richtung Süden aufbrachen, doch es war ihnen egal. Sie hatten Zeit und würden einfach irgendwann ankommen.

Simon hatte ein wunderschönes kleines Hotel in Venedig gebucht. Jeder von ihnen hatte ein eigenes Zimmer. Und von ihren Zimmerfenstern aus sahen sie auf das Netz der Kanäle, die Venedig durchzogen. Nach der Ankunft waren sie so müde, dass sie nur noch ein klein wenig durch die Gassen bummelten und sich in einer kleinen Gaststätte ein hervorragendes Abendessen schmecken ließen.

Linda und Simon prosteten sich unentwegt zu und auch den Kindern fiel auf, dass die beiden sich offensichtlich nähergekommen waren. Daher schlug Jonas dann auch vor, dass er und Klara im Zimmer noch eine Runde Karten spielen könnten, während Simon und Linda noch einen Drink in der Hotelbar nahmen.

„Ich freue mich so sehr, dass du in mein Leben getreten bist“, sagte Simon, als er Linda erneut zuprostete. „Das kann ich dir genauso zurückgeben“, antwortete Linda und fühlte sich in Simons Gegenwart so verstanden und geborgen. So saßen sie eine Weile schweigend und hingen beide ihren Gedanken nach. „Sollen wir noch einen kleinen Spaziergang machen? Venedig bei Nacht?“, fragte Simon. Linda stimmte zu und schrieb eine kurze Nachricht an die Kinder. Die beiden hatten damit nicht das geringste Problem. Und so machten sie sich noch einmal auf und schlenderten zunächst nebeneinander und schweigend durch die malerische Stadt.

Nach einigen Minuten blieb Simon jedoch abrupt stehen. „Wenn ich es jetzt nicht tue, traue ich mich vielleicht nie“, sagte er und ergriff Lindas Hände. „Darf ich dich küssen“, fragte er und seine Stimme klang rauer als sonst. Lindas Herz pochte bis zum Hals. Dann gab sie nach und ließ sich in Simons Arme fallen und genoss den ersten Kuss seit sehr langer Zeit.

Es war an Kitsch kaum zu überbieten. Der erste Kuss in Venedig. Linda überlegte kurz, ob Simon das absichtlich so inszeniert hatte, aber sie ließ den Gedanken gleich wieder fallen. Die letzten Wochen waren einfach insgesamt nur kitschig gewesen, da passte dieser Showdown doch perfekt dazu. Doch eine Sache interessierte Linda brennend. „Gibt es derzeit keine Frau in deinem Leben?“, fragte sie Simon und hatte ein wenig Angst vor der Antwort. Simon strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lachte kurz auf. Linda war irritiert. „Was ist daran so lustig?“ „Nichts“, antwortete Simon. „Aber du hast noch Farbe in den Haaren“, sagte er grinsend.

„Okay, zurück zu deiner Frage. Es gibt schon seine sehr lange Zeit keine Frau in meinem Leben, weil meine letzte Beziehung so ein großer Reinfall war, dass ich mir eigentlich geschworen hatte, jetzt sehr lange Zeit Single zu bleiben. Du kannst es dir leicht machen, indem du dir Georg als Frau vorstellst. Deshalb habe ich dich damals, an unserem ersten Abend gefragt, wieso du das so lange mitgemacht hast. Auch ich habe sehr lange ausgehalten. Wir waren so gut wie verlobt. Aber es war nur so lange gut, solange ich alles gemacht habe, was sie oder ihre Eltern wollten. Außerdem haben sowohl sie, als auch ihre Eltern, meine Herkunft und somit meine Eltern, aufs Tiefste verachtet. Ich, der Sohn kleiner Bauersleute, war in ihren Augen niemals gut genug. Und es verging kaum ein Familientreffen, zu dem meine Eltern übrigens nie eingeladen wurden, bei dem nicht mehrmals spitze Bemerkungen fielen.“

Simon atmete tief durch. Die Erinnerung schien ihm zu schaffen zu machen. „Und weißt du, was das Schlimmste war? Ich selbst habe begonnen, mich wegen meiner Eltern zu schämen und sie zu verleugnen. Und ich habe sie damit schwer gekränkt, obwohl sie es nie gezeigt haben. Und dafür schäme ich mich noch heute. Meine Eltern sind die allerbesten Eltern, die man sich vorstellen kann. Aber als wir Abschlussfeier auf der Uni hatten, wir hatten zusammen studiert, kamen ihre Eltern mondän gestylt wie aus einem Hollywoodfilm und meine Eltern kamen…naja als Beppo und Herta…“ Sie hatten sich zwar für ihre Verhältnisse schick gemacht, aber unter all den anderen Eltern fielen sie auf. Und ich schämte mich wegen ihnen. Und das zerreißt mir heute noch das Herz.“

Simon schlug die Hände vors Gesicht. So sehr machte ihm die Erinnerung zu schaffen. Linda löste seine Hände vorsichtig und bedeckte sein Gesicht mit kleinen Küssen. „Ich kann dich so gut verstehen“, flüsterte sie und hielt ihn fest. Es gab jetzt nicht mehr zu sagen. Linda wusste, dass es schlussendlich gut war, dass Simon dieses Gefühl noch einmal hochkommen ließ. Vielleicht konnte er danach damit abschließen. Nach ein paar Minuten spürte sie, dass Simon leise weinte. Sie schlang wortlos ihre Arme um ihn und hielt ihn einfach fest. Und sie war glücklich darüber, dass er sich ihr in seiner Verletzlichkeit zeigte. Sie setzten sich einfach auf die Stufen eines Hauses und hielten sich in den Armen.

Noch lange saßen Linda und Simon in den Gassen von Venedig und erzählten sich aus ihrem Leben. Und da gab es erstaunlich viele Parallelen, nur mit dem großen Unterschied, dass Simons Eltern noch lebten. Und sie lernte diesen Hünen von einem Mann in dieser Nacht von einer ganz anderen Seite kennen. War Simon ihr bislang als unbeschwerter Pragmatiker erschienen, so erkannte sie in dieser Nacht erstmals, wie verletzlich und fragil auch er war. Und in diesen Simon verliebte sie sich hier, in den Gassen von Venedig. Auch diese Situation war zauberhaft und magisch und auch irgendwie unwirklich.

Die meisten Restaurants hatten schon lange geschlossen als sie sich auf den Weg zurück ins Hotel machten. Sie hielten sich wortlos an den Händen und wussten insgeheim, dass dieses Band, das heute Nacht entstanden war, so schnell niemand trennen konnte. Es war etwas Magisches geschehen. Vor dem Lift küssten sie sich noch einmal, bevor sie sich für den Rest der Nacht verabschiedeten.

Linda schwebte wie auf Wolken in ihr Zimmer. War es wirklich wahr? Hatte sie sich verliebt? Ein Gefühl, das sie glaubte, längst vergessen zu haben. Sie sah aus dem Fenster, hinunter auf die mystische Stadt und fühlte plötzlich in sich die Gewissheit, dass das Schicksal nun ihr Leben noch einmal völlig umkrempeln würde.

Wie gut, dass sie an diesem Abend noch nicht wusste, wie sehr ihr Leben sich noch verändern würde. An diesem Abend schlief sie einfach nur selig ein und freute sich auf den nächsten Tag mit Simon und den Kindern.


Hier ist der Artikel von letztem Jahr zu Silvester: Silverster – das neue Jahr begrüßen

Und heute Abend geht es hier auf Youtube weiter: Manou Gardner auf Youtube

Ich wünsche Dir einen wunderschönen letzten Tag im Jahr 2022

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Lindas neues Leben 25

Hier kommt, heute etwas verspätet, die Fortsetzung von Lindas Abenteuern auf dem Breitner-Hof. Auch heute verlinke ich unten einen Artikel zur kommenden Rauhnacht mit einer ausführlichen Anleitung für das Ausräuchern des Hauses. Und heute Abend geht es mir dem Rauhnacht-Video weiter. Ich wünsche Dir einen wunderschönen Freitag!


Die kommenden Tage waren herrlich. Linda und Simon arbeiteten in der Praxis und abends saßen sie auf ein Glas Wein auf der Terrasse und besprachen allerhand. Ab Montag würden die Kinder Ferien haben und somit gab es auch keinen morgendlichen Zeitdruck mehr. Ab dem nächsten Schuljahr würden sie in Heidetal das Gymnasium besuchen.

Linda und Simon sahen sich oft tief in die Augen, doch keiner der beiden unternahm einen weiteren Schritt zu mehr. Vielmehr genossen sie die neu entstandene Nähe ohne sie zu gefährden. Herta und Beppo sahen die vertiefte Beziehung von den beiden mit vor Glück strahlenden Augen. Linda wäre sicher die beste Schwiegertochter, die sie sich wünschen könnten. Aber noch war es nicht so weit.

Am nächsten Samstag holte Georg die Kinder am Vormittag ab. Er würde mit ihnen zu seinen Eltern fahren. Jonas und Klara waren nicht begeistert, aber sie spielten mit und Linda redete ihnen gut zu. Die Kinder starteten nur mit mäßiger Begeisterung in den Tag mit ihrem Vater. Linda war voll und ganz damit beschäftigt, ihr Zimmer in verschiedenen Türkistönen zu gestalten. Abwechselnd strich sie Wände und nähte zwischendurch Vorhänge um, damit sich die müden Arme wieder etwas erholen konnten.

Die Möbel hatte sie in den letzten Tagen bereits gestrichen und geölt, sodass sie diese dann später mit Jonas und Klara reintragen konnte. Simon war den ganzen Tag in der Praxis, denn es wurden die neuen Geräte geliefert und angeschlossen. Sie war gerade fertig geworden, als Georgs Auto den Weg entlangfuhr.

Doch er und die Kinder waren nicht allein. Offenbar wollte er ihr die platinblonde Schönheit sogar vorstellen. Linda sah an sich hinunter. Sie war von Kopf bis Fuß mit Farbe beschmiert. Die ausgetretenen Turnschuhe boten einen herrlichen Kontrast zu den roten High Heels der Platinblonden.

Georg musterte Linda mit unverhohlener Verachtung. „Na, du siehst ja aus wie ein Handwerker“, sagte er und rümpfte dabei die Nase. Linda beachtete die Bemerkung nicht. Die Kinder stiegen aus, gaben ihrem Vater und der Platinblonden die Hand und verschwanden schweigend im Haus. „Möchtest du uns nichts zu trinken anbieten?“, fragte Georg mit schnippischem Ton.

Linda schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, aber ich bin mitten in der Arbeit. Ich muss weitermachen, bevor die Farbe austrocknet.“ Sie hatte nicht die geringste Lust auch nur wenige Minuten mit Georg und seiner neuen Freundin zu verbringen. Georg nahm die Abfuhr zu Kenntnis und stellte ihr jetzt die Beifahrerin vor. „Das ist übrigens Victoria. Victoria hat mir über die schwere Zeit hinweggeholfen.“ Linda nickte in Richtung Victoria. „Prima. Ich muss jetzt aber wirklich weitermachen. Ich wünsche euch einen schönen Abend“, sagte sie und ging zurück ins Haus.

Das hatte sich Georg wohl etwas anders vorgestellt. Sicher wäre er gerne ins Haus gekommen, um ein paar abfällige Bemerkungen zu machen. Aber das gönnte sie ihm nicht. Georg und seine Begleitung stiegen wieder ins Auto und Linda machte sich auf die Suche nach ihren Kindern. Jonas fand sie in seinem Zimmer. „Na, wie war`s?“, fragte sie betont fröhlich.

„Mein Vater ist das größte Arschloch, das ich kenne“, sagte Jonas und Linda sah, dass er wirklich sauer war. „Warum, was ist passiert?“, fragte sie. In dem Moment kam auch Klara aus ihrem Zimmer. „Wollen wir uns zum Nussbaum setzen und ihr erzählt, wie es war?“, fragte sie. Die beiden nickten und holten sich noch etwas zu trinken aus der Küche. „Hast du ihn nicht hereingelassen?“, fragte Klara. „Nein, darauf hatte ich wirklich keine Lust“, sagte Linda. „Das war gut“, sagte Jonas. „Er hatte nämlich vor, seiner blöden Freundin zu zeigen, in welch heruntergekommenen Umständen wir jetzt leben“, ergänzte Jonas.

„Oh, wie nett“, sagte Linda nur und war froh, dass sie auf ihr Bauchgefühl gehört hatte. „Aber erzählt doch mal“, sagte sie und sah die beiden aufmunternd an. „Zuerst waren wir bei Oma und Opa“, begann Klara zu erzählen. „Dort haben sie alle nur auf dir herumgehackt und sich darüber lustig gemacht, dass wir jetzt in einer alten Hütte im Wald wohnen. Danach haben Oma und Opa gesagt, dass das nicht gut für unsere Zukunft sei und dass wir doch standesgemäß aufwachsen sollten, und bei einer Mutter, die sich jetzt endgültig als Herumtreiberin entpuppt, keine Chance auf eine gute Zukunft haben.“

Linda sah, dass Klara mit den Tränen kämpfte und schluckte. Sollten sie es geschafft haben, den Kindern einzureden, dass das Leben mit ihr nicht gut genug war? Doch Klara sprach schon weiter. „Und als ich widersprochen habe und sagte, dass du keine Herumtreiberin bist und wir nicht in einer Hütte, sondern auf einem Hof wohnen, hat Oma mir einen Klaps auf den Mund gegeben.“ Bei der Erinnerung an diese Demütigung schluchzte Klara laut auf. Jonas erzählte weiter. „Klara ist dann aufgesprungen und dabei sind einige Gläser umgefallen. Opa hat sie geschnappt und ist mit ihr in die Bibliothek gegangen und hat sie furchtbar ausgeschimpft. Ich bin hinterher und dann war plötzlich das totale Chaos im Gange. Alle haben durcheinandergeredet und Papa hat uns beide sehr grob zurück an den Tisch gezerrt. Wir haben weitergegessen und die neue Freundin von Papa hat dauernd über irgendwas gekichert, das er ihr ins Ohr geflüstert hat. Das war so albern!“ Jonas schnaubte vor Empörung.

Linda atmete tief durch. Genauso hatte sie sich das mit Georg und seinen Eltern vorgestellt. Sie war erleichtert, dass sie es offenbar nicht geschafft hatten, in den Kindern Verwirrung anzurichten, denn die beiden waren einfach nur stinksauer und sichtlich froh, wieder auf dem Hof zu sein. Sie hingen alle drei ihren Gedanken nach, als sie Simon, Herta und Beppo über die Felder stapfen sahen.

Simon schaute Linda von oben bis unten an und in seinen Augen lag alles andere als Verachtung. Linda konnte Zuneigung und Bewunderung sehen. „Du siehst wunderbar aus in deiner Malerkluft“, sagte er dabei auch schon und Herta und Beppo nickten fröhlich. Herta sah Klaras verweinte Augen und so erzählten die Kinder die ganze Geschichte noch einmal. Linda sah, wie sich Simons Augen zu Schlitzen verengten. Er schien sich mehr zu ärgern als sie sich selbst. Das fühlte sich wunderbar an. Und nun war wieder so ein Moment, an dem sie spürte, was Familie wirklich bedeutete. Diese drei Menschen, von deren Existenz sie vor wenigen Wochen noch nicht einmal etwas wussten, waren ihr mehr ans Herz gewachsen, als Georg und seine Eltern in zwanzig Jahren.

„Ich habe eine Idee“, sagte Simon und alle schaute gespannt zu ihm.


Hier ist der Artikel für die kommende Rauhnacht mit einer ausführlichen Anleitung für das Ausräuchern des Hauses: 7. Rauhnacht und Ausräuchern

Und hier bei Youtube geht es heute Abend weiter: Manou Gardner auf Youtube

Lindas neues Leben 24

Hier kommt Folge 24 aus Lindas neuem Leben. Auch heute verlinke ich wieder den Artikel zur kommenden Rauhnacht und wie gewohnt kommt heute Abend das Video zum Thema der Rauhnächte und der Vorbereitung auf das Neue Jahr.


Noch einmal ließ sie die letzten Monate Revue passieren. Vor noch nicht allzu langer Zeit war sie tagein, tagaus im Büro, das sie abgrundtief hasste. Zuhause der ewige Stress, Georgs Ansprüchen zu genügen und trotzdem ein wenig Zeit für sie selbst und für die Kinder zu finden. Alles drehte sich ständig im Kreis und im Inneren dieses Kreises stand Georg, der sie alle dirigierte. Und nun diese unendliche Freiheit. Alles war so sinnvoll. Ob es die Pflege des Hauses und der Tiere war, die Arbeit in Simons Praxis, die gemeinsamen Mahlzeiten mit Beppo und Herta…alles war das pure Leben.

Niemals hätte sie sich vorgestellt, dass sich so etwas jemals in ihrem Leben ereignen konnte – und schon gar nicht in dieser Geschwindigkeit. Und doch war seit heute etwas grundlegend anders. Da hatte sich etwas in ihre Idylle hineingeschlichen, von dem sie noch nicht wusste, ob das gut oder schlecht war. Aber sie wusste, dass es da jetzt kein Entrinnen gab. Sie musste sich dem stellen. Es gab keinesfalls die Option, das jetzt einfach alles rückgängig zu machen oder auf sich beruhen zu lassen. Sie war sich sicher, sie waren da in ein gewaltiges Abenteuer hineingeschlittert, das es zu erforschen galt.

Doch zunächst holte sie der Alltag wieder ein und sie beschloss, dass sie sich in den Schulferien der Kinder intensiv diesem Thema widmen wollte. Die Arbeiten in Simons Praxis ließen kaum Raum um über die seltsamen Vorkommnisse nachzudenken. Sie hatte alle Hände voll zu tun, die Handwerker zu koordinieren, Farben und Möbel auszusuchen und so weiter. Die Eröffnung stand schon kurz bevor.

Und dann passierte es: Eines Morgens kam Beppo in die Küche gerannt und rief: „Rasch, die Kühe haben gekalbt, alle drei auf einmal. Das muss heute Nacht passiert sein.“ Linda, Jonas und Klara liefen alle drei in Richtung der Weide. Und da standen sie alle drei mit ihren Kälbern und schleckten sie hingebungsvoll. Beppo warnte sie. „Geht nicht zu nahe hin. Die drei Mutterkühe sind es gewohnt, dass ihr Kälber weg geholt werden. Sie würden alles tun, um sie zu verteidigen. Daher setzten sie sich ganz ruhig ins Gras und schauten zu, wie die drei ihr Mutterglück genossen. Und tatsächlich schauten sie immer wieder misstrauisch zu ihnen hin. Da aber keiner Anstalten machte, sich der Weide zu nähern blieben sie halbwegs ruhig. Alle drei Kälber schienen gesund und munter zu sein. „Das ist ja selten, dass drei Kühe in der gleichen Nacht kalben“, sagte Beppo. „Aber sie haben es gut gemacht.“

Linda beschloss an diesem Tag, dass die Kinder nicht in die Schule gehen mussten. So etwas erlebt man nicht jeden Tag und die Ferien standen bereits vor der Tür. Es war nur noch eine Woche bis Schulschluss. Sie sollten ausgiebig Gelegenheit haben, die drei Damen zu beobachten.

Doch dies sollte nicht die letzte Überraschung des Tages werden. Als Linda aus der Praxis zurückkam war ein Brief vom Gericht in der Post. In zehn Tagen sollte die Verhandlung stattfinden. Georg beantragte das alleinige Sorgerecht. Und obwohl Linda wusste, dass es ziemlich unwahrscheinlich war, dass dem stattgegeben wurde, hatte sie einen dicken Kloß im Hals. Alles was mit Georg zu tun hatte, bedrohte ihre friedliche Welt.

Sie hatte sich die ganze Zeit immer wieder gewundert, dass es so ruhig geblieben war. Aber da sie ihn kannte, wusste sie, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm sein würde. Auch Simon schaffte es am Abend nicht, ihre Ängste zu zerstreuen, obwohl er ihr auf der Stelle eine gute Anwältin organisierte.

Die nächsten Tage waren für Linda wahnsinnig anstrengend. Sie versuchte, die friedliche Stimmung der letzten Wochen zu spüren, aber innerlich war sie vollkommen angespannt. Und somit war sie froh, als der Tag des Gerichtstermins endlich gekommen war. Sie hatte sich ausführlich mit ihrer Anwältin besprochen und mehr konnte sie nicht tun. Klara und Jonas hatten einen gesonderten Termin mit der Richterin bekommen und hatten ihre Aussagen bereits zu Protokoll gegeben. Und trotzdem schlug Lindas Herz bis zum Hals als sie den Gerichtssaal betrat.

Georg saß wie immer mit wichtiger und ernster Miene neben seinem Anwalt uns grinste sie widerlich süffisant an. In seinen Augen hatte er wohl bereits gewonnen. Obwohl Linda wusste, dass er bluffte, verkrampfte sich ihr Magen. Hatte er vielleicht doch noch einen Trumpf im Ärmel, den sie nicht kannte?

Die Richterin war sehr freundlich und Linda sah, dass sie Georgs Ausführungen über Lindas Unfähigkeit anwiderten. Georg zeigte sich während der ganzen Verhandlung von seiner unattraktivsten Seite. Linda hätte zumindest erwartet, dass er klug genug sei, sich vor Gericht zu verstellen. Aber offenbar war es ihm noch viel wichtiger, Linda in möglichst schlechtem Licht darzustellen.

Auch sein Anwalt schien davon nicht begeistert zu sein, denn er versuchte mehrmals, Georgs Redefluss zu unterbrechen. Doch Georg war in seinem Element. Er konnte es nicht einmal lassen, der Richterin zu erklären, dass ihm oftmals nichts Anderes übergeblieben war, als den Rat seiner Mutter einzuholen, da Linda in vielen Lebenslagen einfach unfähig gewesen war.

In diesem Moment verdrehte sogar die Richterin die Augen und sah Linda verschwörerisch an. Linda atmete auf. Georg war und blieb ein eitler, egozentrischer Gockel. Er hatte sich nicht einmal vor Gericht im Griff. Wahrscheinlich war das der Grund, warum die Richterin ihm kein Sorgerecht zusprach, sondern nur von Linda verlangte, dass sie sicherstellen musste, dass die Kinder mindestens zweiwöchig einen Tag mit ihrem Vater verbrachten. Sie begründete dies damit, dass die Kinder für Mitsprache alt genug waren und sich zuvor schon eindeutig für das Leben mit Linda ausgesprochen hatten.

Außerdem musste Georg den Höchstsatz für die Kinder bezahlen. Er nahm das Urteil Zähne knirschend zur Kenntnis. Seine Blicke in Richtung Linda waren voller Hass.

Als Linda das Gericht verließ, sah sie gerade noch, wie Georg von einer platinblonden Schönheit empfangen wurde. Er hatte also schon Ersatz gefunden. Linda merkte, dass nicht einmal ein Funke Eifersucht in ihr auftauchte. Die Platinblonde war riesig und sehr schlank. Jetzt hatte er endlich, was er immer an ihr vermisst hatte.

Sie hatte doch in der Zeit ihrer Ehe einige Pfund zugelegt. Interessanterweise waren diese überflüssigen Pfunde in den letzten Wochen nahezu völlig verschwunden, obwohl Linda sich stets ausgiebig über Hertas wunderbare und garantiert nicht kalorienarme Küche hergemacht hatte. Somit war auch dieses Kapitel ihres Lebens abgeschlossen.

Doch auch auf Linda wartete jemand vor dem Gerichtsgebäude. Als sie sich gerade von ihrer Anwältin herzlich verabschiedete, sah sie Simon mit einem riesigen Strauß Blumen auf der anderen Straßenseite. Freudig kam er auf sie zu. Linda war so erleichtert, dass sie ihm um den Hals fiel. Simon umfing sie zärtlich und drückte sie fest an sich.


Hier noch der Artikel zur kommenden Rauhnacht: Tag 6 der 13 heiligen Nächte

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Ich wünsche Dir einen wunderschönen Donnerstag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Lindas neues Leben 23

Hier kommt Teil 23 der Geschichte von Linda und ihren Kindern, die plötzlich in ein ganz neues und ungewöhnliches Leben katapultiert worden sind. Und heute Abend gibt es ein neues Video zu der Qualität der heutigen Rauhnacht. Unten gibt es wieder einen Artikel zur heutigen Rauhnacht.


Linda hatte bisher nur die Beete vor dem Haus in Ordnung gebracht. Im großen Garten hinter dem Haus hatte sie noch nicht einmal richtig angefangen. Nachdem sie die Kinder von der Schule abgeholt hatte, nahm sie wieder ein Blatt nach dem anderen aus dem Karton, den Jonas mittlerweile ins Wohnzimmer geschleppt hatte. Der Karton war voll mit solchen Zeichnungen und wahrscheinlich gab es davon noch mehrere. Sie hatten ja noch nicht einmal einen Bruchteil der Dinge von Hans Breitner gesichtet. Immer war eine Pflanze aufgezeichnet und so ein Fabelwesen dazu und es standen ein paar Sätze, die sich auf die Pflege der Pflanze bezogen, dabei.

Wenn nicht Beppo und auch Herta am Vormittag zugegeben hätten, dass sie solche Dinge auch schon gesehen hätten, wäre es jetzt ganz einfach, es damit abzutun, dass Hans Breitner wohl eine blühende Phantasie gehabt hatte und sich die Einsamkeit mit dem Zeichnen und Erfinden von Dingen vertrieben hätte und die Kinder gestern einer Halluzination aufgesessen waren.

Linda suchte nochmal die Zeichnung mit dem Zwerg, von dem die Kinder und Beppo behaupteten, ihn gesehen zu haben. Sie betrachtete ihn lange und Klara schaute über ihre Schulter. „Er hat das gut gezeichnet. Genauso habe ich ihn auch gesehen. Er stand einfach da und schaute mich an. Bei dem hat er auch gar nichts dazu geschrieben.“

Am späteren Abend kamen Beppo und Herta mit Simon auf einen Sprung vorbei. Auch ihnen ließ diese Sache keine Ruhe und sie fragten sich die ganze Zeit, was es damit auf sich hatte. Auch in Lindas Kopf kreisten die Gedanken. Immer mehr Erinnerungsfetzen kamen an die Oberfläche. „Ich muss in Ruhe darüber nachdenken“, sagte sie. „Ich habe das Gefühl, dass sich plötzlich einige Fragezeichen aufklären aber dafür viel mehr neue entstehen. Beppo und Herta nickten. Auch Simon erkannte den Wink mit dem Zaunpfahl und sie standen auf, um wieder nach Hause zu gehen. „Wenn du magst, besuche ich dich morgen zum Kaffee“, sagte er in Lindas Richtung.

„Das wäre schön“, sagte Linda etwas abwesend und begann die ganzen Zeichnungen, die über den Tisch verstreut lagen, wieder in den Karton zu stapeln. Linda stellte die Kiste entschlossen in ihr Arbeitszimmer und setzte sich auf die Terrasse hinter der Küche. Ihre Augen versuchten, die Dunkelheit zu durchdringen und im Garten die Plätze auszumachen, wo sich die Pflanzen befinden könnten, die auf den Bildern gezeichnet und mit Pflegeanleitungen versehen waren. Sie würde morgen einmal anfangen, den hinteren Garten zu sichten. Herta hatte ihr schon mehrmals vorgeschlagen, den Garten zu roden, aber Linda hatte immer abgelehnt. Irgendwas hatte sie bisher davon abgehalten, da einfach drauflos zu gärtnern.

Vielleicht hatte sie den Grund nun gefunden. Viele der gezeichneten Pflanzen sahen recht unscheinbar aus. Vielleicht hätte sie sie einfach ausgerissen, wenn sie die Zeichnungen nicht gefunden hätte. Was wohl in den anderen Kartons noch versteckt war? In Linda erwachte so etwas wie ein Forscherdrang. Obwohl sie sich auf das Ganze keinen Reim machen konnte, hatte sie das Gefühl, etwas Bedeutsamen auf der Spur zu sein.

Dieser Hans Breitner schien noch einiges an Überraschungen zu bieten. Das war richtig spannend. In diesem Moment kam Klara zu ihr auf die Terrasse und setzte sich schweigend an den Tisch. „Ist das nicht alles seltsam hier?“, fragte sie nach einer Weile zu Linda gewandt. „Das kannst du laut sagen“, erwiderte Linda und sah ihre Tochter dabei an. „Ich habe das Gefühl als wäre das alles ein Traum“, sagte Klara und schwieg danach wieder eine Weile. „Es ist doch verrückt.

Zuerst leben wir ein bürgerliches, ja spießiges, Leben in unserem Haus in der Stadt. Dann erbst du dieses Haus und die Ereignisse überschlagen sich plötzlich, sodass wir Hals über Kopf hierher ziehen. Alles fügt sich so, als wäre es vorherbestimmt. Auch deine Kündigung war ja so seltsam. Sogar die Hilfe von Beppo und dem ganzen Dorf als wir so überstürzt eingezogen sind, kommt mir jetzt irgendwie vorherbestimmt vor.

Und dann kommen all diese Tiere in Windeseile zu uns und alles bekommt so ein Tempo, dass wir kaum dazu kommen, unsere Gedanken zu sortieren. Und gerade als es beginnt ruhiger zu werden, öffnen wir diese Kiste und es tauchen wieder Fragen über Fragen auf…“ Linda nickte ihrer Tochter zu. „Das hätte ich nicht treffender zusammenfassen können. Genau das Gleiche ging mir vorhin auch durch den Kopf.

