Hier kommt Teil 29 der Geschichte um Lindas neues Leben. Außerdem gibt es unten wieder einen verlinkten Artikel zur kommenden Rauhnacht und heute Abend gehts auf Youtube weiter. Ich wünsche Dir viel Vergnügen -zunächst mit Linda.


Simon führte Linda auf die Terrasse, wo sie sich erst einmal setzte. Beppo erkannte die Situation sofort und schnappte sich die Kinder, um nach der kleinen Rinderherde zu schauen. Sie mussten die Kühe und ihre Kälber Schritt für Schritt an sich gewöhnen. Bisher hatte sich nur Beppo einmal kurz auf die Weide getraut. Die Mütter waren sehr ängstlich. Und wer wollte es ihnen verdenken, wurden ihnen doch bisher ihre Kinder immer schon kurz nach der Geburt entrissen.

Simon setzte sich Linda gegenüber und sah sie schweigend an. Er wusste, dass sie sprechen würde, sobald sie soweit war. „Ich glaube, Georg hat mir gerade gedroht“, sagte sie. Simon wirkte nicht besonders überrascht. „Will er das Sorgerecht noch einmal anfechten?“, fragte er. Doch Linda schüttelte den Kopf. „Nein, ganz anders. Er sagte, wenn man nicht wisse, was gut für einen ist, nimmt man ganz rasch ein tragisches Ende, wie meine Eltern und Hans Breitner.“ Linda stockte und grübelte. „Ich frage mich gerade, ob ich mich verhört habe. Aber so wie er es gesagt hatte, klang es so, als hätte er etwas damit zu tun. Aber das ist doch absurd!“

Simon war zunächst etwas verwirrt. „Wie hat er das gemeint?“, fragte er daher. Linda schüttelte den Kopf. „Wenn ich das wüsste, wäre ich schlauer. Ich habe genau gespürt und auch gewusst, dass die zuerst gezeigte freundliche Fassade nicht stimmte. Ich kenne Georg lange genug. Der kommt nicht einfach mal vorbei, um mich zu fragen, ob wir es noch einmal miteinander versuchen sollten. Zumindest nicht deshalb, weil ich ihm etwas bedeute. Wenn ihm das wichtig sein sollte, dann aus einem anderen Grund. Und was mich ebenfalls überrascht hat, wie schnell er seine Maske abgelegt hat. Das macht er nur, wenn er seine Emotionen gar nicht mehr im Griff hat, so wie vor Gericht.“

Linda schwieg und starrte vor sich hin. In ihrem Kopf raste es. Wie konnte Georg das gemeint haben? Sie wurde einfach nicht schlau daraus. Auch Simon dachte nach. „Sag mal Linda, ich frage jetzt was ganz Blödes, aber bist du dir sicher, dass du weißt, wer Georg eigentlich ist?“ Linda schaute auf. „Was meinst du damit?“ „Ach, ich weiß auch nicht, aber mir kommen ganz komische Gedanken in den Sinn. Vielleicht habe ich aber einfach früher nur zu viele Serien geschaut.“

Linda wusste, dass Simon nicht einfach irgendwas daherredete. Daher grübelte sie weiter über die Frage nach. „Woran könnte ich denn festmachen, ob ich wirklich weiß, wer Georg ist?“, fragte sie mehr zu sich selbst als zu Simon. Doch der griff den Faden auf. „Naja, kennst du seinen Arbeitsplatz, seine Kollegen und Freunde?“ Linda versank zunächst wieder in Schweigen. „Freunde in dem Sinn hat er keine, zumindest keine, die ich kenne. Kollegen kenne ich ein paar, aber nur von den dienstlichen Abendessen bei uns. Und da durfte ich ja immer nur bekochen und mich dann zurückziehen. Sein Büro ist im Business Tower in der Innenstadt. Aber dort war ich noch nie.“

Lange schwiegen die beiden. Dann stand Linda auf. „Ich denke ja gar nicht daran, den Rest des Sonntags über Georg nachzugrübeln. Dann hätte er ja erreicht, was er wollte. Simon nickte. „Gut, lass uns mal auch nach deiner Rinderherde schauen. Übrigens lässt Mama fragen, ob ihr zum Abendessen kommen wollt.“ Linda war erfreut. Schon lange hatten sie nicht mehr bei Herta gegessen. „Ja, sehr gerne kommen wir.“

Die Kühe standen zufrieden auf der Weide. Alle drei wirkten so glücklich mit ihren Kälbern. Es war so unendlich idyllisch hier. Und doch hatte sich seit Georgs Besuch ein Schatten über ihr Glück gelegt. Linda hasste ihn dafür. Das konnte er wirklich gut – sogar jetzt noch, wo sie bereits geschieden waren. Sie versuchte ihre Gedanken zu verdrängen, doch es gelang ihr nur halb.

