Die Erdenreise Teil 30

oben schauen, unten lesen 🙂 Viel Freude damit

Es war bereits der zweite Weihnachtsfeiertag und Uriel zog von dannen. Er musste ĂŒberlegen. Dies gelang ihm am besten, wenn er sich zurĂŒckziehen konnte. Es waren nicht einmal mehr zwölf Stunden, dann wĂŒrden die großen Engel, die Seraphim, Cherubim und Aralim, sich wieder in die Engelwelt zurĂŒckziehen. Die Menschen, die sich mittlerweile schon an den Anblick gewöhnt hatten, wĂŒrden unter UmstĂ€nden sehr enttĂ€uscht sein und die Dunklen hĂ€tten die nĂ€chste Chance, diese EnttĂ€uschung zu nutzen und die Oberhand zu gewinnen. Er musste etwas finden, das die Schwingung der Menschen positiv beeinflussen wĂŒrde. Das war gar nicht so einfach. Zu diesem Schauspiel der großen Engel gab es keine Steigerung. Es musste also etwas sein, das sie Menschen ebenfalls sehr bewegen wĂŒrde. Damit hatte er keine leichte Aufgabe vor sich.

Auch Hannes, Klara, Martin und die anderen Erzengel waren besorgt, wie es sein wĂŒrde, wenn die Engel nicht mehr die Stimmung verzauberten. Uriel hatte sie schon darauf vorbereitet, dass – egal was er herausfinden wĂŒrde – dies heute Abend in so vielen Sendern wie möglich ausgestrahlt werden wĂŒrde. Hannes nutzte die Zeit, um mit all den Sendern zu sprechen, die derzeit mit ihm kooperierten – und das waren sehr viele – ĂŒber die ganze Welt verteilt. Alle wollten natĂŒrlich wissen, was sie senden sollten und es war fĂŒr Hannes alles andere als einfach, ihnen zu sagen, dass er das selbst noch nicht wusste. Aber die Menschen waren mittlerweile ĂŒberall an Überraschungen gewöhnt, sodass sie sich alle, ohne Ausnahme, dazu bereit erklĂ€rten.

Die pensionierten Richter, AnwĂ€lte und Notare saßen im großen Besprechungsraum und gingen die Projekte durch. Es war unglaublich, was den Menschen alles einfiel und wie viel UnterstĂŒtzung, auch finanzieller Art, sie erhielten. Auch die Damen, von Klaras WohltĂ€tigkeitsrunde hatten alle HĂ€nde voll zu tun, die Spender und Ideengeber miteinander zu koordinieren und ĂŒberall das Beste rauszuholen. Darin waren sie sehr geschickt. Nicht selten spendeten die Menschen schlussendlich mehr als doppelt so viel, als sie eigentlich vorhatten. Die Damen waren Vollprofis. Und zum Schluss waren alle sehr glĂŒcklich.

Michael machte sich auf den Weg in das Hotel am Stadtrand, das gerade zu einem Gesundheitszentrum umfunktioniert wurde und er konnte nur staunen, was hier in drei Tagen alles geschehen war. Fast alle Hotelzimmer waren mit Patienten belegt und in den unteren RĂ€umen entstanden gerade Untersuchungszimmer, Labore und BehandlungsrĂ€ume. Viele HĂ€nde und Köpfe waren fleißig am Werk und es entstand vermutlich das schönste und beste Gesundheitszentrum, das die Welt je gesehen hatte.

Die Familie Liebhart saß am zweiten Weihnachtsfeiertag beim Mittagessen. Herr Liebhart hatte bereits seine KĂŒndigung formuliert und mit den Damen im Sender telefoniert, die ihn erfreut in das Schulprojekt aufnahmen. Wie und in welcher Form er entlohnt werden wĂŒrde, stand noch nicht fest. Aber sie hatten ihm zugesichert, dass er nicht verhungern musste. Aber er wĂŒrde auch nicht reich werden – so viel stand fĂŒrs Erste fest, denn das Geld sollte möglichst viele Menschen in Lohn und Brot bringen, die nun in ein neues Leben starten wĂŒrden. Herr und Frau Liebhart machten Kassensturz. GlĂŒcklicherweise hatten sie immer gut gewirtschaftet und hatten somit doch ein gutes Polster auf der hohen Kante, das sie eben vorerst dafĂŒr verwenden wĂŒrden, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Es war allen klar, dass es nun nicht mehr darum ging, möglichst viel Geld auf der Bank zu haben, sondern es gleichmĂ€ĂŸig auf der Welt zu verteilen, sodass alle Menschen ein gutes Leben fĂŒhren wĂŒrden.