Es ist irgendwie alles wie verhext, oder besser gesagt, verzaubert.“ In diesem Moment betrat Jonas die Terrasse. Auch er setzte sich zuerst schweigend zu ihnen. „Ich weiß überhaupt nicht, was ich von dem allem halten soll. Das kommt mir so…kitschig…vor“, sagte er. „Und gleichzeitig finde ich es unglaublich spannend. Stellt euch mal vor, was Papa zu sowas sagen würde!“

Die drei brachen in Gelächter aus. „Ja, das wäre interessant. Vermutlich würde er dann noch rascher versuchen, das Haus loszuwerden“, sagte Linda. „Ich werde morgen auf jeden Fall mal den Garten absuchen und schauen, ob ich die Pflanzen finde, die Hans da gezeichnet hat“, fügte Linda hinzu. „Dürfen Jonas und ich die Kartons weiter durchschauen?“, fragte Klara aufgeregt. „Ja, wenn ihr Lust habt, gerne. Aber erst morgen nach der Schule. Ich muss auch zuerst einmal zu Simon in die Praxis“, antwortete Linda.

Lindas Blick fiel dabei in die hell erleuchtete Küche. „Ihr könnt mich gerne für verrückt erklären, aber ich weiß, dass ich als Kind sowohl schon in dieser, als auch in der Küche von Beppo und Herta gesessen habe. Ich weiß sogar, wo ich damals saß. Da war diese Eckbank schon da und ich saß da hinten“, sagte Linda und zeigte auf die Sitzgruppe der Küche. „Naja, das finde ich jetzt nicht so überraschend“, sagte Jonas. „Immerhin gehörte das Haus dem Onkel deiner Mutter. Wesentlich merkwürdiger ist aber, dass er dann in den nächsten Jahrzehnten offenbar nicht mal mehr erwähnt wurde“, fügte er hinzu.

Linda nickte. „Ja, nicht einmal in einem Nebensatz. Es wurde auch niemals eine abfällige Bemerkung über ihn gemacht. Einfach gar nichts – als hätte es ihn nicht gegeben. Und wenn ich nicht hierhergekommen wäre, würde ich mich sicher auch nicht mehr an die Besuche hier erinnern. Mittlerweile weiß ich, dass ich mehr als einmal hier war. Denn ich kann mich an verschiedene Jahreszeiten erinnern.“

Linda gähnte. „Ich bin müde. Ich glaube, ich gehe ins Bett. Hätten wir nicht noch einmal nach den Kühen schauen sollen?“, dachte Linda laut. „Wir können ja die Taschenlampen nehmen und uns vergewissern, dass es ihnen gut geht“, schlug Jonas vor. Kurz darauf machten sie sich, bewaffnet mit drei Taschenlampen, auf den Weg zur Kuhweide. Doch dort war alles in Ordnung. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern, bis die drei ihre Kälbchen gebären würden.

„Herrjeh, der Hühnerstall steht wahrscheinlich auch noch offen“, sagte Jonas. „So richtige Bauern sind wir noch nicht. Dafür vergessen wir noch viel zu viel…“ Gemeinsam schauten sie auch bei den Hühnern nach dem Rechten. Doch da war alles ruhig. Die Damen saßen auf ihren Stangen und machten hin und wieder verschlafene Geräusche. Leise schlossen sie die Stalltür und gingen ins Haus. Ernie und Bert standen Schwanz wedelnd im Vorraum. „Sollen wir mit den beiden noch eine Runde drehen?“, schlug Linda vor. Die Kinder stimmten zu und zu dritt machten sie sich mit den Hunden auf den Weg zum Waldrand.

Sie schauten sich um. Seit heute nahmen sie die Umgebung nochmal ganz anders wahr. Bis gestern war das eben ein Wald gewesen und Felder und Pflanzen. Aber seit gestern erschien ihnen alles hintergründiger und geheimnisvoller. In Jonas sträubte sich zwar noch alles, aber ein Teil von ihm fand es auch spannend und irgendwie spektakulär. Das war doch verrückt!

Schweigend drehten sie ihre Runden und insgeheim hielten sie alle Ausschau nach etwas Ungewöhnlichem. Aber alles blieb ganz normal. Der Wald war dunkel, aber irgendwie nicht bedrohlich und die Felder dufteten selbst in der Nacht nach Land und purem Leben.

Gemeinsam traten sie ins Haus ein, leinten die Hunde ab und jeder machte sich auf den Weg, sich für die Nacht vorzubereiten. Linda brühte sich noch einen Tee auf, und setzte sich entgegen ihrer ursprünglichen Absicht nochmal auf die Terrasse. Sie wollte noch eine Weile alleine sitzen.



Hier ist ein Artikel zur kommenden Rauhnacht: 5. Tag der 13 heiligen Nächte

Und heute Abend gibt es das Video hier: Manou Gardner auf Youtube

Ich wünsche Dir einen wunderschönen Mittwoch

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Lindas neues Leben 22

Hier kommt Teil 22 von „Lindas neues Leben“. Unten habe ich Artikel zu den Rauhnächten verlinkt und heute Abend kommt ein neues Rauhnacht-Video.

„Diese erste Kiste war voller Zeichnung auf denen kurze oder längere Texte standen. Das sind nur ein paar davon“, sagte Jonas und legte den Papierstapel auf den Tisch. Linda nahm eine nach der anderen in die Hand. „Das ist ja seltsam“, murmelte sie. „Das sieht ja doch so aus, als ob Onkel Hans vorgehabt hätte, ein Kinderbuch zu gestalten.

Etwas unschlüssig hielt sie die Zeichnungen in den Händen. Es waren lauter Fabelwesen auf den Zeichnungen: Zwerge, Elfen und andere seltsame Wesenheiten. Linda nahm ein Blatt nach dem anderen in die Hand. Bei einer Zeichnung stockte sie. „Der hier sieht fast so aus, wie der Kerl gestern Abend“, sagte Linda und begann die Texte zu lesen, die bei manchen Zeichnungen standen. Es schienen konkrete Anweisungen zu sein, wie man mit bestimmten Pflanzen verfahren sollte. Das klang schon deutlich weniger nach Kinderbuch. Linda konnte sich keinen Reim darauf machen, nahm sich aber vor, die Zeichnungen morgen gleich einmal Beppo und Herta zu zeigen. Gleich in der Früh als die beiden kamen, setzte sie ihren Plan in die Tat um.

Beppo und Herta waren auch ziemlich ratlos und nahmen ein Bild nach dem anderen in die Hand. „Allerdings haben wir keine Ahnung, was er da drüben den ganzen Tag gemacht hat“, sagte Herta. „Aber ich hätte niemals das Gefühl gehabt, dass er künstlerische Ambitionen hatte“, mischte sich Simon ins Gespräch ein, der sich inzwischen zu ihnen gesellt hatte. „Mir erschien er immer sehr einfach in seiner Art“, fügte er hinzu. „Das heißt ja nicht, dass er nicht insgeheim gemalt hat“, sagte Herta. „Was sind denn das für Zeichnungen?“, hakte Simon noch einmal ein. „Ach, irgendwelche Zeichnungen von Zwergen und Elfen und da stehen dann so kleine Texte dabei, als würde er irgendwelche Regeln aufgeschrieben haben“, erklärte Linda. Simon runzelte die Stirn. „Die würde ich gerne mal sehen“, sagte er.

Gemeinsam sichteten sie den Stapel Papier. Als die Zeichnung mit Typen vom vorigen Abend dran war, reagierte Beppo wieder etwas seltsam. „Was ist Beppo?“, fragte Linda, die die Reaktion bemerkt hatte. Beppo kratzte sich eine Weile am Kinn und wiegte den Kopf nachdenklich hin und her und sagte dann: „Ihr könnt mich jetzt für verrückt erklären, aber der sieht aus, wie der, den ich hier schon ein paar Mal gesehen habe. Ich habe mich damals auch daran erinnert, dass meine Großmutter mir von solchen Dingen erzählt hatte. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich selbst sowas mal sehen würde.“

Herta wurde immer nachdenklicher und hielt ein anderes Blatt mit einer Art Elfe in den Händen, die sich gerade an einer Blüte zu schaffen machte. „Tja, da kann ich vielleicht mithalten“, sagte sie. „Sowas habe ich schon ein paar Mal im Garten gesehen, aber es war immer in der Hitze und ich dachte, ich hätte sowas wie einen Sonnenstich und würde Dinge sehen, die es gar nicht gibt.“

„Na, da kommen ja schöne Dinge zum Vorschein“, sagte Simon. „Aber jetzt mal ehrlich, ihr glaubt das doch nicht wirklich?“, fügte er hinzu. „Tja, ich weiß nicht“, sagte Beppo. „Was ist mit dir, Linda“, fragte er. „Ich weiß es auch nicht. Mich überfordert das jetzt gerade etwas. Gerade dachte ich, jetzt würde langsam Ruhe und Normalität in unser Leben einkehren, und jetzt das…“

Nach diesen Worten Lindas hing für einen Moment jeder seinen Gedanken nach. Simon unterbrach als erstes die Stille. „Leute, ich mag und schätze euch alle. Aber als Naturwissenschaftler muss ich mich doch fragen, ob ihr da nicht einer Sinnestäuschung aufgesessen seid. Das kommt mir jetzt schon sehr seltsam vor. Was ist mit dir, Linda? Sagst du mir jetzt auch, dass du irgendwelche Fabelwesen gesehen hast?“, fragte er.

Linda schüttelte den Kopf. „Bei mir ist es ganz anders. Indem ich diese Bilder betrachte, kann ich mich plötzlich an etwas erinnern, das ich völlig vergessen hatte.“ Simon schaute sie aufmerksam an. „Und das wäre?“, fragte er neugierig. „Ich glaube, ich weiß jetzt, warum mir das hier alles so vertraut vorkommt. Ich war schon hier. Damals war ich klein, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Ich kann mich auch an dieses Haus hier erinnern. Wie lange seid ihr schon hier?“, fragte sie und schaute dabei Beppo und Herta an.

„Dieses Jahr sind es genau dreißig Jahre“, antwortete Herta. Linda überlegte. Ich bin siebenunddreißig und wenn ich damals fünf oder sechs war, könnte das doch sein. Wisst ihr, wer vor euch in diesem Haus gewohnt hat?“, fragte sie. Beppo und Herta sahen sich an. „Ja, das war ein sehr seltsamer Mann“, sagte Beppo. „Wir hatten immer ein wenig Angst vor ihm. Er war uns unheimlich“, fügte Herta hinzu.

Linda dachte scharf nach. Sie konnte sich an keinen Mann erinnern. Aber als sie vor einigen Wochen das erste Mal das Haus von Hans Breitner und dann später auch das Haus von Beppo und Herta betreten hatte, kam ihr das alles sehr vertraut vor. Daran erinnerte sie sich ganz genau. Aber sie konnte sich an keine Menschen erinnern. Nur die Häuser waren ihr vertraut. Wieder einmal bedauerte Linda von Herzen, dass ihre Eltern nicht mehr lebten. Wie einfach wäre es jetzt, wenn sie ihre Mutter anrufen und sie fragen könnte.

„Das kommt mir jetzt alles irgendwie surreal vor“, sagte Linda. Fast bereute sie, die Zeichnungen heute gesichtet zu haben. Gerade hatte ihr Leben begonnen, so beschaulich zu werden, wie sie es gewünscht hatte. Und jetzt fühlte es sich an als hätte sie die Büchse der Pandora geöffnet.

Simon fühlte sich ebenfalls sichtlich unbehaglich. In seiner Welt hatte so etwas keinen Platz. Doch er spürte sehr wohl, dass sich gerade etwas verändert hatte und dass es vermutlich kein Zurück geben würde, bevor diese Sache nicht aufgeklärt war. Er war sich auch nicht ganz sicher, ob er jetzt am Verstand seiner Eltern zweifeln sollte. Waren sie doch immer diejenigen gewesen, die mit ihrem Pragmatismus das Leben für ihn so angenehm wie möglich gemacht hatten.

Jetzt gab es eine seltsame Reihe von Wahrnehmungen, die ihm Unbehagen bereitete. Etwas hilflos kratzte er sich am Kinn. Am liebsten würde er jetzt in seine Praxis fahren, in der alles normal und gut zu verstehen war. Er mochte solche Situationen nicht. Beppo nahm die Zeichnungen wieder heraus und begann die Texte die zu lesen, die Hans Breitner offensichtlich in seiner schönsten Schönschrift dazu geschrieben hatte.

Er las einen davon vor: „Niemals sollst du meine Schützlinge vor Einbruch der Dunkelheit gießen. Sie mögen es nicht, nass zu werden, solange die Sonne ihre Blätter und Blüten berührt. Gieße sie erst, wenn die Dämmerung eintritt. Nur so können sie ihre Wirkstoffe entfalten. Nicht umsonst heißt diese Gattung Nachtschattengewächs.“ Daneben war eine Zeichnung mit einer ihm unbekannten Pflanze und einer Art Elfe dabei. „Kennst du diese Pflanze?“, fragte er Herta und schob ihr das Blatt hinüber.

Herta schaute sich die Zeichnung eine Zeit lang an. „Ja, ich glaube, das ist ein Stechapfel“, sagte sie. „Aber ich bin mir nicht sicher.“ Linda schaute die Pflanze an und griff zum Smartphone und gab den Begriff „Stechapfel“ in die Suchmaschine ein. Sofort kamen eine Menge Bilder, die der Pflanze durchaus ähnelten, die Hans Breitner gezeichnet hatte. „Ja, das ist ein Stechapfel“, sagte Linda und dachte nach, wo im Garten er sich befinden könnte.

Sie hatten bisher nur die Beete vor dem Haus in Ordnung gebracht. Im großen Garten hinter dem Haus hatte sie noch nicht einmal richtig angefangen. Sie nahmen nun ein Blatt nach dem anderen aus dem Karton. Immer war eine Pflanze aufgezeichnet und so ein Fabelwesen dazu und es standen ein paar Sätze, die sich auf die Pflege der Pflanze bezogen, dabei.

Wenn nicht Beppo und auch Herta gerade zugegeben hätten, dass sie solche Dinge auch schon gesehen hätten, wäre es jetzt ganz einfach, es damit abzutun, dass Hans Breitner wohl eine blühende Phantasie gehabt hatte und sich die Einsamkeit mit dem Zeichnen und Erfinden von Dingen vertrieben hätte und die Kinder gestern einer Halluzination aufgesessen waren.


Hier ist ein Artikel zur vierten, also der kommenden, Rauhnacht der 13 heiligen Nächte: 4. der 13 heiligen Nächte

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Ich wünsche Euch einen wunderschönen Dienstag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Lindas neues Leben 21

Und das ist die Fortsetzung der Linda-Geschichte. Heute Abend gibt es ein Video, in dem wir speziell Kontakt zu Deinen Ahnen und Liebsten in der geistigen Welt aufnehmen. Unten verlinke ich einen Artikel zum heutigen Tag und den Rauhnächten. Ich wünsche Dir einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag!

Am nächsten Morgen kam Herta schon in aller Frühe. Simon hatte ihr erzählt, dass er Linda heute in der Praxis brauchte. „Fahr nur, Kindchen. Ich kümmere mich hier um alles“, sagte sie fröhlich wie immer.

Linda nahm dankbar zur Kenntnis, dass es wunderbar war, wenn jemand so mitdachte wie Herta. Und das Ganze war ja auch schon alleine deshalb so großartig, weil Herta sich mit den meisten Dingen, die zu erledigen waren, deutlich besser auskannte als Linda. Sie konnte ihr und Beppo den Hof unbesorgt überlassen, während sie die Kinder in die Schule brachte und sich anschließend auf den Weg in Simons Praxis machte.

Als sie ankam, war Simon schon mit dem Architekten zugange und freute sich aufrichtig, als Linda sich zu ihnen gesellte. „Linda magst du dir das mal anschauen?“, sagte Simon und deutete auf die ersten Skizzen, die der Architekt erstellt hatte. Rasch waren die beiden in einem intensiven Gespräch und Simon widmete sich den medizinischen und technischen Entscheidungen, die es alle noch zu treffen galt.

Gemeinsam mit dem Architekten beschloss Linda, dass sie in der Praxis ein freundliches Farbkonzept einbringen wollten, damit die Menschen wussten, wo die einzelnen Untersuchungsräume waren. Und statt einem großen Wartezimmer in dem sich die Patienten drängten, wollten sie einzelne Wartezonen vor den Untersuchungsräumen einrichten. Dann wirkte es auf die Patienten auch nicht so erschreckend, wenn so viele Menschen im Wartezimmer waren.

Nur hin und wieder schaute Simon vorbei. Er hatte diese Aufgabe offensichtlich ganz an Linda und den Architekten abgetreten und diese beiden verstanden sich großartig. Bis Mittag waren die wichtigsten Punkte entschieden. Der Architekt konnte nun den Plan zeichnen und die ersten Handwerker konnten schon kommen.

Kurz nach Mittag war Linda wieder auf dem Hof. Herta hatte bereits den Quark zum Abtropfen und große Tücher geschüttet und die erste Butter gerührt. Außerdem hatte Beppo die Speisekammer entrümpelt, sodass Linda sie auch benutzen konnte. Beppo hatte auch schon vorsichtig etwas von dem Wildwuchs im Garten entfernt. So langsam wirkte das alles wunderbar bewohnt. Die Hühner hatten wider Erwarten alle überlebt und die Kühe freuten sich ihres Lebens. Ernie und Bert lagen träge im Garten und die Katzen spielten noch laut polternd in Klaras Zimmer.

Heute Nachmittag würde noch die freundliche Dame aus dem Tierheim vorbeischauen und Herta hatte bereits einen Hefeteig vorbereitet, sodass Linda auch etwas zum anbieten hatte. Hach, wie konnte das Leben so friedlich sein!

Beppo kam herein und schaute sich fragend um. „Gibt es irgendwas zum Essen?“ Herta lachte. „Beppo ist wie ein Baby, alle vier Stunden muss er gefüttert werden, sonst läuft er unrund“, sagte sie. „Natürlich! Hier habe ich ein paar Brote vorbereitet. Wir können uns ja auf die Terrasse setzen und gemeinsam einen Happen essen.“ Linda war froh über die Unterbrechung. Auch ihr hing der Magen bereits bis in die Knie.

Als sie den Tisch auf der Terrasse deckten, fiel Linda wieder die Zeichnung in die Hände. Als sie alle drei um den Tisch herumsaßen legte sie die Zeichnung auf den Tisch. „Gestern ist etwas Seltsames geschehen…“ begann sie und wollte gerade die ganze Geschichte erzählen, als sie sah, dass Beppo ganz blass wurde. Er starrte auf die Zeichnung, als hätte er gerade ein Gespenst gesehen. Auch Herta bemerkte die Veränderung bei Beppo. „Was ist los, Beppo?“, fragte Linda und schaute ihn unverwandt an. Beppo schluckte. „Wie kommst du zu dieser Zeichnung?“, fragte er zurück. „Das wollte ich ja gerade erzählen, ich habe die gestern angefertigt, nachdem Jonas und Klara ganz aufgeregt vom Hundespaziergang zurück kamen und meinten, diesen Mann gesehen zu haben.“

Herta schaute ihren Beppo nachdenklich an. „Ist das der, den du vor Jahren auch gesehen hast?“, fragte sie ihn. Beppo nickte langsam. „Ja, dreimal habe ich diesen Mann, oder was auch immer es ist, hier gesehen. Er leuchtete ein wenig aus sich heraus und um ihn herum tanzten Lichter. Ich hatte damals schon Angst, dass ich jetzt verrückt werde.“ Linda saß mit offenem Mund am Tisch. Also war es weder ein Streich der Kinder noch Einbildung. Dieser Mann schien sich immer wieder hier zu zeigen. „Wann hast du ihn gesehen, Beppo?“, fragte Linda.

Beppo dachte nach. „Das ist schon lange her. Ich habe es damals dem Breitner Hans erzählt, aber der wollte nichts davon wissen. Obwohl ich das Gefühl hatte, dass er mir etwas verschwieg. Aber er wischte das immer wieder zur Seite, wenn ich darüber reden wollte. Auch Herta dachte damals, dass ihr alter Beppo langsam den Verstand verliert. Und jetzt haben ihn die Kinder gesehen?“, fragte Beppo noch und kratzte sich am Kinn.

„Ja, jetzt haben ihn die Kinder gesehen und ich kann mir überhaupt keinen Reim darauf machen, wer oder was das sein soll.“ Beppo schaute nachdenklich in seinen Kaffee. „Es gingen ja viele Gerüchte herum, was der Breitner Hans hier so machte. Und immer wieder wurde auch darüber gesprochen, dass er so unheimliche Dinge tat, und mit allen möglichen Dingen sprach. Ich selbst habe davon nicht so viel mitbekommen, aber er wollte oftmals nicht gestört werden. Und ich war mir auch nie sicher, womit er eigentlich beschäftigt war.“

Linda hörte Beppo fasziniert zu. „Vielleicht wäre es ganz aufschlussreich, wenn ich mal seine ganzen Kisten durchstöbere. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich, als ich ganz schnell seine Sachen zusammenraffte, um sie in die Scheune zu bringen, allerhand solche Zeichnungen gesehen. Kurz hatte ich mir damals überlegt, ob er wohl an einem Kinderbuch gearbeitet hat. Aber dann habe ich es auch schon wieder vergessen.“ Beppo und Herta lachten beide laut auf. „Dass der Hans an einem Kinderbuch gearbeitet hat, können wir ziemlich ausschließen. Dazu war er nicht der Typ. Aber du hast vermutlich recht. Wahrscheinlich solltest du dir wirklich irgendwann die Zeit nehmen, und seine Dinge durchschauen. Wer weiß, was da noch alles auftaucht“, sagte Beppo.

Herta schwieg bei dieser Unterhaltung mehr, als sie es sonst tat. „Was denkst du darüber, Herta“, fragte Linda. Herta zuckte mit den Schultern. „Ich kann mir keinen Reim darauf machen. Aber der Breitner Hans war schon ein seltsamer Mensch und die Gerüchte um ihn wollten einfach nie verstummen. Ich dachte mir, dass die Leute halt Geschichten erfinden, weil er so komisch und zurückgezogen war. Aber vielleicht steckte da ja doch viel mehr dahinter.“

Sie stand auf und begann den Tisch abzuräumen. Linda schaute auf die Uhr. „Ich muss los, die Kinder abholen. Brauchen wir irgendwas, das ich aus der Stadt mitbringen könnte?“ Beppo und Herta schüttelten den Kopf. Nein, soweit ich das überblicken kann, ist alles zur Genüge vorhanden“, sagte Herta.

Am Abend kam Simon wieder auf ein Glas Wein und Linda erzählte ihm von der Unterhaltung. Jonas hatte sich in die Scheune verzogen und hatte damit begonnen, die Kisten zu sortieren. Klara half ihm dabei. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kamen die Kinder mit Stapeln von Papier angerannt.


Hier ist ein Artikel zum zweiten Weihnachtsfeiertag: 2. Weihnachtsfeiertag

Und heute Abend geht es auf Youtube weiter. Heute mit dem Kontakt zu den Liebsten in der geistigen Welt. Hier geht`s zum Youtube Kanal: Manou Gardner auf Youtube

Ich wünsche einen wunderschönen zweiten Weihnachtsfeiertag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Lindas neues Leben 20

Heute erfährst du was Jonas und Klara gestern draußen gesehen haben. Und außerdem kommt heute Abend wieder ein Video zum Thema der Rauhnächte und dem Kontakt mit der geistigen Welt. Heute Abend geht es darum, mit der Inspiration der geistigen Welt. die ersten Schritte zu setzen, um das hinter dir zu lassen, was du im Jahr 2023 nicht mehr brauchst. Unten verlinke ich noch einen Artikel zum ersten Weihnachtsfeiertag.

Linda und Simon sprangen erschrocken auf. Die Kinder wirkten völlig aufgelöst und rannten voraus. Jonas und Klara liefen in Richtung Schuppen und der Bank unter dem Nussbaum und Linda und Simon folgten ihnen. Plötzlich blieben sie stehen. „Jetzt ist er weg“, sagte Jonas und Linda spürte noch die Aufregung in seiner Stimme. „Wer ist weg?“, fragte sie daher schnell und insgeheim dachte sie an Georg. Doch der hätte die Kinder ja nicht so sehr erschreckt. „Da stand ein alter Mann“, sagte Klara. „Und um ihn herum tanzten eine Menge Lichter“, ergänzte Jonas immer noch atemlos.

Linda sah Simon an. Konnte das Beppo gewesen sein? Jonas schien ihre Gedanken zu erraten. „Es war nicht Beppo, aber er war auch klein, noch kleiner als Beppo sogar. Er trug einen Hut oder eine Mütze und schaute uns die ganze Zeit an. Ab und zu hob er seine Hand und ließ eines der Lichter auf seiner Hand landen. Dabei lächelte er,“ sagte Jonas. Linda war verwirrt. „Und du hast das auch gesehen, Klara?“, fragte sie daher und hoffte insgeheim, dass Jonas sich geirrt hatte. Klara nickte aufgeregt mit dem Kopf. Ja, ganz genau das habe ich auch gesehen. „Wie hat eigentlich Onkel Hans ausgesehen?“, fragte Klara plötzlich. Linda schaute Simon an. Doch der schüttelte den Kopf. „Der Breitner Hans war gut einen Kopf größer als mein Vater. Der kann es nicht gewesen sein. Und das wäre auch etwas seltsam, da er ja gestorben ist.“ Simon sagte dies so trocken, dass Linda lachen musste. Für einen kurzen Moment hätte sie alles für möglich gehalten.

„Da hat sich sicher jemand einen Streich ausgedacht. Vielleicht war es ein verkleidetes Kind, das euch erschrecken wollte“, sagte sie daher. Aber das schien weder Jonas noch Klara zu beruhigen. „Mama! Das würde aber noch nicht die Sache mit den Lichtern erklären. Und auch wenn es sehr unglaubwürdig klingt, ich bin mir sicher, dass das kein verkleidetes Kind war. Ich würde sogar sagen, dass ich mir sehr sicher bin, dass es kein Mensch war. Er wirkte so… ich kann es gar nicht richtig erklären. Er selbst hat auch wie aus sich heraus geleuchtet. Deshalb konnten wir ihn ja so gut sehen.“

Linda kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Und hat er auf euch bedrohlich gewirkt?“, fragte sie. Die Kinder schüttelten beide den Kopf. „Nein, bedrohlich wirkte er überhaupt nicht. Es war mehr, als wollte er uns begrüßen. Aber wir sind trotzdem erschrocken, weil plötzlich jemand hier stand.“

Linda ging einen Schritt weiter auf die Scheune zu. „Wo genau ist er gestanden?“, fragte sie und sah sich den Boden an, als könne sie dort noch Spuren dieses seltsamen Mannes finden. „Ziemlich genau da, wo du jetzt stehst.“ Linda schaute sich genau um. Doch es war auch viel zu dunkel, um irgendetwas zu erkennen. Irritiert drehte sie sich noch ein paar Mal im Kreis und schaute in alle Richtungen. Dann beschloss sie, dass sie das Rätsel heute wohl nicht mehr lösen würden.

„Kommt mit ins Haus, Kinder. Ich möchte, dass ihr mir den Mann noch ein wenig besser beschreibt. Klara und Jonas schauten noch ein paar Mal zu der Stelle, gingen dann aber mit hinein. Gemeinsam setzten sie sich auf die Terrasse. Linda holte Stift und Block und begann eine Skizze anzufertigen. „War er dick oder dünn? Habt ihr Haare gesehen? Welche Kleidung trug er?“ Die Kinder konnten sich sogar sehr gut an Details erinnern und waren sich in allen Punkten einig. Und so entstand in kurzer Zeit eine Skizze eines seltsam aussehenden Mannes in Arbeitskleidung und einer Mütze auf dem Kopf. Laut der Beschreibung der Kinder hatte er sogar ein ausgesprochen freundliches Gesicht.

Linda legte die Skizze auf den Tisch und betrachtete sie nachdenklich. „Das ist schon sehr seltsam. Wir werden morgen Beppo und Herta befragen, ob sie so jemandem kennen. Aber jetzt ist höchste Zeit, ins Bett zu gehen. Ihr habt morgen Schule.“

Etwas widerstrebend machten sich die beiden auf den Weg in ihre Zimmer. Linda sah Simon fragend an. „Kannst du dir darauf einen Reim machen?“ Simon schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe keine Ahnung, wer das sein könnte. Kann es sein, dass die Kinder uns einen Streich spielen?“, fragte er Linda. Doch diese schüttelte den Kopf. „Nein, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wieso sollten sie das tun? Und so gute Schauspieler sind sie gar nicht. Sie waren wirklich ganz außer sich vor Aufregung.“ Noch ein paar Mal zog sie das Blatt zu sich heran, dann schob sie es endgültig weg.

