Raus aus Schuld und Scham – fünf Schritte, wie Du in Deine Mitte kommst

Gestern habe ich über den Kampf mit Gefühlen wie Schuld und Scham geschrieben. Und heute werde ich daran anschließen und darüber schreiben, wie Du diese Gefühlsspirale stoppen kannst. In diesen herausfordernden Zeiten brauchst Du alles mögliche an Gutem, was Du aber nicht brauchst, ist ein innerer Zensor, der alles klein und kaputt redet, was Dir wichtig ist. Daher findest Du hier 5 Möglichkeiten, wie Du dem entkommen kannst.

Erstens: Schuld und Scham wurden Dir anerzogen

Du bist NICHT schuld daran, dass Du diese Gefühle in Dir trägst, denn so wurdest Du sozialisiert. Du hast von früh an gelernt, dass Du unzulänglich bist. In einem Schulsystem, in dem den Fähigkeiten, die Du hattest, keine Aufmerksamkeit entgegen gebracht wurde, sondern aller Augenmerk auf Deinen Defiziten lag, hast Du früh gelernt, dass es nur wichtig ist, auf das zu schauen, was Du NICHT kannst. Du wurdest nicht gefeiert, für die Dinge, die Du gut konntest, sondern diese wurden als selbstverständlich betrachtet und Deine (vermeintlichen!) Defizite wurden hervorgekehrt. Daher brauchst Du Dich nicht für Deine Scham und Deine Schuldgefühle zu schämen. Du bist so erzogen worden!

Zweitens: Die gute Nachricht ist – Du kannst es – Schritt für Schritt – ändern

Wenn Du einmal all die Dinge betrachtest, die Du gut kannst, dann stellst Du recht bald fest, dass das gar nicht wenig ist. Du kannst das ruhig einmal alles aufschreiben. Bei den meisten Menschen ist es nämlich so, dass sie die 95%, die wunderbar laufen gar nicht beachten, und nur auf die verbleibenden 5% achten, die nicht so funktionieren. Du kannst ab sofort damit beginnen, die Dinge zu beachten, die Du gut kannst. Das können Dinge sein, wie:

  • Ich bin gut in meinem Job
  • Ich bin eine gute Zuhörerin
  • Ich bin eine liebevolle Mutter/ein liebevoller Vater
  • Ich bin ein netter und hilfsbereiter Mensch
  • Ich bin belesen
  • Ich schaffe es, meinen Garten zu pflegen
  • Ich dekoriere mein Haus/meine Wohnung schön
  • Ich bin eine aufmerksame Partnerin/ein aufmerksamer Partner
  • Ich koche/backe gut und gerne
  • Ich habe ein interessantes Hobby
  • Ich bin eine gute Sportlerin/Musikerin/Malerin…
  • Ich habe Kenntnisse in bestimmten Fachgebieten
  • Ich bin mir selbst treu
  • Ich gehe unbeirrt meinen Weg
  • Ich habe schon Krisen überstanden und habe mich nicht unterkriegen lassen
  • Ich achte auf meine Gesundheit
  • Ich bin eine gute Freundin/ein guter Freund
  • ….diese Liste könnte endlos sein

Und es macht Sinn – auch wenn es vielleicht für Dich komisch klingt, das alles einmal aufzuschreiben, um diese Dinge in den Vordergrund Deiner Aufmerksamkeit zu rücken.

Drittens: Vermeide Überforderungen aller Art – immer mehr und immer öfter

Du fühlst Dich oft deshalb unzulänglich, weil Du Dir, wie die meisten Menschen, viel zu viel vornimmst. Wenn Du einen Tag voller To-Dos hast, dann ist es kein Wunder, wenn das Leben dazwischen grätscht, und Du schlussendlich nicht alles schaffst. Oder dass Du bereits in so einem Stadium der Überforderung bist, dass Du gar nicht mehr anfangen kannst, weil alles viel zu viel ist. Da ist es gut, wenn Du Bestandsaufnahme machst und Dir selbst erlaubst, Dinge von Deiner Liste zu streichen, die nicht lebensnotwendig sind. Oftmals willst Du vielleicht ja nur viel zu viel in viel zu kurzer Zeit erledigen. Gib Dir mehr Zeit und hör auf, Deine Tage mit To-dos vollzupflastern. Eine Möglichkeit ist auch, manche Dinge auszulagern oder ganz zu streichen.

