„Ich bin ein Teil von jener Kraft….“ oder das Waschen der Hände aus spiritueller Sicht

Die meisten von uns kennen Goethes „Faust“ noch aus der Schule, oder haben sich zumindest irgendwann einmal damit beschäftigt. Das ist ja eines der Bücher, die die höchste Mysterienweisheit in sich tragen. Und da gibt es die Stelle in „Der Tragödie erster Teil“, in der Mephistopheles zu Faust sagt: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entsteht, ist wert dass es zugrunde geht.“ Und gerade der erste Teil mit der Aussage, das Böse zu wollen und das Gute zu schaffen, ist auch im Moment zu verspüren.

Wir sind ja derzeit angehalten und sehr häufig die Hände zu waschen, das an sich ist ja noch nicht als schlimm zu bezeichnen, sondern im Gegenteil, es ist gut, sich oft und ausgiebig die Hände zu waschen. Die negative Konnotation kommt ja nur durch die begleitenden Umstände. Das es quasi wie ein Zwang daher kommt. Und doch ist es zum Schluss etwas, das uns als Menschheit in der Entwicklung weiterbringt. So eine kleine Handlung wie das Waschen der Hände, hat eine Wirkung im Geistigen. Es gibt ja auch in vielen Zeremonien die rituelle Händewaschung. Auch dies hat damit zu tun.

Ich habe mich ein wenig mit der geistigen Schau auf das Waschen der Hände beschäftigt und bin auf ein interessantes Phänomen gestoßen. Das Waschen der Hände verändert die Menschen. Dazu möchte ich gerne wieder ein paar Zitate von Rudolf Steiner einfügen:

Es gibt Menschen, die sich oft die Hände waschen, und es gibt solche, die waschen sich selten die Hände. Nun, in gewisser Beziehung ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den einen und den anderen. Der Mensch ist hinsichtlich seiner verschiedenen Körperteile tatsächlich ganz unterschiedlich vom Übersinnlichen durchdrungen. So sind zum Beispiel nicht Brust und Oberschenkel in gleicher Weise vom Ätherleib durchdrungen wie die Hände. Gerade von den Fingern aus gehen mächtige Strahlen des Ätherleibes. Weil das bei den Händen so ist, können wir gerade in den Händen ein wunderbar intimes Verhältnis zum äußeren Leben entwickeln. Die Menschen, die sich oft die Hände waschen, stehen in feinerer Beziehung zu ihrer Umgebung, sind in feinerer Weise empfänglich für ihre Umgebung, weil durch den im Blut materialisierten Geist die Wirkung ausgeübt wird, daß der Mensch in seinen Händen sensitiver wird. Dickhäuter in Bezug auf die äußere Welt waschen sich nicht oft die Hände. Sehen Sie, wie wenig solche robusten Leute zugänglich sind für die Eigentümlichkeiten ihrer Mitmenschen, während die, welche sich öfter die Hände waschen, geistig in ein intimeres Verhältnis zur Umwelt treten. Würde ein Mensch versuchen, an einer anderen Stelle dasselbe bewirken zu wollen, zum Beispiel an den Schultern, so würde sich zeigen, daß er, wenn er diese auch so viel waschen würde, neurasthenisch werden würde. Was den Händen gesund ist, ist den Schultern nicht gesund. Der Mensch ist so organisiert, daß er dieses intime Verhältnis zur Umwelt durch die Hände einzugehen vermag.“ (Lit.:GA 127, S. 110)

Veränderung geschieht auch, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind

Und nun geschieht es ja dadurch, dass die Menschen nun gezwungen, oder sagen wir einfach mal angehalten werden, die Hände oft zu waschen, dass dies den Menschen zur Gewohnheit wird. Und gröbere Naturen haben nun durch diese Gewohnheit die Möglichkeit – ohne dass sie sich dessen bewusst sind – sich durch das Waschen der Hände, und damit auch ihren ganzen feinstofflichen Leib, zu sensibilisieren. Denn Dinge, an die wir uns einmal gewöhnt haben, werden nun zu unserer Natur. Wir behalten diese bei. Und so können Menschen, die zuvor viel grober oder viel weniger sensibel waren, nun durch das Waschen der Hände zu einer gewissen Sensibilität kommen, da Veränderung ja immer in beide Richtungen wirkt.

Das ist doch eine spannende Sache! Und hier noch ein Zitat von Steiner:

Die Art und Weise nun, wie wir mit dem Geiste im Wasser in Beziehung kommen, wenn wir unsere Hände waschen, ist so, daß man sagen muß, wenn man feinsinnig das Leben zu beobachten versteht, daß es einen großen Einfluß hat auf die Gesamtstimmung des Menschen, wie oft er sich die Hände wäscht. Es gibt Naturen, die eine gewisse Vorliebe dafür haben, sich die Hände zu waschen; die können gar nicht anders, wenn irgendein Schmutz an den Händen sein könnte, als ihn wegzuwaschen. Das sind diejenigen Naturen, die in einer ganz bestimmten Weise eine gewisse Beziehung haben – oder bekommen – namentlich zu ihrer Umgebung. Die beschränkt sich dann nicht bloß auf das Stoffliche, sondern es ist, wie wenn feine Kräfte im Stoffe anfingen auf den Menschen zu wirken, wenn er so die geschilderte Beziehung zwischen seinen Händen und dem Element des Wassers herstellt. Solche Menschen werden uns schon im Leben zeigen, daß sie in einer gewissen Weise – und zwar im gesunden Sinne – sensiblere, sensitive Naturen werden, feiner beobachten zum Beispiel, wenn ein Mensch mit brutalem Sinn oder mit gutem Gemüt in ihrer Nähe steht, während Menschen, welche Schmutz an ihren Händen dulden, tatsächlich auch im Leben gröbere Naturen sind und in der Tat zeigen, daß sie zwischen sich und den intimeren Beziehungen in ihrer Umgebung etwas wie Wände aufrichten. Es ist das so, und Sie können es selbst, wenn Sie wollen, ethnographisch beobachten. Gehen Sie durch die Länder und versuchen Sie die Menschen zu beobachten. Es gibt die Möglichkeit zu sagen, es werden da oder dort mehr die Hände gewaschen. Untersuchen Sie, wie die Beziehungen zwischen den Menschen sind, wie ganz anders Freund zum Freunde, Bekannter zum Bekannten steht in Gegenden, wo die Hände mehr gewaschen werden, als in Gegenden, wo die Menschen eine Mauer aufrichten dadurch, daß sie weniger oft die Hände waschen.“

Die Entwicklung der Menschen hin zum Geistigen ist nicht aufzuhalten

Und wir können nun davon ausgehen, dass egal, was uns im Außen an Zwängen und Restriktionen auferlegt wird, wir uns dadurch verfeinern und in eine neue Erkenntnisfähigkeit kommen. Nichts geschieht zufällig und nichts ist nur Negativ. Wie im Ying und Yang Zeichen ist auch hier immer ein Teil der anderen Polarität vorhanden. So können wir jede Entwicklung im Außen nutzen um uns wieder ein Stück weiter zum Guten, Wahren und Schönen hin zu entwickeln.

Aber Vorsicht: Rudolf Steiner sprach von Wasser – nicht von Desinfektionsmittel!

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen eine schönen Samstag! Waschen Sie ruhig Ihre Hände und denken Sie dabei daran, Sie entwickeln sich schon durch diese – scheinbar banale Tätigkeit – weiter im guten Sinne!

Manou Gardner Medium

Bild von iris Vallejo auf Pixabay

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