Simon stand auf. „Ich muss jetzt leider auch gehen. Ich bin todmüde und morgen wird wieder ein anstrengender Tag. Der Architekt kommt morgen, wegen dem Praxisumbau. Magst du dabei sein?“ Linda bejahte. „Natürlich! Das fällt ja direkt in meinen Aufgabenbereich. Ich fahre die Kinder zur Schule und komme dann direkt zur Praxis.“ Simon stimmte zu. „Ja, das ist gut. Ich werde nämlich schon sehr früh dort sein und alles vorbereiten. Wir treffen uns dann in der Praxis.“

Bevor er zur Tür ging, schaute er Linda noch einen Moment ernst an. Lindas Herz begann heftig zu pochen.
Schon so lange hatte kein Mann sie mehr so angesehen. Doch dann schien Simon es sich anders zu überlegen und drehte sich zur Tür. „Gute Nacht, Linda und danke für alles!“ Linda sah ihn erstaunt an. „Wenn hier irgendwer Grund hat, sich zu bedanken, bin ich das. Danke dir, Simon.“

Gemeinsam traten sie vor die Tür und schauten noch einmal in Richtung Schuppen. Aber da war niemand. Linda sah Simon noch einen Augenblick nach, wie er über die Felder zum Haus seiner Eltern schritt. Zum ersten Mal fragte sich Linda nach seinem Privatleben. Er hatte noch nie eine Frau oder eine Freundin erwähnt. Doch konnte so ein attraktiver Mann noch Single sein? Sie würde Herta einmal unauffällig danach fragen.

Mittlerweile war Simon in der Dunkelheit verschwunden und Linda ging zurück ins Haus. Wie behaglich dieses alte Bauernhaus war und wie dankbar sie war, dass sie hier leben durfte. Trotz des seltsamen Vorkommnisses am Abend fühlte sie sich hier sicher und geborgen. Innerlich friedvoll und erfüllt räumte sie die Gläser von der Terrasse in die Küche und stellte sie in die Spüle. Dann schloss sie die Terrassentür und setzte sich mit der Zeichnung noch einmal in die Küche. Schon beim Aufzeichnen war ihr irgendetwas an dieser Gestalt bekannt vorgekommen. Vielleicht hatte Simon ja recht und die Kinder hatten ihr einen Streich gespielt und dies war eine Figur aus einem Buch oder einem Film?

Linda wusste, dass sie heute nicht mehr viel darüber erfahren würde. Sie würde die Kinder am Morgen noch einmal zur Brust nehmen. Falls es ein Streich gewesen war, war er gut gelungen. Das musste sie ihnen lassen. Mittlerweile überkam auch sie eine bleierne Müdigkeit und sie beschloss ebenfalls schlafen zu gehen. Mittlerweile war der frühe Morgen ja doch recht aktiv, da sie mit den Hunden rausgehen mussten, die Katzen wollten versorgt sein, die Eier mussten gesucht werden und zumindest ein kurzer Abstecher zu den Kühen war notwendig.

Linda überlegte kurz, ob es möglich war, die Hunde solange alleine zu lassen, bis sie aus der Praxis zurück war. Aber ein Blick auf die beiden schlafenden Hunde sagte ihr, dass dies problemlos möglich sein sollte. Dies war offenbar ein Vorteil älterer Hunde. Hätten sie sich Welpen ausgewählt, wäre sicher alles viel schwieriger. Liebevoll tätschelte sie die Köpfe von Ernie und Bert. Doch die beiden öffneten nur kurz schläfrig die Augen. Linda kam es vor, als ob die beiden sich auch erst einmal von der anstrengenden Zeit im Tierheim erholen mussten. Sie war froh, dass sie sich für diese Hunde entschieden hatten. Nach einem kurzen Abstecher ins Bad wankte sie bereits todmüde in ihr Schlafzimmer und bevor sie in einen tiefen traumlosen Schlaf versank, nahm  sie sich vor, der mysteriösen Sache morgen auf den Grund zu gehen.


Hier ist noch ein Artikel zum ersten Weihnachtsfeiertag: Erster Weihnachtsfeiertag

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Ich wünsche Dir einen wunderschönen ersten Weihnachtsfeiertag

Manou

Lindas neues Leben 19

Hier kommt Teil 19 der Linda-Geschichte. Heute Abend geht es weiter mit der Video-Reihe und der Wahrnehmung der geistigen Welt über die Rauhnächte. Unten habe ich einen Artikel zum Heiligen Abend verlinkt. Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen Heiligen Abend.

Linda beugte sich auch zu den beiden hinunter. Sie hatten beide sehr traurige Augen. Wahrscheinlich vermissten sie ihr Herrchen schrecklich. „Dürfen wir die beiden herausholen? Gibt es die Möglichkeit, dass wir mit ihnen einen kleinen Spaziergang machen?“, fragte Linda. „Ja, sie müssen sich ja kennenlernen. Ich hole rasch zwei Brustgeschirre und Leinen. Soll ich auf dem Weg ihrer Tochter Bescheid sagen?“ „Ja, das wäre sehr nett“, sagte Linda.

Die Pflegerin kam mit Leinen und Klara zurück. Gemeinsam gingen sie auf einen Platz neben den Gehegen. Die beiden hatten sich ohne Probleme anleinen lassen und schienen den unverhofften Ausflug zu genießen. Jonas kniete sich auf den Boden und wartete geduldig, dass die beiden sich zu ihm gesellten und ihn ausgiebig beschnupperten. „Ich denke, ich würde die beiden nehmen“, sagte er. „Ich möchte gar nicht mehr nach anderen Hunden schauen, das macht es sonst nur noch viel schwerer. Ich würde den beiden gerne ein schönes neues Zuhause schenken“, sagte er und begann die beiden Hunde zu kraulen.

Linda hat das vorausgeahnt und sich innerlich schon auf zwei Hunde eingestellt. Sie stellte sich vor, dass es vielleicht mit zweien sogar einfacher sein würde, als nur mit einem Hund. „Okay, von mir aus können wir die beiden nehmen“, sagte sie rasch. Die Pflegerin freute sich sichtlich. „Oh das finde ich wunderschön für die beiden Senioren, dass sie es geschafft haben, ein neues Zuhause zu bekommen. Dann mache ich mal die Unterlagen fertig. Hast du dir schon deine Katzen ausgesucht?“, fragte sie Klara.

Klara wirkte ein wenig verzweifelt. „Ich weiß nicht genau. Aber ich habe drei Favoriten“, sagte sie. „Aber ich habe den anderen gegenüber ein furchtbar schlechtes Gewissen“, fügte sie hinzu. „Das geht fast allen Menschen so, die sich hier Tiere aussuchen. Aber wenn du drei Katzen ein neues Zuhause gibst, dann hast du schon viel mehr getan, als die meisten anderen Menschen. Außerdem nehmt ihr noch die beiden schwervermittelbaren Hunde mit. Damit seid ihr wahrlich ganz spitze“, sagte sie.

Klara nickte. Gemeinsam gingen sie mit den Hunden zum Katzengehe und Klara zeigte auf die drei Katzen, die sie gerne mitnehmen wollte. Eine war eine getigerte Katze, dann hatte sie sich einen schwarz-weißen Kater und eine rot-gefleckte Katze ausgesucht. „Haben sie Transportkisten für die Katzen dabei?“ fragte die Pflegerin. „Nein, wir haben gar nichts. Die Pflegerin lachte. „Das sind unsere liebsten Kunden. Wir haben vorne einen Shop, wo sie alles kaufen können, was sie die nächste Zeit brauchen werden. Damit unterstützen sie unser Tierheim.“

Linda stimmte sofort zu. Gemeinsam suchten sie Halsbänder, Brustgeschirre und Leinen für die Hunde aus. Außerdem kauften sie noch zwei wunderschöne Hundekörbchen. Für die Katzen nahmen sie eine große Transportbox, drei Katzenkörbchen und ein Katzenklo mit und dann luden sie noch eine Menge Futter in den Wagen.

Zum Schluss kamen sie mit der Gebühr für die Tiere auf eine Rechnung von knapp neunhundert Euro. „Andere Frauen kaufen Schuhe und Handtaschen. Ich kaufe Tiere und Tierbedarf“, sagte Linda mehr zu sich als zu den anderen. Vorsichtig brachten sie ihre kostbare Fracht zum Auto. Die Pflegerin half ihnen. „Ich würde morgen gerne bei ihnen vorbeikommen, um zu sehen, wie es den Tieren geht“, sagte die Pflegerin. „Wir machen das immer so“, fügte sie hinzu. „Gerne“, sagte Linda. „Die Adresse haben sie ja. Rufen sie einfach kurz an, damit ich auch zuhause bin. Aber ich denke, ich werde morgen sowieso nirgendwo hingehen, sondern den neuen pelzigen Familienmitgliedern beim Eingewöhnen helfen.“ „Ja, da werden sie einiges zu tun haben“, sagte die Pflegerin.

Zuhause kümmerte sich Jonas um die Hunde und Klara um die Katzen. Die Pflegerin im Tierheim hatte Klara geraten, die Katzen ein paar Tage im Haus zu lassen, damit sie sich heimisch fühlten und nicht wegliefen. Klara beherzigte den Tipp und entschied, dass die Katzen drei Tage in ihrem Zimmer wohnen sollten, damit sie sich an sie gewöhnten. Linda wollte zuerst aus einem Reflex heraus widersprechen, da sie schon damit rechnete, dass die Katzen in Klaras Bett schlafen würden, entschied sich dann aber dagegen. Dann war es eben so.

Georg würde sich darüber schrecklich aufregen, wenn er das wüsste und würde ihr ganz sicher Kindeswohlgefährdung unterstellen, aber er wusste es ja nicht. Und außerdem konnten sie jetzt tun, was sie wollten. Linda kochte sich einen Kaffee und setzte sich damit auf die Bank unter dem Nussbaum. Wie verrückt das alles war.

Es war noch keine ganze Woche her, seit sie Hals über Kopf ihr altes Zuhause verlassen hatten, und plötzlich war alles ganz anders. Sie konnten tun und lassen, was sie wollten. Der Notar hatte bereits alles abgewickelt und ihr das Geld überwiesen. Somit hatte sie noch nicht einmal finanzielle Sorgen.

In wenigen Wochen würde sie wieder Arbeit haben und bis dahin lief ja noch die Kündigungsfrist des alten Dienstgebers. Sie musste sich wahrscheinlich nicht einmal arbeitslos melden. Und Georg würde wahrscheinlich für die Kinder auch noch Unterhalt bezahlen müssen. Was für ein wunderbares Leben!

Allerdings war es nicht annähernd so ruhig und beschaulich, wie sie sich das vorgestellt hatte. Aber das war in Ordnung so. Von der Bank aus sah sie, wie die Hühner gemütlich im Gras scharrten und sich ihres Lebens erfreuten und in der Ferne sah sie die drei Kühe, die es sich ebenfalls auf der Weide gemütlich machten.

Jonas kam gerade mit Ernie und Bert aus dem Haus und zeigte ihnen die Umgebung, sodass auch sie damit beginnen konnten, sich hier heimisch zu fühlen. Klara war mit den Katzen in ihrem Zimmer. Wie wunderbar!

Als Jonas seinen Rundgang erledigt hatte, holte er die lange Schleppleine und band die beiden an die Bank, sodass sie die Geräusche und Gerüche kennenlernen konnten. Linda kraulte beide Hunde hinter den Ohren.

Dann machte Linda sich auf, nach den Eiern zu schauen und die drei königlichen Kühe zu besuchen. Die Hühner reagierten ganz ruhig, als sie vorsichtig in den Stall ging und die Nester ausräumte. Beppo hatte bereits einen Abnehmer für die Eier gefunden, ebenso für einen Großteil der Milch. Morgen würde Herta ihr zeigen, wie man Butter und Quark machte und der Rest der Milch und die Eier brachten ihr ein kleines Zubrot für das Futter der Tiere ein.

Die drei Kühe kamen sofort an den Zaun als sie Linda entdeckten und ließen sich bereitwillig ihre massigen Köpfe streicheln. Mit ihren wunderschönen Augen sahen sie Linda an. Linda sprach beruhigend auf sie ein und erzählte ihnen, dass sie dieses Jahr das erste Mal ihre Babys behalten durften. Sie hatte sich entschieden, dass sie einfach die kleine Herde hier beheimaten würde. Die drei Damen würden einen wunderschönen Sommer mit ihren Kälbern verbringen und im Spätherbst würde der Stall fertig sein.

Linda hatte sich entschlossen, dass der Stall so sein sollte, dass sie die Tiere nicht anbinden musste. Sie sollten es auch im Stall schön haben. In dem Moment sah sie bereits Herta mit Töpfen bewaffnet über die Felder stapfen. Das Abendessen war im Anmarsch!

Linda ging ihr entgegen und nahm ihr einen Teil der Töpfe und einen Korb mit Salat ab. Gemeinsam gingen sie zum Haus und Linda erzählte Herta von ihrem Besuch im Tierheim und der reichen Beute, die sie dort gemacht hatten. Ernie und Bert empfingen sie sogar schon Schwanz wedelnd. Das war ja schnell gegangen. Herta tätschelte die beiden Hunde und machte sich gleich in der Küche zu schaffen. Beppo kam ebenfalls über die Felder, machte aber noch einen Abstecher zu den Kühen und molk sie ab. Mit den Kannen bewaffnet kam er in die Küche. In dem Moment trat auch bereits Simon ins Haus. Er sah heute ganz anders aus – mit Anzug und Krawatte! „Willst du dich nicht noch rasch umziehen?“, fragte Herta. Simon schüttelte den Kopf. „Nein, ich glaube, wenn ich mich umziehe, schlüpfe ich gleich ins Bett. Ich bin total müde. Solche Verhandlungen sind anstrengend.

„Wie ist es gelaufen?“, fragte Linda. Simon sah sie dankbar an. „Danke gut. Preislich haben die Anbieter keine großen Unterschiede aufzuwarten. Was jetzt noch dazu kommt ist, dass sowohl der MRT als auch die diversen Röntgengeräte ganz andere Werte haben als das alte Gerümpel und ich die Praxis auch noch großflächig umbauen muss.“ „Wieso das denn?“, mischte sich Beppo ein. „Na, wegen dem Strahlenschutz bei der Durchleuchtung und dem Röntgen und wegen der Magnetabschirmung beim MRT. Sonst fällt mir vielleicht ein Patient mit Herzschrittmacher tot um, wenn er draußen im Wartezimmer sitzt“, sagte Simon.

Keiner aus der Runde konnte wirklich etwas mit den Informationen anfangen, außer dass ihnen allen bewusst war, dass mehr auf Simon zuzukommen schien, als er sich vorgestellt hatte. Das Essen war hervorragend. Die Spätzle waren eigentlich Spatzen, da Herta sie von Hand geschabt hatte. Als Herta und Beppo sich verabschiedeten, zögerte Simon. „Linda, könnte ich noch was mit dir besprechen?“, fragte er. Linda war sofort einverstanden. Sie hatte sich selbst schon überlegt, ob sie Simon nicht noch auf ein Glas Wein einladen sollte, aber da er ihr zukünftiger Chef war, zögerte sie. „Sehr gerne, ich räume nur noch rasch die Küche auf und schicke die Kinder in ihre Zimmer.

„Ich muss noch eine Runde mit Ernie und Bert gehen“, sagte Jonas. Das hätte Linda beinahe vergessen. „Darf ich Bert nehmen und du nimmst Ernie und wir gehen gemeinsam?“, fragte Klara. „Ja, wenn du dich beeilst schon“, antwortete Jonas. Die beiden zogen ab. Herta und Beppo halfen noch bei den gröbsten Aufräumarbeiten. „Den Rest lasse ich dir hier, dann brauchst du morgen nichts kochen“, sagte Herta und füllte die Käsespätzle in eine von Lindas Schüsseln. „Im Korb ist auch noch ein Kopf Salat. Den lasse ich dir auch hier“, sagte Herta. „Das ist sehr lieb von dir, danke“, antwortete Linda und stellte das Essen zum Auskühlen neben den Kühlschrank.

Herzlich verabschiedeten Simon und Linda die beiden Senioren und Linda bat Simon auf die Terrasse hinter der Küche. „Hier ist es so schön, wenn die Grillen zirpen“, sagte sie. Simon lockerte seine Krawatte. „Vielleicht hätte ich mich doch umziehen sollen, ich komme mir gerade so overdressed vor“, sagte er. Linda musterte ihn aufmerksam. „Ich finde dich sehr attraktiv in deinem Anzug“, sagte sie und dabei fiel ihr auf, dass sie heute im Lauf des Abends zu dem vertraulichen Du gewechselt waren. Das passte auch viel besser. Linda hatte das Gefühl, Beppo, Herta und auch Simon schon ewig lange zu kennen.

„Magst du ein Glas Wein?“, fragte Linda. Simon nickte. „Weiß oder rot?“ „Rot bitte“, antwortete Simon. Linda setzte sich mit Wein und Gläsern zu Simon und schaute ihn aufmunternd an. Simon drehte nervös an seinem Glas, dann prostete er Linda zu: „Auf uns! Schön, dass wir uns kennengelernt haben.“ Linda prostete ihm ebenfalls zu: „Ja, wirklich schön“, sagte sie und beide nahmen einen Schluck.

Linda war gerade im Begriff, sich auf einen wunderbar gemütlichen Abend mit Simon auf der Terrasse einzustellen, als die Tür aufgerissen wurde und Jonas und Klara ganz atemlos angerannt kamen. „Mama, Simon! Kommt schnell! Da draußen ist etwas ganz Seltsames!“


Hier ist ein Artikel zum Heiligen Abend und erster Rauhnacht: Heiliger Abend

Wir sehen uns heute Abend auf Youtube, wenn Du Lust hast. Hier, wie immer, der Link zum Kanal: Manou Gardner auf Youtube

Lindas neues Leben 18

Hier kommt Teil 18 von „Lindas neues Leben“ und unten verlinke ich ein paar Artikel zum heutigen Neumond… Ich wünsche Euch viel Freude damit!

Am Abend war es geschafft. Queen, Princess und Dutchess hatten eine wunderbare Weide mit großen ausladenden Eichen und Nussbäumen drauf, sodass sie auch Schutz vor Regen und Sonne hatten. Die drei konnten ihr Glück offensichtlich nicht glauben. Obwohl sie im fortgeschrittenen trächtigen Zustand waren, sprangen sie auf der Weide umher. Bisher kannten sie ja nur den dunklen Stall.

Linda und die Kinder wanderten zwischen dem Hühnergehege und der Weide hin und her. Es war verrückt. Sowohl sie, als auch die Tiere waren endlich in dem Leben angekommen, das ihnen gebührte. Einige der Hennen sahen schon deutlich besser aus und die drei royalen Kühe würden sich auch bald zu prächtigen Tieren entwickelt haben. „Mama, weißt du was uns jetzt noch fehlt?“, fragte Klara. Linda schaute sie an und hoffte inständig, dass sie nicht Georg meinte. Aber Klara hatte etwas ganz anderes im Sinn.

„Wir bräuchten noch zwei oder drei Katzen, die unseren Hof frei von Mäusen halten.“ „Und einen Hund!“, sagte Jonas sofort. „Wir könnten doch morgen ins Tierheim gehen und schauen, ob es da Katzen und einen passenden Hund gibt“, sagte Jonas sofort. „Wir haben morgen nur bis 13 Uhr Schule, danach wäre doch Zeit, oder?“ Dabei sah er Linda so bittend an, dass sie schnell wegsah.

„Kinder das wird alles ein wenig viel. Ich kann euren Wunsch verstehen, aber ich fürchte, das wird uns über den Kopf wachsen“, sagte sie. „Warum?“, fragte Klara. „Jonas und ich könnten morgens und abends mit dem Hund Gassi gehen und die Katzen brauchen doch nur Futter und Wasser. Wir würden die ganzen Tiere versorgen und du kannst dich damit beschäftigen, wie du die Milch und die Eier verarbeitest. Ein Hund würde uns ja auch beschützen. Und außerdem hat Papa schreckliche Angst vor Hunden“, fügte sie grinsend hinzu.

Dieses Argument gefiel Linda allerdings. „Lasst mich da mal eine Nacht drüber schlafen und morgen Früh sage ich euch, wozu ich mich entschlossen habe.“

Am nächsten Morgen war Linda genau so schlau wie vorher. Sie verstand den Wunsch der Kinder. Schließlich hatte sie sich auch ihr ganzes Leben Katzen und einen Hund gewünscht. Aber weder ihre Eltern noch Georg hatten dem jemals zugestimmt. Georg hatte eine regelrechte Phobie vor Tieren. Deshalb sagte sie, als Jonas und Klara in die Küche kamen: „Gut ihr zwei. Wir werden nach der Schule ins Tierheim fahren. Zumindest um uns beraten zu lassen.“

Klara und Jonas brachen in Jubel aus. „Danke Mama! Du bist wirklich die Beste!“, rief Klara und drückte Linda ungestüm an sich. In dem Moment kam Beppo mit zwei riesigen Milchkannen zur Tür herein. „Bin ich froh, dass ich das alles aufgehoben habe. Herta hat immer gesagt, ich soll den alten Mist wegschmeißen. Aber jetzt tut es gute Dienste“, sagte er und hievte die Milchkannen auf die Spüle. „Wenn es dir recht ist, kommt Herta nachher rüber und zeigt dir, was du damit machen kannst. Eine kleine Kanne habe ich für uns abgezweigt. Ich hoffe, das ist in Ordnung“, sagte er. „Guten Morgen übrigens“, fügte er noch hinzu.

Linda begann zu lachen. „Guten Morgen Beppo, du scheinst ja ganz in deinem Element zu sein“, sagte Linda. „Weißt du nicht noch jemanden, der auch Milch braucht?“ „Ich werde mich umhören. Das wird dir eindeutig zu viel werden“, sagte er. „Mögt ihr Kakao?“, fragte Linda die Kinder. „Ohja, ganz frischen Kakao von unserem royalen Team“, sage Jonas. Linda schöpfte etwas Milch in einen Topf und erwärmte sie. Dazu gab es noch übrig gebliebenen Hefezopf von Herta. „Was für ein köstliches Frühstück“, sagte Jonas und schnitt sich noch eine zweite Scheibe Zopf, die er dick mit Butter bestrich und in den warmen Kakao tauchte.

Linda warf einen Blick auf die Uhr. „Kommt Kinder, wir fahren. Ich fürchte, ich habe heute Morgen viel vor“, sagte Linda und scheuchte die Kinder zum Auto. Kaum war sie zurück, stand auch schon Herta mit allerlei Gerätschaften vor der Tür. „Guten Morgen Kindchen, dann wollen wir mal“, sagte sie. Die erste Kanne goss sie in eine große Schüssel. „Die lassen wir stehen, damit sich der Rahm oben absetzt und dann können wir ihn morgen abschöpfen und Butter schlagen.

Aus der anderen Kanne goss sie einen Teil in eine andere große Schüssel und rührte eine Packung Quark hinein. „Die lassen wir auch stehen bis morgen oder übermorgen, dann kannst du den Quark abtropfen und aus dem Rest backen wir einen Hefezopf und vielleicht magst du heute zum Essen auch was kochen, wozu man viel Milch braucht, denn heute Abend kommt die nächste Fuhre.“

Bei den Worten deckte sie die beiden Schüsseln mit Leintüchern ab und zeigte Linda dann, wie sie ihren leckeren Hefezopf zubereitete. Um zwölf Uhr war alles versorgt, der Zopf schon fertig gebacken. „Wir werden nachher ins Tierheim fahren und nach Katzen und einem Hund schauen“, sagte Linda und wartete gespannt auf die Reaktion von Herta. Herta schaute kurz auf. „Ja, das ist eine gute Idee. Der Hund bewacht den Hof und die Katzen fressen die Mäuse. Du wirst viele Getreidevorräte anlegen müssen für den Winter, das zieht Mäuse und andere Nager an. Da ist es gut, wenn du ein paar tüchtige Katzen hier hast.“

„Ich hatte schon Angst, dass du das unvernünftig finden wirst“, sagte Linda und schaute Herta erleichtert an. „Natürlich ist das unvernünftig. Alles, was du hier machst, ist in den Augen von vielen Menschen unvernünftig. Ich finde es schön. Du machst das, was Menschen mit großem Herz machen. Schau doch, wie vielen Tieren du bereits geholfen hast. Und wenn du jetzt noch ein paar Katzen und einen Hund aus dem Tierheim holst, dann sind das schon die nächsten, die davon profitieren.

Achte nur darauf, dass der Hund sich mit Katzen verträgt.“ Linda umarmte Herta ebenso ungestüm, wie sie in der Früh von Klara umarmt wurde. „Ach Herta, du weißt gar nicht, wie froh ich bin, euch kennengelernt zu haben.“ „Ach Kindchen, da beruht ganz auf Gegenseitigkeit, wir profitieren genauso wie die Tiere von eurer Anwesenheit.

Das Leben ist plötzlich wieder angefüllt mir Aufgaben und ich muss nicht dreimal am Tag in den Garten schauen, ob vielleicht schon wieder ein Gräschen gewachsen ist“, sagte Herta. „Übrigens hat Simon heute die Termine mit den Firmen wegen seiner Geräte. Er würde sich freuen, wenn er dir heute Abend davon berichten könnte. Wollen wir gemeinsam zu Abend essen?“ „Ja, das wäre super. Aber falls wir einen Hund und Katzen mitbringen, wäre es gut, wenn wir hier essen würden. Soll ich unterwegs was einkaufen?“

Herta schüttelte den Kopf. „Nein, wir haben Unmengen von Eiern und Milch. Ich werde Käsespätzle machen und Salat habe ich im Garten. Verarbeiten wir jetzt mal das, was deine und meine Landwirtschaft so hergibt“, sagte sie und lachte dabei laut auf. Linda lachte ebenfalls. „Ich bereite es zuhause vor und bei dir schieben wir es in den Ofen zum Überbacken. „Perfekt! Das ist eine gute Idee“, sagte Linda „Und jetzt mache ich mich auf den Weg zu den Kindern und danach ins Tierheim.“

Die Kinder standen schon ungeduldig wartend vor der Schule. Jonas trat von einem Bein aufs andere. Er hatte sich all die Jahre so sehnsüchtig einen Hund gewünscht und war so traurig gewesen, dass Georg das ohne Begründung immer abgeschmettert hatte.

„Komm, fahren wir“, sagte er, ehe er noch richtig saß. Linda konnte ihm die Aufregung deutlich ansehen. „Ich freue mich so, mir Katzen aussuchen zu können“, sagte Klara, die sich immer Katzen gewünscht hatte. Im Tierheim wurden sie sehr freundlich empfangen. Linda schilderte die Situation und dann wurden sie zuerst zu den Katzen geführt. „Das sind die Freigänger Katzen“, sagte die Betreuerin und deutete auf einen riesigen Bereich, in dem immer fünf oder sechs Katzen zusammen in einem Käfig saßen. Klara schaute Linda entsetzt an. „Wie soll ich mich denn da für zwei oder drei entscheiden? Ich würde die ja am liebsten alle mitnehmen“, sagte sie.

Linda sagte sofort: „Ja, das verstehe ich. Aber wir können wirklich nur zwei oder drei mitnehmen. Du wirst dich entscheiden müssen. Magst du in Ruhe schauen, während ich mit Jonas schon mal zu den Hunden gehe?“, fragte Linda. Klara überlegte einen Moment. „Okay, aber sucht euch einen netten Hund aus“, sagte sie und wandte sich wieder den Katzen zu.

Die Pflegerin brachte Linda und Jonas zu den Hunden. Da war die Situation nicht viel anders. Hunderte von Hunden saßen einzeln oder zu zweit in Käfigen und bellten sie an. Jonas wurde schlagartig klar, dass es auch für ihn sehr schwer werden würde, sich hier zu entscheiden. Er schlenderte an den Gehegen entlang. „Wissen sie, ob da welche dabei sind, die sich mit Katzen vertragen?“, fragte er die Pflegerin. „Hundertprozentig wissen wir das nie, aber wir wissen, welche definitiv nicht in Frage kommen. Da hinten sind die älteren Hunde. Woran habt ihr denn so gedacht. Habt ihr eine bestimmte Rasse im Kopf?“, fragte die Pflegerin.

Linda verneinte. „Es sollte ein Hund sein, der für Anfänger geeignet ist“, sagte Linda. „Das ist eine vernünftige Entscheidung. Da hinten sind ein paar ältere Hunde, die bisher sehr ruhig waren.“ Dabei zeigte sie auf einen Käfig in dem zwei Hunde saßen. Der eine sah aus wie ein Husky-Mischling und der andere war eher ein kleiner Cockerspaniel Mischling. „Die beiden sind sehr ruhig, allerdings können wir sie nur gemeinsam abgeben, daher haben sie kaum eine Chance von jemandem genommen zu werden.

Zwei Hunde nimmt kaum wer und zwei ältere Hunde schon gar nicht.“ Jonas kniete sich vor den Käfig und der Husky-Mischling kam vorsichtig her und schnupperte an seiner Hand. Der andere kam auch langsam näher. Beide schienen von dem Gebell um sie herum unbeeindruckt zu sein. „Haben die einen Namen?“, fragte er die Pflegerin. „Ja, wir nennen sie Ernie und Bert“, aber wir wissen nicht, wie sie wirklich heißen, da sie bei einem alten Mann gefunden wurden, der immer alleine gelebt hat und niemand wusste, wie die Hunde hießen. Der Mann war gestorben und die beiden saßen tagelang neben der Leiche und haben sie bewacht“, fügte sie hinzu.


Heute ist Neumond, ein guter Tag, das Alte zu verabschieden. Dem werde ich mich auch noch einmal intensiv im heutigen Abendvideo widmen.

