Wie ich ins Arthur Findlay College kam – meine Erfahrungen

Als ich 2016 darüber nachdachte, mich beruflich umorientieren zu wollen, war für mich klar: Ich möchte weiterhin mit Menschen arbeiten, aber ich wollte diesen Menschen auf einem anderen Weg beistehen als bisher. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich viel in der Berufsorientierung, aber auch als Trainerin gearbeitet und ich wollte die Spiritualität mehr einbeziehen, der ich mich schon seit mehr als 30 Jahren verschrieben hatte. Meine Idee war, Menschen zur Seite zu stehen, die sich auf ihr Ableben vorbereiten müssen, bzw. deren Angehörigen. Und bald tauchten natürlich die Fragen auf: Was ist nach dem Tod? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und ich konnte natürlich berichten, was Rudolf Steiner dazu sagte, was Elisabeth Kübler-Ross berichtete, und auch was in anderen Büchern stand. Natürlich konnte ich auch darüber sprechen, was ich DACHTE, aber ich WUSSTE es nicht aus eigener Erfahrung.

Die Suche nach dem geeigneten Ort und dem geeigneten Lehrer

Ich recherchierte also im Internet und fragte mich, wo der gute Platz war, an dem ich eigene Erfahrungen machen konnte. Dabei stieß ich immer wieder auf das Arthur Findlay College. Es erschien mir zauberhaft und mystisch und ich beschloss, eine Reise dorthin zu machen. Ich liebte England und die englische Kultur schon lange und das College erschien mir, wie die Erfüllung aller Klischees, die ich jemals über England gehört hatte. Somit machte ich mich auf meine erste Reise zur German Week am College. Ich wusste damals noch nicht, ob mein Englisch gut genug sein würde, um alles zu verstehen. Es war spannend und ich verliebte mich auf den ersten Blick in das College. Das Haus, die Menschen, die Tutoren…alles war zauberhaft, mystisch und wundervoll.

Nach dieser Woche folgten viele weitere Wochen, die ich dort verbrachte. Und da ich eine Einladung ins Mentorship Programm bei Sandie Baker erhalten hatte, wusste ich, dass ich zuvor noch viel lernen musste. Und so pendelte ich die nächsten Jahre jede sechste Woche für eine Woche nach England. Auch als das Mentorship Programm begonnen hatte, war es möglich, immer zwischen zwei Terminen noch einen Zusatztermin am College zu buchen.

Die Zeit im College

Die Wochen im College waren oft hart. Von früh bis spät übten und arbeiteten wir, aber bald waren Erfolge sichtbar und ich wusste, ich musste bis zum Ende der Ausbildung soweit sein, dass ich meine Fähigkeiten zu jeder beliebigen Zeit abrufen konnte. Das war nicht immer leicht. Aber die Umgebung des Colleges, die Energie, die dieses alte Herrenhaus ausstrahlte, die Tutoren, die ihr Bestes gaben, aus allen StudentInnen die verborgenen Fähigkeiten herauszulocken. Es war ein wunderbares Gesamtpaket. Hinzu kam, dass die Wochen – und es waren ja doch acht Wochen im Jahr – immer eine Zeit waren, in der ich durch nichts Anderes abgelenkt war. Ich konnte mich zu hundert Prozent meiner Entwicklung widmen. Es war immer jemand da, der Fragen beantworten konnte und ich erlebte viele verschiedene TutorInnen.

Raum und Zeit zur Entwicklung

Für mich war es wichtig, diese Zeit zur Entwicklung zu haben. Eine Woche am College gilt ja wie ein Jahr Ausbildung, da es so intensiv ist und die StudentInnen oftmals Riesenschritte in einer Woche machten. Auch mir ging es so. Es war eine besondere Situation, an einem Ort zu sein, an dem es um nichts Anderes als die Entwicklung der Medialität ging. Die wunderbaren Kontakte mit Menschen aus der geistigen Welt. Die Vertrautheit, die sich im Laufe der Jahre einstellte zu verschiedenen Menschen in der geistigen Welt, die sich uns immer wieder zum Üben zur Verfügung stellten. Die Erlebnisse, wie wunderbar es war, wenn Unausgesprochenes endlich ausgesprochen werden konnte. Ich merkte, dass Jenseitskontakte nichts als reine Heilung sind – keine Kuriosität, kein Gruseleffekt – nur reine Heilung.

Außerdem fand ich im Shop unzählige spannende Bücher, die ich am späten Abend in meinem Zimmer noch verschlang um immer mehr über die Erfahrungen der Pioniere zu lernen. Während viele KollegInnen sich abends noch in der Bar trafen, um den „Liquid Spirit“ zu treffen, verkrümelte ich mich lieber ins Zimmer um noch zu lesen. Nur manchmal saß ich in der Bar, tanzte und beobachtete das bunte Treiben. Auch die abendliche Zeit in der Bar war wunderbar!