Viertens: Achte auf die Schuldbringer, die Zeit- und Energieräuber

Viele Deiner Unzulänglichkeiten werden Dir von den immer gleichen Personen aufgezeigt. Und da spielt es keine Rolle, ob diese Menschen dies in Worten ausdrücken, oder ob sie Dir „nur“ ein Gefühl vermitteln. Achte darauf, nach welchen Kontakten Du Dich schlecht fühlst und beginne, diese Kontakte aus Deinem Leben zu verbannen. Mir ist bewusst, dass dies oftmals nicht ganz einfach ist, da diese „Schuldbringer“ nicht selten aus dem Kreis der Familie kommen. Da hilft es nur, wenn Du die Kontakte seltener und vor allen Dingen kürzer machst. Wir haben eine Resilienzgrenze. Vielleicht erschöpft Dich ein fünfzehnminütiger Kontakt deutlich weniger als ein längerer. Das darfst Du ausprobieren. Und achte auf Deine Zeit- und Energieräuber. Diese tauchen oftmals in verschiedenen Facetten auf. Hier einige Beispiele:

  • FreundInnen, die immer wieder kommen und nur über ihre Probleme sprechen wollen
  • BesucherInnen, die „kurz“ vorbeischauen wollen, und obwohl sie wissen, dass Du keine Zeit hast, und drei Stunden später immer noch da sind, obwohl Du mehrfach signalisiert hast, dass Du noch zu tun hast
  • Das Internet – jegliche Art von Social Media, Kurzvideos, WhatsApp und Telegram Gruppen….
  • Deine eigene Perfektion, die Dich dazu bringt, mit allem was Du tust, unzufrieden zu sein und eine Menge Zeit aufwendest, um es noch perfekter zu machen – da darfst Du gerne mal ein wenig zurückfahren
  • und so weiter….

Fünftens: Feiere Deine Erfolge – Deine eigene Mitte finden

Wenn Du anfängst, alles, was Du gut gemacht, erledigt oder ausgelagert hast, zu feiern, und sei es nur insofern, dass Du Dir insgeheim auf die Schulter klopfst, ist ein Schritt in Deine eigene Mitte. Jedes Mal, wenn Du „Nein“ gesagt hast, wenn jemand Deine Zeit und Deine Energie rauben wollte, ist ein riesiger Erfolg. Jedes Mal, wenn Du Dir gegönnt hast, etwas für Dich zu tun, ein gutes Buch zu lesen, einen Sapziergang zu machen, einen wirklich lieben Menschen zu treffen, kommst Du Dir selbst ein Stück näher. Jedes Mal, wenn Du etwas von Deiner To-do-Liste gestrichen hast, hast Du einen Meilenstein geschafft. Jedes Mal, an dem Du rechtzeitig erkannt hast, welche Situation Dir gar nicht gut tut, hast Du es geschafft, dass Du in Zukunft besser auf Dich aufpassen wirst. Jedes Mal, wenn Du einen Zeiträuber identifziert und ausgemerzt hast, kommst Du ein Stück aus der Überforderung heraus.

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein freies Leben – ohne Schuld und Scham – und natürlich einen wunderschönen venusischen Freitag – gönne Dir heute, am Tag der Venus, etwas Gutes!

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Bild von Rachel Burkum auf Pixabay

Das Ding mit der Schuld… und mit der Scham

Kennt Ihr das? Man fühlt sich schuldig für alle möglichen Dinge, selbst wenn man nichts dafür kann? Ich habe mich Jahrzehnte mit allen möglichen Schuldgefühlen herumgeplagt. Ich fühlte mich sogar schuldig, wenn ich müde war. Denn dann war ich ja nicht produktiv, vielleicht sogar faul. Ich war in meiner eigenen Wahrnehmung immer unzulänglich und habe etwas falsch gemacht, bzw. nicht genügend geleistet. Wenn die Kinder in der Schule Probleme hatten, fühlte ich mich schuldig, ja sogar dann, wenn sie nicht zum Kindergeburtstag eingeladen wurden… Es war eine (scheinbar) niemals endende Schuldspirale und mein Herz war ständig schwer, und selbst dies machte ich mir zum Vorwurf.

Es ist kein Problem, an wirklich allem schuld zu sein

Ich fühlte mich schuldig, wenn mein Mann schlechte Laune hatte, auch wenn die Kinder sich verletzten. Ich fühlte mich schuldig, wenn ich etwas nicht erledigt hatte, selbst wenn es keinen Moment Zeit gegeben hätte, es zu erledigen. Ich fühlte mich schuldig, wenn sich jemand nicht mehr bei mir meldete, denn dann hatte ich ja offensichtlich etwas getan, das diesen Menschen dazu gebracht hatte, sich abzuwenden und dann kam zur Schuld auch noch die Scham.

Schuld und Scham, die beiden unheilvollen Geschwister

Scham war auch ein Thema, das ich immer mit mir herumtrug. Ich fühlte mich beschämt, wenn sich jemand mir gegenüber mies verhielt. Denn immerhin musste ich ja daran schuld sein, dass dieser Mensch sich so benahm. Ich schämte mich für all meine Vergehen. Waren es die Winterschuhe der Kinder, die über den Sommer zu klein geworden waren und die andere, „richtige“ Mütter sicher im Herbst schon überprüft hatten. Ich schämte mich, wenn es mal ein schnelles Essen aus dem Backrohr gab, anstatt gesunder frisch gekochter Kost und ich war gleichzeitig schuldig am Vitaminmangel meiner Familie. Ich schämte mich manchmal für meine bloße Existenz.