Hier gehts zum Youtube-Kanal: Manou Gardner auf Youtube

Hier ist ein Artikel über Neumond: Neumond-Altes verabschieden

Und hier: Neumond und die 9 Schritte Deines Wandels

Ich wünsche einen wunderschönen Freitag und besinnliche Vorbereitungen für den morgigen Heiligen Abend

Liebe Grüße

Manou

Lindas neues Leben 17 und Artikel zum Portaltag

Hier ist die Fortsetzung von „Lindas neues Leben“ und ganz unten habe ich Artikel von mir verlinkt zur Qualität des heutigen Portaltages und ein Video mit einer Mediation zum kosmischen Bewusstsein. Heute um ca. 18.30 Uhr gibt es das nächste Video mit der Fortsetzung der Kontaktaufnahme mit der geistigen Welt. Ich wünsche Dir einen wunderschönen Portaltag.

Beppo und Herta schauten sich an. Vermutlich wusste Beppo in der Sekunde, dass jetzt eine Menge Arbeit auf ihn zukam. Linda wusste das ebenfalls und sie hatte ein schlechtes Gewissen. Hätte sie Beppo nicht erst fragen sollen? Aber ungewöhnliche Situationen erforderten ungewöhnliches Handeln. Sie hätte es niemals übers Herz gebracht, die drei werdenden Mütter schlachten zu lassen. Was für ein barbarischer Gedanke!

Herbert kam mit einem Zettel zurück, auf dem er seine Kontodaten notiert hatte. „Ich hoffe, sie halten ihr Wort, sonst hole ich mir die Kühe morgen zurück“, sagte er. Linda sah ihm in die Augen und sagte: „Ich halte mein Wort!“ Herbert bestieg seinen Transporter und wendete ihn umständlich in der Einfahrt. Beppo unterhielt sich mit den Polizisten und fuchtelte schon wieder mit den Armen.

Herta ging auf die Kühe zu und tätschelte ihre Flanken. „Da habt ihr ja Glück gehabt, ihr drei“, sagte sie liebevoll und streichelte sie abwechselnd. Die beiden Polizisten traten heran und der Gesprächigere der beiden sagte: „Hut ab Frau Hohenfeld. Sie haben wirklich Schneid bewiesen.“ Linda lachte etwas verzweifelt. „Das kann man so sagen. Dafür, dass ich in meinem ganzen Leben nicht mal einen Hamster besessen habe, habe ich jetzt sehr schnell sehr viele Tiere angeschafft. Und das Beste ist, ich verstehe genau gar nichts davon.

Ich kann nur hoffen, dass mir Beppo und Herta auch dieses Mal aus der Patsche helfen. Aber ich hätte doch niemals zulassen können, dass dieser Unmensch die drei Kühe zum Schlachter bringt. Das sind doch werdende Mütter! Und haben sie gesehen, wie lieb die schauen?“, fragte sie und schaute etwas hilflos zu Beppo und Herta. „Mach dir mal keine Sorgen Kindchen, Simon und ich werden jetzt rasch den Weidezaun aufstellen, den ich, Gott sei Dank, noch habe. Ich muss schauen, ob der Trafo noch funktioniert.

Die nächsten Monate sind problemlos, da stehen sie einfach da hinten auf der Weide.“ Während er das sagte prüfte er die Euter der Kühe. „Sie sind allerdings noch nicht ganz trocken gestellt. Ich werde sie die nächste Zeit morgens und abends noch abmelken müssen. Jetzt hast du nicht nur Eier, sondern auch Milch“, lachte er. Simon schaute Linda ebenfalls bewundernd an. „Tja, so schnell kommt man zu einem Bauernhof“, lachte auch er.

„Wir gehen dann mal. Bei ihrem aufregenden Leben, nehme ich an, dass wir uns bald mal wiedersehen“, sagte der Wortführer der beiden Polizisten. Sie grüßten kurz und stiegen ins Auto. Linda durchfuhr ein heißer Schreck. „Du liebe Güte! Wie spät ist es? Ich muss die Kinder bei der Schule abholen!“ „Es ist kurz nach halb drei“, sagte Simon. „Gut, das schaffe ich. Kann ich rasch die Kinder holen? Kann wer von euch so lange auf die drei Damen aufpassen?“, fragte Linda und Herta nickte lächelnd.

„Fahr nur Kindchen, wir bereiten hier alles vor. Die drei sind gewohnt angebunden zu sein. Da muss man nicht viel machen. Ich werde rübergehen und uns was zu essen besorgen und Beppo und Simon stellen den Weidezaun. Die Kinder können dann ja helfen. Das schaffen wir bis heute Abend.“ Linda sprang ins Auto und machte sich auf den Weg. Wenn nichts dazwischenkam, würde sie pünktlich vor der Schule stehen. Auf der Fahrt wurde ihr erst so richtig klar, was in den letzten Stunden geschehen ist.

Nicht nur, dass sie Simon versprochen hatte, sich um die Gestaltung der Praxis zu kümmern, sie hatte auch in wenigen Minuten ihren Bauernhof vergrößert. Sie würde sich jetzt endlich ein paar Bücher über Tierhaltung kaufen müssen. Sie hatte doch keinen blassen Dunst. Wenn sie Herta und Beppo nicht hätte, wäre sie vollkommen aufgeschmissen. Die Kinder waren, wie erwartet, begeistert von der Nachricht und konnten es gar nicht erwarten, nach Hause zu kommen und die Kühe kennenzulernen.

Als Linda in die Einfahrt einbog, standen die drei immer noch unter dem Nussbaum und hatten angefangen, das Gras um sie herum zu fressen. Jonas und Klara sprangen aus dem Auto und gingen auf die Tiere zu. „Wir müssen ihnen Namen geben“, sagte Klara. „Stimmt!“, sagte Jonas. „Wie sollen wir sie nennen?“ Klara kraulte die Köpfe der Kühe und überlegte. „Das sind alles Mädchen, oder?“, fragte sie und schaute zu Linda. „Natürlich, es sind trächtige Kühe, also ganz klar Mädchen“, sagte Linda lachend.

Klara überlegte weiter. „Und sie sind lieb und haben wunderschöne Augen. Und sie werden ab jetzt ein wunderschönes Leben haben, wie Prinzessinnen“, sagte sie verträumt und schaute die drei Kühe liebevoll an. „Wie wäre es, wenn wir sie Princess, Dutchess, und Queen nennen?“, fragte sie. Linda musst insgeheim über die Vorliebe ihrer Tochter für royalen Gossip lächeln und nickte. „Wer ist wer?“, fragte sie. Klara deutete auf die größte Kuh. Sie war schwarz-weiß und hatte ein wunderschönes Muster auf dem Fell. „Ich denke, das könnte Queen sein und diese hier mit den dunkelbraunen Flecken könnte Princess sein und die kleinste mit den hellbraunen Flecken ist Dutchess. Was meint ihr?“ Jonas war einverstanden und Linda ebenfalls.

„Gut, dann werden wir für Queen, Princess und Dutchess mal eine schöne Weide machen. Lauft ihr nach hinten und fragt Beppo und Simon ob sie Hilfe brauchen. Ich schaue mal wo Herta ist und ob sie Hilfe braucht.“ Die Kinder liefen los und Linda ging ins Haus und fand Herta in der Küche. „Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich in deiner Küche das Essen machen?“, fragte Herta.

Linda ging auf sie zu und nahm die kleine rundliche Dame in den Arm. „Danke Herta für alles. Ohne euch wüsste ich nicht, was ich tun sollte.“ Herta schaute sichtlich gerührt. „Weißt du, ich habe mir immer weitere Kinder gewünscht. Ich war sehr glücklich mit Simon und bin es heute noch, aber mein Traum war immer, noch eine Tochter zu haben. Und wenn ich sie mir vorgestellt habe, dann war sie so wie du.

Ich freue mich so sehr, dass du mit deinen Kindern hierhergekommen bist und wieder Leben in unseren Alltag gebracht hast. Es war manchmal schon sehr einsam, obwohl ich niemals klagen darf. Beppo und mir geht es gut. Aber jetzt ist das Leben plötzlich wieder bunt und aufregend und jeden Tag passiert etwas Neues.

Und Simon kommt auch wieder zurück und du hilfst ihm seine Praxis zu gestalten. Das könnte ich nicht. Davon verstehe ich nichts. Es fühlt sich plötzlich an, als wären wir eine große Familie. Und das ist wunderschön.“ Herta hatte Tränen in den Augen als sie das sagte und auch Linda war total gerührt. „Danke Herta, dass du das sagst. Mir geht es genauso. Ich war so traurig nach dem Tod meiner Eltern, ich habe ja auch keine Geschwister und ich fühlte mich Georg und seinen Eltern so schrecklich ausgeliefert und wenige Tage später ist mein Leben so schön und ausgefüllt und ich fühle mich so frei. Auch ich bin glücklich über die Wendung in meinem Leben. Und dass ihr da seid, macht das Ganze überhaupt erst so wunderbar. Und ich freue mich auch darauf, Simon in der Praxis helfen zu können. Danke für alles!“

Die beiden Frauen umarmten sich ein weiteres Mal, als die Kinder wieder in die Küche stürmten. „Was ist denn hier los? Ist was passiert?“, fragte Jonas, als er die Tränen sah. „Nein, alles gut. Wir haben uns nur gerade gesagt, wie schön das alles hier ist“, sagte Linda und strich den Kindern über den Kopf. „Das stimmt. Und Beppo und Simon haben Hunger und würden gerne eine Pause machen und wir haben auch Hunger“, sagte Jonas nüchtern.

Klara war schon damit beschäftigt, zu schauen, was Herta vorbereitet hatte. Auf dem Tisch lagen Käse, Würste, hartgekochte Eier und Herta begann damit, von einem riesigen selbst gebackenen Brot dicke Stücke abzuschneiden. Außerdem stand ein Hefezopf, Marmelade und Butter auf dem Tisch. In einer riesigen Kanne gab es Tee und auch Kakao stand schon bereit. Die Kinder waren glücklich. Das war eine Mahlzeit nach ihrem Geschmack.

Kaum stand der letzte Teller auf dem Tisch kamen auch schon Beppo und Simon vollkommen verschwitzt herein. „Der Zaun steht zu mehr als der Hälfte, der Trafo funktioniert. Ich denke, in zwei Stunden haben die drei Damen ein Zuhause“, sagte Beppo. Simon wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Der Kakao ist übrigens schon von der Milch eurer Kühe gemacht“, sagte Herta. „Ich habe ein wenig abgemolken.“ „Wow! Und die Eier sind von unseren Hühnern!“, sagte Klara. „Ja, das sind die wahrlich guten Lebensmittel“, sagte Herta und reichte das Brot herum. „Die Würste und der Käse sind von Bauer Karl. Der war der einzige Gescheite hier und hat schon vor Jahren auf Bio umgestellt und verdient als Einziger hier genug mit seinen Produkten und die Tiere haben es gut bei ihm.“

Linda aß das gute Brot von Herta mit dick Butter und Schnittlauch. „Den Schnittlauch habe ich übrigens in deinem Garten gefunden. Wenn man das Dickicht beseitigt, kann man noch Einiges finden. Hans war sehr stolz auf seinen Garten und hat immer viel angebaut.“ Da schmeckte es Linda gleich noch viel besser. „Herta, kannst du mir, wenn hier etwas mehr Ruhe eingekehrt ist, zeigen wie man dieses Brot und den Hefezopf backt?“, fragte Linda.

Beppo lachte laut auf. „Kindchen, ich habe nicht das Gefühl, dass hier jemals Ruhe einkehren wird. Du bist sehr schnell darin, hier tüchtig Leben reinzubringen“, sagte er und hielt sich den Bauch vor Lachen. Herta nickte Linda zu. „Natürlich zeige ich dir das alles. Du wirst bei der vielen Milch, die du jetzt bekommst, als erstes lernen müssen, wie man Butter, Käse und Quark macht. Damit solltest du vielleicht anfangen.“ Linda schaute sie erschrocken an. „Wie viel Milch wird das denn sein?“, fragte sie erschrocken. „Das wissen wir noch nicht, aber das sind Milchkühe und ich vermute, dass wir sie noch ein paar Wochen melken müssen, da sie noch nicht kurz vor dem Kalben stehen. Daher kannst du locker mal mit fünfzig bis hundert Litern pro Tag rechnen. Wenn wir sie nicht melken, haben sie Schmerzen und bekommen eine Euterentzündung“, sagte Beppo fachmännisch. Linda klappte das Kinn herunter.

Fünfzig bis hundert Liter am Tag. Das ist ganz schön viel“, sagte Linda und schaute etwas entgeistert. „Ja, ich habe mir vorhin schon Gedanken gemacht. Ich werde dir helfen. Wir werden so viel wie es geht auf Vorrat zubereiten, denn wenn die Kälber da sind und auch schon kurz vorher wird es keine Milch mehr geben. Bis dahin sollte deine Speisekammer gut gefüllt sein. „Uff“, sagte Linda da nur noch und biss wieder ins Brot. Sie würde eine richtige Bäuerin werden. Das hätte sie sich nie träumen lassen. Und das alles in diesem Tempo! Ach, wie konnte das Leben so schön und so lebendig sein!



Oh weh! In Lindas Leben geht alles ganz schnell. Mal sehen, ob sie damit zurecht kommt.

Heute Abend geht es per Youtube weiter mit dem Beitrag zum Portaltag und der Fortsetzung der Kontaktaufnahme mit der geistigen Welt. Ich freue mich, wenn Du dabei bist. Die Videos werden immer so gegen 18.30 Uhr online gehen.

Hier noch einmal der Link zum Kanal: Manou Gardner auf Youtube

Ich wünsche Dir einen schönen Portaltag

Hier noch ein paar Artikel von mir zum Thema: Portaltage und morphisches Feld

und hier noch: Portaltage und Schwingung

Das hier ist ein Artikel mit Video mit einer Meditation zum kosmischen Bewusstsein: Ausdehnung der Seele und kosmisches Bewusstsein

Lindas neues Leben 15

Allerdings habe ich noch eine Menge zu tun bis dahin. Das Team des Kollegen ist ebenfalls schon sehr betagt und die meisten haben gleich gesagt, dass sie dann auch lieber aufhören möchten, sodass ich jetzt auf der Suche nach einem neuen Team bin.

Und ich werde gleich mit der Tür ins Haus fallen: Meine Eltern haben mir schon so viel von ihnen vorgeschwärmt und erwähnten dabei, dass sie vor Kurzem ihren Job verloren haben und hatten die Idee, ob sie nicht bei mir arbeiten wollten.“

Simon kratzte sich ein wenig verlegen an den leicht ergrauten Schläfen. „Ich weiß, das ist jetzt etwas schnell, aber sie können es sich ja noch überlegen“, fügte er hinzu. „Ich bin sonst nicht so ein Draufgänger. Aber ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie ich das alles jetzt schaffen soll.“

„Grundsätzlich ist das natürlich ein tolles Angebot, auch wenn es jetzt sehr überraschend kommt. Aber in der letzten Zeit geht alles rasend schnell und ich wundere mich schon gar nicht mehr über das Tempo der Entwicklung. Ich sehe nur ein sehr großes Problem. Ich habe davon nicht die geringste Ahnung. Glauben sie nicht, dass sie da Jemanden finden könnten, der geeigneter ist als ich?“, fragte Linda.

„Empfangssekretärinnen für Radiologen sind nicht sehr dicht gesät. Deshalb ist es normal, dass man eine Einarbeitungszeit einkalkulieren muss. Mir geht es in erster Linie darum, dass ich ein freundliches Team habe, das die Patienten gut betreut. Das ist in der Radiologie noch wichtiger als in anderen Fachrichtungen, weil viele der Patienten gar nicht mit dem Arzt in Berührung kommen. Der Kontakt findet für viele Patienten nur über die Mitarbeiterinnen statt.

Und da meine Eltern von ihnen so begeistert sind, habe ich gedacht, ich frage sie mal“, sagte er. „Aber fühlen sie sich bitte nicht gedrängt.“ Linda dachte nach. Ein neuer Job wäre natürlich sehr reizvoll, sie war schon gerne unter Menschen und kurz hatte sie auch schon darüber nachgedacht, womit sie in der nächsten Zeit ihr Geld verdienen würde. Der Wunsch Schriftstellerin zu sein, war groß, aber selbst wenn sie gleich beginnen würde zu schreiben, würde sie sicher noch lange nicht davon leben können. „Es klingt wirklich sehr interessant. Darf ich eine Nacht darüber schlafen?“, fragte sie.

„Selbstverständlich“, sagte Simon. „Ich werde die nächste Zeit bei meinen Eltern wohnen, weil ich mich um die Praxis kümmern muss. Wenn sie wollen, könnte ich sie morgen mit in die Praxis nehmen und sie könnten sich vor Ort ein Urteil bilden.“ Linda nickte. „Ja, das ist großartig. Ich freue mich darauf.“

„Linda, bleibst du zum Abendessen?“, fragte Herta. „Ich weiß nicht, ich habe drüben schon was vorbereitet“, sagte Linda. „Aber ich könnte es holen“, fügte sie hinzu. „Das ist eine glänzende Idee“, sagte Simon. „Darf ich sie begleiten und helfen?“, fragte er. Linda nickte. „Ja gerne. Aber ich muss noch rasch nach den Hühnern schauen und die Stalltür schließen. „Das können wir doch machen und wir holen auch gleich noch die Eier raus“, sagte Klara schnell. „Okay“, sagte Linda.

„Übrigens, habe ich schon jemanden, der dir die Eier abnimmt“, sagte Beppo. „Die Nudelfabrik im Nachbarort würde sie verwenden können.“ „Oh das ist ja super. Ab wann kann ich die beliefern?“, fragte Linda. „Ab sofort.“ „Danke! Das ist perfekt!“ sagte Linda erfreut. „Was würde ich nur ohne euch tun“, sagte sie. Beppo und Herta lachten herzlich. „Und dann habt ihr auch noch so einen gutaussehenden Sohn“, fügte Linda in Gedanken hinzu.

Beppo und Herta hatten sich wahrlich als echten Glücksgriff erwiesen. Georg würde staunen, wenn sie schon wieder einen neuen Job hatte. Hatte er ihr doch all die Jahre eingeredet, dass sie keinen bekommen würde, wenn er sich nicht darum kümmerte. Aber so unverzichtbar schien er nicht zu sein. Beschwingt ging sie mit Simon über die Felder hinüber zu ihrem Haus. „Ich finde es toll, dass sie hier herausgezogen sind“, sagte Simon. „Meine Eltern sind so glücklich wie schon lange nicht mehr“, fügte er hinzu.

Linda lachte auf. „Das ist erstaunlich, denn seit sie mich kennen, kommen sie aus der Arbeit nicht mehr raus“, sagte sie. „Aber das ist ja genau das, was sie so fröhlich macht. Sie werden gebraucht und sie mögen sie und ihre Kinder richtig gern. Meine Eltern haben ihr Leben lang viel gearbeitet und der Ruhestand tut ihnen gar nicht gut. Vater bestellt zwar noch ein paar Felder, aber das ist auch kein tagesfüllendes Programm. Ich hatte oft so ein schlechtes Gewissen, dass ich so weit weg bin und mich so wenig um sie kümmere. Sie waren immer wunderbare Eltern. Und selbst wenn ich die Praxis hier in Heidetal eröffne und mir eine Wohnung in Heidetal nehme, werde ich nicht unendlich viel Zeit haben. Ich bin ja auch ein Anfänger, was eine eigene Praxis angeht. Bisher habe ich nur in der Klinik gearbeitet und ab und zu Vertretungen bei niedergelassenen Kollegen gemacht. Ich muss mir auch ganz viel aneignen. Daher ist es fein, dass ich weiß, dass meine Eltern auch noch sie und ihre Kinder als Ansprache haben.“

Linda nickte. „Für mich ist es auch schön. Ich habe meine
Eltern vor ein paar Jahren durch einen Unfall verloren und trauere auch heute noch um sie. Auch sie waren wunderbare Eltern und haben in meinem Leben eine riesige Lücke hinterlassen. Seit sie tot sind, hatten mein Mann und seine Eltern irgendwie das Kommando über mein Leben übernommen, und ich kam einfach aus der Sache nicht mehr raus. Vor wenigen Tagen war ich noch in einem Job, den ich gehasst habe und in einer Ehe, die mir wie ein Gefängnis erschien und habe keinen Ausweg gesehen. Und plötzlich kam der Brief des Notars und ab da ging alles so schnell, dass ich es noch gar nicht richtig verstanden habe. Und es scheint so weiterzugehen. Ich habe heute mal kurz darüber nachgedacht, womit ich in Zukunft mein Geld verdienen werde, und schon habe ich ein Jobangebot. Das ist unglaublich!“, sagte sie und schaute Simon dabei von der Seite an.

Er war ein sehr attraktiver Mann und Linda fragte sich kurz, ob er wohl vergeben war. Aber sofort schalt sie sich dieser Gedanken. Er war vielleicht ihr zukünftiger Chef, sie sollte das Berufliche vom Privaten trennen.

Klara und Jonas waren voraus gerannt und hatten bereits die Eier in einer Wanne gesammelt und die Tür zum Hühnerstall geschlossen. Linda bat Simon ins Haus. „Es ist noch nicht ganz so, wie ich es gerne hätte, aber wir haben es schon recht gemütlich hier“, sagte sie.

Simon sah sich um. „Es wirkt aber schon sehr heimelig. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich hier wohlfühlen.“ Linda schaute ihn an und sagte: „Ja, und es ist meines. Keiner schreibt mir mehr irgendwas vor und ich kann hier schalten und walten wie ich will. Das ist so eine große Befreiung. Meine Tage waren über viele Jahre so getaktet, dass ich immer in Eile war, weil Georg so viele Ansprüche hatte. Hier ist jetzt alles so frei. Wie jetzt zum Beispiel. Ich nehme einfach das Abendessen mit zu euch hinüber und dann essen wir gemeinsam. Einfach so! Ganz spontan!

Dabei wird mir bewusst, dass es in all den vergangenen Jahren keinerlei Spontanität gegeben hat. Georg war ein strenger Verfechter von Struktur und Ordnung und alle Ausnahmen waren für ihn Grund, seine schlechte Laune zu verbreiten“, Linda seufzte. „Aber das ist ja jetzt vorbei und ich kann mein Leben so gestalten, wie ich möchte. Das ist genial“, sagte sie.

Simon hatte ihr aufmerksam zugehört. „Darf ich ihnen eine Frage dazu stellen, Linda?“, fragte er sie. Linda lächelte und schaute ihn aufmunternd an. Sie konnte sich schon denken, welche Frage jetzt kam. „Warum haben sie das alles so lange mitgemacht?“, frage Simon. „Ich wusste, dass sie das fragen werden und um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Ich habe selbst immer schon wieder darüber nachgedacht. Ich hatte alles Selbstvertrauen verloren. Georg und auch seine Eltern haben es geschafft, mir einzureden, dass ich ohne sie nicht lebensfähig bin. Und ich habe es einfach geglaubt.


Tja, das geht ja flott. Fast könnte man glauben, dass jetzt alles wie geschmiert läuft. Aber das Leben spielt oft anders als man denkt….

Übrigens gibt es heute Abend wieder ein Video aus der Serie „Spirit Talk“. Heute geht es um die Wintersonnwende, Portaltag, Neumond und die Vorbereitung für die Rauhnächte.

Vielleicht mögt Ihr reinschauen. Hier gehts zum Youtube Kanal: Manous Youtube Kanal

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Dienstag

Ganz liebe Grüße

Manou

Lindas neues Leben 14

Am nächsten Morgen standen sie schon früh auf. Klara ließ es sich nicht nehmen, den gefiederten Damen die Stalltür zu öffnen und ihnen einen guten Morgen zu wünschen. Träges Gurren war die Antwort. Linda bereitete Frühstück und Pausenbrote vor und kurz nach sieben rollten sie schon vom Hof.

Linda hatte sich gleich eine große Liste gemacht, was sie noch alles in der Stadt erledigen wollte. Beppo würde am Vormittag mal nach den Hennen schauen. Zu Mittag waren bereits eine Menge Formalitäten erledigt, der Notar war über die aktuelle Situation unterrichtet und Linda fühlte sich stark und tatkräftig. „Seltsam…“, dachte sie. „…vor wenigen Tagen war ich noch eine graue Maus, die sich von ihrem herrischen Mann alles gefallen ließ, und plötzlich geht mir alles ganz leicht von der Hand. Niemals hätte ich es geglaubt, wenn mir das jemand erzählt hätte.“

Sie entschied sich, noch gemütlich einen Kaffee zu trinken, bevor sie die Kinder wieder aus der Schule abholte. Sie würden noch rasch die wichtigsten Utensilien fürs Landleben kaufen müssen: Regenjacke, Gummistiefel, dicke Socken und eventuell Arbeitshosen und Hemden. Bisher war das Wetter trocken und warm, da fiel es nicht so auf, wenn man mit Straßenschuhen ging, aber sobald es regnete und kühler wurde, würden sie vermutlich ganz dringend auf Gummistiefel und wasserdichte Kleidung angewiesen sein.

Die Kinder waren begeistert darüber, sich professionelle Bauernkleidung zu kaufen. Linda war sich nicht sicher, ob sie das Ganze noch wie ein Spiel betrachteten, das ihnen eines Tages langweilig werden würde. Aber es machte keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen. Sie würden es erleben.

Wieder zuhause angekommen, konnten sie es alle drei kaum erwarten, die Damen zu besuchen. Mittlerweile waren sie alle aus dem Stall herausgekommen und Linda sah sofort, dass Beppo recht hatte, der Auslauf musste viel größer sein. Es war schon fast ein Gedränge in dem Gehege und an manchen Stellen war das Gras schon ganz weggescharrt und der Boden schaute heraus. Das würde eine schöne Schlammpfütze geben, wenn sie das alles nackig scharren würden.

Die Kinder entschlossen sich beide, die Hausaufgaben am Küchentisch zu machen, während Linda das Abendessen zubereitete. Es war wie früher, nur besser. Früher war ihre gemeinsame Zeit in der Küche begrenzt, aber jetzt konnten sie tun und lassen was sie wollten. Stück für Stück sickerte die neue Freiheit in ihr Bewusstsein.

Plötzlich sprang Jonas auf! „Hat schon irgendwer geschaut, ob die Hühner Eier gelegt haben?“ Linda und Klara schauten erschrocken. „Uff, nein. Daran habe ich noch gar nicht gedacht“, sagte Linda und Jonas rief: „Komm Klara, wir schauen mal nach!“ Linda musste schmunzelnd. Ja, sie waren wirklich blutige Anfänger. Sie hatten zwar die Hühner gefüttert und das Wasser erneuert, aber an die Eier hatte noch keiner gedacht.

Es dauerte eine ganze Weile bis die beiden wieder herein kamen. Linda blieb der Mund offen. Die beiden hatten Unmengen von Eiern in einer Wanne. „Die meisten haben wirklich in die Nester gelegt, aber ein paar waren auch unten im Stroh“, sagte Klara. „Herrjeh, was machen wir denn mit so vielen Eiern?“, fragte Linda. „Ja, und morgen kommen wieder so viele und übermorgen auch“, ergänzte Jonas.

Linda lachte. „Ich fürchte, das habe ich gewaltig unterschätzt, obwohl wir gestern darüber gesprochen haben. Wenn ihr schon fertig seid mit den Hausaufgaben, bringt doch bitte gleich mal einen Eimer voll zu Beppo und Herta. Und fragt sie, wie viele wir täglich bringen dürfen.“ Vorsichtig füllte Klara einen Eimer mit Eiern und gemeinsam gingen sie über die Felder hinüber zu Beppos und Hertas Haus. Linda sah ihnen nach. Was für eine Idylle. Sie konnte es kaum glauben.

Seit Georgs überraschendem Besuch hatte sie auch von ihm nichts mehr gehört. Aber Linda wusste, dass das nur die Ruhe vor dem Sturm war. Sie würde sich einen Plan zurechtlegen müssen. Gerade als sie darüber nachdachte, was Georg als nächstes tun könnte, kamen die Kinder aufgeregt in die Küche gerannt. „Mama, du sollst einen Sprung rüberkommen. Beppo und Herta haben Besuch von ihrem Sohn und sie möchten euch gerne bekannt machen!“

Die beiden waren noch ganz außer Atem. Linda zuckte innerlich zusammen. Sie hatte den beiden ihre ganze Lebensgeschichte erzählt und sie mit ihren Sorgen belästigt und hatte nie nach ihrem Leben gefragt. Sie war bisher gar nicht auf den Gedanken gekommen, dass die beiden einen Sohn hatten. Schnell zog Linda die Töpfe und Pfannen vom Herd und folgte den Kindern hinüber zum Haus der beiden. „Oh Linda, schön, dass du dir Zeit nimmst“, wurde sie gleich von Herta an der Tür empfangen. „Simon ist überraschend vorbeigekommen und ich möchte so gerne, dass ihr beiden euch kennenlernt“, sagte sie.

Linda war neugierig. Wie konnte man sich den Sohn dieses herzigen Ehepaares vorstellen? War er auch so ein Netter? Sie folgte Herta in die Küche. Simon saß auf der Eckbank und grinste. „Aha, da kommt also die nette junge Frau, die meine Eltern so begeistert“, sagte er und stand auf um Linda zu begrüßen. Und das war gar nicht so einfach. Simon schien doppelt so groß zu sein wie seine Eltern und er bemerkte ihren erstaunten Blick sofort. „Ja, ich habe die Körpergröße, die meinen Eltern fehlt, für mich gebraucht“, sagte er und versuchte aufrecht zu stehen, obwohl der Tisch gegen seine Oberschenkel drückte.