Als Erwachsener noch einmal im Internat zu sein

Es war eine spannende Zeit, da ich ja zuvor niemals in einem Internat war, erlebte ich die Stimmung, die Ausgelassenheit, aber auch die Dramen, die sich in einem Internatsbetrieb abspielten. Im College gab es den Begriff des „Crying Wednesday“. Mittwochs weinten die meisten – meist aus Erschöpfung. Ich persönlich hatte eher den „Crying Thursday“. Wenn bei mir selbst die Tränen flossen, dann meist am Donnerstag. Es war einfach wahnsinnig anstrengend. Und ich hatte damals noch einen Vollzeitjob und nur sechs Wochen Urlaub, sodass ich nicht nur meinen gesamten Urlaub für meine Studienzeit am College verbrauchte, sondern auch vorher und nachher noch Überstunden sammeln musste, damit sich acht Wochen überhaupt ausgingen. Aber das heißt, es war keine Zeit zur Erholung. Und nach einer Woche am College hätte ich locker ein paar Tage Erholung brauchen können.

Die Zeit zum CSNU – Certificate Spritualist`s National Union

Die Ausbildung zum CSNU fand nicht am College, sondern im Barbanell-Centre in Stafford statt, einer ausgelagerten Ausbildungsstelle. Hier waren wir eine wunderbare Gruppe von anfangs 18 Menschen, die sich gemeinsam mit Sandie Baker zwei Jahre auf die Zertifizierung vorbereitete. Von früh bis spät übten wir, Jenseitskontakte und Readings auch unter Zeitdruck herzustellen, eine Ansprache in der Kirche zu halten und Eröffnungs- und Schlussgebete. Nebenbei mussten wir die Theorie lernen, die Geschichte der Medialität, über die Pioniere, über die Struktur der SNU und so weiter. Darüber hinaus waren ungezählte Aufsätze zu schreiben und eine Menge Bücher zu lesen. Es war in erster Linie wahnsinnig anstrengend, aber auch wunderschön. Sandie Baker führte uns mit Engelsgeduld durch diesen Prozess. Natürlich lagen hier sehr oft die Nerven blank. Schließlich hatten wir alle viel Geld und Zeit investiert und wollten die Prüfungen bestehen. Und nicht selten hatten wir das Gefühl, dass das einfach nicht zu schaffen war.

Die Prüfungsphase

Die Prüfungen waren hart. Die schriftlichen Prüfungen mussten abgeschlossen sein, damit wir überhaupt zur praktischen Prüfung antreten durften, und von den ursprünglich 18 TeilnehmerInnen traten noch 11 an. Am Morgen war ein Interview über alle möglichen Themen der Organisation, wir mussten einen spontanen Vortrag zu einem beliebigen Thema halten. Am Nachmittag mussten wir eine 15minütige sprituelle Ansprache halten, die sich auf eines der sieben Prinzipien der SNU bezog und am Abend dann, mussten wir öffentlich in der Kirche zwei Jenseitskontakte in insgesamt 15 Minuten halten -all dies unter den Augen des strengen Prüfungskomitees.

Der Erfolg

Von den 11 angetretenen KollegInnen haben es 7 geschafft und ich war eine davon. Ich konnte es kaum fassen. War ich wenige Jahre zuvor noch völlig fremd in dieser Welt gewesen, so war ich plötzlich ein Certifcate-Holder – bis jetzt die einzige in Österreich. Damit endete aber eine wunderbare Zeit. So erleichtert wir waren, dass wir es geschafft hatten, so schwer war der Abschied von dieser Gruppe. Und noch immer sehne ich herbei, dass wir uns alle vielleicht einmal in einer neuen Gruppe wiedersehen. Ich habe wenige so intensive Zeiten in meinem Leben erlebt, und wünsche jedem Menschen, dies einmal als Erwachsener zu erleben.

Die Zeit danach

Wir hatten dann noch eine weitere Fortbildungsgruppe mit Sandie Baker, die aber leider aufgrund der aktuellen Reiseschwierigkeiten nur noch einmal stattfinden konnte. Wann ich jemals wieder ins Arthur Findlay College komme, steht in den Sternen. Aber wie hunderte anderer Menschen haben ich täglich eine Riesensehnsucht wieder an diesen Ort zurückkehren zu dürfen und hoffe inständig, dass dies in Bälde sein wird. Nun gebe ich mein Wissen weiter, das sich durch Jahrzehnte des Studiums der Anthroposophie, durch lange Jahre des Lernens schamanischer Praktiken und die wunderbaren, intensiven Jahre des Studiums der englischen Medialiät angesammelt hat. Aber ich vermisse es, wieder selbst Studentin sein zu dürfen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen allen, falls es sich einmal ergibt, zumindest eine Woche im Arthur Findlay College zu verbringen und den Zauber der original englischen Medialität zu erleben.

Ich wünsche Euch und Ihnen einen wunderschönen Samstag

Manou Gardner aka Manuela Pusker