Stürmische Rauhnächte und Ravenroost Ridge

Stürmische Rauhnächte. Der Wind tobt und heult und gibt einfach keine Ruhe. Bei solchen heftigen Winden sind die großen Luftwesen, die Devas, beteiligt. Es ist kein Zufall, dass wir derart stürmische Rauhnächte erleben. Es gibt Vieles, das bereinigt und geklärt werden muss. In den letzten Jahren wurden viele Elementale erzeugt, das sind die Wesenheiten, die wir Menschen mit unseren Gedanken erzeugen. Je öfter ein Gedanke gedacht wird und je mehr Menschen ihn denken, umso größer und stärker sind die Elementale. Der Wind gibt uns nun die Möglichkeit, unsere Gedanken auszulüften und neue zu denken.

Stürmische Rauhnächte – die Wilde Jagd

In früheren Zeiten wurden diese Stürme die Wilde Jagd genannt, weil die Menschen Angst vor ihnen hatten und sich diesem tobenden Luftelement ausgeliefert fühlten. Je unsicherer eine Behausung ist, umso bedrohlicher sind diese archaischen Kräfte. Aber für uns, in unseren sicheren Steinhäusern ist wenig Bedrohung vorhanden. Wir dürfen diese stürmischen Rauhnächte auch als einen Reinigungsvorgang sehen, der uns hilft, alles Alte aus den vergangenen Jahren wegzufegen, damit Platz und Bewusstsein für das Neue entstehen darf.

Und jetzt machen wir uns auf den Weg nach Ravenroost Ridge. Ich wünsche dir viel Freude bei der Begegnung von Tomma und Jacky.

Elfter Teil von Ravenroost Ridge

Mittlerweile hatte Sophie den Tee und die Scones hereingebracht. Tommas schlechtes Gewissen regte sich und sie sagte: „Bitte entschuldige Sophie, dass ich mich vorhin so gehen ließ. Ich…“ Doch Sophie unterbrach sie. „Sie müssen sich bei mir niemals entschuldigen Lady Tomma“, sagte sie und wandte sich wieder zum Gehen. „Danke für den Tee“, sagte Tomma noch. Sophie nickte freundlich.  

Thaddea begleitete Tomma nach dem Tee nach oben. Tomma verspürte wirklich eine bleierne Müdigkeit. „Ich glaube, ich schlafe tatsächlich eine Weile“, sagte sie. Thaddea nickte. „Das ist das Beste. Es ist jetzt kurz nach fünfzehn Uhr. Ich sage Sophie, sie soll um achtzehn Uhr nach dir schauen. Dann hast du genügend Zeit, dich fertigzumachen und zu Jacky hinüberzugehen.“ Tomma nickte und schmiss sich aufs Bett. Was war nur plötzlich mir ihr los? Bis vor diesem Moment im Park fand sie, dass Ravenroost Ridge der perfekteste und beste Ort dieser Welt war und plötzlich waren diese Zweifel und der Verdacht aufgetaucht. Während sie diesen Gedanken nachhing, schlief sie ein.

Sophie weckte sie sanft. „Lady Tomma, es ist achtzehn Uhr. Sie sind bei Lady Jacky zum Dinner eingeladen.“ Tomma setzte sich auf. Genau, sie musste nun zu Jacky gehen. Insgeheim hatte sie gehofft, dass nach einem Schlaf alles wieder gut wäre. Aber der Stachel des Zweifels saß noch immer in ihr. Sie dankte Sophie und verneinte die Frage, ob sie noch etwas brauchte. Was sie brauchte, war Gewissheit und die konnte sie sich nur selbst verschaffen.