Linda lachte. „In der Tat, sie sind wirklich sehr groß geraten“, sagte sie und schüttelte seine Hand. „Ich bin Linda. Das sind Klara und Jonas“, fügte sie hinzu. „Das weiß ich doch alles“, sagte er. „Meine Eltern sind so glücklich, dass hier endlich wieder Leben einkehrt, und haben mir alles haargenau erzählt. Sie sind die Heldin des Dorfes“, sagte er und dabei zuckten seine Mundwinkel vor unterdrücktem Lachen und die Fältchen um seine Augen vertieften sich.

„Wieso sollte ich die Heldin des Dorfes sein?“, fragte Linda. „Naja, eine Städterin, die am zweiten Tag auf dem Land gleich mal hunderte Hühner adoptiert, obwohl sie vom Landleben keine Ahnung hat, sorgt schon für eine gewisse Bewunderung bei den Leuten hier und auf jeden Fall für massig Gesprächsstoff. Und meinen Eltern gebührt natürlich dabei die größte Aufmerksamkeit, weil sie alles haargenau wissen. Sie sind ja praktisch dabei. Wissen sie was das für eine Abwechslung ist, hier in der Einöde?“ Linda schluckte. So hatte sie das noch gar nicht betrachtet.

Ja, sie hatte vom Landleben keine Ahnung und auch nicht davon, wie sehr Jeder am Leben des Anderen interessiert war. Das kannte sie tatsächlich nicht. „Na dann…“, sagte sie nur und setzte sich ebenfalls an den ausladenden Küchentisch. „Wohnen sie auch hier?“, fragte sie Simon. „Bald wieder. Ich habe gerade einen Kassenvertrag in Heidetal erhalten und bin heute gekommen um meinen Eltern die freudige Nachricht zu überbringen.“

Linda sah, wie Beppo und Herta strahlten. Es musste eine Riesenfreude für sie sein. „Simon ist nämlich Radiologe“, sagte Herta und der Stolz auf ihren Sohn war nicht zu überhören. „Wow!“, sagte Linda. „Ich wusste gar nicht, dass ihr einen Sohn habt, der Arzt ist“, sagte sie.

„Hättest du nicht erwartet, von den einfachen Bauern, gell“, sagte Beppo und lachte. „Ja, Simon ist unser einziges Kind und wir sind sehr stolz auf ihn, obwohl wir von dem, was er macht, nichts verstehen. Ich hätte ja lieber gehabt, dass er Hausarzt wird, damit wir zu ihm gehen können, wenn wir Husten und Schnupfen haben, aber das hat ihn nicht interessiert. Er hat sich immer schon für Technik interessiert.

„Ja, ich habe es mehr mit der Technik und weniger mit den Menschen“, sagte Simon. „Man wird ja auch aus dem Grund Radiologe, weil man Patienten lieber schwarz-weiß und zweidimensional sehen mag“, ergänzte er und lachte. „Nicht nur meine Eltern finden, dass Radiologen eigentlich keine richtigen Ärzte sind“, sagte er.

Linda schmunzelte. Darüber hatte sie noch nie nachgedacht und sie versuchte, sich an die wenigen Male zu erinnern, in der sie eine radiologische Praxis betreten hatte. Auch sie erinnerte sich daran, dass sie von der vielen Technik geradezu eingeschüchtert war. „Und wann werden sie die Praxis eröffnen?“, fragte sie zu Simon gewandt. „So schnell wie möglich. Der Kollege in Heidetal hatte einen schweren Unfall und wird nicht mehr arbeiten können und ich war schon so lange auf der Warteliste für den Kassenvertrag, dass ich die Nachricht heute erhalten habe und so schnell wie möglich eröffnen soll.


Ich wünsche Euch einen wunderschönen Montag und einen tollen Start in die letzte Woche vor Weihnachten

Liebe Grüße

Manou

Lindas neues Leben 13

Linda sah erschrocken auf. Daran hatte sie ja noch gar nicht gedacht! Sie würden Unmengen von Eiern haben! „Und vor allen Dingen brauchen die Hühner Nester, wo sie ihre Eier hineinlegen können, sonst könnt ihr die im Stroh suchen“, sagte Beppo. „Am besten werden wir die Futtertröge im Stall zu Nestern umfunktionieren und können nur hoffen, dass die gefiederten Damen das auch verstehen.

Außerdem werden wir Stangen anbringen müssen. Hühner schlafen normalerweise auf Stangen. Aber das machen wir heute nicht mehr. Aber die Nester müssen wir machen“, fügte Beppo hinzu. Jonas und er schleppten nochmal eine Menge Stroh in den Stall und gemeinsam polsterten sie die langen Reihen der Futtertröge mit dem Stroh aus. Auf diese Weise schafften sie es, rund fünfzig Nester anzulegen. „Das sollte genügen“, sagte Beppo.

 „Die legen ja nicht alle gleichzeitig. Ich hoffe nur, dass sie noch genügend Instinkt habe, dass sie die Nester auch nützen. In der Legebatterie legen sie ja einfach da, wo sie in dem Moment stehen. Haben ja auch keine andere Wahl.“

Linda beobachtete die Hühner, die alle total geschockt im Stall standen und leise Töne von sich gaben. Ein paar von ihnen scharrten bereits im Stroh. Dann öffneten sie die Tür ins Freie und schauten, was die völlig verstörten Hennen nun machen würden. Beppo und Herta setzten sich eine Weile zu ihnen, verabschiedeten sich dann aber, weil sie noch einmal schauen wollten, ob sie Bauer Alfred helfen konnten. „Übrigens werde ich ein paar Säcke Futter von Alfred holen. Die müssen ja was fressen“, rief er Linda noch zu. Linda nickte dankbar. Genau! Die Hühner brauchten ja was zu fressen.

Linda und die Kinder blieben bei den Hühnern und beobachteten sie einfach. „Werden die wieder schön werden und Federn bekommen?“, fragte Klara. „Ich glaube schon. Aber das wird vermutlich dauern“, sagte Linda. Immer wieder ging eines der Hühner zu der offenen Stalltür und schaute vorsichtig hinaus, aber bis jetzt hatte sich noch keine von ihnen getraut, auch nur einen Fuß ins Freie zu setzen. „Ich vermute mal, die brauchen noch Zeit. Wir sollten ihnen Wasser hinstellen“, sagte Jonas und suchte in der Scheune nach einem Gefäß. Er fand einen alten Zinkkübel, füllte ihn mit Wasser und stellte ihn vorsichtig gleich neben den Eingang. Linda schaute auf die Uhr.

„Du liebe Güte! Es ist fast 16 Uhr. Wir müssen ja noch planen, wie wir das morgen mit der Schule machen. Kommt, lassen wir die Damen hier ein wenig alleine, damit sie sich an die neue Umgebung gewöhnen können und besprechen wir mal die nächste Woche“, sagte sie und winkte beide Kinder mit sich ins Haus. „Ich glaube, ich brauche jetzt mal zuerst eine Dusche“, sagte Klara. „Das ist eine gute Idee. Duschen wir mal und treffen uns dann in der Küche zur Lagebesprechung“, sagte Linda. „Ich schmiere uns ein paar Brote. Wir werden heute vermutlich nicht mehr kochen“, fügte sie noch hinzu.

Gemeinsam saßen sie dann bald bei Broten und Tee in der Küche. „Ich kann euch die nächsten Wochen zur Schule fahren und abholen. Es sind noch sechs Wochen bis zu den Ferien. Das sollte zu schaffen sein“, sagte sie. Jonas dachte offensichtlich nach. Seine Stirn lag in Falten. Dann sagte er: „Am liebsten würde ich ja gleich hier in Heidetal in die Schule gehen. Geht das nicht?“ Linda sah zu Klara. Diese nickte begeistert. „Ja, das wäre mir auch am liebsten. Dann könnten wir einfach rundum ein ganz neues Leben beginnen. Auch wenn wir noch nicht zur Ruhe gekommen sind, gefällt mir dieses Leben hier so viel besser als unser früheres.“

Linda schüttelte den Kopf. „Ich fürchte, das würde uns mehr Probleme bringen, als es nützt. Momentan muss euer Vater noch damit einverstanden sein, wenn ihr die Schule wechselt. Ich denke, wenn wir das jetzt überstürzen, kann er das später gegen uns, oder besser gesagt, gegen mich verwenden. Ich brauche da erst mal eine Rechtsberatung. So wie euer Vater gerade drauf ist, wird er alles, was er findet, zu seinen Gunsten ausschlachten.

Und ich fürchte, dass ich schon sehr angreifbar bin, weil ich euch einfach mitgenommen habe. Jonas ist schon vierzehn, der darf schon selbst bestimmen, wo er wohnen möchte, aber bei dir Klara, hätte er noch ein Wörtchen mitzureden. Allerdings würde vermutlich jede Familienrichterin auch deinen Wunsch berücksichtigen.

Aber ich möchte bitte, dass ihr bis zu den Ferien noch in die alte Schule geht, damit ich das alles sauber über die Bühne bringen kann.“ Jonas und Klara schauten etwas enttäuscht, sahen es aber ein. „Gut, dann fahren wir morgen um sieben Uhr hier los, dann sind wir pünktlich vor acht Uhr bei der Schule und dann hole ich euch um halb vier wieder ab. Ist das okay für euch?“ Die beiden nickten.

 „Und jetzt sollten wir nochmal nach unseren neuen Familienmitgliedern draußen schauen. Vielleicht ist das Damenkränzchen schon vor die Tür gegangen.“ Linda und die Kinder gingen hinüber zum Stall. Und tatsächlich! Ein paar der Hennen waren schon draußen und scharrten und pickten im Gras.

Gemeinsam setzten sie sich auf den Boden und schauten den Hennen zu, wie sie noch unsicher durch das Gras stakten und ab und zu auch schon scharrten. „Verrückt, wenn man sich vorstellt, dass diese Tiere bisher niemals Tageslicht oder Sonnenschein erlebt haben und auch noch nie das getan haben, was Hühner eigentlich tun, nämlich picken, scharren und Würmer suchen. Das ist doch schrecklich, was wir Menschen mit den Tieren veranstalten“, sagte Klara. Linda nickte und dachte an die vielen Hennen, die heute im Stall bei Bauer Alfred bei lebendigem Leib verbrannt sind.

Eigentlich verdiente Alfred die Bezeichnung Bauer gar nicht. Er war ein Industrieller, einer der gegen Geld eine riesige Zahl an Tieren einfach so versklavte. „Ja, es ist schrecklich, was wir Menschen mit den Tieren machen. Und das nur, um billiges Fleisch und billige Milch und Eier zu erhalten“, sagte Linda. Jonas legte wieder seine Stirn in Falten. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir hier eine Menge Tiere halten, die wir aus solchen Umständen gerettet haben. Vielleicht können wir das auch irgendwie publik machen und den Einen oder Anderen zum Umdenken bewegen“, sagte er. „Wie unschuldig und hilflos diese Hühner sind und wie sie jetzt so vorsichtig durch das Gras gehen. Wie kann man nur so herzlos sein und sie behandeln als wären sie eine tote Ware, eine Produktionseinheit“, fügte Linda hinzu.

Die Hennen gaben leise, gurrende Geräusche von sich. Sie schienen ihr neues Leben zu genießen. Immer mehr von ihnen kamen vorsichtig aus dem Stall heraus und probierten aus, wie es war, wenn ihre Füße das Gras berührten. Es war ein wunderbarer Anblick. Linda, Jonas und Klara konnten sich daran einfach nicht satt sehen.

„Und jetzt stellt euch mal vor, was Papa zu dieser Aktion gesagt hätte“, grinste Jonas. Linda musste laut lachen und ein Teil der Hühner erschrak und flatterte im Reflex weg. Dann hielten sie inne und ahmten die Bewegung noch einmal nach. Ja, sie konnten ihre Flügel spreizen. Das schien auch eine ganz neue Erfahrung zu sein. In den engen Käfigen war ja kein Platz um die Flügel zu spreizen. Aber plötzlich ging es.

Eine von ihnen war offenbar besonders forsch und wiederholte diese Bewegung immer wieder und schritt dabei rasch durch den Auslauf. Ein paar weitere taten es ihr nach. „Schaut mal, wie schnell sie auch voneinander lernen!“, rief Klara.

In dem Moment fuhr Beppo wieder die Hofeinfahrt herein. Im Kofferraum hatte er mehrere Säcke Hühnerfutter. „Schau mal Beppo, wie die Damen ihren neuen Auslauf genießen!“, rief Klara begeistert. Beppo kam lächelnd auf sie zu und setzte sich ebenfalls zu ihnen ins Gras. „Ja, so sollen Hühner leben, nicht in einer Fabrik eingepfercht. Ich habe es Alfred schon oft gesagt, dass er sich an den Tieren versündigt. Aber er hat nur noch das Geld gesehen und hat mich ausgelacht, weil ich mir für so wenig Geld so viel Arbeit mache. Er hatte sogar Pläne, das Ganze noch viel größer zu machen. Er träumte davon, fünfzigtausend Hennen zu haben und einer der führenden Eierproduzenten der Region zu werden“, sagte Beppo und schüttelte dabei seinen ergrauten Kopf.

„Wir alle haben ihm gesagt, dass das nicht gut sei, aber er hat nicht auf uns gehört. Und heute ist es wohl zur Katastrophe gekommen. Er ist am Boden zerstört. Die Hühner waren seine ganze Existenzgrundlage. Er hat ja keine Felder mehr bestellt und auch sonst nichts mehr gemacht, nur noch die vielen Hühner.“ „Ist der ganze Stall abgebrannt?“, frage Linda. Beppo nickte traurig. „Ja, mit allen Tieren drin. Alfred sagt, es seien ungefähr zehntausend Hühner verbrannt.“ Bei diesen Worten traten sogar Beppo Tränen in die Augen und Klara schlug die Hände vors Gesicht. Jonas schluckte und war sichtlich bemüht, nicht zu weinen.

„Es ist wunderschön, dass ihr zumindest diesen paar geretteten Hennen ein schönes Leben macht. Ich werde euch dabei helfen. In ein paar Wochen werden sie auch nicht mehr aussehen, als ob sie bereits gerupft wären. Die Federn wachsen nach und wenn sie genügend Platz haben, dann picken sie sich auch nicht gegenseitig. Das tun sie nur aus Langeweile. Ich werde morgen noch mehr Maschendraht besorgen und dann werden wir den Auslauf ungefähr vier Mal so groß machen, wie er jetzt ist.

Platz habt ihr ja genug. Und den Stall müssen wir mit Stangen versehen und außerdem gehört er in ein paar Tagen ausgemistet und gekalkt. Der Kalk dient der Desinfektion. Und langsam werden wir damit beginnen, das Futter umzustellen. In diesem Dreck da, dabei zeigte er mit dem Kinn auf die Futtersäcke, die er mitgebracht hatte, ist ja nichts Gescheites drin außer einer Menge Medikamente und Chemie. Aber wir müssen das langsam machen. Heute und morgen bekommen sie noch das gewohnte Futter, damit es nicht zu viel Veränderung auf einmal ist, ab Dienstag mischen wir es und bis in zwei Wochen sollten wir das Chemie-Futter ausgeschlichen haben. Wenn du magst, Linda, werde ich mich darum kümmern.“

„Oh, das ist ganz lieb von dir Beppo! Bitte besorge alles was wir brauchen und sag mir dann einfach, was ich dir schuldig bin.“ „Ich habe eine bessere Idee. Ich besorge alles für den Anfang und das ist mein Anteil an der Sache, dafür bekomme ich meinen ganzen Bedarf an Eiern von dir“, sagte Beppo und lachte. „Ich glaube, davon werdet ihr in nächster Zeit genug haben. Ich werde auch mal die Werbetrommel rühren, vielleicht finden wir noch ein paar Abnehmer. Vor allen Dingen dann, wenn die Tiere gesund und nicht mehr mit Chemie vollgestopft sind.“ Linda nickte begeistert. Ja, dann werden wir die Eier so gut es geht verkaufen und verarbeiten.“  



Morgen geht es dann weiter….mal sehen, welche Abenteuer noch auf Linda, Jonas und Klara warten.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Sonntag und einen besinnlichen vierten Advent

Liebe Grüße

Manou


Lindas neues Leben 12

Nachdem sie alle drei geduscht waren, zogen sich alle für eine Weile in ihre Zimmer zurück. Jeder von ihnen brauchte Zeit um in Ruhe über die letzten Tage nachzudenken. Linda hatte sich ein Notizbuch gekauft und begann es als Tagebuch zu nutzen. Sie musste alles aufschreiben, sonst würde sie es vielleicht eines Tages vergessen.

Kurz öffnete sich ihre Zimmertür. „Ich gehe ins Bett, Klara schläft schon“, sagte Jonas leise und warf Linda einen Handkuss zu. Linda lächelte ihn an und sagte: „Schlaf gut. Morgen werden wir mal richtig faulenzen. Wir haben viel geschafft.“ Jonas nickte. „Das kannst du wirklich laut sagen. Das hätten wir uns vor ein paar Tagen nicht einmal vorstellen können, was wir bis jetzt auf die Beine gestellt haben. Aber jetzt bin ich einfach nur noch müde.“

Leise schloss sich die Tür und Linda setzte sich im Bett auf. Das Schlafzimmer war zwar immer noch fremd, aber durch die jetzt heimelige Beleuchtung machte es sich ganz gut. Das Fenster war offen und die laue Nachtluft brachte wunderbare Gerüche mit sich, wie sie es nur in der freien Natur gab. Linda bemerkte erst jetzt, dass sie in den letzten zwei Tagen nicht ein einziges Mal an den Job gedacht hatte, den sie verloren hatte. Da waren weder Bedauern noch Wehmut.

Genauso wenig, wenn sie an Georg oder ihr elegantes Haus am Stadtrand dachte. Sie hatte das Gefühl, plötzlich in ihr wahres Leben katapultiert worden zu sein. Verrückt! Sie schaute zur Uhr. Es war erst 22.00 Uhr. Sie konnte also ruhig nochmal in die Küche gehen und sich einen Tee kochen. Sie musste nachdenken. Auch darüber, womit sie in weiterer Sicht ihr Geld verdienen würde. Georg würde für die Kinder bezahlen müssen, und sie wollte, dass er ihr das Geld, das sie damals geerbt hatte, wieder zurückbezahlte. Den Rest sollte er behalten.

Sie legte keinen Wert auf sein Geld, genauso wenig wie auf seine Anwesenheit. Aber sie würde trotzdem arbeiten müssen und sie wollte auch etwas arbeiten. Sie hatte ja immer schon den Traum, dass sie gerne schreiben würde. Aber sie hatte keine Ahnung, ob sie dazu Talent hatte. Aber alleine der Gedanke, dass sie von zu Hause arbeiten konnte, gefiel ihr sehr gut. Sie könnte eine Zeit des Rückzugs gut gebrauchen.

Sie musste erst in die neue Situation hineinwachsen und auch ein wenig ihre Wunden lecken, die Georg ihr geschlagen hatte. Sie hatte zwar bemerkt, wie schnell sie über sich hinauswachsen konnte, wenn es unbedingt sein musste, aber bis sie wieder die selbstbewusste Linda von früher war, würde Zeit vergehen. Vermutlich gab es diese Linda von früher auch gar nicht mehr. Sie war älter geworden. Wahrscheinlich musste sie sich ganz neu erfinden und dazu brauchte sie Zeit. Die letzten 15 Jahre waren schwer gewesen.

Gedankenverloren rührte Linda in ihrem Tee und sah sich in der Küche um. Obwohl es eigentlich eine fremde Küche war, fühlte sie sich darin richtig wohl. Alles strahlte Bescheidenheit und Solidität aus. Alles war, was es war. Wenn es aussah wie Holz, war es auch Holz. Keine Kunststoffoberflächen, keine Furniere, kein Plastik. Alles war echt und real. Das hatte wirklich einen ganz eigenen Charme. Auch die Gegenstände, die sie heute gekauft hatten, waren alle im Retro-Design und passend zu dem schlichten Ambiente. Linda stellte sich innerlich bereits auf ein sehr beschauliches Dasein ein.

Am Sonntagmorgen hatten Linda und die Kinder endlich genügend Zeit und auch alle Zutaten für ein wunderschönes Sonntagsfrühstück. Gemütlich saßen sie bei offener Gartentür in der Küche und genossen den ersten Sonntag auf dem Land. Für den heutigen Tag war nichts geplant, denn sie wollten sich endlich richtig ausruhen und in ihrem neuen Zuhause ankommen. Aber kaum hatten sie den Frühstückstisch abgeräumt, hörten sie draußen Beppos aufgeregtes Rufen. „Linda! Jonas! Klara! Kommt schnell! Wir müssen alle rüber zu Bauer Alfred! Der Hühnerstall brennt!“

Rasch sprangen Linda und die Kinder in die nächstbesten Klamotten. Sie hatten in den letzten Tagen so viel Hilfe erfahren, da stand es nicht zur Debatte, sofort zu helfen. Beppo sprang in Lindas Auto auf den Beifahrersitz und die Kinder auf den Rücksitz und so rasten sie rasch Richtung Hauptstraße, wo auch bereits mehrere Feuerwehreinsatzfahrzeuge an ihnen vorbei rasten. Nach wenigen Minuten erreichten sie das Gelände von Bauer Alfred.

Was Beppo als Hühnerstall bezeichnet hatte, war eine riesige Legebatterie, wie Linda sie nur aus dem Fernsehen kannte. Auf der einen Seite schlugen bereits die Flammen aus dem Gebäude. Die andere Seite schien noch nicht zu brennen. Sie rannten sofort hin und halfen ganze Käfige mit Hühnern ins Freie zu tragen. Viele der Hühner in den Käfigen waren bereits tot oder ohnmächtig. Es war keine Zeit zu schauen, sie mussten so viele retten, wie sie nur konnten. Während die Feuerwehren das Gelände sicherten, rannten die vielen Helfer immer wieder hinein und hinaus und brachten die Tiere ins Freie. Aber schon bald befahl die Feuerwehr, dass niemand mehr ins Gebäude durfte. Die Flammen loderten jetzt noch viel höher und hatten bereits auf andere Gebäudeteile übergegriffen. Es bestand Einsturzgefahr.

Viele tausend Hühner waren noch drinnen gefangen. Jonas versuchte noch einmal in den Stall zu gelangen, aber ein Feuerwehrmann zog ihn wütend zurück. Linda schlug die Hände vors Gesicht. Das durfte nicht wahr sein! Da drinnen waren lebende Tiere und sie durften nicht mehr hinein! „Was können wir jetzt tun? Wir müssen die Tiere doch retten!“, schrie Linda und zerrte an Beppos Ärmel. „Leider können wir nichts mehr tun. Die anderen, die wir rausgebracht haben, werden jetzt zumindest schonender getötet.“ Linda starrte Beppo an. „Was?! Die werden getötet?“, schrie sie entsetzt. „Vermutlich. Alfred hat ja keinen Stall mehr“, sagte Beppo und zuckte mit den Schultern. „Was soll er sonst mit ihnen machen?“

Linda ging hinüber. Eine ganze Menge Käfige mit Hühnern standen auf der Wiese. Manche Tiere lagen reglos, andere gaben leise Laute von sich. Die Hühner sahen Mitleid erregend aus. Viele hatten fast keine Federn mehr. Andere hatten blutige Stellen am ganzen Körper. Linda bemitleidete die geschundenen Kreaturen von Herzen. Aber noch mehr Entsetzen machte sich in ihr breit, wenn sie daran dachte, dass jetzt, in diesem Moment, da drinnen weitere tausende Hühner bei lebendigem Leib verbrannten. Das war wohl die dunkle Seite des Landlebens. Nirgendwo waren solche Bilder auf Eierschachteln gedruckt. Überall waren glückliche Hühner auf Wiesen abgebildet.

Dass die armen Tiere in Gitterkäfigen ihr trostloses Dasein fristeten, war ihr bisher auch nicht bewusst gewesen. „Können wir die Hühner zu mir hinüberschaffen? In der hinteren Scheune ist eine Menge Stroh und ich kann ihnen den Stall herrichten, der leer steht und ihn mit Stroh ausstreuen, bis ich morgen oder am Dienstag jemanden gefunden habe, der einen Teil der Wiese für sie einzäunt. „Mädchen, du gehst aber ran!“, sagte Beppo kopfschüttelnd. Aber Linda sah auch einen Hauch Bewunderung in seinen Augen. „Ich rede mit Alfred. Ich denke mal, er ist froh, wenn er die heute nicht noch alle erschlagen muss.“

Kurze Zeit später kam er zurück. „Du kannst sie haben, wenn du sie alle mitnimmst und ihm die Käfige irgendwann zurückbringst.“ Linda nickte. „Dann stellt sich nur noch die Frage, wie wir das bewerkstelligen?“ Beppo überlegte einen Moment. „Wenn wir schnell sind, kann ich mit dem Traktor und dem Wagen kommen, bevor hier noch mehr Feuerwehren eintreffen. Die Kinder sollen bei den Hühnern bleiben und wir fahren rasch zu mir und holen den Traktor.“ Linda sagte den Kindern Bescheid und gemeinsam mit Beppo rasten sie zu seinem Hof und kamen sehr schnell mit Traktor und Wagen zurück.

Die Kinder, Linda und Beppo luden die Hühner auf. „Hier können wir sowieso nichts mehr tun. Wir fahren zu dir und streuen den Stall aus.“ Die Kinder setzten sich zu den Hühnern auf den Wagen und als sie gerade aus der Hofeinfahrt fuhren, kamen die nächsten Einsatzfahrzeuge angefahren. Linda warf noch einen Blick zurück. Es war gut, dass sie jetzt erst einmal beschäftigt war. Der Gedanke an die armen Hühner, die nicht mehr gerettet werden konnten, war unerträglich.

Schnell schafften sie die Strohballen aus der Scheune in den Stall und breiteten eine etwa zehn Zentimeter dicke Strohschicht auf dem Boden aus. Dann hievten sie die Käfige vom Wagen. Viele der Hühner waren wieder zu Bewusstsein gekommen. Langsam und vorsichtig trugen sie einen Käfig nach dem anderen zum Stall und ließen die Hühner frei. Die armen Tiere waren noch nie außerhalb ihres Käfigs und blieben einfach alle dort stehen, wo sie hingestellt wurden. Beppo inspizierte das Gelände. „Ich habe drüben auf dem Hof noch Maschendrahtzaun. Den hole ich rasch, sodass wir zumindest einen provisorischen Auslauf für die Tiere machen können. Dann können sie zur Stalltür rein- und rausgehen.

Er setzte sich wieder auf den Traktor und kam kurze Zeit später mit dem Auto zurück. Gemeinsam mit Jonas und Klara stellten sie einen Zaun auf, sodass die Hühner einen schönen Auslauf im Gras hatten. Mit der Sense mähte Beppo das Gras, das bislang hüfthoch stand. Mittlerweile war Herta, bewaffnet mit einem ihrer hervorragenden Hefezöpfe eingetroffen. „Na, ihr habt ja Ideen!“, sagte sie schmunzelnd. „Du scheinst eine Frau der Tat zu sein. Die armen Tiere, die nicht gerettet werden konnten! Dafür werden diese hier es jetzt so guthaben, wie noch nie in ihrem Leben“, sagte Herta und half ihrem Mann beim Spannen des Zaunes.

Kurze Zeit später war auch der vorläufige Auslauf fertig. „Die Hühner sind es nicht gewohnt im Freien zu sein. Du kannst dich darauf einstellen, dass nicht alle überleben werden“, sagte Beppo zu Linda. Linda schaute sich nach ihren Kindern um. Klara saß im Stall bei den Hühnern und weinte. Jonas stand etwas ratlos im Auslauf und kratzte sich am Kopf. Das war alles so rasend schnell gegangen. Vor zwei Stunden waren sie noch der Meinung, dass sie heute einen ruhigen Tag verbringen würden und jetzt hatten sie eine riesige brennende Legebatterie gesehen und waren plötzlich Besitzer von sehr vielen Hühnern.

„Mir kommt es so vor, als hätte ich das alles nur geträumt“, sagte Jonas und setzte sich einfach ins Gras. Herta war ins Haus gegangen und machte Tee, Kaffee und Kakao. Ihr Rezept gegen jegliche Irritation schien Essen und Trinken zu sein. Und es funktionierte. Nach einer Tasse Kaffee und Kakao und einem Stück Hefezopf war der Schock bei allen etwas gewichen. „Ich habe die Hühner gezählt, es sind fast 300“, sagte Klara. „Wow! Wir haben jetzt 300 Hühner! Was machen wir mit den Eiern?“


Tja, welche Idee werden die drei nun haben? Das erfahrt Ihr morgen.

Heute Abend gibt es wieder ein neues Video aus der Reihe „Von der Einsamkeit zum All-eins-Sein“.

