Der 2. Weihnachtstag und Ravenroost Ridge

Der 2. Weihnachtstag und die Rauhnächte sind in vollem Gange. Ich hoffe, du kannst schon langsam die Ruhe spüren, die sich einstellt. Die letzten beiden Rauhnächte waren – zumindest hier am Alpenrand – erstaunlich ruhig, wie so oft über die Weihnachtstage. Die Natur hält für einen Moment den Atem an. Nach den Stürmen um die Wintersonnwende hat sich eine völlig andere Stimmung eingestellt.

Die Magie der Weihnachtstage

Die Weihnachtstage haben eine ganz besondere Stimmung. Es ist spürbar, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt darin liegt. Es ist Zeit, eine neue Welt zu denken und das Wunder der Weihnachtstage in den Alltag zu übertragen. So wie damals Jesus die Erde betrat um später den Christus aufzunehmen, so können wir nun die Saat legen für eine gute neue Welt. Und diese entsteht, wenn wir nur genügend daran glauben. Sie fängt bei jedem von uns selbst an.

Vertraue auf deine innere Kraft

Du hast die Kraft und die Fähigkeit, zunächst für dich eine neue Welt zu erschaffen. Heute am 2. Weihnachtstag kannst du diese nutzen, um für dich all das zu manifestieren, was du für das kommende Jahr wünschst. Und es ist alles möglich.

Denke daran, dass die du und die ganze Welt nur zu 0,000000001 Prozent aus Materie besteht und zu 99,999999999 aus Energie. Und jeder deiner Gedanken ist Energie. Mach was draus!

Und nun zum zweiten Teil von Ravenroost Ridge

Erst jetzt sah sich Tomma um. Sie standen vor einem großen schmiedeeisernen Tor, das durch zwei Torhäuser begrenzt war. Dahinter schien sich ein riesiger Park zu erstrecken. „Willkommen in Ravenroost Ridge“, sagte Thaddea, fasste Tomma am Ellbogen und sagte in einem beruhigenden Ton, den man sonst Kleinkindern gegenüber anschlug: „Keine Sorge, ich erkläre dir gleich alles.“ Dabei wühlte sie in ihrer Tasche und zog einen riesigen alten Schlüssel hervor. Der Fahrer verneigte sich galant und Thaddea nickte ihm zu. Dann steckte sie den Schlüssel in das Schloss des schmiedeeisernen Tores und öffnete es. Phillipa und Jacky waren in ein wisperndes Gespräch vertieft.

Hinter dem Tor erkannte Tomma etliche viktorianische Villen, die alle sehr behaglich und irgendwie aus der Zeit gefallen wirkten. Überhaupt hatte sie den Eindruck, dass hinter diesem Tor eine etwas andere Welt lag. „Wo sind wir hier eigentlich? Ist das noch London?“, fragte Tomma. Thaddea nickte. „Nordrand von London“, erwiderte sie knapp. Sie gingen alle gemeinsam einen gewundenen Kiesweg entlang. Dabei passierten sie einige Häuser, bis sich Thaddea nach links wandte. Jacky und Phillipa wandten sich nach rechts. „Wir sehen uns beim Dinner“, rief Jacky Tomma noch zu und Phillipa winkte. Dann war sie mit Thaddea alleine.

„Kannst du mir bitte sagen, was das hier ist?“, fragte Tomma. „Wir sind gleich bei deinem Haus“, japste Thaddea und steigerte Tommas Verwirrung damit noch mehr. „Was heißt bei meinem Haus? Ich kann mich nicht erinnern, dass ich hier ein Haus hätte…“ Thaddea wedelte mit der Hand durch die Luft. „Gib mir ein paar Minuten. Wie du siehst, bin ich von etwas fülliger Statur und es fällt mir schwer zu gehen und gleichzeitig zu sprechen. Wir sind gleich da und dann bekommst du alle Erklärungen.“

Nach diesen Worten bog sie noch zweimal ab, bis sie vor einem wunderschönen Haus standen, an dessen Fassade sich rosa und rote Rosen hinaufwandten. Obwohl es schon spät im September war, blühten die Rosen und verströmten einen betörenden Duft. Die seitlichen Hauswände waren, soweit Tomma sehen konnte, mit Efeu überzogen. Es war ein Haus wie aus einem Märchen. „Hier ist dein neues Zuhause“, sagte Thaddea und stieg die fünf Stufen zum Eingang hinauf. Noch bevor sie oben ankamen, öffnete sich die Tür und eine ältere Dame in der Livree einer Hausangestellten begrüßte sie lächelnd. „Lady Tomma, wie schön, sie heute begrüßen zu dürfen“, sagte sie und deutete einen Knicks an. „Lady Thaddea“, sagte sie und knickste leicht in Thaddeas Richtung. Thaddea lächelte sie an und nickte. Tommas Verwunderung steigerte sich immer mehr. Sie musste träumen. Seit wann war sie eine Lady? Das war alles unwirklich und konnte nicht wahr sein. In ihr war nicht einmal mehr Empörung. Genau genommen war dies der Traum, den wohl die meisten jungen Mädchen träumten. Nur der Prinz fehlte noch.

Die Eingangshalle des Hauses schien behaglich geheizt zu sein, denn es war warm, als Tomma eintrat. „Ich zeige Lady Tomma das Haus und wenn wir anschließend Tee, Kaffee und Scones bekämen, täte uns das sicher gut“, sagte Thaddea in Richtung der livrierten Dame. „Selbstverständlich Lady Thaddea. Wo darf ich den Tee servieren?“ Thaddea überlegte einen Moment und sagte dann: „Am besten in der Bibliothek.“ Die Dame knickste ein weiteres Mal und Tomma beobachtete alles, wie in einem zauberhaften Film. Immer noch wartete sie auf Thaddeas Erklärungen.