Vielleicht war spĂ€ter wieder Zeit etwas anzusparen. Jetzt mussten sie eben das, was sie hatten, anknabbern und sie fĂŒhlten, dass dies völlig in Ordnung war. DafĂŒr wĂŒrden sie ein deutlich glĂŒcklicheres und erfĂŒllteres Leben fĂŒhren. Morgen wĂŒrden sie zu Herrn Körner in die Werkstatt gehen und Frau Liebhart wĂŒrde sich fĂŒr die Dokumentation bereitstellen, wenn es gewĂŒnscht war. Hach! Es war alles sehr aufregend. Das fanden auch Jonas und Paula. Jonas war schon ganz aufgeregt. WĂŒrde sein Direktor sich einverstanden erklĂ€ren, dass seine Klasse dieses Jahr noch reisen wĂŒrde?

Bei den Dunklen herrschte heute eine etwas bessere Stimmung. Auf irgendeinem Weg war es bis zu ihnen vorgedrungen, dass die Engel sich heute um Mitternacht zurĂŒckziehen wĂŒrden. Sie erkannten natĂŒrlich sofort, dass sie somit eine Chance hatten, die Menschen auf ihre Seite zu lotsen.

„Wir mĂŒssen um Mitternacht sofort damit beginnen, zwischen den Menschen Zwietracht und Neid zu sĂ€hen“, sagte der große Dunkle zu seinen Schergen, den Asuras. „Das kann man ja nicht mit anschauen, wie die alle plötzlich in Harmonie sind. Das ist ekelhaft. Wir werden da heute Nacht schon dazwischen grĂ€tschen. Wir werden sicher Menschen finden, die anfĂ€llig sind fĂŒr unsere Intervention“, sagte er und lachte sein dreckiges Lachen. Die Schergen waren skeptisch. Seit sie die Engel am Himmel gesehen und gehört hatten, wussten sie gar nicht mehr so recht, ob sie Lust hatten auf der dunklen Seite zu dienen. Sie hatten gespĂŒrt, mit welcher Begeisterung die Menschen sich plötzlich aufgemacht hatten und es hatte sie beeindruckt.

Der Große schien es zu bemerken. „Was ist los mit euch?“, herrschte er sie an. „Wer sich nicht mehr mit meinen Zielen verbinden kann, wird auf der Stelle zurĂŒck auf den Saturn verbannt. Dort könnt ihr dann schmoren! Und glaubt mir, ich zögere keine Sekunde. Es gibt mehr als genĂŒgend Ersatz fĂŒr euch!“ Die Asuras bemĂŒhten sich, möglichst schreckliche Grimassen zu ziehen. Sie durften sich nichts anmerken lassen. Sie wussten ja auch nicht, ob unter ihnen nicht welche waren, die nach wie vor auf der Seite des großen Dunklen standen. Aber vielleicht wĂŒrden sie sich ja auch umbesinnen, wenn die Engel weg waren. Die hatten ihnen vermutlich die Sinne vernebelt. Es war schon fast teuflisch, was die da oben trieben.

„Ich habe einen Plan. Sobald die Engel da oben verschwunden sind, strömen wir aus und hĂ€ngen uns an die Menschen dran. Die werden zunĂ€chst in ein tiefes Loch fallen, wenn die Engel weg sind. Sie werden befĂŒrchten, dass das alles nur ein Schauspiel war und wir werden diese Zweifel schĂŒren“, sagte er und schaute die Asuras grimmig an. „Und ich erwarte von euch, dass ihr eure Arbeit gut machen werdet!“