Heute geht es um das Thema: Dein Seelenweg

Ich wünsche Dir einen wunderschönen Samstag

Ganz liebe Grüße

Manou


Lindas neues Leben 11

Gerade als sie wieder ins Haus gehen wollten, sahen sie Beppo über die Felder stapfen. Schon von Weitem winkte er. Linda und die Kinder winkten erfreut zurück. „Guten Morgen, ich möchte euch nicht stören. Aber mich interessiert, wie eure Nacht war und ob ich euch bei etwas helfen kann.“ Der gute Beppo war ganz außer Atem. „Guten Morgen Beppo“, rief Linda. „Die Nacht war wunderbar und wir werden uns jetzt mal auf den Weg machen und alle Kleinigkeiten besorgen, die wir brauchen. Sollen wir dir auch etwas mitbringen?“

Beppo schüttelte den Kopf. „Danke, dann bringt mich Herta um. Ich habe ihr versprochen, dass ich meinen Krempel reduziere. Ich wollte nur sagen, kauft bitte kein Werkzeug. Ich habe hier gestern ganz viel Werkzeug gesehen und wenn es euch nichts ausmacht, würde ich den hinteren Bereich in der Scheune ein wenig zu einer Werkstatt machen.“ „Oh Beppo, das ist sehr lieb. Wenn es dir nichts ausmacht, wären wir darüber wirklich froh.

Bis wir zu solchen Details kommen, wird noch ein wenig Zeit verstreichen. Im Übrigen bin ich froh, wenn du hier bist, solange wir unterwegs sind. Denn mein Noch-Mann hat vorgestern Abend gesagt, dass er für heute einen Makler herschicken wollte. Falls der kommt, kannst du den bitte verjagen?“ Beppo lachte. „Nichts lieber als das. Und sollte dein Noch-Mann nochmal auftauchen, werde ich ihn mit der Mistgabel vom Hof jagen“, sagte er fröhlich. Linda musste lachen. Die Vorstellung war wirklich wunderbar. Es war super, sich so beschützt zu fühlen. Dann stand ihrem Einkaufstrip ja nichts mehr im Wege.

Kurze Zeit darauf saßen Linda und die Kinder schon im Auto und brausten zum nächstgelegenen Schweden. Sie schwärmten zu dritt aus und jeder suchte sich die Dinge, die er dringend brauchte und die sie verwenden konnten, um das Haus ein wenig persönlicher zu machen. Nach drei Stunden waren sie mit dem meisten durch und brachten noch das Gedränge an der Kasse hinter sich.

Linda war froh, dass sie die letzten Monate kaum Geld ausgegeben hatte, sodass der Einkauf zwar ein ganz schönes Loch in ihre Kasse riss, sie ihn aber locker bezahlen konnte. „Lasst uns das Zeug ins Auto laden, dann können wir hier gleich noch ein paar Zimtschnecken oder Pizzataschen verspeisen“, sagte Linda und Klara und Jonas nickten, denn auch ihr Magen knurrte mittlerweile ziemlich laut.

Gestärkt machten sie sich auf den Weg zum nächsten Supermarkt und kauften einen stattlichen Vorrat an Lebensmitteln ein, den sie nur noch mit Mühe im Auto verstauen konnten. „Ein Glück, dass ich früher gerne Tetris gespielt habe“, lachte Linda und stopfte Kartoffeln zwischen Kartons. Fröhlich machten sie sich auf den Heimweg und freuten sich schon darauf mit den neu erstandenen Schätzen das Haus zu dekorieren.

Sie hatten schon eine Menge erledigt und es war erst früher Nachmittag. Sie würden also ihr Programm, das sie sich für heute vorgenommen hatten, gut schaffen. Für Linda war es schon fast normal, die Forststraße einzubiegen und durch das Wäldchen zum Breitner-Hof zu fahren. Sie nannte das Haus mittlerweile so, und da es der Mädchenname ihrer Mutter war, kam ihr das auch nicht fremd vor. Allerdings schwand ihre gute Laune jäh, als das Haus in Sichtweite kaum. Das erste, was sie sah, war Georgs Wagen und daneben standen zwei Polizeiautos und Beppo und ein paar andere Männer fuchtelten herum. „Oh Gott! Was ist denn hier los?“, rief Linda aus und sprang aus dem Auto. Jonas und Klara folgten ihr. „Ah, da kommt ja die Eigentümerin“, rief einer der Polizisten und kam Linda entgegen.

„Guten Tag, ich bin Hauptwachtmeister Fischer. Kennen sie diesen Herrn hier?“, fragte er und deutete auf Georg. „Allerdings kenne ich diesen Herrn, das ist mein Noch-Ehemann und ich frage mich, was er hier möchte“, sagte Linda und versuchte, die Angst, die sich gerade in ihr breit machte, zu unterdrücken. „Was ich hier tue? Ich möchte sowohl mein Eigentum hier veräußern, als auch meine Frau und meine Kinder nach Hause holen. Was denkst du dir eigentlich, Linda? Hast du nun vollkommen den Verstand verloren? Du kommst sofort nach Hause!“ schrie Georg sie an.

„Weder ist das hier dein Eigentum…“, dabei zeigte sie mit dem Arm auf den Hof und den Grund, „…noch werde ich jemals wieder zu dir zurückkommen. Mach` dass du von meinem Eigentum verschwindest oder ich zeige dich auf der Stelle wegen Hausfriedensbruch an!“, schrie Linda zurück. „Nur die Ruhe, die Herrschaften. Wessen Eigentum ist das jetzt?“, fragte der behäbige Polizist. „Es ist mein Eigentum, ich habe es geerbt. Das kann ich beweisen, wenn sie mir bitte ins Haus folgen wollen“, sagte Linda nun etwas ruhiger.

Sie untersagte Georg, der hinter ihr herkommen wollte, mit einer Handbewegung den Zutritt und zeigte dem Polizisten alle Dokumente, die sie vom Notar erhalten hatte. „Na, die Sache ist eindeutig“, sagte dieser und ging wieder hinaus zu Georg und dem verdutzt schauenden Makler, den Linda erst jetzt entdeckte. „Meine Herren, wenn sie nun bitte den Hof verlassen, sie befinden sich auf einem fremden Grundstück und sind ganz offensichtlich nicht willkommen“, sagte er bestimmt und geleitete zuerst den Makler zu seinem Auto. Beppo stützte sich auf einen Besen und beobachtete das Schauspiel lächelnd.

Jetzt erst entdeckte Linda auch Herta auf der Bank unter dem Nussbaum. Die beiden schienen das als willkommene Ergänzung ihres ansonsten so beschaulichen Daseins zu erleben. Georg entzog sich unwirsch dem Griff des zweiten Beamten und ging drohend auf Klara und Jonas zu. „Ihr beiden setzt euch jetzt sofort in mein Auto. Was soll der Quatsch denn? Wenn eure Mutter schon verrücktspielt, müsst ihr nicht auch noch mitmachen.“ Bei den Worten packte er Klara am Arm.

„Lass mich sofort los“, schrie Klara in Panik. Der Polizist ging sofort auf Georg zu. „Lassen sie das Mädchen los!“, herrschte er Georg an. „Meine Frau hat meine Kinder entführt“, rief Georg jetzt theatralisch. „Schaut nicht danach aus“, sagte der Polizist. „Aber sie können das gerne mit dem Familiengericht klären. Ab Montag ist da wieder jemand zu sprechen. Und jetzt gehen sie bitte“, sagte der Polizist und schob Georg in Richtung seines Wagens.

„Das wirst du mir büßen, du undankbares Miststück! Morgen kommen meine Eltern zum Essen. Was soll ich denen denn erklären?“ „Ihre Sorgen möchte ich haben“, sagte der Polizist und öffnete für Georg die Autotür. „Und jetzt fahren sie nach Hause und überlegen sich, was sie ihren Eltern morgen erklären. Auf Wiedersehen!“

Georg stieg tatsächlich ein, startete den Wagen und fuhr langsam die Forststraße in Richtung Wald. „Tja, da werden sie sich noch auf eine Menge Ärger einstellen müssen“, sagte er zu Linda. „Es wäre gut, wenn sie sich einen fähigen Anwalt nehmen. Diese Sorte Typen kennen wir. Die geben nicht so schnell auf. Aber wenn er wiederkommt, hier ist die Nummer unseres Reviers. Wir sind in zehn Minuten hier. Beppo hat es heute erlebt“, sagte der nette Polizist, reichte Linda die Karte und klopfte Beppo auf die Schulter. Wir müssen dann mal weiter. Vielleicht wartet schon der nächste Einsatz auf uns“, sagte er und beide Polizisten stiegen in ihre Autos und fuhren ebenfalls langsam davon.

Lindas Knie zitterten. „Uff, das war ja eine schöne Überraschung. Danke, dass du gleich die Polizei gerufen hast“, sagte sie zu Beppo. „Das war Herta, ich wollte eigentlich alleine mit denen fertig werden. Aber Herta hatte Angst um ihren alten Beppo“, sagte er lachend. „Kinder, das ist echt toll, dass ihr so viel Leben in unsere langweiligen Tage bringt.“ „Freut mich, wenn wir euch damit unterhalten können, ich hätte es ganz gerne etwas ruhiger“, sagte Linda und lächelte die beiden an. „Dann hättest du einen netteren Kerl heiraten müssen“, sagte Beppo und Linda nickte zerknirscht. „Stimmt. Das hätte ich mir früher überlegen müssen.

Wie wäre es mit einem Kaffee?“, fragte sie und wechselte damit rasch das Thema. „Gute Idee“, sagte Herta. „Aber zuerst helfen wir euch noch, die Sachen ins Haus zu tragen. Dein Auto geht ja schon ganz in die Knie“, sagte Beppo und machte sich bereits an der Kofferraumtür zu schaffen. Zu fünft hatten sie in wenigen Minuten alles ins Haus getragen und während Jonas und Klara die Kisten in die entsprechenden Zimmer schleppten, packten Herta und Linda die Lebensmittel aus und verstauten sie in der Küche. Nach einem gemütlichen Kaffeestündchen verabschiedeten sich Beppo und Herta und machten sich gemächlich wieder über die Felder auf den Heimweg. Linda schauten den beiden nach. Herta hatte sich bei Beppo eingehakt und gemeinsam strahlten sie unglaublich viel Ruhe und Frieden aus.

Die Kinder hatten schon damit begonnen, ihre Errungenschaften auszupacken und dem Haus eine persönliche Note zu geben. Jonas und Klara schafften es sogar, die Deckenlampen zu tauschen und innerhalb weniger Stunden sah das Haus ein weiteres Mal völlig verändert aus. So langsam wurde aus dem Haus ein Zuhause.

Hat Linda es nun geschafft, oder hat Georg noch ein Ass im Ärmel?

Das erfahrt Ihr in den weiteren Folgen.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Freitag.

Ganz liebe Grüße

Manou

Lindas neues Leben 10

Linda war froh, dass sie dem bunten Treiben kurz entrinnen konnte, schnappte ihre Handtasche und machte sich auf den Weg ins Dorf. Bepackt mit Semmeln, Kuchen, Bier, Saft und Wasser kam sie zurück.

Auch die Damen waren froh über eine kleine Pause und ließen es sich schmecken. Danach teilten sie noch die Männer zum Putzen ein und innerhalb von sechs Stunden erstrahlte das ganze Haus in neuem Glanz. Zum Schluss half Herta noch, die Vorhänge aufzuhängen. Der Helfertrupp war schon verschwunden. „Ich habe im Dorf eine Pizzeria gesehen, darf ich euch beide dorthin einladen?“ Herta und Beppo nickten. „Ja, das ist eine gute Idee.“

Jonas und Klara waren ebenfalls begeistert von dieser Idee. Todmüde saßen alle um den Tisch und warteten auf die bestellte Pizza. „Vielen lieben Dank für eure Unterstützung“, sagte Linda und drückte eine Hand von Beppo und eine von Herta. „Ohne euch würden wir vermutlich in einer Woche noch putzen und räumen. „Das haben wir sehr gerne gemacht. Wir freuen uns wirklich, wieder fröhliche Nachbarn zu haben. Sag einfach immer Bescheid, wenn du Hilfe brauchst“, sagte Beppo und Herta nickte. Linda nickte ebenfalls. Noch wusste keiner, wie oft das in den nächsten Tagen der Fall sein würde.

Das Essen verlief fast schweigsam. Sie waren alle rechtschaffen müde und Linda freute sich darauf, dass sie, wenn sie nach Hause kamen, die Zimmer aufteilen konnten. Dazu war heute noch gar keine Zeit gewesen. Der Helfertrupp war wie ein Wirbelsturm über sie hereingebrochen.

Wieder zuhause angekommen, machten sie zuerst einen Rundgang durchs Haus. Wie anders es jetzt wirkte, wo alles so sauber war und frisch roch. Linda hätte sich niemals träumen lassen, dass man so etwas in so kurzer Zeit bewerkstelligen konnte. Aber die Leute waren Arbeit gewohnt, das hatte man bemerkt. Die wussten genau, wo sie hin greifen mussten, um das schnellste und beste Ergebnis zu erzielen. „So, jetzt schauen wir mal nach den Zimmern. Die beiden unteren Zimmer würde ich gerne als mein Schlaf- und mein Arbeitszimmer einrichten. Die Wohnstube bleibt Wohnstube. Was denkt ihr? Dann könnt Ihr euch oben auch jeweils zwei Zimmer aussuchen.“

Jonas und Klara gingen durch alle Räume. Klara hatte sich schnell für zwei nebeneinanderliegende Zimmer entschieden, von denen eines einen kleinen Erker hatte. Jonas nahm die anderen zwei, die ebenfalls nebeneinanderlagen.

„Morgen müssen wir zum großen Schweden fahren. Wir brauchen ein paar andere Lampen, Deko und ein paar Kleinmöbel und dann überlegen wir in Ruhe, wie wir uns über den Sommer einrichten wollen. Die Betten und Schränke sind vielleicht nicht der Renner, aber sie sind aus schönem Holz und für den Anfang können wir sie lassen, oder?“ „Ich denke schon“, sagte Jonas. „Das würden wir auf die Schnelle sowieso nicht schaffen.

Es wäre schön, wenn wir uns am Sonntag noch ein wenig ausruhen und das Haus genießen könnten. Ich habe das Gefühl, noch gar nicht angekommen zu sein. Es war noch keine Zeit das alles irgendwie zu verarbeiten.“ Linda und Klara ging es ganz genauso. „Das ist ein guter Plan. Wir machen morgen noch vorläufig fertig und ab morgen Abend ruhen wir uns aus. Und jetzt gehen wir duschen und schlafen.

Nacheinander gingen sie unter die Dusche und trafen sich danach nochmal in der Küche, weil keiner von ihnen einfach so einschlafen konnte. Linda kochte eine Kanne Tee und dann saßen sie am Tisch und malten sich aus, wie sie das Leben hier gestalten konnten. „Vermisst ihr euren Vater?“, fragte Linda leise und hatte etwas Angst vor der Antwort.

„Ich vermisse den Vater, den ich nie hatte. Den Vater, der sich für mich interessiert und mit mir zum Fußball geht“, sagte Jonas leise. „Das Einzige, das sich jetzt geändert hat ist, dass wir so frei sind und nicht dauernd nach der Pfeife von jemandem tanzen müssen, der zwar nie da ist, aber die Regeln für die ganze Familie diktiert. Ich habe das Gefühl, dass wir hier endlich aufatmen können. Aber ich glaube, dass wir dazu noch Zeit brauchen.“ Linda war wieder einmal überrascht, wie klug und reflektiert ihr Sohn die Situation betrachtete.

„Ich bin froh, dass wir hier sind und ich wünsche mir Tiere“, sagte Klara und sah das Haus verliebt an. „Das ist so ein schönes Haus und ich glaube, wir können auch den Garten richtig schön machen“, sagte sie mit müder Stimme. „Ja, das können und werden wir. Und wenn wir die wichtigsten Dinge erledigt haben, denken wir über den Garten und die Tiere nach“, sagte Linda und drückte ihre schläfrige Tochter liebevoll an sich. „Aber jetzt gehen wir doch ins Bett. Wir müssen schlafen. Spätestens um neun Uhr müssen wir los und die Dinge kaufen. Vorher machen wir noch eine Liste, was jeder gerne hätte. Schreibtischlampen und solche Dinge“, ergänzte Linda noch.

Linda wachte sehr früh auf. Ihr Zimmer war nach Osten gelegen, sodass die Sonne schon früh mit aller Kraft hineinschien. Sie würde Jalousien oder dunkle Vorhänge brauchen, ging ihr als erstes durch den Kopf. Aber sie freute sich auch darauf, den heutigen Tag ganz alleine mit einer Tasse Kaffee zu beginnen. Obwohl sie Hals über Kopf hier eingezogen waren, begann sie schon, sich in diesem Haus heimelig zu fühlen, obwohl es so viel anders war als ihr altes Zuhause. Oder vielleicht lag es gerade daran. Das war ein Haus, zu dem ihre Satin-Nachthemden viel weniger passten, als ein Baumwoll-Pyjama, dachte sie auf dem Weg in die Küche. Außerdem hatte sie immer wieder das Gefühl, dass sie das Haus schon kannte.

Sie konnte es sich nicht erklären, aber alles hier kam ihr auf sonderbare Weise vertraut vor. Sogar das Haus von Herta und Beppo. Sie setzte sich mit dem Kaffee nach draußen unter den Nussbaum. Im Garten war noch viel zu tun. Vielleicht würde ihr Beppo helfen, das gröbste Gestrüpp zu beseitigen. Was für ein Glück, am frühen Morgen mitten in der Natur zu sitzen, dem Gesang der Vögel zu lauschen und sich frei zu fühlen. Viel zu lange hatte sie ihr Leben damit verbracht, nach Georgs Pfeife zu tanzen.

Wenn sie jetzt an Georg dachte, war er weit weg. Weder vermisste sie ihn, noch hatte sie Sehnsucht nach ihrem alten Zuhause, in dem ja sowieso alles so war, wie Georg es wollte. Hier würde sie alles so gestalten, wie es ihr gefiel. Linda konnte ihr Glück kaum fassen und dankte im Geiste Hans Breitner sehr dafür, dass sie den Hof nun bewohnen durfte. Hoffentlich konnte ihr unbekannter Großonkel von dort, wo er jetzt war, sehen, welche Freude er ihr damit gemacht hatte. Sie würde den Hof liebevoll Stück für Stück wieder zum Leben erwecken.

Linda war noch ganz in Gedanken versunken als Klara schlaftrunken in der Haustür erschien. Linda winkte sie zu sich auf die Bank. Klara zögerte kurz und sagte mit Blick auf Lindas Kaffeetasse: „Ich komme gleich, ich mach mir nur rasch einen Kakao.“ Kurze Zeit später trat sie mit einer riesigen Tasse Kakao aus dem Haus und setzte sich zu Linda auf die Bank. „Ich glaube, wir sind die glücklichsten Menschen auf der Welt“, sagte Klara, schmiegte sich an Linda und sog begierig die frische Luft ein, die ein wenig nach Wald und Feldern roch.

„Da kannst du Recht haben“, sagte Linda. Und gemeinsam schwiegen sie und nippten an ihren Getränken. „Hast du gut geschlafen?“, fragte Linda. Klara nickte: „Wie ein Stein.“ In diesem Moment kam auch Jonas aus dem Haus und gesellte sich zu den beiden. „Ich habe schon eine Liste gemacht, was wir dringend einkaufen müssen. Uns fehlen vor allen Dingen Verlängerungskabel, Mehrfachstecker und solche Sachen. Außerdem hätte ich gerne eine Leselampe am Bett und in der Küche fehlt ein Mixer und diese Plastikschüsseln mit Deckel. Ansonsten ist ganz viel da, das wir verwenden können. Und ungefähr zehn Deckenlampen brauchen wir auch. Die von Onkel Hans sind wirklich hässlich.“

Linda musste laut lachen, als Jonas ihren unbekannten Onkel einfach Onkel Hans nannte, als hätte er ihn ein Leben lang gekannt. Jonas schien ihre Gedanken zu erraten. „Ich habe Onkel Hans zwar nicht persönlich gekannt, aber wir wohnen in seinem Haus und kennen seine Dinge und dadurch habe ich das Gefühl, ihn gekannt zu haben.“ „Da hast du wirklich Recht. Er ist noch überall hier.“

Wird die Idylle anhalten? Das wirst Du morgen erfahren….

Ganz liebe Grüße in Deinen Donnerstag

Manou

Lindas neues Leben 9

„Pah! Lachte Georg auf. Wo wollt ihr denn hin?“, fragte er und sagte dann mit drohendem Unterton. „Keiner von euch verlässt dieses Haus!“

Linda gab sich scheinbar unbeeindruckt. „Packt all eure Klamotten zusammen und alle Schulsachen und was euch sonst noch wichtig ist. Ich packe ebenfalls.“ Zu Georg gewandt sagte sie: „Wenn du versuchst uns aufzuhalten, rufe ich die Polizei!“ Georg war kurz sprachlos. Linda zückte bereits ihr Telefon und ließ ihren Finger über der Notruftaste schweben. „Wenn du nicht willst, dass alle Nachbarn unser kleines Familiendrama miterleben, lässt du uns jetzt unser Zeug packen und gehen. Ansonsten sorge ich dafür, dass morgen die ganze Stadt über uns spricht.“

„Du mieses Stück Dreck“, zischte Georg und hob die Hand. „Wage es nicht, mich zu schlagen, sonst rufe ich den Notruf auch noch wegen häuslicher Gewalt. Georg wandte sich mit Wut verzerrtem Gesicht an die Kinder: „Ihr werdet ja wohl hoffentlich nicht so blöd sein und mit eurer verrückten Mutter gehen?“

Jonas und Klara wechselten nur einen kurzen Blick und Jonas sagte: „Erstens ist unsere Mutter nicht verrückt und zweitens gehen wir mit.“ Mit diesen Worten drehten sich die beiden um und gingen rasch in ihre Zimmer um ihre Sachen zu packen. Linda flüsterte ihnen auf der Treppe zu: „Nehmt wirklich alles mit, was wichtig für euch ist. Ich habe keine Ahnung, wann und ob wir hier nochmal rein können.“ Klara und Jonas nickten und fingen an, schnell ihre Sachen zusammenzuraffen.

Linda schleppte schon die ersten Taschen zum Auto. Georg stand mit verschränkten Armen im Flur und schaute ihnen zu. „Das wirst du bitter bereuen, Linda!“, sagte er jedes Mal, wenn sie an ihm vorbeiging. Aber er unternahm nichts mehr, um sie aufzuhalten. Linda war gut darin, den Stauraum ihres Siebensitzers gut auszunützen. Zwischen die Koffer packte sie die diversen Plastiktüten, die die Kinder nun sehr rasch herbeibrachten. „Habt ihr eure Laptops, Handy, Ladekabel?“, fragte sie und die beiden nickten. „Gut, dann holen wir jetzt noch unser Bettzeug. Bettlaken habe ich eingepackt.

Linda nahm noch sämtliche Dokumente, die sie ordentlich in einer Mappe verpackt hatte und warf einen letzten Blick auf Georg. Normalerweise hätte sie erwartet, dass sie irgendeine Art des Bedauerns verspürte. Aber in ihr war nur Aufregung und Wut. Die Kinder zwängten sich auf den letzten Rest Platz, der ihnen zum Sitzen blieb. „Habt ihr wirklich alles? Alle Schulsachen, alles was sonst noch wichtig ist für die nächste Zeit?“ Die beiden nickten. Dann drehte Linda den Schlüssel im Zündschloss und langsam rollten sie aus der Einfahrt.

Zuerst fuhren sie schweigend, dann löste sich der Schock. Klara begann zu schluchzen. Jonas versuchte sie zu trösten, konnte aber kaum zu ihr hinübergreifen, da sich auf der Rückbank zwischen ihnen Kisten und Säcke türmten. „Wohin fahren wir jetzt?“, brach Jonas das Schweigen. „Naja, ich denke, wir fahren zu unserem Haus und schauen, dass wir uns ein Lager für die Nacht richten. Morgen ist Freitag, ich werde euch in der Schule entschuldigen und bis Montag sollten wir es geschafft haben, dass wir uns halbwegs häuslich eingerichtet haben.

So schnell habe ich auch nicht damit gerechnet“, sagte Linda. Klara hörte auf zu schluchzen. „Jetzt haben wir mal erlebt, wie gemein Papa sein kann“, sagte sie und ihre Stimme zitterte immer noch. „Ja, aber Mama war ziemlich cool“, sagte Jonas und etwas Stolz klang aus seiner Stimme. „Hätte ich gar nicht gedacht, dass du so auf den Tisch hauen kannst“, fügte er noch hinzu. Linda musste lachen. „Ganz ehrlich Kinder, ich hätte das auch nicht gedacht. Aber euer Vater ist einfach einen Schritt zu weit gegangen. Ich lasse mir viel gefallen, aber nicht alles.“

„Außerdem muss ich morgen unbedingt beim Haus sein, um das Entrümpelungsunternehmen davon abzuhalten, die Möbel raus zu tragen. Das wurde mir schlagartig klar. Damals, als ich das Geld von Oma und Opa geerbt hatte, konnte ich gar nicht so schnell schauen, wie Papa es sich unter den Nagel gerissen hat und mich auch noch dafür verhöhnte, dass meine Eltern mir nicht mehr hinterlassen haben.“ Jonas fragte: „Echt jetzt? Er hat dir das Geld einfach weggenommen?“ „Ja“, sagte Linda. „Während wir drei noch damit beschäftigt waren, unsere Tränen zu trocknen, hat euer Vater bereits den Wintergarten geplant und beauftragt.

Übrigens ohne mich zu fragen, ob ich überhaupt einen Wintergarten möchte oder wie ich mir einen vorstellen würde. Er hat einfach über alles verfügt. Und schon damals war mir klar, dass das meine einzige Chance gewesen wäre, mich auf eigene Beine zu stellen, aber die hat er mir sehr schnell entzogen. Aber jetzt habe ich eine zweite Chance erhalten und die werde ich mir nicht noch einmal wegnehmen lassen. Und seit ich weiß, dass ihr das auch wollt, war es klar für mich, dass ich das jetzt durchziehen werde.“

In dem Moment bogen sie in die Forststraße ein, die durch den Wald zu ihrem Hof führte. Es war ungewohnt dunkel. Nirgendwo brannte eine Lampe. Bei Nacht wirkte der Hof doch sehr unbewohnt und auch etwas gruselig. „Hoffentlich gibt es Strom“, sagte Linda. „Ein paar Kerzen habe ich mitgebracht, aber das ganze Haus kann man damit nicht erhellen.“ Doch ihre Sorge war umsonst. Es hatte sich niemand darum gekümmert, den Strom abzumelden.

„Tja, wir müssen uns nun überlegen, wo wir unser Nachtlager aufschlagen werden. Oben habe ich in einem der Schlafzimmer ein Doppelbett gesehen. Wollen wir heute ausnahmsweise in einem Bett schlafen und morgen kümmern wir uns um die Aufteilung der Zimmer?“ Klara und Jonas nickten. Gemeinsam schleppten sie die Sachen ins Haus und stellten alles im Vorraum ab. Linda ging nach oben und schaute sich das Schlafzimmer genauer an. „Es ist nicht sehr heimelig, aber für eine Nacht wird es gehen.

Morgen wartet viel Arbeit auf uns, aber jetzt schlafen wir erst einmal. Ich habe ein paar Kekse und Saft mitgenommen, das können wir noch essen und morgen werden wir erstmal die Lage sichten und einkaufen.“ Rasch legte sie eine Decke und darüber ein Leintuch auf die Matratzen und darauf ihre Kissen und Decken. Dann prüfte sie das Wasser im WC, im Bad und in der Küche. „Die lebensnotwendige Infrastruktur ist da, um den Rest kümmern wir uns morgen.“ Noch lange lagen Linda und die Kinder wach im Bett und rekapitulierten die vergangenen Stunden.

Am nächsten Morgen wachten sie schon früh auf. Linda hat glücklicherweise daran gedacht, ein Glas löslichen Kaffee, einen Liter Milch und Kakao mitzunehmen, sodass sie mindestens etwas Warmes trinken konnten. Kaum waren sie aufgestanden stand auch schon Bauer Beppo vor der Tür. „Hallo Linda?“, rief er schon von draußen. Linda stürmte ihm entgegen.

„Lieber Beppo, es tut mir schrecklich leid, dass mein Mann gestern offenbar sehr ausfallend geworden ist“, sagte sie als erstes. Beppo lachte. „Wenn das dein Mann war, dann kann ich immer besser verstehen, warum du lieber hier wohnen willst, als in einer Villa in der Stadt.“ Dann erst sah er die Kinder. „Oh, wen haben wir denn da?“, fragte er freundlich und reichte Klara und Jonas die Hand. „Wie wäre es, wenn ihr zu einem anständigen Frühstück zu uns rüberkommt und alles erzählt. Linda wollte gerade erfreut zusagen, da fiel ihr ein, dass sie dafür sorgen musste, dass das Entrümpelungsunternehmen nicht das Haus leerräumte.

Beppo stutzte. „Dein Mann hat ein Entrümpelungsunternehmen bestellt? Hier gibt es nur eines und das gehört meinem Schwager. Warte, ich rufe mal rasch an.“ Innerhalb weniger Minuten war die Entrümpelungsfirma abbestellt und Linda und die Kinder machten sich durch die Felder wieder einmal auf den Weg in Beppos und Hertas Küche.

Bei einem exzellenten Frühstück schilderte Linda die Lage und erlebte das erste Mal, was Menschen, die sehr gut vernetzt sind, in wenigen Minuten organisieren können. „In einer Stunde kommen die Jungs aus dem Dorf und helfen mit dem Ausräumen, dann sind wir in einer Stunde fertig und um 13.00 Uhr kommen die ganzen Damen des Ortes und helfen beim Putzen. Heute Abend habt ihr schon ein ordentliches Zuhause. Linda kam aus dem Staunen nicht heraus. Mit wenigen Anrufen hatten die beiden das halbe Dorf mobilisiert. Nach dem Frühstück machten sich Linda, die Kinder, Beppo und Herta auf den Weg zum Breitner-Hof. Wenig später kamen schon die ersten Männer an und Beppo übernahm das Kommando.

