Die Erdenreise Teil 10

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Als Martin aufgehört hatte, über sein neues Leben zu schwärmen und Klara die Teetassen wieder einsammelte, um sie zurück in die Wohnung zu tragen, fasste Luisa sich ein Herz: „Martin, wir müssen etwas mit dir besprechen und vielleicht brauchen wir deine Hilfe“, sagte sie. Martin schaute erfreut auf. „Ihr könnt gerne ein paar Tage hier wohnen, wenn ihr keinen Schlafplatz habt“, sagte er sofort. Luisa und Theo lachten. Ja, das war Martin! Er dachte eben praktisch. „Darum geht es nicht, zumindest nicht in erster Linie“, sagte Luisa und fuhr fort: „Martin, bitte hör mir jetzt einfach bis zum Ende zu. Was ich dir zu sagen habe, wird für dich ein wenig…äh…seltsam klingen. Aber ich schwöre dir, jedes Wort ist wahr. Wir wollten zuerst niemanden einweihen, aber jetzt haben wir bemerkt, dass wir Hilfe brauchen.“

Martins Miene wurde etwas ernster. „Habt ihr eine Bank überfallen oder sowas. In kriminelle Dinger möchte ich echt nicht reingezogen werden. Ich habe mir all die Jahre auf der Straße nicht zuschulden kommen lassen.“ Seine Stimme klang aufgeregt und Luisa merkte, dass er richtig Angst hatte. Daher beeilte sie sich, ihn zu beruhigen. „Nein, nichts Kriminelles. Überhaupt nicht. Hör doch einfach bitte mal zu“, sagte sie.

Martin nickte und lehnte sich zurück. Luisa sah ihm an, dass es ihm immer noch unwohl war. Offenbar war er gewohnt, dass solche Gespräche in eine sehr unangenehme Richtung gehen können, und sie war sich auch nicht sicher, wie er auf das reagieren würde, was sie ihm jetzt zu sagen hatte. Sie musste es so kurz und einfach wie möglich machen. Theo und die Erzengel saßen schweigend da. Offensichtlich war das nun alleine ihr Job.

„Martin, wir sind keine Menschen“, begann Luisa und schaute, wie Martins Miene sich veränderte. Aber er blieb ruhig. Es machte den Anschein, als glaubte er ihr nicht – was ja auch kein Wunder war. Da er nichts sagte, sprach sie weiter: „Wir sind Engel, besser gesagt Theo und ich sind Jungengel. Und die fünf anderen Herren hier…“, dabei zeigte sie auf Gabriel, Michael, Raphael, Phanuel und Uriel „…sind Erzengel. Genauer gesagt, darf ich dir vorstellen Erzengel Gabriel, Erzengel Michael, Erzengel Raphael, Erzengel Phanuel und Erzengel Uriel.“ Prüfend schaute sie auf Martin und wartete, was er wohl sagen würde. „Okay Luisa, bitte erzähle mir die Weihnachtsgeschichte weiter. Spielt ihr irgendwo in einem Theater?“, fragte er. Und Luisa merkte, dass er offenbar dachte, das hier sei die Probe für ein Theaterstück.

„Nein, Martin. Das ist wahr. Wir sind Engel und wir sind für einige Zeit auf die Erde gekommen, um den Menschen zu helfen, damit sie sich nicht von den dunklen Mächten übernehmen lassen.“ Martin schaute immer noch sehr gelassen. „Habt ihr auch Popcorn dabei?“, fragte er und begann zu lachen. „Das ist die ulkigste Geschichte, die ich seit Langem gehört habe.“ Luisa schüttelte den Kopf, so langsam schien sie zu verzweifeln. In dem Moment stand Michael auf und ließ um sich herum einen hellen Strahlenkranz entstehen. „Dein Humor in Ehren Martin, aber Luisa sagt die Wahrheit und wir brauchen deine Hilfe. Es ist keine Zeit, sich über uns lustig zu machen.“ Seine Stimme klang richtig laut und polternd und während er sprach, schien er immer größer zu werden und sein Lichtschein wurde so hell, dass alle geblendet wegschauen mussten. Nun schien Martin verstanden zu haben.

Aber offenbar hatte es ihm auch die Sprache verschlagen. Er saß da und schaute mit offenem Mund zu Michael und immer wieder zu den anderen Erzengeln und dann wieder zu Theo und Luisa. Er wirkte wie im Schock. Michael setzte sich wieder hin. Aber Martin schwieg beharrlich. Luisa versuchte, ihn zu einer Reaktion zu bewegen, aber es schien, als ob er vollkommen abwesend war. „Was hast du mit ihm gemacht?“, fragte Luisa besorgt und setzte sich neben Martin und rüttelte ein wenig an seiner Schulter. „Nichts, eigentlich“, sagte Michael. „So reagieren die Menschen meistens auf Erzengel.“

Luisa kniff die Lippen zusammen. Das war ja eine schöne Bescherung. Zuerst glaubte er ihnen nicht und nun schien er wie weggetreten. „Los, Michael! Tu doch etwas. Das macht doch keinen Sinn, dass er hier ganz erstarrt sitzt.“ Michael stand noch einmal auf und ließ um sich herum nun ein violettes Licht entstehen, mit dem er Martin ganz einhüllte. Dieser begann nun langsam zu erwachen. „Wieso kannst du das eigentlich hier in der Menschenwelt?“, fragte Luisa. „Ich dachte, wir wären hier alle praktisch völlig wie die Menschen“, sagte sie. Michael schaute ein wenig betreten. „Ich habe auch ein paar magische Werkzeuge und manchmal wende ich die an. Das sollte ich zwar besser nicht tun, aber wir hätten noch Stunden reden müssen, um ihn zu überzeugen“, sagte er.

