Heilende Gärten erschaffen

Ich hatte ja gestern angekündigt, dass ich heute über heilende Gärten schreiben möchte. Dabei meine ich heilend zunächst einmal hinsichtlich der Heilung von Mutter Erde – nach dem pars pro toto Prinzip. Heilen wir einen kleinen Teil, so heilen wir das Ganze. Ich habe Euch heute mal eine kleine Bildstrecke gemacht. Auf dem Bild oben sind die Wächterbäume – es sind vermutlich Hainbuchen – am Eingang unseres Grundstückes zu sehen. Jeden Tag erfreue ich mich an ihnen. Sie waren schon hier als wir kamen. Es ist auch gar nicht so ganz einfach, sich dem erdheilenden Gärtnern zu verschreiben. Denn es stellt sich zunächst die Frage: Was heilt die Erde denn? Und die nächste Herausforderung ist ja, man kann nicht gärtnern ohne einzugreifen. Daher habe ich heute einmal eine kleine Fotostrecke gemacht. Ich bin bei Weitem keine perfekte Gärtnerin, aber ich achte seit achtzehn Jahren darauf, solange wir hier wohnen, dass alle Wesen und Wesenheiten in unserem Garten zu ihrem Recht kommen.

Brennesseln für die Schmetterlinge

Die nord-westliche Ecke meines Gartens ist das Zuhause der Brennessel. Dort kann sie ungestört wachsen. Ich ehre das Wesen der Brennessel damit, dass sie eine recht große Fläche erhält. Außerdem wird sie dringend gebraucht – und zwar gar nicht von uns Menschen.

Wer weiß schon, dass bestimmte Schmetterling wie das Tagpfauenauge, der kleine Fuchs und der Admiral auf Brennesseln angewiesen sind? Ihre Raupen fressen ausschließlich die Blätter von Brennesseln. Weitere rund 50 Arten Schmetterlinge lieben die Brennessel ebenfalls. Deshalb ist es wichtig, einem wunderbaren Gewächs wie der Brennessel einen Teil des Gartens zu überlassen. Über die Heilkraft der Brennessel für Menschen brauche ich wohl nicht zu schreiben. Das ist ja hinlänglich bekannt. Aber für viele Schmetterlinge ist sie unersetzlich.

Steine für die Reptilien

Auch Eidechsen, Blindschleichen aber auch kleine Schlangen brauchen einen Platz im Garten, wo sie sich sonnen und sich bei Bedarf verstecken können. Bei uns hat es sich so ergeben, dass die nord-östliche Ecke als Kompost angelegt wurde. Und obwohl es nicht die sonnigste Ecke des Gartens ist, leben dort die Eidechsen und Schlangen. Im Herbst gibt es große Laub- und Reisighäufen für die Igel als Winterquartier. Allerdings habe ich in unserem Garten noch nie einen Igel gesehen.

Grasinseln für wilde Blühpflanzen und Insekten

Es ist auf diesem Bild nicht gut zu erkennen, da ich es heute ganz früh aufgenommen habe, bevor die Blüten sich öffneten. Aber in dieser Insel sind eine Menge wilde Blühpflanzen zuhause.

Mit dieser Grasinsel hat es eine besondere Bewandtnis. Eigentlich wollte mein Sohn gestern mit dem Rasentraktor das ganze Gras abmähen und ich habe auch schweren Herzens zugestimmt, da es schon sehr hoch war. Es ist dann nämlich kaum noch zu schaffen. Auf jeden Fall als er so weit, wie auf dem Bild ersichtlich gekommen war, fiel plötzlich das Messer aus dem Mähwerk und er konnte nicht mehr weitermähen – tja, ich denke, da hatten wohl ganz andere Kräfte korrigierend ihre Finger im Spiel 🙂

Die Kinderstube – Aussähen und Pflanzen nach den Aussaattagen von Maria Thun

Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, streng nach den Pflanz- und Pflegetagen von Maria Thun vorzugehen. Und obwohl ich – dank Corona – eigentlich einen Monat zu spät angefangen habe, habe ich doch eine beachtliche Kinderstube hier. Ich bin überzeugt davon, dass es für die Pflanzen und auch die Elementarwesen wahnsinnig wichtig ist, dass wir uns nach ihren Rhythmen richten und nicht sie sich nach uns richten müssen.