Herta und Linda fädelten bereits die Gardinen aus den Halterungen, damit sie diese rasch waschen konnten. Glücklicherweise war der ganze Haushalt von Hans Breitner noch in gutem Zustand. Kaum war die erste Fuhre in der Maschine rückten acht Freundinnen von Herta an und machten innerhalb weniger Minuten einen Schlachtplan. Linda konnte kaum so schnell schauen, wie die Damen begannen, die Wände abzukehren, die Fenster und Fensterrahmen zu putzen. Währenddessen schaute Linda nach, ob die Männer alle Kisten und Gegenstände rausgetragen hatten. Diese saßen schon draußen unter dem Nussbaum und tranken ein Bier. „Linda, falls es dir nichts ausmacht, könntest du im Dorf ein paar Wurstsemmeln besorgen. Arbeiter muss man bei Laune halten und das geht am besten mit Essen und Trinken“, grinste Beppo.

So, und morgen geht es weiter. Wie wird es Linda und den Kindern in ihrem neuen Zuhause ergehen?

Liebe Grüße in Euren Mittwoch

Manou

Lindas neues Leben 7

„Hallo? Ist da wer?“, hörte sie eine Männerstimme rufen. „Wer sind sie?“, rief Linda nach unten. „Das möchte ich sie auch fragen!“, kam sofort die Antwort von unten. Linda sah einen Mann am Treppenabsatz stehen.

Mit zitternden Knien richtete sie sich auf und sah sich den Mann genauer an. Sehr bedrohlich wirkte er nicht. Er schien schon älter zu sein und wirkte eher wie ein freundlicher Bauer. Sein Blaumann und das karierte Hemd unterstrichen diesen Eindruck.

„Oh, entschuldigen sie, dass ich sie erschreckt habe“, sagte er. „Ich bin Beppo Ludwig vom Nachbarhof.“ Linda rieb sich die schmerzende Hüfte, die durch den Aufprall etwas lädiert war und ging langsam die Treppe hinunter um sich den Fremden etwas genauer anzusehen. „Darf ich fragen, wer sie sind?“, sagte er. Linda wischte sich die Hände notdürftig an ihrem Kleid ab. „Ich bin Linda Hohenfeld. Ich habe diesen Hof geerbt“, sagte Linda. „Oh, ich bin erfreut, sie kennenzulernen“, sagte Beppo Ludwig und musterte Linda.

„Wie eine Bäuerin sehen sie zwar nicht aus, aber vielleicht wird das ja noch was“, fügte er hinzu und lachte herzlich. Linda schmunzelte. „Ich fürchte, dafür fehlen mir ganz viele Eigenschaften“, antwortete Linda und lachte ebenfalls. „Kannten sie meinen Großonkel?“, fragte Linda und war sich schon während sie die Frage stellte bewusst, dass sie eigentlich überflüssig war. „Natürlich, wir haben ja nicht weit auseinander gewohnt. Aber der alte Hans war ein Eigenbrötler. Wir hatten nicht besonders viel Kontakt. Nur hin und wieder haben wir uns gegenseitig ausgeholfen.“ Linda freute sich über den Besuch von Beppo. Es machte das Ganze etwas realer und greifbarer.

„Ich würde gerne alles über Hans Breitner erfahren. Ich kannte ihn nämlich überhaupt nicht, kann mich auch nicht erinnern, dass meine Mutter ihn jemals erwähnt hat“, sagte Linda und strich sich die Haare aus der Stirn. „Wenn sie wollen, kommen sie doch auf einen Kaffee zu uns auf den Hof. Meine Frau wird sich freuen, wenn wir mal wieder Besuch haben.“ Linda überlegte kurz und ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie noch mindestens drei Stunden Zeit hatte.

„Gerne. Ich möchte nur rasch die Fenster schließen und meine Hände waschen. „Nur zu“, sagte Beppo. „Ich warte draußen.“ Linda machte noch einen Rundgang durchs Haus und schloss gewissenhaft alle Fenster. Wieder wunderte sie sich darüber, wie vertraut ihr das alles erschien. Dann verschloss sie die Tür und schaute sich nach Beppo Ludwig um. Der hatte in der Zwischenzeit die Stallungen besichtigt. „Ich bin gespannt, was sie mit dem Hof vorhaben. Ich hoffe, sie ziehen hier ein“, sagte er und sah Linda auf seine fröhlich neugierige Art an.

„Ach, das ist gar nicht so einfach“, sagte Linda und überlegte, wie weit sie Beppo in ihre Misere einweihen wollte. „Gehen wir zu Fuß oder wollen sie mit dem Auto rüberfahren?“, fragte Beppo. „Ich glaube ein Fußmarsch wird mit gut tun“, sagte Linda. Gemeinsam nahmen sie den Weg über die Felder. Während sie gingen, zeigte Beppo ihr, welche Felder er bewirtschaftete und was er anbaute. Linda hörte ihm zu. Es war eine ganz andere Welt. Beppo wirkte so zufrieden und in sich ruhend. So musste es sein, wenn man genau das Leben führte, das zu einem passte.

Nach wenigen Minuten erreichten sie bereits den Garten der Ludwigs. Schon von Weitem sah Linda eine rundliche Frau über den Gemüsebeeten gebeugt stehen. Als sie näherkamen, richtete sie sich auf und winkte ihnen zu. „Schau mal Herta, wen ich gefunden habe“, sagte Beppo und lachte. Frau Ludwig lachte ebenfalls und Linda schloss sie augenblicklich in ihr Herz. Was für eine herzliche und fröhliche Frau! „Willkommen“, sagte Herta Ludwig und fügte hinzu: „Normalerweise findet mein Beppo Kröten und Blindschleichen. So eine hübsche junge Frau hat er hier noch nie gefunden“, lachte sie und streckte Linda ihren Ellbogen entgegen, da ihre Hände voller Erde waren.

Linda war etwas überrascht, aber diese Geste schien für Herta nicht ungewöhnlich zu sein. Linda begrüßte also den Ellbogen der fröhlichen Frau Ludwig. „Kommen sie herein und lassen sie uns etwas plaudern. Ich nehme an, sie sind die Erbin des Breitner-Hofs.“ Linda nickte. „Woher wissen sie das?“, fragte sie. „Das ist nicht so schwer. Erstens hat man im Dorf darüber gemunkelt, dass eine Frau aus der Stadt den Hof geerbt hat und zweitens hat sich mein neugieriger Mann auf den Weg zum Breitner-Hof gemacht, weil er ihr Auto gesehen hat.“

Linda nickte und folgte Herta Ludwig ins Haus. Nachdem diese sich gründlich ihre Hände geschrubbt hatte, rührte sie kurz in einem Topf, der auf dem Herd stand und aus dem ein verführerischer Duft drang und befüllte den Kaffeefilter mit dem duftenden Pulver. Linda setzte sich an den massiven Küchentisch und fühlte sich sogleich wohl. Es war, als wäre sie da schon immer gesessen. Warum fühlte sich das alles hier so unglaublich vertraut an? „Können sie mir etwas über meinen Großonkel erzählen?“, fragte Linda, als Herta sich zu ihr an den Tisch gesellte. „Ja, das kann ich. Aber zuerst möchte ich mal, dass wir das Sie weglassen. Ich bin Herta, das ist Beppo“, sagte sie mit Blick zu ihrem Mann. „Und ich bin Linda“, sagte Linda rasch. Sie freute sich über die Vertrautheit.

„Der Breitner Hans war ein schrulliger und verschrobener Kerl“, begann Herta zu erzählen. „Wir sind ja erst vor ungefähr dreißig Jahren hier eingezogen, aber da war er schon so. Im Dorf hat man sich erzählt, dass er früher anders gewesen sei. Früher hätte er Kontakte zu seiner Familie und auch Freundschaften gepflegt. Aber dann muss irgendetwas passiert sein, das ihn dazu bewogen hat, sich von allen Menschen zurück zu ziehen. Er war auch nie verheiratet. Seine Familie waren seine Tiere. Er hatte immer eine kleine Rinderherde und auch einen Gaul, mit dem er die schweren Dinge transportiert hat. Zu den Tieren war er immer sehr liebevoll. Ab und zu haben wir ihm geholfen, wenn eine Kuh Probleme beim Kalben hatte.

Dann hat er uns gerufen und wir haben erlebt, wie er mit der kalbenden Kuh gesprochen hat. Da war er immer sehr nett. Aber mit Menschen hatte er es nicht so. Er sprach auch nie darüber. Ab und zu hat Beppo mit ihm mal ein Pfeifchen geraucht, aber auch dabei war er meist still und verschlossen. Er sprach über das Wetter, die Ernte, die Tiere, aber nie über sich selbst. Deshalb kam es auch, wie es kommen musste. Wir haben erst Tage später bemerkt, dass sich auf dem Hof nichts mehr rührt und haben ihn gefunden. Da war er schon tot. Vielleicht hätte man ihm noch helfen können, wenn man ihn früher gefunden hätte.“ Herta schaute traurig auf den Tisch und zeichnete mit dem Finger Figuren auf das Holz.

So, und morgen geht´s weiter.

Ich wünsche Euch allen eine gute Nacht

Ganz liebe Grüße

Manou

Lindas neues Leben 6

Linda stand da, als hätte man ihr gerade einen Kübel Eiswasser über den Kopf geschüttet. „Moment, das geht doch nicht einfach so. Können wir die Sache nicht gemeinsam mit Frau Singer besprechen, dann werden sie sehen, dass hier ein Missverständnis vorliegt?“, sagte Linda aufgebracht und merkte wie ihre Stimme zitterte. Verzweifelt sah sie sich nach der Sekretärin um. Irgendwer musste doch jetzt etwas sagen!

Die Vorwürfe stimmten doch überhaupt nicht. Sie hatte den Fall nach der ersten Kontaktaufnahme an Elfie Singer abgegeben, da sie das Angebot sonst nicht fristgerecht geschafft hätte. Das musste alles aufzuklären sein! Aber Herr Bergmann schien nicht im Geringsten gewillt, ihr auch nur den Hauch einer Chance zur Verteidigung zu geben. „Bitte packen sie ihre Sachen zusammen, sie sind sofort freigestellt. Die Kündigung erfolgt fristgerecht. Ich möchte, dass sie das Unternehmen sofort verlassen.“

„Aber…“, begann Linda. „Das Gespräch ist beendet“, herrschte Herr Bergmann sie an. „Sie müssen nur noch hier unterschreiben. Es ist schon alles vorbereitet.“ Linda war wie in Trance. Sie nahm den Stift, den Herr Bergmann ihr entgegenstreckte und setzte ihren Namen unter das Blatt Papier, ohne es noch einmal genau durchzulesen. Sie musste sofort zurück ins Büro und mit Elfie sprechen. Sie würde das aufklären können. Als sie ins Büro kam, waren alle Plätze leer. Sie eilte zurück zum Empfang. „Wo sind meine Kolleginnen alle?“, fragte sie die Empfangsdame.

Diese sah lächelnd auf und antwortete: „Tut mir leid, ich weiß es nicht.“ Linda eilte zurück und wollte gerade ihren Computer einschalten als Herr Bergmanns Sekretärin im Türrahmen erschien. „Bitte Frau Hohenfeld, machen sie es uns nicht noch schwerer. Sie dürfen den Computer nicht mehr benutzen. Packen sie bitte ihre Sachen zusammen, ich begleite sie zur Tür.“ „Ich möchte mit Elfie Singer sprechen“, sagte Linda und merkte, wie sie zu zittern begann. „Das ist ein Missverständnis! Ich habe das Angebot an den Chinesen nicht ausgepreist.“ 

„Bitte Frau Hohenfeld, tun sie, was ich ihnen gesagt habe“, sagte die Sekretärin höflich und ungerührt. Linda sah sich noch ein paar Mal um. Es musste doch jetzt endlich jemand zur Tür hereinkommen, der half, dieses Missverständnis aufzuklären. Aber der Gang blieb leer. Niemand war zu sehen. Jetzt erst wurde Linda bewusst, dass da offenbar ein abgesprochenes Spiel lief. Es würde niemand kommen. Die warteten alle irgendwo, bis sie weg war. Mit zitternden Händen zog sie die Schubladen auf und holte die paar persönlichen Dinge heraus, die sie hier aufbewahrte. In weniger als zehn Minuten hatte sie alles eingepackt, was ihr gehörte.

Die Sekretärin hatte auch bereits die Formulare für die Schlüsselübergabe in der Hand. Linda überreichte ihr sämtliche Schlüssel und ID Karten und erhielt die Übergabebestätigung. Die Sekretärin geleitete sie bis zum Lift. „Ich wünsche ihnen alles Gute. Sie erhalten alle Unterlagen per Post“, sagte sie noch und wartete, bis Linda eingestiegen war. Linda fuhr nach unten, und sah sich noch ein letztes Mal in der großen Eingangshalle um. Dann ging sie mit weichen Knien zu ihrem Wagen, stieg ein und starrte Minuten lang durch die Windschutzscheibe.

War das ein böser Traum? Das musste doch schon von langer Hand vorbereitet gewesen sein. Warum hatte sie nichts bemerkt? Die Antwort fiel ihr leicht. Sie war niemals wirklich ins Team integriert gewesen. Sie hatte kein Interesse an den Lästereien der Kolleginnen gehabt, ging auch nicht mit ihnen ins Fitness-Studio. Aber dass sie so unbeliebt war, dass man sie einfach unter einem Vorwand hinauswarf, hätte sie nie gedacht. Linda war fassungslos. Langsam löste sich ihre Starre und Tränen traten in ihre Augen. Das war es also. Sie war gefeuert. Und obwohl sie den Job immer gehasst hatte, war sie traurig. Weniger über den Verlust, als darüber, wie schäbig sie hinausgeschmissen wurde.

Langsam drehte sie den Schlüssel im Zündschloss und fuhr den Wagen vom Parkplatz und fast wie von selbst schlug sie den Weg zum Hof ein. Niemand würde sie in den nächsten Stunden vermissen und dort konnte sie ihren Tränen freien Lauf lassen und ihre Gedanken ordnen, bevor sie am Nachmittag auf die Kinder traf.

Als sie den Wagen in die Einfahrt lenkte, merkte sie, wie die Anspannung etwas nachließ. Diese Umgebung beruhigte sie ungemein. Sie stieg aus, nahm den Schlüssel aus der Tasche und ging zur Tür. Es war seltsam, sie fühlte sich, als hätte sie diese Tür schon hundert Mal aufgeschlossen, dabei war es heute erst das zweite Mal. Der etwas modrige Geruch des Hauses empfing sie.

Linda ging durch alle Räume und öffnete die Fenster. Die warme, milde Frühsommerluft drang durch das Haus. Linda setzte sich wieder auf die Bank im Garten und hing ihren Gedanken nach. Wie viel sich in so kurzer Zeit verändern konnte. Die Erbschaft, die Erkenntnis über den Zustand ihrer Ehe, der Jobverlust… es war alles ein wenig viel, aber Linda spürte trotz der Überforderung auch, dass dies jetzt ihre Chance war. Wenn sie jetzt nicht handelte, würde sie es nie tun. Aber sie brauchte einen Plan. Sie musste dieses Haus so schnell wie möglich bewohnbar machen. Das war eine Menge Arbeit, aber sie hatte ja jetzt Zeit.  

Einige Zeit später hatte sie bereits die Zimmer gesichtet, die in etwas besserem Zustand waren. Die würde sie zuerst entrümpeln. Aber sie wollte vorsichtig vorgehen und nichts wegschmeißen, was ihr vielleicht einen Teil ihrer offenbar unbekannten Familiengeschichte erzählte.

Warum hatte Mutter nie über ihren Onkel gesprochen? Das war seltsam. Das erste Mal dachte sie über diesen Mann nach, dessen Leben jetzt so offen ausgebreitet vor ihr lag. Überall fand sie Papiere und Dokumente von ihm. Da sie sich jetzt nicht verzetteln wollte, sammelte und stapelte sie diese fein säuberlich und packte sie in Kartons. Eines Tages würde sie Zeit haben, diese zu sichten.

Linda war ganz in ihre Arbeit vertieft, als sie Geräusche aus dem Erdgeschoss hörte. Sie fuhr zusammen. Wer konnte das sein? Während sie überlegte, kroch Angst in ihr hoch. Niemand wusste wo sie war, niemand würde sie in den nächsten Stunden vermissen. Warum hatte sie nur die Tür nicht abgeschlossen? Leise schlich sie sich zur Treppe. Vielleicht hatte sich ja nur eine Katze herein verirrt. Sie lauschte. Da waren ganz deutlich Schritte zu hören.

Linda kroch der Angstschweiß aus den Poren. Sie sah sich nach etwas um, das als Waffe geeignet war. In dem Moment stolperte sie über einen Karton und fiel hin. Die Schritte unten wurden schneller.

Und wer Linda an diesem Morgen auf dem Hof überrascht, erfahrt ihr morgen.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Sonntag!

Ganz liebe Grüße

Manou

Lindas neues Leben 5

Georg kam ihnen aus dem dunklen Wohnzimmer entgegen. Seine Miene verriet nichts Gutes. Seine Lippen waren zusammengekniffen und seine Augen hatten sich zu schmalen Schlitzen verengt. „Wo wart ihr?“, presste er hervor.

Linda wunderte sich darüber, dass er offenbar ganz selbstverständlich erwartete, dass sie und die Kinder jederzeit zu Hause anzutreffen waren. „Wieso nimmst du das Telefon nicht ab?“, fragte er und sah Linda dabei wütend an. „Sorry, ich hatte es auf lautlos gestellt und vergessen, den Klingelton wieder einzuschalten. Wieso bist du schon da?“, versuchte Linda das Thema zu wechseln. „Vielleicht um zu überprüfen, was meine Familie so macht, wenn die Katze aus dem Haus ist“, sagte er und war offensichtlich nicht bereit, das Thema zu wechseln. „Was meinst du damit?“, fragte Linda und Wut kam in ihr auf. „Wir sind doch freie Menschen und dürfen uns bewegen wo und wie wir wollen.“ Georg schnaubte. „Also, wo wart ihr?“

Linda atmete einmal tief durch und sagte dann: „Das ist eine etwas längere Geschichte. Ich möchte noch rasch zur Toilette gehen und dann kann ich es dir erzählen.“ Klara und Jonas standen etwas ratlos herum und beobachteten die Szene. Linda überlegte, ob es besser war, die Kinder beim Gespräch einzubinden, oder ob sie es ihnen ersparen und sie besser ins Bett schicken sollte. Sie entschied sich dafür, dass diese Sache zuerst einmal zwischen ihr und Georg geklärt werden musste.

Jonas und Klara wirkten erleichtert, als Linda sie bat, ins Badezimmer zu gehen und sich frisch zu machen. Linda holte sich ein Glas Wein und setzte sich zu Georg auf die Terrasse. Sie dachte daran, dass manche Paare sich auf diese Weise am Abend zusammensetzten und sich freundlich vom Tag erzählen. Aber bei ihnen war es anders. Linda hatte das Gefühl, als würde sie sich zu einem Verhör begeben. Sie versuchte möglichst rasch und sachlich die ganze Geschichte zu erzählen. Der Besuch beim Notar, das Erbe, der Besuch des Hauses. Georg hörte ihr zu und bei der Erwähnung des Geldes und des Hauses hellte sich seine Miene etwas auf.

„Sehr schön“, sagte er, als Linda die Fakten geschildert hatte. Dann werden wir den alten Bunker möglichst rasch verkaufen und dann können wir uns endlich hier im Garten das Biotop anlegen, von dem wir schon so lange träumen.“ Linda war nicht sonderlich überrascht, genau mit dieser Reaktion hatte sie gerechnet. Der schwierige Teil des Gesprächs kam nun erst. „Ich möchte das Haus nicht verkaufen, es gefällt mir sehr gut“, sagte sie und sah gleich, wie Georgs Miene sich verdüsterte.

„Papperlapapp, natürlich verkaufen wir das Haus. Was willst du denn damit? Du schaffst ja nicht einmal, dieses Haus hier in Ordnung zu halten, wie sollte das mit einem zweiten Haus funktionieren? Vor allen Dingen haben wir nicht die geringste Verwendung für ein weiteres Haus.“ Georg sah wieder zufriedener aus. Er hatte seine Welt wieder zurechtgerückt. Am liebsten wäre Linda an dieser Stelle ins Bett gegangen und hätte sich jeder weiteren Diskussion entzogen, aber das ging jetzt nicht. Sie musste nun Nägel mit Köpfen machen.

„Georg, du hast mich offensichtlich nicht verstanden. Ich werde das Haus nicht verkaufen. Es ist mein Erbe und ich bestimme, was ich damit mache.“ Georg starrte sie schweigend an. Linda glaubte Hass in seinen Augen zu lesen. Wie kam sie dazu, sich seinen Anordnungen zu widersetzen? Das war er nicht gewohnt. „Was wir mit dem Kasten machen, bestimme immer noch ich! Du bist ja gar nicht in der Lage, die Tragweite einer solchen Entscheidung zu überblicken. Ich werde mich gleich morgen um einen passenden Makler kümmern. Gib mir die Nummer des Notars!“, sagte er mit Bestimmtheit und dachte erneut, dass das Thema nun beendet war.

„Du wirst nichts dergleichen tun!“, rief Linda nun aufgebracht. „Dies ist mein Haus, ich behalte es. Es ist schon schlimm genug, dass du das Erbe meiner Eltern verramscht hast.“ Georg schien es für einen Moment den Atem zu verschlagen. „Du bist heute offenbar nicht bei Verstand“, sagte er, stand auf und schien das Gespräch für beendet zu halten. Linda war einerseits erleichtert, denn sie hätte nicht gewusst, wie sie es heute schaffen sollte, ihm zu sagen, dass sie und die Kinder davon träumen, ein neues Leben zu beginnen. Es war ihr auch alles noch viel zu unausgereift. Sie wollte zuerst einmal Klarheit in ihren Gedanken schaffen. Es ging ihr jetzt alles viel zu schnell. Da Georg keine Anstalten mehr machte, das Gespräch noch einmal aufzugreifen, beschloss Linda, am nächsten Tag zum Notar zu fahren und alles für die Übernahme des Erbes in geregelte Bahnen zu lenken.

Der Notar nickte beruhigend. Linda war die alleinige Erbin des Anwesens und er würde alles tun, dass Georg keine Handhabe haben würde, das Haus ohne ihr Einverständnis zu verkaufen. Unfreiwillig war der nette, ältere Notar zum Seelentröster für Linda geworden. Aber das war genau das, was sie jetzt brauchte. Sie brauchte einen Menschen, der ihr beistand und dem sie uneingeschränkt vertrauen konnte. Der Notar erschien ihr hierfür bestens geeignet.

Als sie zwei Stunden später als gewöhnlich das Büro betrat, fiel ihr daher auch zuerst gar nicht auf, dass die Gespräche verstummten, als sie eintrat. Sie war noch so tief in ihre Gedanken versunken. Erst als die Sekretärin des Geschäftsführers sie zum Gespräch mit dem Chef bat, wurde sie stutzig. Sie war zwei Stunden zu spät gekommen, aber sie hatte angerufen und Bescheid gesagt. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass dies der Anlass für ein Gespräch mit dem Chef war.

Herr Bergmann saß in seinem Sessel und sah sie mit finsterem Blick an. Linda durchforstete sofort ihr Gewissen, aber es fiel ihr nichts ein, was sie falsch gemacht haben könnte. „Frau Hohenfeld“, begann er das Gespräch, „Sie wissen, warum ich sie zu mir gerufen habe?“ Linda schüttelte den Kopf. Was ging hier vor? Sie hatte keine Ahnung, weshalb sie hier stand. Er hatte ihr noch nicht einmal einen Platz angeboten.

„Sie waren verantwortlich für die Abwicklung des Geschäftes mit dem chinesischen Kunden?“ Linda nickte und wollte gerade sagen, dass sie den Fall allerdings an ihre Kollegin übergeben hatte. Aber Herr Bergmann wartete nicht auf eine Antwort. „Dann wissen sie auch, dass das Angebot, das sie verschickt haben, vollkommen falsch ausgepreist war?“ In dem Moment erwachte Linda aus ihrer Starre. „Ich habe das Angebot nicht verschickt. Ich habe diesen Geschäftsfall an Frau Singer abgegeben, da ich zu viele Fälle auf einmal hatte.“

Herr Bergmann sah sie noch finsterer an. „Frau Singer hat mich schon davor gewarnt, dass sie es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Sie bestätigen mir diese Einschätzung nun. Ich will auch gar nicht sehr viele Worte verlieren. Sie sind gekündigt!“

Morgen geht es weiter.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Samstag

Manou

PS: Heute erscheint noch ein Video zum Thema „Von der Einsamkeit zum All-eins-Sein“ auf meinem Youtube Kanal

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Lindas neues Leben Teil 4

Vielleicht lag es daran, dass rund ums Haus nur Natur war, aber Lind hatte hier das Gefühl, dass sie endlich wieder zu sich selbst finden konnte. Langsam stieg sie noch einmal die Treppe hinauf ins Obergeschoss. Sie betrat jeden Raum und fragte sich, wer hier sein Schlafzimmer finden würde. Die Räume waren möbliert, aber scheinbar hatte der Besitzer diese Räume weder genutzt noch betreten. Es war, als lägen diese Zimmer in einem Dornröschenschlaf. Linda würde sie sanft aufwecken.

Obwohl das Haus derzeit nicht besonders einladend aussah, fühlte sich Linda jetzt schon wohl. Langsam ging sie wieder nach unten und wanderte durch den Garten und die Nebengebäude. So viele Möglichkeiten gab es hier, sich zu verwirklichen. Linda setzte sich auf eine alte Bank unter einem Nussbaum und dachte nach. Wie sollte sie nun weiter vorgehen?  Georg hatte sie schon so lange in ihrer Freiheit beschnitten, dass sie mittlerweile Angst davor hatte.  Aber eines wusste sie genau: Dieses Haus war ihre Chance für ein Leben, das zu ihr passte.

So lange hatte sie sich an das Leben angepasst, das Georg für standesgemäß hielt, dass sie schon ganz vergessen hatte, wer sie eigentlich selbst war. Aber hier würde sie sich absolut wohl fühlen und sich vielleicht auch selbst wiederfinden können.  Der Gedanke jagte ihr einen schaurig-schönen Schauer über den Rücken. Es war Angst, gepaart mit Hoffnung. Linda vergaß hier alles. Als sich nach einer Weile die Kinder wieder zu ihr gesellten, wusste sie nicht einmal, wieviel Zeit bereits vergangen war. „Hier ist es so schön, dass ich am liebsten gleich dableiben würde“, sagte Klara und schaute sich verträumt im Garten um.

Jonas legte sich zu ihren Füßen ins Gras und schaute in den Himmel. „Ich habe mich auch noch selten so wohl gefühlt wie hier. Es ist hier, als ob wir immer in Urlaub wären“, sagte er. Lindas Entscheidung war also klar. Sie musste Nägel mit Köpfen machen. Nicht nur den Kindern zuliebe, auch für sich selbst. „Bitte gebt mir noch etwas Zeit, ich habe noch keine Ahnung, wie ich das eurem Vater sagen soll. Dass er nicht mit hierherkommen wird, ist euch schon klar?“, fragte sie. Die Kinder schwiegen eine Weile. „Ich weiß, ich dürfte das gar nicht sagen“, begann Jonas und holte tief Luft. „Mir würde ein Leben ohne Papa deutlich besser gefallen. Ich halte seine ewige Meckerei schon lange nicht mehr aus. Seit mindestens drei Jahren rechne ich mir aus, wie lange es noch dauert, bis ich ausziehen kann…“ Jonas schluckte und schwieg.

Linda blieb fast die Luft weg. So schlimm war es für ihre Kinder? Das hatte sie nicht gewusst. Sie dachte sich schon, dass die Kinder oft von ihrem Vater genervt waren, aber dass Jonas sogar ausrechnete, wann er endlich ausziehen kann, machte sie sehr betreten. „Mir geht es ähnlich“, sagte Klara. Papa sieht doch gar nicht, wer wir sind, sondern nur, was wir gerade nicht erledigt haben, oder nicht so, dass er zufrieden ist. Und genau genommen ist er nie zufrieden.“  Linda nickte und schwieg.

Das war heftiger als sie gedacht hatte. Auch ihr blieb die Luft weg, wenn sie an ihre Villa am Stadtrand und vor allem an Georg dachte. Wie konnte es überhaupt passieren, dass er sie, eine früher einmal unabhängige und selbstbewusste Frau, in so eine Rolle pressen konnte? Sie konnte ihm allerdings nicht die alleinige Schuld geben. Sie hatte ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen. Es gab eine Zeit, in der sie seine Fürsorglichkeit genossen hatte. Allerdings war er heute nicht mehr fürsorglich, sondern eher despotisch. Sein Wort galt. Was er wollte, hatte zu geschehen.

Wann hatte er sie das letzte Mal gefragt, was sie wollte? Sie konnte sich nicht daran erinnern. Wann hatte sie das letzte Mal auf den Tisch gehauen und gesagt, dass es so nicht weitergehen konnte? Auch daran konnte sie sich nicht erinnern. Still und leise war sie zur Duckmäuserin geworden. Für die materielle Sicherheit und die Bequemlichkeit hatte sie sich selbst aufgegeben. Und das Schlimmste war, sie hatte es nicht einmal wirklich bemerkt. Ja, in den letzten Jahren hatte sie sich unwohl gefühlt. Aber sie hatte es einfach ertragen. Sie hatte nichts dagegen unternommen.

