Das ewige: „Ich bin nicht gut genug“

Kennt Ihr das auch? Die ewige Frage danach, was hätte ich besser machen können? Oder „Wieso habe ich das so und so gemacht anstatt anders?“ Das ewige Zweifeln an sich selbst und seinen Leistungen ist etwas, das uns alle Freude rauben kann. Man sieht immer nur, was nicht perfekt war und verliert den Blick dafür, was man schon besser gemacht hat als das letzte Mal. Ich kenne das gut und könnte es quasi erfunden haben 🙂

Die Selbstkritik, die uns sabotiert

Es gibt Selbstkritik, die bringt uns keinen Deut weiter. Das ist der ewige Nörgler im Kopf, der bei allem, was wir tun, ein Haar in der Suppe findet. Er macht all unsere Leistungen klein und zeigt nur auf die Fehler oder Fehlerchen. Selbst wenn alle anderen Menschen mit uns zufrieden waren, flüstert er uns ins Ohr, dass es eigentlich scheixxe war, was wir da abgeliefert haben. Dieser kleine, fiese Nörgler muss in seine Grenzen verwiesen werden. Oftmals hat er die Stimme von LehrerInnen, Eltern, PartnerInnen, FreundInnen… Es sind oftmals Sätze, die wir gehört haben, Kritik die an uns geübt wurde – egal ob sie gerechtfertigt war oder nicht. Diese kleinen fiesen Sätze fressen sich im Gehirn fest und werden zu Glaubenssätzen. Wir glauben dieser gemeinen Stimme mehr als uns selbst und mehr als denen, die uns und unsere Leistung gut fanden.

Die gesunde Selbstkritik

Wer nicht selbstkritisch ist, hört auf zu wachsen. Wer glaubt, der Tollste, Beste und Gescheiteste zu sein wird immer schlechter, weil Größenwahn Fehler mit sich bringt. Daher ist es durchaus gut, wenn wir uns als Menschen, unsere Taten und das wir beruflich tun immer wieder einer genauen Betrachtung unterziehen. Das ist der Hintergrund von Supervisionen. Und gerade wenn wir mit Menschen arbeiten, ist es unerlässlich, sich regelmäßig supervidieren zu lassen. Doch dies hat eine andere Qualität. Es zielt nicht darauf ab, unser Selbstbewusstsein zu untergraben, sondern es lässt uns kleinere oder größere Fehler erkennen und gegensteuern. Meist funktioniert das nur unter einer professionellen Anleitung. Wir dürfen Kritik an uns üben, aber nur im Hinblick darauf. dass wir Möglichkeiten finden, diese kleinen Fehler zu verbessern. Da geht es um eine völlig andere Sicht auf die Dinge – es geht um Optimierung.

Der Maler, der nie fertig wurde

Ich habe vor vielen, vielen Jahren die Biographie eines berühmten Malers gelesen, leider habe ich vergessen, um welchen Maler es sich gehandelt hatte. Ich glaube, es war Monet. Aber ich bin mir nicht sicher. Ist auch egal, denn es geht darum, was er damals über sich selbst gesagt hatte – und dies zu einem Zeitpunkt, an dem er schon berühmt und gefragt war. Er sagte nämlich, dass seine Bilder eigentlich nie fertig seien. Er könnte unendlich daran weitermalen, weil er immer und immer wieder etwas findet, das noch nicht perfekt ist. Er muss also ganz bewusst das Bild als fertiggemalt erklären und sich zwingen aufzuhören, mit der Intention es beim nächsten Bild dann noch besser zu machen. Dieser Maler hat einen guten Umgang mit dieser inneren Kritik gefunden. Er hat noch ein wenig ausgebessert und es dann als das beste Ergebnis definiert, das er jetzt zu schaffen in der Lage ist. Und beim nächsten Bild würde es dann noch besser werden.

Wir wachsen mit den Herausforderungen

Egal, um was es sich handelt. Wir werden natürlich immer besser, so wir bereit sind auch Fehler anzuschauen und an uns und unseren Fertigkeiten zu arbeiten. Niemand ist irgendwann ganz fertig entwickelt. Und man kann es gerade bei Frauen beobachten, dass die kleine, fiese innere Stimme sehr viel Gehör bekommt. Während Männer oftmals in die umgekehrte Richtung tendieren. Das ist aber nur eine banale Verallgemeinerung, es ist natürlich auch öfter umgekehrt. Deshalb gibt es nie den perfekten Zeitpunkt mit etwas zu beginnen, sondern wir dürfen – wie der Maler – es einfach mal für gut genug für den Moment definieren und im Auge behalten, dass es immer besser werden darf. Doch viele Frauen machen eine Ausbildung nach der anderen und kommen nicht in die Pötte, weil sie glauben, dass sie immer noch nicht gut genug seien.