Kurz vor neunzehn Uhr machte sie sich auf den Weg zu Jackys Haus. Jacky empfing sie höchstpersönlich an der Tür. „Tomma! Wie schön, dass du kommst!“, rief sie und schien sich wirklich zu freuen. Tomma fiel erst jetzt auf, dass Jacky fast einen Kopf kleiner war als sie. Sie trug ein duftiges geblümtes Kleid und ihre lockigen roten Haare waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

Jacky wirkte mädchenhaft, obwohl Tomma wusste, dass auch sie die Fünfzig längst überschritten hatte. Niemand in Ravenroost Ridge war jünger. Tomma schaute sich um. Jackys Haus wirkte fast ein wenig verspielt, genau wie sie. „Willkommen in Fairy Mansion“, sagte Jacky, und lächelte Tomma aufmunternd zu. In diesem Moment kam Jackys Hausdame auf sie zugeeilt und wischte sich während des Gehens die Hände an der Schürze ab, die sie über ihrer Livree trug. „Das ist Nora, meine gute Fee hier im Haus“, sagte Jacky. Nora deutete einen Knicks an und streckte die Hände nach Tommas Umhang aus.

„Bitte entschuldigen, sie Lady Jacky, dass ich die Tür nicht geöffnet habe, aber die Austernpilze brauchten gerade noch Aufmerksamkeit“, sagte sie und hängte Tommas Umhang auf. „Das ist doch kein Problem Nora, ich habe ja auch Beine“, sagte Jacky und lachte. „Komm Tomma, wir essen heute in der Stube. Das Speisezimmer ist mir zu ungemütlich.

Mit diesen Worten führte sie Tomma in einen eher kleinen Raum, indem sich in der Mitte ein runder Tisch mit vier Stühlen befand. „Ich hoffe, du magst Pilze. Ich war heute im Wald und bin mit reicher Beute zurückgekehrt. Es ist sehr einfach, wenn die Gnome einem den Weg zeigen.“ Tomma bejahte die Frage nach den Pilzen, zu allem anderen würde sie hoffentlich noch eine Erklärung erhalten.

Zunächst nahm die Ausstattung des Raumes ihre Aufmerksamkeit in Beschlag. Alles in diesem Raum wirkte lieblich und verspielt. „Ich nehme an, dass dies Fairy Mansion ist, weil du mit Elfen und Gnomen sprichst“, sagte Tomma. „Thaddea hat heute schon so etwas angedeutet.“ Jacky lachte. „Und ich habe schon gehört, dass sich Ivy, unsere Parkdeva, einen kleinen Streich mit dir erlaubt hat. Eigentlich sollte sie sich erst bemerkbar machen, wenn jemand es möchte. Aber sie hat in dir offenbar die Möglichkeit für einen kleinen Plausch gesehen. Sie ist immer sehr neugierig, wenn ein neuer Mensch nach Ravenroost Ridge kommt. Sie ist so etwas wie das Bewusstsein von Ravenroost Ridge.“

Tomma lauschte in sich hinein, wie das Gesagte in ihr klang. Aber die erfrischende Art von Jacky zerstreute im Moment all ihre Zweifel und Bedenken. Auch war das Ambiente und die Stimmung in Fairy Mansion so zauberhaft, dass Tomma gar nicht anders konnte, als den Moment zu genießen, sich wohlzufühlen und sich auf die Pilze zu freuen, zu denen Jacky von den Gnomen geführt worden war.

Tomma musste innerlich schmunzeln. Es ging genauso verrückt weiter. Vielleicht war es auch einfach ganz schön, verrückt zu sein. Jackys Gegenwart lichtete alles ein wenig auf und Tomma bemerkte, dass Erleichterung und eine unbekannte Form von Gelassenheit sich in ihr breit machten. Vielleicht spielte es gar keine Rolle, in welcher Realität sie gerade lebte? Vielleicht lebte überhaupt jeder Mensch in einer eigenen Realität. Wenn sie an Rob dachte, so lebte der in einer Welt, die für sie ja auch unverständlich und unlogisch war. Was war so gut daran, andere Menschen zu schädigen und mehr Geld anzuhäufen, als man jemals verbrauchen konnte? Das war ja ebenfalls verrückt. Tomma wusste nicht, ob diese neuen Gedanken nur ebenfalls Ausgeburten ihrer eigenen Verrücktheit waren, oder ob sie plötzlich eine weise, fast philosophische Erkenntnis hatte. Was auch immer es war, es fühlte sich deutlich besser an.