Jetzt musste sie es tun und sie fühlte nichts als nackte Panik vor den nächsten Schritten. Linda wurde schwindelig. Das war alles etwas viel auf einmal. So viele Erkenntnisse, die allesamt nicht angenehm waren. Sie brauchte ein paar Tage Zeit. Morgen würde sie den Notar bitten, dass er sie ins Grundbuch eintrug und dann würde sie eines Tages den Mut finden, Georg die Wahrheit zu sagen. Die Wahrheit über ihr Leben und über ihre Beziehung. Heute Abend hatte sie ja noch Zeit, er würde nicht vor Mitternacht kommen, hatte er gesagt. Das beruhigte sie.

„Kommt, wir machen noch einen letzten Rundgang, dann fahren wir nach Hause.“ Gemeinsam schritten sie noch einmal das ganze Grundstück ab, schauten in alle Nebengebäude und in alle Räume des Hauses. Sie alle wollten sich jedes Detail merken, damit sie in Ruhe ihre Pläne schmieden konnten. Dann endlich, es wurde bereits dunkel, schlossen sie sorgfältig alle Türen und gingen zum Auto.

Die Heimfahrt verlief sehr schweigend. Jeder hing seinen Gedanken nach. Als sie in ihre Straße einbogen, erschraken sie zutiefst. Georgs Auto stand in der Einfahrt. „Scheiße! Papa ist da“, sagte Jonas. Linda schnappte nach Luft. Das brachte ihre Pläne durcheinander. Er würde sicher wissen wollen, wo sie gewesen waren. Seltsam, dass er nicht angerufen hatte. Linda zog das Handy aus der Tasche und sah, dass elf Anrufe in Abwesenheit eingegangen waren – alle von Georg. Verdammt! Sie hatte nach dem Notarbesuch vergessen, das Handy wieder laut zu stellen. Lindas Herz schlug bis zum Hals. Jetzt spürte sie das erste Mal bewusst, welche Panik Georg in ihr wachrufen konnte. Was würde sie ihm jetzt sagen?

Vor allen Dingen konnte sie den Kindern unmöglich auferlegen, dass sie ihren Vater anlügen. Also musste sie nun sofort Farbe bekennen. Das war ihr nicht recht, aber vielleicht war es der einfachste Weg. Sie atmete tief durch. „Okay, dann werde ich Papa jetzt von dem Haus erzählen müssen“, sagte sie und versuchte Zuversicht in ihre Stimme zu legen. „Aber lass dich bitte nicht dazu überreden, dass wir das Haus verkaufen müssen“, sagte Jonas und Linda hörte genau die Panik, die darin mitschwang. „Nein, dieses Mal bleibe ich stark. Ich habe das Haus geerbt und ich werde es behalten.“ Klara schwieg. Sie kämpfte noch damit, dass die unbeschwerte Stimmung der letzten Stunden so ein jähes Ende gefunden hatte. Gemeinsam betraten sie das Haus.

Und morgen geht`s weiter.

Ich wünsche Euch einen schönen Freitag Abend

Liebe Grüße

Manou

Lindas neues Leben 3

Drinnen war es etwas düster, da die Fenster sehr schmutzig waren. Aber als sich ihre Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, erkannten sie, dass vom Vorraum vier Türen abzweigten. Hinter einer war eine große Bauernküche, hinter der nächsten eine Wohnstube und die anderen beiden Räume waren voller Dinge, aber es waren eindeutig zwei Schlafräume.

Langsam stiegen sie hinauf ins obere Geschoss. Oben fanden sie weitere vier Schlafräume und ein Badezimmer. Alles wirkte etwas ungepflegt und verkommen, aber es war nicht baufällig. Linda öffnete die Fenster und ließ frische Luft hereinströmen. Die Kinder rannten schon wieder die Treppe hinunter und schauten sich unten noch einmal um. Als Linda nach unten kam, saßen die Kinder am großen Küchentisch und hatten die Tür geöffnet, die von der Küche in den Garten führte. Das Haus war ein Traum! „Mama, hier möchte ich wohnen“, sagte Klara bestimmt. Jonas nickte. „Ich auch!“ Linda setzte sich zu den beiden an den Tisch und schwieg eine lange Weile. Wie offen konnte sie zu ihren Kindern sein? Bisher hatte sie stets gute Miene zum bösen Spiel gemacht und nie ein schlechtes Wort über Georg verloren.

Aber wenn sie hier eine Zukunft planen wollten, dann ging das nur ohne Georg. Heute war vielleicht der beste Tag um mit den Kindern darüber zu sprechen. Langsam setzte sie sich zu ihren Kindern an den Tisch. „Wollt ihr wirklich hier wohnen?“, fragte sie noch einmal nach. Jonas und Klara nickten begeistert. „Aber Papa wird hier sicher nicht wohnen wollen“, nahm Linda das Thema auf. Klara schaute etwas betreten und Jonas sagte: „Ja, vielleicht ist es genau dieser Gedanke, der die Sache so reizvoll macht. Es ist sicher nicht okay, wenn ich das sage, aber Papa ist für mich unerträglich. Er interessiert sich nicht im Geringsten für uns, sondern meckert nur dauernd herum. Wenn er zuhause ist, dreht sich alles um ihn. Er langweilt uns seit Jahren mit seinen Geschichten beim Abendessen und wir sitzen da, und hören alle brav zu. Naja, zumindest tun wir so, als würden wir zuhören. Mit geht das alles so sehr auf die Nerven, dass ich mir nichts sehnlicher wünschen würde, als dass nur wir drei hier wohnen könnten. Das wäre so ein schönes Leben.“

Jonas hatte sich richtig in Rage geredet und Linda stellte erschrocken fest, wieviel Frust und Wut sich in ihrem Sohn bereits angestaut hatte. Klara nickte. „Jonas hat Recht. Wir müssen dauernd schauen, wie wir die Zeit mit Papa so überstehen, dass wir ihm keinen Anlass zu Gemecker geben. Ich bin manchmal total neidisch auf meine Freundinnen, die zu Hause Spaß haben und deren Väter auch mal mit ihnen Quatsch machen und lustig sind. Papa behandelt uns, als ob wir seine Angestellten wären, mit deren Leistung er niemals zufrieden ist.“

Linda hörte ihren Kindern schweigend zu. Erschrocken stellte sie fest, dass die beiden die Situation sehr genau erkannt hatten und sich ebenfalls Strategien zurechtgelegt hatten, wie sie damit umgingen. Sie schwiegen alle drei. Jeder hing seinen Gedanken nach. „Denkst du manchmal darüber nach, dich von Papa scheiden zu lassen?“, fragte Jonas in die Stille. Linda sah ihren Sohn nachdenklich an. Immer noch wusste sie nicht, wie offen sie sprechen sollte. „Ja, manchmal schon“, sagte sie vorsichtig. „Auch für mich ist es oft nicht leicht, so zu leben. Ich meine, mein Leben ist auch nicht unendlich und ich würde gerne so Vieles anders machen, als ich jetzt tue, aber ich dachte immer, ich müsste Rücksicht auf euch nehmen. Ich möchte euch nicht die Familie zerstören.“

Jonas schüttelte entschieden den Kopf. „Mama, das Einzige, was du zerstören würdest, wäre das Bild der Familie, so wie Papa sich das vorstellt. Ich denke mir oft, dass es doch schrecklich ist, wenn wir an Tagen wie heute, uns freuen, dass Papa einen langen Abendtermin hat und wir endlich mal wieder machen können, was wir wollen. Der Gedanke, dass wir heute Abend gemütlich gemeinsam etwas machen, hat mich den ganzen Tag gefreut. Das ist doch auch nicht das, was man sich als Kind von seiner Familie erhofft. Sobald Papa da ist, sind wir wie Gefangene, die sich gut benehmen müssen.

Wir alle passen ständig auf, dass wir nichts Falsches sagen oder tun, damit wir ihm keinen Anlass für endlose Vorträge und Vorwürfe liefern. Ganz ehrlich, das ist nicht lustig. Die Vorstellung, dass es ein Leben geben könnte, in dem wir einfach so sein könnten wie wir sind, ist schon sehr reizvoll.“ Linda schaute ihren Sohn an. Wie erwachsen er sprach. Und wie viel er offensichtlich auch einfach aushält, um den Familienfrieden nicht zu gefährden. Das war schon erschreckend.

Linda spürte Panik in sich aufkommen. Sie hatte plötzlich das Gefühl, dass sie nach diesem Gespräch nicht mehr zurückkonnte. Jetzt, nachdem sie wusste, dass ihre Kinder das Leben zu Hause genauso einschätzten wie sei, konnte sie nicht mehr so tun, als würde sie sich das nur einbilden. Das ängstigte sie. Nervös fuhr sie mit dem Fingernagel die Maserung des Holzes nach. Dieser Küchentisch schien uralt zu sein. Ein herrliches Stück. Auch hier wurde ihr schmerzlich bewusst, wie Georg diesen Tisch einschätzen würde. Es war ein altes Stück Holz und für ihn höchstens als Brennholz interessant. Wahrscheinlich würde er ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, einfach entsorgen. Nein, Georg durfte dieses Haus auf keinen Fall in die Finger bekommen. Sie musste sowohl ihre Kinder, als auch das Haus vor ihm beschützen. An sich selbst dachte sie in diesem Moment gar nicht.

„Kinder, lasst uns noch eine Weile hier alles besichtigen. Ich muss noch etwas nachdenken. Wir sprechen nachher weiter“, sagte sie und nickte den Kindern freundlich zu. Jonas und Klara machten sich jetzt auf, um einen weiteren Rundgang zu machen. Dieses Mal würden sie sich vorstellen, wie sie hier wohnen würden. Linda nahm die Küche unter die Lupe. Es war alles sehr solide. Alle Möbel waren aus Vollholz und konnten geschliffen und geölt werden. Langsam streifte sie durch die anderen Räume.

Sie fühlte sich ein wenig wie ein Eindringling. Immerhin sah es hier so aus, als wäre ihr unbekannter Großonkel nur mal kurz zum Einkaufen gegangen. Überall war sein Leben sichtbar. Es würde ein großes Stück Arbeit werden, dieses Haus zu ihrem eigenen zu machen. Aber sie würde es schaffen. Linda hatte sich vor der Arbeit noch nie geschreckt. Hier konnte sie zeigen, was sie zu leisten bereit war. Egal wofür sie sich entscheiden würde, von Georg hatte sie keine Hilfe zu erwarten. Er würde das Haus hassen und nichts mehr forcieren, als es möglichst rasch zu verkaufen und das Geld dafür verwenden, ihr Haus am Stadtrand noch etwas luxuriöser zu machen.  Dieses Haus hier hatte Seele. Das spürte Linda genau. Sie nahm etwas wahr, das sie in ihrem Haus noch nie gespürt hatte. Alles hier atmete Ruhe und Beschaulichkeit.

Und morgen geht es weiter….

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Donnerstag

Manou

Lindas neues Leben 2

Am nächsten Morgen erwachte Linda früher als sonst. Und sie erinnerte sich an den Brief. Hatte sie das geträumt? Fast ängstlich durchsuchte sie ihr Gedächtnis, aber ein Blick in ihre Handtasche bestätigte ihr, dass der Brief real war.

Rasch duschte sie, ging in die Küche, machte Frühstück und schmierte die Pausenbrote. Während die Kinder pflegeleicht waren, was Frühstück und Pausenverpflegung anging, hatte Georg auch hier klare Vorstellungen. Aber Linda war routiniert. Sie hatte stets alles im Haus und so schaffte sie es auch heute, ihn zufrieden zu stellen. Die Kinder waren morgens meist schweigsam, ebenso wie Linda. Nur Georg hatte schon am Morgen ein großes Mitteilungsbedürfnis, ihnen zu sagen, was für ein schrecklicher Tag ihn heute erwartete.

Als er erwähnte, dass er heute Abend auch noch ein Geschäftsessen hatte, wechselten Linda und die Kinder heimliche Blicke. Vielleicht konnten sie mal wieder einen gemütlichen Abend bei Fernsehen und Pizza verbringen. Bewusst unbekümmert fragte sie Georg, wann er nach Hause kommen würde. Er zuckte die Achseln und sagte: „Ach der Eine redet immer so viel und ich fürchte, wir müssen hinterher noch in die Bar gehen, was trinken. Es wird vermutlich Mitternacht werden.“

Lindas Herz machte einen Hüpfer. Endlich mal wieder ein ungestörter Abend mit den Kindern!  Linda vermutete schon lange, dass die Tage nicht halb so schrecklich waren, wie Georg immer tat, aber es war wichtig für ihn, ihnen zu zeigen, was er für sie alles auf sich nahm. Wie jeden Morgen hörten sie dem Rest seiner Ausführungen schweigend zu, bzw. taten als würden sie zuhören und hingen dabei ihren eigenen Gedanken nach. Jeder der drei hatte seine eigene Strategie entwickelt, die Minuten hinter sich zu bringen.

Da Georg als erster das Haus verließ, hatten sie danach noch Zeit, miteinander zu sprechen. Linda strich den beiden Kindern übers Haar und verabschiedete sie liebevoll. Dann machte sie sich zurecht und verließ ebenfalls das Haus. Im Auto würde sie gleich den Notar anrufen. Als die Uhr genau auf acht Uhr stand, nahm Linda das Telefon zur Hand. Am anderen Ende war eine freundliche Dame, die sofort wusste, wer Linda war. Sie vereinbarten, dass Linda gleich um 14.00 Uhr kommen würde.

Das war der nächste Höhepunkt ihres Tages. Heute würde sie um dreizehn Uhr gehen. Komme, was wolle. Und es gelang mühelos. Niemand fragt, was sie vorhatte, niemand hatte Einwände. Um Punkt dreizehn Uhr packte Linda ihre Sachen und eilte zu ihrem Auto. Der Weg zum Notariat war nicht weit, und so war Linda bereits etwas früher da. Sie ging ein wenig die Straße auf und ab und wartete bis 13.50 Uhr. Dann läutete sie an. Nach kurzer Zeit sagte ihr der Summton, dass sich die Tür geöffnet hatte.

Erwartungsvoll trat sie in das kühle Treppenhaus. Obwohl es erst Ende Mai war, war es schon sehr heiß. Aber das Treppenhaus war herrlich kühl und es herrschte ein angenehmes Dämmerlicht.

Der Notar wirkte beruhigend auf Linda. Er begrüßte sie freundlich und beantwortete alle Fragen. Der Verstorbene war der Onkel ihrer Mutter und hatte sonst keine Angehörigen, sodass Linda die Haupterbin war. Schulden gab es keine, lediglich ein altes Bauernhaus und rund 50.000€ auf einem Konto. Davon musste Linda das Begräbnis zurückzahlen, wenn sie das Erbe annahm, der Rest würde ihr gehören.

Die Begräbniskosten hatte die Stadt übernommen, da auf die Schnelle die Erbin nicht auszumachen war und sie beliefen sich auf rund 10.000€. Das bedeutete, dass Linda das Haus und rund 40.000€ erben würde. Der Notar warnte sie. Das Haus befand sich in keinem allzu guten Zustand. Sollte sie es verkaufen wollen, würde er ihr gerne zur Seite stehen.

Zuerst würde er alles in die Wege leiten, damit sie als Eigentümerin ins Grundbuch aufgenommen werden würde. Linda erbat sich ein paar Tage Bedenkzeit. Sie wollte das Haus zuerst sehen. Der Notar händigte ihr den Schlüssel aus, damit sie sich ein Bild machen konnte. Linda unterschrieb die Übernahme der Schlüssel und verabschiedete sich. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass die Kinder in wenigen Minuten Schulschluss haben würden. Sie würde sie überraschen und mit ihnen gemeinsam das Haus besichtigen gehen. Fröhlich setzte sie sich hinters Steuer und hatte wenige Minuten später die Schule erreicht. Sie kam gerade rechtzeitig, um die beiden abzufangen.

Erfreut über die Abwechslung sprangen beide ins Auto. Es war ihnen bewusst, dass sie heute einen ganz besonders freien Tag haben würden, da ihr Vater spät nach Hause kommen würde. Linda verriet nicht, wohin sie fahren würden, sondern steuerte rasch den nächsten McDrive an, ließ die Kinder ihre Bestellung machen und gab dann die Adresse in ihr Navi ein.

Und obwohl die Kinder sie mehrmals fragten, wohin sie fahren würden, schwieg Linda beharrlich. Sie wollte sie überraschen. Als das Navi sie aus der Stadt herausführte und die Umgebung immer beschaulicher wurde, schwiegen die Kinder und schauten gespannt aus dem Fenster. Erst durchquerten sie ein paar Ortschaften, danach führte sie ein Weg durch ein Wäldchen und wenige Minuten später standen sie vor einem einsam gelegenen Gehöft.

Ganz in der Ferne war ein weiterer Hof zu sehen, aber dieser Hof stand sehr abgelegen. Die Kinder schauten Linda ratlos an. Waren sie am Ziel? Linda hieß sie auszusteigen und gemeinsam gingen sie auf das Gebäude zu. Vorne stand das Haupthaus und dahinter lagen die ehemaligen Stallungen. Insgesamt war es ein großes Anwesen, das früher sicher einmal stattlich gewesen war. Aber die Zeit hatte ihre Spuren hinterlassen und ganz offensichtlich war es schon lange nicht mehr gepflegt worden.

Das Gras im Garten war hüfthoch und nur noch mit viel Fantasie war der frühere Bauerngarten erkennbar. Auch vor dem Haus hatte sich das Gras durchgesetzt. Erst als die Kinder realisierten, dass Linda einen Schlüssel hatte, fingen sie wieder an zu fragen. Vorher waren sie zu beschäftigt gewesen, das alles zu betrachten. „Ich habe dieses Haus geerbt“, sagte Linda unvermittelt. Jonas und Klara drehten sich zu Linda um und sahen sie erstaunt an. „Ernsthaft? Dieser Hof gehört uns?“, fragte Jonas. Linda nickte. „Das ist ja super“, sagte Klara. „Dann könnten wir doch hier wohnen und Tiere halten“, fügte sie hinzu.

Linda lächelte. Klara liebte Tiere, aber Georg hatte jede Art von Haustieren verboten. Die machten Schmutz und außerdem mochte er keine Tiere. „Höchstens auf dem Teller“, pflegte er immer zu sagen und war der Einzige, der über diesen alten Witz lachte. Linda war schon lange Vegetarierin, da sie das Leid der Tiere zu sehr berührte und die Kinder schlossen sich langsam an. Aber je weniger Fleisch die Familie aß, umso öfter bestand Georg auf „ein ordentliches Stück Fleisch“ auf dem Teller.

Linda sagte noch nichts. Sie war zu überwältigt. Ja, dieses Haus würde ihr vielleicht die letzte Gelegenheit bieten, um aus ihrem bisherigen Leben auszusteigen. Die Gedanken rasten in ihrem Kopf. Wann würde sie Georg sagen, dass sie das Haus geerbt hatte? Er würde ganz bestimmt auf einen sofortigen Verkauf drängen. Sie musste das unbedingt verhindern. Erst würde sie mit dem Notar darüber sprechen müssen, damit er ihr half, das Haus zu behalten. Dass sie das Erbe annehmen würde, stand augenblicklich für sie fest. Sie liebte das Haus jetzt schon. Langsam steckte sie den Schlüssel ins Schloss. Es war ein feierlicher Augenblick.

Morgen geht`s weiter

PS: Heute Abend ist Kristallmeditation! Wenn noch wer Interesse hat, einfach kurz eine Mail schicken unter manuela@pusker.at

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Mittwoch

Manou

Lindas neues Leben

Meine Lieben, ach manchmal muss man seine Entscheidungen revidieren. Da ich eigentlich wieder gerne eine mehrteilige Geschichte einstellen würde, habe ich mich heute entschlossen, „Lindas neues Leben“ zu nehmen. Diese Geschichte habe ich schon vor einigen Jahren geschrieben, finde sie aber gerade so aktuell. Ich hoffe, sie macht Euch Freude.

Die Kolleginnen schnatterten laut durcheinander und prosteten sich immer wieder gegenseitig zu. Linda stand etwas abseits und beobachtete die Szene. Sie hatten es also geschafft. Die Abteilung war trotz der Firmenübernahme erhalten geblieben. Die Stimmung war ausgelassen und alle waren froh, dass ihre Jobs nicht mehr in Gefahr waren. Linda hörte nur Gesprächsfetzen. Sie war zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Die letzten Monate hatte sie insgeheim die Hoffnung gehegt, dass die Abteilung geschlossen wurde. Dieser Job war für sie schon lange zur Qual geworden. Aber Georg würde nie erlauben, dass sie kündigte. Er hatte sie damals hierher vermittelt und erwartete, dass sie bis zur Pension hier arbeiten würde. Heute war sie sogar froh darüber, dass man sie, wie immer, übersah. Es wäre ihr schwergefallen, die gleiche Freude zu heucheln, die offenbar die anderen empfanden. Es würde also noch Jahre so weitergehen. Belanglose Korrespondenz, belanglose Besprechungen, belangloses Getratsche am Kopierer…

Linda stellte ihr Sektglas ab und machte sich auf den Weg zur Toilette. Sie musste zwar nicht, wollte aber dort ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Auf der Toilette stützte sie ihren Kopf in die Hände und weinte ein paar stille Tränen. Sollte das ihr Leben sein? Sollte es wirklich so sein, dass sie weiterhin unendlich scheinende Tage hier verbringen musste? Vielleicht sollte sie sich einen anderen Job suchen? Egal, was Georg sagte. Aber dazu brauchte sie Mut und das war etwas, was ihr in den letzten Jahren abhandengekommen war. Das Leben mit Georg hatte jegliche Essenz ihrer selbst ausgelöscht. Sie funktionierte nur noch. Aber sie musste etwas ändern. So konnte es nicht weitergehen. Langsam rappelte sie sich auf, strich sich die blond gefärbten Haare aus der Stirn und gesellte sich wieder zu den anderen. Die Gruppe hatte sich langsam aufgelöst, die meisten hatten sich wieder auf ihren Arbeitsplatz zurückgezogen. Linda schaute auf die Uhr. Es war fast 15.00 Uhr, sie konnte langsam zusammenpacken.

Auf dem Rückweg hastete sie noch rasch in den nächsten Supermarkt und erstand die Zutaten für das Abendessen. Georg legte großen Wert darauf, dass das Abendessen immer frisch gekocht war. Das war die tägliche Herausforderung für Linda. Bis sie zu Hause war, war es wieder fast 16.00 Uhr.  Jonas und Klara waren kurz vor ihr angekommen und sie liebten es, sich dann erstmal gemeinsam um den Küchentisch zu setzen und die Ereignisse des Tages zu besprechen. Diese Zeit nahm sich Linda jeden Tag. Es war das Highlight des Tages. Danach beeilte sie sich, das Haus auf Vordermann zu bringen und das Essen vorzubereiten. Georg kam meist um 18.30 Uhr. Dann musste alles getan sein.  Das Abendessen verlief meist so, dass Georg über seinen Tag berichtete. Das waren endlose Geschichten über die Unfähigkeit andere Leute und wie sehr er sich wieder ärgern musste. Eigentlich war es jeden Tag der gleiche Monolog. Linda und die Kinder aßen meist schweigend und hingen ihren Gedanken nach. Georg erwartete keine Antworten, er wollte das nur alles loswerden.

Jedes Mal fühlte Linda, wie sie dabei an Energie verlor, wie sie innerlich kraftloser wurde und eine bleierne Müdigkeit überkam sie. Den Kindern schien es ähnlich zu gehen. Waren sie vorher meist fröhlich plappernd durchs Haus gegangen, wurden sie nach dem gemeinsamen Abendessen meist still und zogen sich bei der nächstbesten Gelegenheit in ihre Zimmer zurück. Georg stand nach dem Essen auf und setzte sich bei schönem Wetter mit der Zeitung auf die Terrasse. Manchmal machte er auch noch einen Rundgang durchs Haus und herrschte Linda und die Kinder an, etwas mehr Ordnung zu halten. Das passierte meist an den Tagen, an denen er sowieso schon sauer war. Und er war eigentlich immer sauer.

Linda vermutete, dass er seinen Job mindestens genauso sehr hasste, wie sie den ihren, aber er käme niemals auf die Idee, etwas daran zu ändern. Zu stolz war er auf das, was er geschaffen hatte. Dazu gehörten irgendwie auch Linda und die Kinder. Seine Familie war ebenso sein Besitz und seine Leistung wie das Haus am Stadtrand, das ihnen allen einen gewissen Luxus bot. Georg führte das gleiche Leben, das auch sein Vater geführt hatte. Anfangs fand Linda es wunderbar, dass sie einen Mann gefunden hatte, der für sie und die Kinder ein wunderbares Nest baute, doch mittlerweile fühlte sie sich wie eine Gefangene.  Und es war ein Wunder, dass die Kinder da noch mitspielten. Jonas mit seinen vierzehn Jahren begann zwar hin und wieder sanft aufzumucken, aber die zwölfjährige Klara gab sich noch alle Mühe, Papas brave Tochter zu sein. Es war schon lange ganz normal, dass sie ihm nur die guten Noten vorlegten, die anderen unterschrieb Linda.

Nachdem Linda die Küche aufgeräumt hatte, ging sie zum Briefkasten. Das war ihr abendliches Ritual. Sie schmiss die übliche Werbung gleich draußen in die Altpapiertonne und nahm die Briefe mit ins Haus. An diesem Abend stutzte Linda. Ein Brief von einer Notariatskanzlei, der an sie adressiert war, zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Instinktiv steckte sie ihn in die Tasche. Sie würde ihn alleine öffnen. Sie legte Georg seine Post auf den Terrassentisch und zog sich mit ihrem Brief in die Küche zurück.

„Sehr geehrte Frau Linda Hohenfeld,

bitte vereinbaren Sie einen Termin mit unserer Kanzlei wegen einer Erbschaftsangelegenheit.

Erblasser: Hans Breitner, geb. am 05.02.1939 gest. am 04.03.2019“

Danach folgten die Kontaktdaten. Wer war Hans Breitner? Linda konnte sich nicht an den Namen erinnern. Der Mädchenname ihrer Mutter war Breitner. Er musste also aus dieser Linie stammen. Aber sie konnte sich nicht erinnern, dass jemals jemand von ihm gesprochen hatte.

Und wieder riss sie diese Erinnerung in ein tiefes Loch. Vor mittlerweile fünf Jahren waren ihre Eltern beide bei einem Autounfall verstorben. Sie hatte das nie verarbeitet. Damals begann wahrscheinlich ihre innere Entfremdung von Georg. Nicht ein einziges Wort des Trostes hatte er ihr damals gespendet. Er war nur auf das Erbe aus und lästerte sogar darüber, dass sie „nur“ rund einhunderttausend Euro erbte. Er hatte das Geld damals sofort in das Haus gesteckt, ohne Linda auch nur zu fragen, ob sie damit etwas Anderes machen wollte. Linda war damals so tief vom Tod ihrer Eltern getroffen gewesen, dass sie nicht die Kraft hatte, zu widersprechen. Sie musste mit ihrer Trauer und der Trauer der Kinder umgehen, die ihre liebevollen Großeltern verloren hatten. Erst viel später wurde ihr bewusst, dass dieses Erbe vermutlich die einzige Möglichkeit gewesen wäre, ihr Leben zu verändern. Aber es war zu spät. Georg hatte einfach über das Geld verfügt und damit ihren Käfig noch weiter ausgebaut.

Aber dieses Mal würde sie vorsichtiger sein. Sie würde Georg erst einmal nichts davon sagen. Diesen Notartermin würde sie alleine wahrnehmen und dann in Ruhe überlegen, was als nächstes zu tun sei. Sie hatte zwar keine Ahnung, ob sie nicht vielleicht sogar Schulden erwarteten, die sie ausschlagen musste, aber sie wollte dieses Mal eine eigene Meinung vertreten und selbst entscheiden. Sie steckte den Brief in ihre Handtasche. Morgen würde sie noch vor der Arbeit dort anrufen und einen Termin vereinbaren.

Der Brief machte sie etwas fröhlicher als sonst. Auch wenn es nicht sicher war, dass sie eine nennenswerte Erbschaft machen würde, so war er doch ein Funken Hoffnung, dass sich etwas in ihrem Leben verändern könnte. Während sie im Bad einen Korb Wäsche faltete, dachte sie immer wieder an den Brief. Dieses Kribbeln im Bauch hatte sie schon lange nicht mehr gespürt. Sie fürchtete sich fast davor, anzurufen, da sie dieses Gefühl nicht gefährden wollte. Klara gesellte sich zu ihr und erzählte ein wenig aus der Schule. Auch Jonas setzte sich ins Bad und las Linda einen Aufsatz vor, den er gerade geschrieben hatte. Es war Georg in all den Jahren nicht aufgefallen, dass sich die Familie so gut wie nie freiwillig zu ihm gesellte. Aber Linda vermutete, dass es ihm egal war. Sie waren für ihn nicht mehr als Statussymbole. Mein Haus, mein Auto, meine Frau, meine Kinder!

Morgen geht`s weiter 🙂

Ich wünsche Euch einen schönen Dienstag!

Manou