Die innere Stimme identifizieren und leiser stellen

Wenn wir es schaffen, diese innere, gemeine Stimme zu identifizieren, ist uns schon viel geholfen. Denn dann kennen wir den Urheber derselben und können uns davon befreien. Diese Worte wurden ja ganz oft unbedacht und/oder aus niederen Beweggründen gesprochen. Wir können dann anfangen, diesen Worten etwas entgegen zu setzen und uns neue Glaubenssätze zulegen. Aber das funktioniert nur, wenn wir ins Tun kommen!

Ich wünsche Euch einen wunderschönen, quirligen Mittwoch und die Erkenntnis darüber, wo Euch diese innere Stimme noch sabotiert und wo Ihr Euch zum jetzigen Zeitpunkt einmal als gut genug betrachten könnt.

Alles Liebe in Euren Tag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Bild von Willgard Krause auf Pixabay

Die Kunst, sich selbst zu mögen

Gerade habe ich überlegt, was heute geschrieben werden möchte, und dann kam mir diese Überschrift in den Sinn. Und ich finde, das ist einen Impuls wert. Es ist ja – finde ich zumindest – meist relativ leicht, andere Menschen zu mögen. Schließlich sieht man deren Schwächen oft nicht, sondern kann sich auf das Augenscheinliche konzentrieren. Bei sich selbst ist das aber eine andere Nummer. Wir sind uns meist viel mehr unserer Schwächen bewusst, als unserer Stärken. Und die meisten Menschen neigen dazu, sich selbst wirklich hart zu kritisieren.

Was wir uns alles vorwerfen

Die meisten Menschen werfen sich oftmals den ganzen Tag über irgendwelche Dinge vor: Was wir nicht erledigt haben, was wir nicht gut genug erledigt haben, was wir nicht durchgehalten haben, was wir vergessen haben, was wir Falsches gesagt oder getan haben…die Liste ist unendlich. Wir sind mit uns selbst praktisch nie zufrieden.

Was wir uns nicht sagen

Wir sagen uns selbst in den wenigsten Fällen, wenn wir etwas gut gemacht haben. Selbst wenn wir gerade etwas wirklich gut gemacht haben, kommt der innere Zensor hervor und wirft uns vor, was wir noch nicht erledigt haben, oder wie wir es sogar noch besser machen könnten.

Was wir uns sagen sollten

Wenn wir es schaffen würden, zu uns selbst nett zu sein, uns selbst gut zuzusprechen, uns zu loben, uns zu verzeihen, uns selbst mit liebevollen Augen zu betrachten, dann würden wir oftmals ganz anders im Leben stehen. Wir hätten nämlich einen Menschen auf dieser Welt, der uns bedingungslos liebt – wir uns selbst!

Warum wir oft so gemein zu uns selbst sind

Die meisten Menschen sind zu sich selbst gemeiner als sie jemals zu einem anderen Menschen sein könnten. Wir sind es gewohnt, dass wir uns selbst herabwürdigen, weil wir nach Besserem streben. Unsere Leistungsgesellschaft hat uns von Kind auf indoktriniert, dass wir uns über unser TUN definieren, anstatt über unser SEIN. Und es gibt da draußen tausende von Coaches, die uns immer wieder erklären, dass wir schneller, besser, erfolgreicher…etc. sein könnten. Aber niemand sagt uns, dass wir netter zu uns selbst sein dürfen. Wir sind gewohnt, alles unter dem Motto des Erfolgs, der Leistung und dem Vergleichen mit anderen Menschen zu sehen.

Wir kommen wir aus der Falle raus?

Wir kommen nur dann aus dieser Falle der Selbstkritik raus, wenn wir damit beginnen, uns selbst als FreundIn wahrzunehmen. Unser Streben anzuerkennen und uns selbst dafür zu loben und uns daran zu erinnern, dass wir auch gut sind, wenn wir einfach nur SIND. Das Dasein an sich ist unser Geburtsrecht. Und wenn wir Dinge vielleicht nicht so gut machen, wie wir gerne wollen, so dürfen wir uns sagen, dass wir es zumindest versucht haben.

Im Latein-Unterricht hat mir dieser Satz besonders gut gefallen: In magnis et voluisse sat est – in den großen Dingen genügt es, gewollt zu haben.

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen einen wunderschönen Samstag

Eure

Manou Gardner aka Manuela Pusker

Bild von Ben Kerckx auf Pixabay