Nora brachte nun Gläser und Getränke. Darunter war ein Holundersirup, von dem Jacky erzählte, dass sie ihn selbst hergestellt hatte. „Die Holunderdeva hat mir verraten, wie es richtig geht“, sagte Jacky, während sie zwei Finger breit davon in Tommas Glas goss und dies dann mit Wasser auffüllte. Tomma kostete. Tatsächlich war es ein Holundersirup wie sie ihn nie zuvor getrunken hatte. Und er verstärkte ihre innere Gelassenheit noch. Entspannt lehnte sie sich zurück. Sie war nun hier und nahm sich vor, alles einfach zu beobachten und ja, sogar zu genießen. Jacky schien zu bemerken, dass Tomma gerade in ihren Gedanken versunken war, denn sie sagte eine längere Zeit nichts und ließ Tomma den Raum und die Zeit um sich innerlich zu sortieren. Und dann servierte Nora das köstlich duftende Dinner.

Während dem Essen plauderte Jacky fröhlich drauflos. Sie erzählte von Feen und Elfen, von Gnomen, Devas und allerhand anderer Wesen, mit denen sie kommunizierte. In Tommas Kopf gab es erneut einen fürchterlichen Widerstreit der Gedanken. Einerseits klang dies aus Jackys Mund wie die normalste Sache der Welt, doch der immer noch nörgelnde Zweifel erinnerte Tomma daran, dass es dies alles doch nur im Märchen gab. Doch Tomma kämpfte den Zweifel nieder. Sie wollte jetzt einfach nicht zweifeln. Sie wollte einfach hier, in Fairy Mansion sein und in diese Welt eintauchen. Jacky schien davon auch nicht weiter beeinflusst zu sein. Sie war vollkommen unbefangen und versprühte Freude und Begeisterung.

„Hast du denn niemals Zweifel gehegt, weil das hier doch alles…ein wenig verrückt ist“, fragte Tomma trotzdem vorsichtig. Jacky schüttelte entschlossen den Kopf. „Nein, das habe ich tatsächlich nie. Weißt du Tomma, ich komme aus Irland und bei uns, vor allem auf dem Land, ist es noch weit verbreitet, dass die Menschen zumindest über das Kleine Volk Bescheid wissen. Ich war also schon ein wenig in der Materie drin, als ich hier ankam. Allerdings natürlich nicht so tief wie jetzt.“

Tomma fasste sich in diesem Moment ein Herz und erzählte Jacky von den Gedanken, die sie heute im Park überfallen haben. Jacky hörte aufmerksam zu und immer wieder gluckste sie ein wenig vor sich hin. Als Tomma geendet hatte, brach sie in schallendes Gelächter aus. „Entschuldige Tomma, aber das ist die beste Geschichte, die ich über Ravenroost Ridge jemals gehört habe. Eine offene Psychiatrie!“ Jacky konnte sich vor Lachen kaum halten. Obwohl Tomma anfangs fast ärgerlich war, dass Jacky ihr Erlebnis so lustig fand, war das Lachen so ansteckend, dass sie irgendwann einstimmen musste.

„Ein paar Logikfehler hattest du aber in der Geschichte. Zunächst dachtest du, dass wir alle Insassen sind. Wieso tauchte dann Thaddea plötzlich als eine Art Wärterin auf, die dich nicht gehen lassen wollte?“ Tomma dachte kurz nach. Jacky hatte recht. „So klar habe ich in dem Moment gar nicht gedacht. Ich war plötzlich so voller Gewissheit, dass ich einem großen Geheimnis, sogar einer Verschwörung auf die Schliche gekommen bin, dass ich mir über solche Details keine Gedanken gemacht habe.“

Beide hingen kurz ihren Gedanken nach. „Und was denkst du, könnte deine Zweifel jetzt zerstreuen?“, fragte Jacky. Tomma dachte kurz nach. „Ich weiß es nicht. Es ist einfach alles so…surreal. Zuerst habe ich fünfundzwanzig Jahre das langweiligste Leben geführt, stets nach der Pfeife meines Ex-Mannes getanzt und nun bin ich hier. Zuerst stand ich noch unter Schock und freute mich darüber, dass ich hier sein darf. Aber dann…“ Hier brach Tomma ab. Ihre Gedanken kamen ihr jetzt selbst übertrieben vor.

