Muttertag – was ich darüber denke

Heute wird in unseren Breiten der Muttertag gefeiert – für die, die nicht wissen, was das bedeutet, hier eine kleine Erklärung. Die Mütter müssen im Bett bleiben, bis die lieben Kleinen ihr selbstgemaltes Bild auf dem selbst hergerichteten Frühstückstisch ausgebreitet haben. Das Chaos, das dabei in der Küche entstanden ist, wird als Kollateralschaden betrachtet und die Beseitigung desselben ist Teil der Ehrung der Mutter an diesem Tag – deshalb darf sie diese nach dem denkenswerten Frühstück auch selbst beseitigen – meistens zumindest. Oftmals wird dann noch ein Gedicht vorgelesen oder sogar auswendig aufgesagt, das die Mutter – trotz des Wissens, dass dies die Initiative des Kindergartens oder der Schule war – dann doch zu einem Tränchen rührt. Wird doch endlich einmal gesehen, was sie leistet. Meist endet damit aber auch schon der Festakt und der Rest des Tages findet wie üblich statt. Streitigkeiten der lieben Kleinen, Frage nach dem heutigen Essen mit anschließenden vernichtenden Kommentaren – Business as usual!

Dies ist der Grund, warum ich dem Muttertag immer ein wenig mit Bange entgegen gesehen habe. Selbst wenn – wie in meinem Fall dahinter noch die ordnende Hand des Vaters der kleinen Brut steht – ist eine gewisse Anspannung nicht zu leugnen. Die Erwartung an die Mutter ist hoch – möge sie doch würdigen, was die Kinder alles auf sich genommen haben, um sie so wunderbar zu überraschen. Ein nicht immer ganz leichtes Unterfangen.

Welche Tage ich persönlich als echte Muttertage sehe

Meine Kinder haben es schwer. Zumindest sobald sie jemand fragt, was ihre Mutter beruflich macht. Das hat sie alle schon an den Rand der Verzweiflung getrieben. Meist sind sie dabei sehr kreativ und erfinden einfach einen Beruf für mich. Meine jüngste Tochter machte mich schon zu einer „irgendeine Art Therapeutin“ und meine älteste Tochter suchte sich meist aus meinen verschiedenen Bereichen denjenigen aus, der ihr am ehesten kompatibel zum Fragesteller erschien. Während ich es liebe, auch „normalen“ Menschen gegenüber zu antworten: „Ich bin Medium und spreche mit toten Menschen“, sind meine Kinder dabei ein wenig befangener. Kann ich verstehen. Daher habe ich es ihnen in diesem Bereich sicher nie ganz leicht gemacht. Aber ich liebe es, wenn sie dann doch manches Mal ihre Hemmungen über Bord schmeißen und dazu stehen wer und was ich nunmal bin. Aber ich fordere es nicht ein.

Die Zeiten, in denen ich selbstgemalte Bilder geschenkt bekommen habe, sind nun auch vorbei, da meine Kinder diesem Alter entwachsen sind. Kisten selbstgemalter Bilder warten darauf, ihren KünstlerInnen irgendwann zurückgegeben zu werden. Ein paar habe ich mir als Andenken aufbewahrt.

Aber wirklich tolle Momente erlebe ich, wenn ich ein Problem oder eine Frage habe und kann eines meiner Kinder fragen. Und da jedes dieser mittlerweile wunderbar selbstständigen Wesen seine eigenen Spezialgebiete hat, ist dies auch immer wieder möglich. Das finde ich großartig. Zwei meiner Kinder sind bereits selbst Elternteile mit wunderbaren Partnern an ihrer Seite und ich freue mich so riesig darüber, dass ein paar der Dinge, die mir auch wichtig waren, sich – in perfektionierter Form – weiterverbreiten. Natürlich machen sie Dinge auch völlig anders, als ich es getan habe, aber jede nachfolgende Generation ist der davor in manchen Dingen überlegen. Und das ist ja auch gut so.