„Lass uns einen Kaffee trinken“, sagte sie zu Simon. „Dann können wir den Ablauf für morgen noch einmal durchgehen. Ich bin doch schon sehr nervös“, gestand Linda. Simon lachte. „Was glaubst du, wie nervös ich bin? Ich habe schon alle Katastrophen im Geiste durchgespielt. Ich bin nur froh, dass die beiden Assistentinnen diese Geräte bereits kennen. Ich komme mir nämlich vor wie ein Volltrottel. Aber ich muss ja auch nur die Befunde erstellen. Und ihr zwei am Empfang werdet das Kind auch schaukeln. Das Terminbuch für morgen ist ja gestopft voll.“

Mit einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen bewaffnet setzten sie sich auf die Terrasse. Beppo hatte die Kinder mit zu Herta genommen. Wahrscheinlich wurden sie dort bereits gründlich abgefüttert. Wie wunderbar die beiden waren. Simon und sie konnten in aller Ruhe den morgigen Eröffnungstag noch einmal durchplanen, ohne dass Linda ein schlechtes Gewissen haben musste, weil sie ihre Kinder vernachlässigte. Die Brutpflege übernahm Herta ganz selbstverständlich. Das Leben könnte so schön sein…wenn Georg heute nicht aufgetaucht wäre.

Der Abend verlief so wunderschön harmonisch. Wie stolz die beiden auf ihren Sohn waren, der morgen seine Praxis in Heidetal eröffnete. Und wie glücklich sie sich darüber zeigten, dass Linda ihm so tatkräftig beistand. Über das zarte Band zwischen Linda und Simon wurde immer noch nicht gesprochen. Keiner wollte zu voreilig sein. Außerdem fraß die bevorstehende Praxiseröffnung auch alle Kräfte auf. Da hatte kaum etwas anderes Platz. Und das war ganz in Ordnung so.

Müde und vollgegessen machte sich Linda mit den Kindern nach Einbruch der Dunkelheit auf den Weg durch die Felder. Sie wollten noch eine Runde mit Ernie und Bert drehen, bevor sie alle zu Bett gingen. Die Kinder waren für morgen eingeteilt, die Häppchen, die Herta zubereitete, an die Gäste und Patienten zu verteilen. Natürlich würden Herta und Beppo auch kommen, um den großen Tag mitzuerleben.

Jonas und Klara hatten viel zu erzählen. In wenigen Wochen würden sie ihre neue Schule in Heidetal besuchen und sie waren doch schon sehr aufgeregt. Linda unterbrach ein wenig ihren Redefluss. „Sobald die Praxiseröffnung gut über die Bühne gebracht ist und alles halbwegs rund läuft, möchte ich gerne mit euch die Kisten von Onkel Hans durchsuchen, was wir da noch finden. Ich denke immer wieder darüber nach, aber dazu brauchen wir ein wenig Zeit. Was haltet ihr davon?“ Die Kinder fanden das natürlich großartig und Jonas schlug vor, dass er mit Klara ja auch schon vorsortieren könnte. Linda fand, dass dies eine gute Idee war und so nutzten sie den Rückweg um zu besprechen, wie das funktionieren könnte.

Die Praxiseröffnung verlief bombastisch. Nicht nur eine Menge Patienten strömten in die Praxis, auch der Bürgermeister und ein paar weitere Kommunalpolitiker erschienen, und wurden mit Hertas wunderbaren Häppchen gefüttert. Es war fabelhaft. Linda war ganz in ihrem Element. Mit ihren Kolleginnen verstand sie sich prächtig und Simon wurde gebührend gefeiert. Natürlich waren auch viele Leute von der Presse gekommen, um ein paar Schnappschüsse zu erstellen und Simon zwischen Tür und Angel ein paar Fragen zu stellen. Daher waren die Wartezeiten an diesem Tag nicht wirklich kurz, doch die Patienten waren zufrieden, wurden sie doch verpflegt und manch einer stellte sich auch gerne für die Zeitungsfotos zur Verfügung.

Spät am Abend verließen Linda und Simon die Praxis. Sie waren todmüde, aber überglücklich. Es war besser gelaufen, als sie sich auch nur erträumt hatten. Beppo und Herta hatten die Kinder schon lange mitgenommen, sodass Linda und Simon alles in Ruhe noch beenden konnten. Hand in Hand schlenderten sie zum Parkplatz. Doch plötzlich gefror ihnen das Blut in den Adern.


Was Linda und Simon entdeckt haben, erfährst Du morgen 🙂

Hier ist der Artikel zur kommenden Rauhnacht: Tag 11 der 13 heiligen Nächte

Und heute Abend sehen wir uns auf Youtube, wenn Du magst: Manou Gardner auf Youtube

Ich wünsche Dir einen schönen Dienstag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

10 Kommentare zu „Lindas neues Leben 29

  1. Die Geschichte wird so langsam zum Krimi😂 Total spannend.
    Noch einmal schlafen und dann erfahren wir, wie die Geschichte weitergeht.

    Liebe Grüße

  2. Liebe Manou, diese Geschichte ist so spannend, dass ich es kaum aushalte, bis zum nächsten Tag zu warten. Manchmal lasse ich nun drei Tage zusammenkommen und lese die in einem Stück durch, aber danach muss ich halt umso länger warten. Danke für diese tolle Geschichte, ich bin schon so neugierig, was die nächsten Tage bringen! 🥰

  3. O Gott, mir schwant Böses!!!
    Diese Spannung ist nervenzerreißend!
    Ja, ich weiß: nur noch einmal schlafen … 😉

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