„Ich mache mit dir einen kurzen Hausrundgang. Du hast dann später jede Menge Zeit, dich eingehender umzuschauen und dich einzugewöhnen. Lass uns oben anfangen, da sind die Schlafräume. Du kannst alles verändern. Wir haben es so vorbereitet, wie wir es uns selbst gewünscht hätten. Aber wenn es dir nicht gefällt, sage es einfach Sophie und sie wird dafür sorgen, dass es geändert wird. Sophie hat übrigens hier im Erdgeschoss eine kleine Wohnung und wird sich um dein Wohl kümmern.“ Tomma rieb sich die Schläfen. „Sophie ist die Dame, die uns gerade empfangen hat?“ Thaddea nickte. „Genau!“ Dabei steuerte sie schon auf die große, mit einem Teppich bespannte Treppe zu. „Zuerst zeige ich dir deinen Schlafbereich, den wirst du später bestimmt brauchen, wenn ich weg bin. Ich bin mir bewusst, dass das alles etwas viel ist und du noch erschöpft bist von deinem Gerichtstermin und den letzten Monaten im Krieg mit Rob.“ Tomma wunderte sich schon gar nicht mehr, dass Thaddea offenbar über ihr ganzes Leben Bescheid wusste.

Sie konnte es sich nicht erklären, aber diese Umgebung machte sie innerlich auf magische Art und Weise ruhig. Obwohl sie nicht wusste, wo sie gerade war, fühlte sie sich seltsam geborgen. Als wäre sie nach Hause gekommen. Aber das konnte doch gar nicht sein. Weder kannte sie Thaddea noch dieses Haus und trotzdem fühlte es sich so seltsam richtig an. Tomma schüttelte den Kopf. Vielleicht half ihr das, klarer zu denken. Währenddessen stieg sie mit Thaddea die breite Treppe hinauf, die in der Hälfte einen Absatz hatte und sich dann neunzig Grad nach rechts wandte. Oben war ein Flur mit mehreren Türen. Thaddea steuerte zielstrebig auf die hinterste Tür auf der linken Seite zu, öffnete sie und ließ Tomma den Vortritt.

Tomma betrat gespannt den Raum, der sich als wunderschönes und stilvolles privates Wohnzimmer entpuppte. Im Kamin brannte ein Feuer und verbreitete nicht nur eine behagliche Wärme, sondern auch ein mystisches, flackerndes Licht. Durch die großen Bäume vor dem Fenster lag das Zimmer ein wenig im Dämmerlicht, obwohl es erst Mittag war. Links von diesem Raum ging eine Tür in ein Schlafzimmer, an das wiederum ein Ankleidezimmer angrenzte. Tomma wandelte durch die Räume und sah sich nur alles sprachlos an. Das Ankleidezimmer war gefüllt mit allen möglichen Arten von Kleidung, hauptsächlich aus sehr teuren Materialien. Hinter dem Ankleidezimmer befand sich ein prunkvolles Badezimmer mit einer freistehenden Wanne.

Thaddea wartete geduldig, bis Tomma sich alles angeschaut hatte. Sie setzte sich dabei auf das Sofa vor dem Kamin. Tomma betrat wieder das Wohnzimmer und schaute Thaddea fragend an. „Gefällt es dir?“, fragte Thaddea. Tomma wusste zunächst nicht, was sie darauf antworten sollte. „Ja, natürlich gefällt es mir, aber wieso bin ich hier? Was hat es damit auf sich? Und warum soll das für mich sein?“ Thaddea nickte und sagte: „Ja, das werde ich dir bei Tee und Scones jetzt alles erklären. Lass uns runter in die Bibliothek gehen.“

Auf dem Rückweg öffnete Thaddea die anderen Türen, hinter denen sich ebenfalls wunderbar geschmackvolle Räume verbargen und sagte: „Du kannst dir das nachher alles in Ruhe anschauen. Das ist ab jetzt dein Zuhause, wenn du den Auftrag annehmen wirst.“ Und etwas leiser fügte sie hinzu: „Was ich mir von Herzen wünsche. Und nicht nur ich.“ Dabei stiegen sie gemeinsam die Treppe hinunter.

Thaddea machte ein paar Handbewegungen nach links. Dort drüben wohnt Sophie. Hier ist die Küche, da hinten sind zwei Empfangsräume. Dabei wandte sie sich nach rechts und führte Tomma in einen großen, aber sehr behaglichen Speisesaal. Auf dem Tisch standen bereits viele Gedecke. Tomma versuchte sie zu zählen, aber Thaddea ergriff bereits wieder das Wort: „Wir treffen uns heute Abend alle bei dir zum Dinner, damit du alle Bewohnerinnen von Ravenroost Ridge kennenlernst.“ „Wie viele sind es?“, fragte Tomma. „Du bist die Zwölfte“, sagte Thaddea und der Blick, den sie Tomma dabei zuwarf, war ernst.


Und morgen geht`s weiter…

Ganz liebe Grüße

Manou

Weil du es verdienst, dein seelengerechtes Leben zu leben!

2 Kommentare zu „Der 2. Weihnachtstag und Ravenroost Ridge“

  1. Liebe Manou,
    herzlichen Dank dass du nun in dieser Zeit doch täglich etwas schreibst!
    Und – oje – ich bin jetzt schon süchtig nach der Geschichte …. ! Bitte lass sie diesmal zu einem Abschluss kommen, sonst ist der Entzug so groß …. !
    Liebe Grüße, Petra

    1. Liebe Petra, das freut mich sehr… ich werde deinen Wunsch erfüllen 🥰

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