Was Mütter wirklich leisten

Ich finde, dass Mütter schon Vieles auf sich nehmen, um die kleine Brut irgendwann als selbstständige Menschen zu entlassen. Viele Jahre unseres Lebens verbringen wir damit uns selbst an hinterster Stelle zu stellen, denn die Anliegen der Kinder sind stets die wichtigsten. Schließlich sind sie ja auf uns angewiesen. Viele LehrerInnen wollen beruhigt, motiviert und verstanden werden, bis alle der Kleinen die Schulzeit überstanden haben und die grammatikalischen Fälle diverser Sprachen wurden auch schon oft durchgekaut. Das Schlimmste, was mir widerfahren ist, war, dass ich – die ich von mir behaupte in Deutsch nie ganz schlecht gewesen zu sein – für die Deutsch-Hausarbeit meiner Tochter mal eine vier bekommen habe! Spätestens ab diesem Zeitpunkt mochte ich die Lehrerin auch nicht mehr. Überhaupt ist die Schulzeit eine große Herausforderung. Immer wieder motivieren, obwohl man selbst Vieles davon als absolut unsinnig betrachtet, verlangt einem schon Einiges ab. Mein Glück war, dass alle meine Kinder zumindest einen Teil ihrer Schulzeit auf Waldorfschulen verbracht haben. Da konnte ich die eingesparte Zeit einfach dazu nutzen, die Klassenzimmer zu putzen und die kleinen Tischchen zu ölen. Meine älteste Tochter ist nun selbst Waldorfmutter und erlebt dies gerade und es erinnert mich an die vielen Momente, die einerseits furchtbar lästig und andereseits aber auch so schön waren, weil ich die Klassenzimmer meiner Kinder nie besser kannte, als in dieser Zeit.

Meine eigene Phase der Brutpflege ist ja ziemlich ausgedehnt, da meine Kinder derzeit 38,34, fast 18 und fast 16 Jahre alt sind – und drei Enkelkinder habe ich auch schon. Allerdings bin ich noch lange keine Bilderbuch-Oma, weil ich selbst noch so viel vorhabe. Aber ich träume davon, eines Tages mit meinen Enkelkindern vor dem Kamin zu sitzen und ihnen vorzulesen – Harry Potter natürlich!

In diesem Sinne wünsche ich allen Müttern, aber auch allen Töchtern und Söhnen und auch den Vätern einen wunderschönen Sonntag – ganz egal, wem er gewidmet ist.

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

8 Kommentare zu „Muttertag – was ich darüber denke

  1. Sehr treffend!
    Mein schönster Muttertag war 2018. Da hab ich darauf bestanden, dass alle zwei Tage weg sind und ich ganz allein zuhause! Meinen Eltern hab ich auch vorgelogen, dass ich zur Schwiegermutter fahre :-).
    Es war zwei wunderschöne Tag im Garten und im Kaffeehaus. Und gekocht habe ich mir, was sonst niemandem schmeckt!

    Gefällt 1 Person

  2. MUT sind die ersten 3 Buchstaben in dem Wort MUTTER…
    Und ich muss sagen, es hat durchaus seine Berechtigung!!!
    Wie oft müssen wir als Mütter mutig sein!!
    Es braucht MUT, sich auf eine SCHWANGERSCHAFT einzulassen, ohne dass Frau weiss, was auf sie zukommen wird als Mutter mit Baby!
    Es braucht MUT, sich auf die GEBURT einzulassen, seinen Verstand abzugeben und nur auf den Körper und das Baby zu vertrauen, dass die Natur genau weiss, was zu tun ist!
    Es braucht MUT, den Alltag mit BABY und Kindern zu meistern, ohne sich selbst aus den Augen zu verlieren und wenn man sich nur mal eine Stunde für sich wünscht!
    Es braucht MUT, sich abzugrenzen gegen „Supermütter“, die scheinbar Kinder/Haushalt/Mann/Job mit Leichtigkeit bewältigen!
    Es braucht MUT, sich jeden Tag in der ERZIEHUNG mit neuen Fragen auseinander zu setzen, neue Wege auszuprobieren, wenn der eine Weg nicht funktioniert hat, auch einen Schritt zurück zu gehen.
    Es braucht MUT, die Kinder flügge werden zu lassen, zu vertrauen, dass sie ihren Weg gehen werden, zuzusehen, dass sie Fehler machen, vor denen MUTTER sie nicht beschützen kann, aber wichtig für ihre Entwicklung sind!
    Es braucht MUT, sich neu zu ORIENTIEREN, beruflich und privat, wenn die Kinder aus dem Haus sind, es plötzlich still wird im Haus und man mit soviel ZEIT FÜR SICH und den Partner zu Beginn gar nichts anzufangen weiss!
    Es braucht MUT, das Älterwerden zu akzeptieren, die Falten, die Langsamkeit, die längeren Erholungsphasen die MUTTER jetzt braucht!
    Das Leben als Mutter ist spannend, anstrengend, lustig, berührend, herzlich, traurig…die ganze Gefühlspalette!
    Schön dass DU den MUT hattest, MUTTER zu werden!

    Gefällt 1 Person

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