Sophies Vater, Herr Duncan, hatte eine schlaflose Nacht hinter sich. Auch seine Frau konnte nicht schlafen. Und so hatten sie sich die halbe Nacht beraten, was sie nun tun sollten. Sie haben beschlossen, dass sie ein Heim fĂŒr Menschen grĂŒnden wĂŒrden, in dem sie leben und wenn es soweit war, auch gut begleitet sterben konnten. Es sollte sich von den herkömmlichen Alten- und Pflegeheimen dadurch unterscheiden, dass es viel mehr FĂŒrsorge und Behaglichkeit geben wĂŒrde. Sie wĂŒrden ein Team von Menschen zusammenstellen, das ihnen helfen wĂŒrde, so ein neues Zuhause fĂŒr alte, einsame und kranke Menschen jeden Alters zu ermöglichen. Sie wollten auch Ateliers und WerkstĂ€tten einrichten, damit die Menschen, die gesund genug waren, sich auch beschĂ€ftigen konnten. Heute wĂŒrden sie bei einem der englischen Sender anrufen und schauen, ob sie jemanden zugeordnet bekommen wĂŒrden, der das ganze finanziell unterstĂŒtzen wĂŒrde, bzw. der ein passendes GebĂ€ude hatte. Hier in Mountfitchet gab es eine Menge leerstehender HĂ€user. Vielleicht war da etwas dabei?

Uriel ging und ging und ging. Es wollte ihm einfach nichts einfallen. Er war schon seit Stunden unterwegs und seine Verzweiflung wuchs. Er wusste, wenn er keine passende Idee liefern wĂŒrde, dann wĂŒrden die Dunklen ab heute Nacht leichtes Spiel haben. Das durfte einfach nicht passieren. Er hatte Wien schon einmal in die eine Richtung durchkreuzt und ging nun in die andere Richtung. Es musste ihm einfach etwas einfallen. Immer wieder sah er hinauf zu den Cherubim, Seraphim und Aralim und hoffte, dass sie ihm eine passende Idee schicken wĂŒrden, aber sie zogen einfach nur ĂŒber den Himmel und verströmten ihren wunderbaren Gesang. Mittlerweile war Uriel wieder am Ring angekommen und auch er fĂŒhlte sich magisch von der Maria Theresien Statue angezogen. Dort wĂŒrde er sich eine Weile auf die Stufen setzen. Hannes hatte sich dort auch gut erholt. Vielleicht gelang ihm das auch. Er war mittlerweile so sehr erschöpft, dass er auch keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Auf den Stufen saßen ein paar junge Leute, die ein seltsames Instrument mit sich hatten, bei dem sie immer wieder einfach ĂŒber die Saiten strichen. Dabei entstanden ganz wundersame Töne, die eine richtige Klangwolke entstehen ließen. Uriel lauschte eine Weile und fand sich bald in einer absolut entspannten und verzĂŒckten Stimmung wieder. Alles in ihm begann mit diesen Tönen mitzuschwingen.

Als die jungen Leute aufhörten zu spielen, wusste er, dass dies genau das war, wonach er gesucht hatte. Diese Töne hoben ebenfalls die Schwingung der Menschen. Er sprach die jungen Leute an: „Entschuldigt bitte, aber ich habe eurer Musik gelauscht und die ist so wunderbar, dass ich ein paar Fragen dazu hĂ€tte“, sagte er. Die jungen Leute schienen erfreut. „Aber gerne doch“, sagte ein junger Mann mit einem Zopf. „Was ist das fĂŒr ein Instrument?“, fragte Uriel. „Das ist ein Monochord. Es erzeugt Obertöne, wenn man es richtig spielt“, antwortete der junge Mann. Uriel nickte. Obertöne! Das war es. Genau danach hatte er gesucht. Damit konnten sie den Menschen helfen!

Rasch erklĂ€rte er den jungen Leuten, dass er wusste, dass die Engel heute verschwinden wĂŒrden und dass die Menschen nun etwas Neues brauchten, das ihre Energie anhob. Und er fragte sie, ob sie bereit wĂ€ren, mit in den Sender zu kommen und dort heute Abend zu spielen. ZunĂ€chst waren die jungen Leute etwas skeptisch, aber der Gedanke gefiel ihnen gut. Und sie verabredeten, dass sie noch weitere Instrumente holen wĂŒrden und dass sie sich um 22.00 Uhr im Sender treffen wĂŒrden.

Und wie es weitergeht
.erfahrt Ihr morgen.

Ich wĂŒnsche Euch eine gute Nacht und schöne TrĂ€ume!

Manou

2 responses to “Die Erdenreise Teil 30”

  1. Avatar von Antonia Braditsch
    Antonia Braditsch

    Liebe Manou,
    jetzt wird es aber speziell interessant!! 😉 Ach, bin ich neugierig! 🙂
    Liebe GrĂŒĂŸe, Antonia

    1. Jaaaa, das freut mich 🙂 Dankeschön!

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