Wie ich es schaffte, dem (weitgehend) zu entkommen

All dies war in der Zeit, in der ich auch massiv unter Panikattacken litt – kein Wunder! Und selbst für diese schämte ich mich und fühlte mich schuldig. Und es war eines Tages so weit, dass ich keine Lust mehr hatte, dieses grässliche Leben zu leben. Ich hatte das Gefühl, dass es für mich, aber auch für alle anderen Menschen besser wäre, wenn ich nicht mehr existieren würde. Aber Suizid war für mich keine Option, da ich mich vor den nachtodlichen Folgen noch mehr fürchtete als vor dem Lebem, außerdem wäre ich zu feige dafür. Also blieb nur die Hoffnung, eben doch bei einer Panikattacke plötzlich zu sterben oder mich dagegen zu stemmen. Ich hatte es schon einmal geschrieben: Es gab diese Nacht, in der ich zu meiner Panikattacke sagte, dass es mir jetzt egal sei, dass sie mich mitnehmen solle, denn dieses Leben war nicht mehr lebenswert. Und in dieser Nacht änderte sich alles. Und als die Panikattacken weg waren, entschloss ich mich auch, dass ich mir selbst erlaubte, was ich allen anderen Menschen, ohne mit der Wimper zu zucken, erlaubte.

Ich durfte plötzlich Fehler machen

Ich erlaubte mir Fehler zu machen. Ich erlaubte mir, nicht perfekt zu sein. Ich erlaubte mir, Dinge nicht zu Ende gemacht zu haben. Ich erlaubte mir sogar, müde zu sein. Ich erlaubte mir unzulänglich zu sein. Ich erlaubte mir, keine Lust zu haben, Menschen zu treffen, die mir nicht gut taten. Und ich fühlte mich, wie der mutigste Mensch auf der Welt.

Ich entgiftete mein Leben

Ich wies all die schrecklichen LehrerInnen aus den Schulen meiner Kinder zurück, die von mir verlangten ihren Job zu machen. Ich schmiss toxische Menschen aus meinem Lebem, damit mehr Platz für die liebevollen Menschen war. Ich fing an, für meine eigenen Bedürfnisse einzustehen. Und ich begann, mich nicht mehr als den Mülleimer der Nation zu sehen. Ich fing an, mich selbst zu mögen.

Mich selbst zu mögen – was für ein Schritt!

Es war nicht leicht, mich zu mögen. Denn immer noch hatte ich Ecken und Kanten, die ich lieber nicht gehabt hätte. Ich war immer noch nicht der Mensch, den ich als Ideal vor mir sah. Aber ich war ein Mensch auf dem Weg. Ich erkannte, dass genau dies der Grund war, warum ich inkarniert war – um mich auf den Weg zu machen, der Mensch zu werden, der ich gerne sein möchte. Und ich bin da noch lange nicht angekommen, aber ich kann mir heute verzeihen, wenn ich etwas nicht so gut gemacht habe, wie ich es eigentlich hätte tun wollen. Ich kann es ohne schlechtes Gewissen akzeptieren, wenn ich an manchen Tagen auf nichts Lust habe. Und ich kann über mich selbst lachen.

Humor war ein wichtiger Schritt aus dem Teufelskreis

Heute ist die Schuld die Scham nur noch selten spürbar. Heute kann ich darüber lachen, wenn ich mich mal wieder als die halb-sizilianische Furie gezeigt habe, die ich bin, aber eigentlich nicht sein möchte. Ich kann darüber lachen, wenn meine Küche im Chaos versinkt, weil ich eines besonders gut kann: Ordentliche Räume in ein absolutes Chaos verwandeln. Aber ich kann es anschließend auch wieder aufräumen. Ich habe die Freiheit, einfach Chaos zu machen, weil es mein Chaos ist. Ich akzeptiere es, Pläne wieder zurück in die Schublade zu legen, wenn ich merke, dass ich mich damit übernommen habe….und so weiter… Ich kann mich sehen, als die die ich: Ein Mensch, der sich redlich bemüht und hin und wieder an den eigenen Ansprüchen scheitert. Und das fühlt sich gut an.

Mit mir selbst die meiste Zeit im Reinen zu sein, war der entscheidende Durchbruch auf meinem Weg. Ich muss nicht mehr jedem Menschen gefallen und es muss mich auch nicht Jeder mögen. Und es wird auf meinem Sterbebett völlig egal sein, dass ich manchmal die Buchhaltung zu spät abgegeben, im Lauf des Tages das Haus in ein kreatives Chaos verwandelt und ein schnelles Essen gekocht habe.

In diesem Sinne wünsche ich Euch, dass Ihr vielleicht auch ein wenig gnädiger mit Euch sein könnt. Denn wir sind nicht auf die Erde gekommen, weil wir schon perfekt sind. Wir sind hier, weil wir uns auf dem Weg befinden.

Alles Liebe in Euren Donnerstag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Bild von Hoàng Nguyên Lý auf Pixabay