In diesem Moment hörten sie ein Geräusch an der Tür. Sie drehten sich alle um und sahen, dass Klara im Schatten der Tür stand. „Wie lange stehst du schon da, Klara?“, fragte Theo. Klara zitterte, somit wussten sie, dass sie alles mit angesehen und angehört haben musste. Also mussten sie sie wohl oder übel auch ins Vertrauen ziehen. Gabriel winkte ihr, näher zu kommen. „Na, dann komm schon her Klara. Wenn du sowieso alles gehört hast, brauchen wir auch nicht warten, bis du wieder gehst.“ Klara kam langsam näher. Sie schien mehr ehrfürchtig zu sein als ängstlich. Langsam ging sie auf Michael zu. „Du bist wirklich Erzengel Michael“, fragte sie. Und dann schaute sie zu den anderen. „Und ihr seid ebenfalls Erzengel…“ Dann wandte sie ihren Blick zu Luisa und Theo. „Ja, ihr beiden habt es ja eigentlich schon verraten, Luisa und Theo Engel“, sagte sie. Das war der Name, den die beiden ihr beim ersten Zusammentreffen genannt hatten.

Martin bewegte sich wieder. „Ich glaube, ich könnte jetzt einen Schnaps vertragen“, murmelte er vor sich hin. „Später hole ich eine für dich“, sagte Klara mütterlich. „Aber zuerst sollten wir uns anhören, was die Herrschaften uns zu sagen haben. Stell dir vor, Martin! Echte Engel in meiner Tischler-Werkstatt. Wenn das mein Mann und mein Sohn erleben könnten. Da würden ihnen die Münder offenstehen vor Staunen. Das ist die schönste Adventüberraschung, die ich jemals hatte. Darf ich mich dazusetzen?“

Die Engel nickten alle. Erst waren sie erschrocken, als sie Klara bemerkten, aber Klara schien wesentlich gewillter zu sein, ihnen zu glauben. Martin war offensichtlich auch froh, dass Klara nun bei ihnen war. Er schien sich in ihrer Gegenwart sicherer zu fühlen. „Okay, ich habe mich auch von meinem Schreck erholt. Aber ihr müsst verstehen, dass das sehr ungewöhnlich ist. Bisher dachte ich, Engel gibt es gar nicht. Ich dachte, ihr seid so etwas wie Fabelwesen.“ Nun lachten die Erzengel auf. „Ihr Menschen seid auch lustig. Wenn ihr euch mehr um das kümmern würdet, was es außer euch noch so gibt, müssten wir gar nicht kommen und euch zu Hilfe eilen“, sagte Phanuel ein wenig streng. Ihm ging das alles viel zu langsam und er hatte das Gefühl, dass die Menschen ein wenig schwer von Begriff waren. Aber er bemühte sich, geduldig zu bleiben. Vielleicht lohnte sich die Zeit ja, die sie jetzt damit verbrachten, die beiden in ihre Mission einzuweihen.

„Okay, ihr seid also hier, um uns Menschen zu helfen, damit wir nicht von den dunklen Mächten übernommen werden“, wiederholte Martin die Aussage von Luisa. „Genau!“ Luisa nickte. „Aber wir wissen nicht, wie wir es anstellen können, dass wir viele Menschen erreichen.“ Und sie schilderte ihm, wie sie zu ihm gefunden hatten und was sie gestern und über Nacht in der U-Bahn-Passage gemacht hatten. Martin hörte nun gebannt zu. „Uff! Das ist ja starker Tobak!“, rief er. „Aber ich habe es geahnt, dass mit euch etwas nicht stimmt und dass ihr irgendwie die Finger mit im Spiel hattet, dass plötzlich Klara auftauchte und sich bereit erklärte, dass ich hier nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen darf.“

„Aber was kann ich jetzt für euch tun?“ Klara fuchtelte mit der Hand vor Martins Gesicht herum. „Bist du wirklich so schwer von Begriff?“, fragte sie und wirkte direkt ein wenig verärgert. „Du hast mir gestern erzählt, dass du die letzten Jahre als Vortragsredner unterwegs warst. Was könnte jetzt besser nützen, als jemand, der die Menschen in einem Vortrag überzeugen kann?“, sagte sie bestimmt. Martin begann zu lächeln. „Du hast recht Klara! Aber ich habe noch eine viel, viel bessere Idee, wie wir in kürzester Zeit eine wirklich große Menge Menschen erreichen können. Aber bevor ich darüber spreche, möchte ich erst noch ein wenig nachdenken. Könntest du unsere Besucher vielleicht mit zu dir hinübernehmen, damit ich einen Plan machen kann? Dazu brauche ich eine oder zwei Stunden ungestörte Zeit.“

Klara strahlte. „Natürlich kann ich fünf Erzengel und zwei Jung-Engel mit in meine Wohnung nehmen. Was für ein Glanz für meine alte Hütte!“ Aufgeregt stand sie auf und führte die sieben Engel hinüber zu ihrer Wohnung.

Indessen dachte Martin angestrengt darüber nach, wie er dafür sorgen könnte, dass die Botschaft der Engel möglichst schnell möglichst viele Menschen erreichen würde. Und er hatte auch schon eine Idee!


So, welche Idee Martin gerade ausheckt, erfahrt Ihr morgen Abend.

Ich wünsche Euch eine gute Nacht und schlaft schön!

Manou

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