Zugegeben, die großen Tomaten unten sind nicht von mir. Die habe ich von einem anderen Hobbygärtner bekommen. Aber es ist alles so weit, dass es dieses Jahr eine gute Ernte einbringen kann.

Eine Mitbewohnerin – Gelbhalsmaus oder Waldmaus

Hier im Hochbeet fand ich eines Tages dieses Loch vor und fragte mich, wer wohl so ein riesiges Loch gegraben hatte. Es musste von oben gegraben worden sein, da das Hochbeet unten durch ein Gitter geschützt ist, um Wühlmäuse abzuhalten. Wühlmaus fiel also aus. Und eines Abends kam ich in den Garten und es saß am Eingang des Loches eine größere gelb-braune Maus mit einem weißen Bauch. Was für ein „Zufall“ dass sie sich mir gezeigt hat. Es war also definitiv keine Wühlmaus. Auf den ersten Blick dachte ich, es wäre ein entlaufener Hamster. Aber als ich näher kam, drehte sie sich um und verschwand in ihrem Zuhause. Sie könnte eine Waldmaus sein, aber da sie so viel größer war als eine gewöhnliche Maus, tippe ich darauf, dass sie eine Gelbhalsmaus ist – obwohl dafür der Wohnort etwas ungewöhnlich wäre. Auf jeden Fall fiel mir sehr unangenehm auf, dass ich, als ich sie bei Google eingab, als erstes auf eine Schädlingsbekämpfungsanzeige von Rentokil stieß. Was für eine schreckliche Art die Welt zu betrachten. Ich habe auf jeden Fall vorerst beschlossen, dass wir in friedlicher Koexistenz leben werden. Mal sehen, wie es weitergeht. Die Radieschen mussten halt ein wenig Platz machen.

Insgesamt denke ich, dass es einfach gut ist, wenn wir uns vor dem Eingriff überlegen, wer hier – außer uns – noch lebt und diesen Wesen und Wesenheiten ihre Rechte zuzugestehen. Die Erde leidet aus meiner Sicht am meisten darunter, dass die Menschen wie selbstverständlich alles für sich beanspruchen, ohne auch nur darüber nachzudenken, dass selbst, wenn wir das Grundstück gekauft haben, es in letzter Konsequenz immer noch Mutter Erde gehört, da es ein Teil von ihr ist. Genau genommen können wir keine Teile der Erde kaufen. Die Erde gehört sich selbst. Wir kaufen nur das Recht in der Menschenwelt, dieses Stück Erde zu gestalten. Aber wenn wir ein wenig weiterdenken, ist unser Kauf nur Schall und Rauch.

Was ansonsten noch wichtig ist:

  • Kein Schneckenkorn – auch die Schnecken tun nichts anderes als das, was die Schneckennatur ihnen sagt: „Friss das zarteste Grün“. Daher ist es viel besser, die Schnecken abzusammeln und an einen anderen Ort zu bringen. Ich versuche es jedes Jahr auch damit, dass ich extra Scheckenpflanzen stehenlasse. Aber bisher haben sie es noch nicht verstanden – meine Familie lacht über mich und erklärt das Projekt für gescheitert. Aber ich glaube, dass wir uns erst einmal auf die Langsamkeit der Schnecken einlassen müssen. Die Veränderung braucht vermutlich Zeit – wir werden sehen.
  • Natürlich weder Insektizide noch Pestizide – ich denke, das braucht keine Erklärung
  • Gärtnern geht auch auf dem Balkon. Jeder Blumenkasten ist ein Beet.
  • Gärtnern tut uns gut. Es erdet uns und bringt uns in Verbindung mit unserer großen Mutter und ihren Bewohnern.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen wunderschönen Samstag – es ist Wurzeltag. Wer noch Radieschen, Möhren, Zwiebeln, Knoblauch, Rote Rüben oder Sellerie säen oder pflanzen möchte, ist gut beraten, es heute zu tun.

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker