Die Erdenreise Teil 24

Oben schauen, unten lesen

Mongila war erschöpft. Seit Tagen reiste sie zwischen ihrer kleinen Fabrik und der großen Fabrik, die sich im Aufbau befand, hin und her. Aber sie sah, welche Freude sie damit so vielen Menschen machte. Der Textilfabrikant hatte sie beauftragt, ihm bei der Planung zu helfen. Schließlich wusste sie am besten, was ihre Kollegen und Kolleginnen brauchten. Dafür entlohnte er Mongila fürstlich und hatte ihr in Aussicht gestellt, dass sie in der großen Fabrik eine leitende Position einnehmen sollte.

Mongila hatte aufgeschrieben, vor welchen Herausforderungen die Arbeiterinnen oft standen. In den meisten Textilfabriken war es so, dass die Arbeitszeit bis zu vierzehn Stunden täglich betrug und es nur einen freien Tag gab. Dies führte dazu, dass die Frauen nach wenigen Jahren so ausgelaugt waren, dass sie nicht mehr arbeiten konnten. Davon abgesehen, dass sie unter furchtbarem Heimweh litten und ihre Kinder vermissten.

Daher fand sie den Gedanken wunderbar, dass sie Wohnhäuser bauen würden, in denen die Familien leben können. Sie war erstaunt, welch großes Interesse der Unternehmer daran hatte, dass es den Arbeitern und Arbeiterinnen gut ging. „Wo sollen wir die Kantine planen?“, fragte er. Mongila beugte sich über die Pläne. „Wenn sie hier zwischen der Schule und den Fabrikgebäuden noch Platz hätte, dann wäre das perfekt“, sagte Mongila. „Dann können sich Eltern und Kinder zum Essen hier treffen.“ „Ja, da sollte noch genügend Platz sein. Wie wäre es Mongila, wenn sie sich um die ganzen Einstellungen kümmern. Ich denke, wenn wir sofort anfangen zu bauen, dann können wir in einem halben Jahr in Betrieb gehen. Bis dahin brauchen wir die ersten eintausend Arbeitskräfte und wenn das läuft, dann vergrößern wir hier.“ Dabei zeigte er mit dem Finger auf das Gelände, das bisher noch nicht eingeplant war.

Mongila stimmte zu. Was für eine großartige Aufgabe es sein würde, so vielen Menschen zu einem wunderbaren Arbeitsplatz unter europäischen Bedingungen zu verhelfen. „Das möchte ich sehr gerne tun“, sagte sie erfreut und dachte daran, wie kurz es erst her war, dass sie selbst in der Fabrik saß und weinte, weil sie ihre Kinder so sehr vermisste und sich so schreckliche Sorgen machte. Sie freute sich so sehr darüber, dass nun für eine Menge anderer Mütter und Väter ebenfalls die Möglichkeit bestand, dass sie eine gute Arbeit hatten und trotzdem bei ihren Familien sein konnten. Und sie freute sich fast noch mehr darüber, dass all die Kinder in die Schule gehen konnten und somit ganze Dörfer aus der Armutsfalle entrinnen konnten.

Aber eine Frage beschäftigte sie und sie fasste sich ein Herz, um sie zu stellen: „Warum machen sie das eigentlich alles? Sie würden doch viel mehr Geld verdienen, wenn sie es machen würden, wie alle anderen Textilfabrikanten auch. Der Unternehmer sah sie lange an. „Wissen sie Mongila, ich habe viele Jahre, sogar Jahrzehnte, genau das gemacht, was alle machen. Und ich habe dabei sehr viel Geld verdient. Aber es hat mich nicht glücklich gemacht. Ich habe oft nachts wach gelegen und es war mir bewusst, dass ich mich an den vielen Menschen versündige. Und als eines Tages…“ An diesem Punkt hörte er auf zu sprechen und schaute zum Fenster hinaus und Mongila sah, dass Tränen in seine Augen traten. „…und als eines Tages eine der Arbeiterinnen zusammenbrach, weil sie die Nachricht erhalten hatte, dass ihre unbeaufsichtigten Kinder verschleppt worden sind, während sie in der Fabrik war, wusste ich, dass ich etwas ändern musste.

Ich bin alt und krank und ich habe eine Menge Geld, das ich nicht mit ins Jenseits nehmen werde. Und ich möchte das, was ich verbrochen habe, wieder gut machen. Ich möchte meine Schuld so gut wie es geht begleichen.“ Er schnäuzte sich laut hörbar in ein großes Stofftaschentuch. „Was ist mit den Kindern geschehen?“, fragte Mongila und ihr Herz hämmerte laut in ihrer Brust. „Leider gibt es bis heute kein Lebenszeichen von ihnen“, sagte er. „Ich möchte diese Frau, die Mutter dieser Kinder, unbedingt hier beschäftigen, denn durch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen ist es erst so weit gekommen. Ich habe auch mehrere Privatdetektive eingeschaltet, die die Kinder suchen. Sie sind jetzt zwei Monate verschwunden und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir sie finden.“ Mongila war sehr betroffen. Das war ihre größte Angst gewesen, während sie selbst in der Fabrik war und sie dankte Gott jeden Tag, dass ihren Kindern nichts geschehen war. Sie konnte sich vorstellen, durch welche Hölle diese Mutter ging. Und sie wusste auch, dass viele der verschleppten Kinder nie mehr auftauchten, es wäre schon ein großes Glück wenn sie wieder gefunden werden würden. Aber sie hoffte es inständig. Niemand sollte dies erleben müssen. Die armen Kinder und die arme Mutter.

Mongila verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zurück nach Bonnotola, wo in ihrer kleinen Fabrik schon reges Treiben herrschte und die Frauen fröhlich plaudernd ihre Arbeit machten, während ihre Kinder zwischen ihren Füßen herumkrabbelten. Das hatte sie schon geschafft. Und jetzt würde sich das Leben für noch viel mehr Menschen verändern. Sie dachte dankbar an Theo und Luisa und hoffte sehr, sie bald wieder zu sehen. Noch wusste sie nicht, dass sie die beiden in der Form nie wiedersehen würde.

Der Elohim hatte sich das Anliegen der fünf Erzengel, Hannes, Martin und Klara angehört. Er wäre kein Elohim, wenn er nicht sofort verstanden hätte, worum es ihnen ging. „Ich denke, da kann ich etwas machen“, sagte er. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Ich werde das mit den großen Engeln besprechen. Dazu muss ich euch aber hier alleine lassen. Ich hoffe, dass ich die Dunklen so weit im Griff habe, dass sie die Gelegenheit nicht nutzen. Aber wissen kann man es nicht. Um das, was ihr vorhabt, vorzubereiten, werde ich bis zur Wintersonnwende weg sein. Ich muss den großen Rat einberufen und auch das große Sonnenwesen hinzu bitten. Das ist nichts, was wir Engel entscheiden können. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es klappt. Schließlich hatten wir zu Jesu Geburt ja auch einen Kometen am Himmel. Aber mit einem Kometen können wir die Menschen nicht mehr beeindrucken. Dieses Mal werden wir größere Geschütze auffahren müssen. Die Menschen sind ja schon sehr abgestumpft.“ Die Erzengel und die Menschen atmeten auf.

„Aber eure Aufgabe wird sein, all die Menschen, die etwas zu sagen haben, zusammenzutrommeln und am besten bei dir im Sender auftreten lassen. Bis dahin werdet ihr das Ereignis ankündigen müssen. Das müsst ihr jetzt tun.“ „Aber was können wir denn ankündigen? Wir wissen ja noch gar nicht, was geschehen wird.“, sagte Hannes und kratzte sich dabei ratlos am Kopf. Das war der Horror eines jeden Journalisten, dass er etwas ankündigen soll, von dem er selbst nichts Genaues wusste. Aber er würde sich bemühen.

„Wir müssen uns besprechen. Wir brauchen ein gutes Storytelling, womit wir die Aufmerksamkeit auf den Tag der Wintersonnwende lenken können. Und wir brauchen eine Liste all derer, die den Menschen so viel zu sagen haben, auf die aber im Moment niemand hört. Das ist eine fast unlösbare Aufgabe und wir haben nur noch ein paar Tage Zeit“, sagte Hannes und sah dabei nicht gerade glücklich aus.

Die nächsten beiden Tage waren mit hektischem Treiben erfüllt. Der Elohim war in die Engelwelt gereist und Martin, Hannes, Klara und die Erzengel waren dabei, das größte Event ihres Lebens zu planen. Sie würden ihre komplette Glaubwürdigkeit verlieren, wenn dies nicht klappte. Hannes konnte fast nicht mehr aufhören, sich die Haare zu raufen. Aber sie hatten sich geschworen, dass sie es schaffen würden.

Und wie es weitergeht, erfahrt ihr morgen am Tag der Wintersonnwende! Ich wünsche Euch eine gute Nacht und schöne Träume!

Manou

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