Jacky schaute sie liebevoll an. „Ich kann dich, glaube ich, verstehen. Wenn du vorher niemals mit irgendetwas Übersinnlichem zu tun gehabt hast, muss das einfach schräg wirken. Wie gesagt, für mich selbst war es leichter. Aber ich bin auch nicht der Typ, der so weit denkt. Ich habe keinen so kritischen Geist. In meinem ganzen Leben habe ich immer alles so genommen, wie es gerade kam. Und Ravenroost Ridge war sehr verlockend, weil es uns hier ja so wunderbar geht. Wir müssen uns nicht um alltägliche Dinge kümmern und das war immer mein tiefster Wunsch gewesen. Auch wenn er mir gar nicht so bewusst war, bevor ich hierherkam.“

Tomma hörte aufmerksam zu. Für sie war es sehr interessant, etwas über die Gedanken und Gefühle der anderen Frauen zu erfahren. Sie wollte mehr über Jacky wissen und fragte: „Wie war dein Leben bevor du nach Ravenroost Ridge kamst?“

Jacky lehnte sich zurück. „Ich bin in einem kleinen Dorf in Kerry, im Süden Irlands aufgewachsen. Niemand hat jemals große Erwartungen an mich gestellt. Meine drei Schwestern haben alle geheiratet und sind weggezogen. Sie waren wesentlich älter als ich. Ich war die Nachzüglerin und bin auch die Einzige der Familie, die noch lebt. Sie haben nach ihrem Weggang sowohl zu mir als auch zu unseren Eltern den Kontakt abgebrochen. Wahrscheinlich wollten sie mit ihrer ärmlichen Vergangenheit nichts mehr zu tun haben.

Mein Vater starb, als ich achtunddreißig war. Wir konnten uns kaum die Beerdigung leisten. Und ich bin einfach all die Jahre geblieben, bis auch meine Mutter starb. Sie wurde sehr alt. Die letzten Jahre habe ich sie gepflegt. Als sie gestorben war, war ich alleine in unserem kleinen Haus am Rand des Dorfes. Niemand nahm Notiz von mir. Da ich immer nur zuhause war, und mich dort um alles gekümmert habe, hatte ich auch keinen Beruf. Und eines Tages tauchten Thaddea, Simonetta und Andrea auf, um mich abzuholen. Ich bin einfach mitgegangen. Was hatte ich schon zu verlieren?“

Jacky schwieg ein wenig, dann fuhr sie fort: „Manchmal vermisse ich meine Mutter, dann gehe ich zu Simonetta.“ „Und was macht Simonette dann?“, fragte Tomma. „Sie stellt den Kontakt zu meiner Mutter her und wir können uns ein wenig unterhalten“, sagte Jacky, als sei dies das Normalste auf der Welt. „Simonette redet mit toten Leuten?“, hakte Tomma nach. Jacky lachte auf. „Ja, so kann man es nennen.“

Tomma atmete tief ein. Wie verrückt würde das hier noch werden? Halb im Spaß und halb im Ernst fragte sie daher: „Und gibt es auch jemanden hier, der mit Aliens redet?“ Jacky nickte und sagte: „Ja, ich!“ „Ah ja…“, konnte Tomma nur noch sagen und schon wieder blitzte der leise Verdacht in ihr auf, dass auch bei Jacky eine Geisteskrankheit vorliegen könnte. „Aber Aliens sind nicht die kleinen grünen Männchen, wie du sie dir vielleicht vorstellst“, ergänzte Jacky noch. „Ich bin tatsächlich in Kontakt mit Energien von anderen Planeten, sogar von anderen Galaxien, aber diese sind nicht physisch hier. Sie erscheinen als Energie und hinterlassen manchmal eine Botschaft für uns.“

Tomma war ein wenig ratlos. Entweder war dies hier alles total mystisch und zauberhaft, oder aber es war absolut verrückt. Nora hatte inzwischen das Geschirr abgeräumt und servierte Tee und wunderbares kleines Gebäck. Tomma freute sich darüber, denn sie hatte großen Gefallen an den süßen Leckereien in Ravenroost Ridge gefunden.

Sie dachte kurz darüber nach, ob sie wohl sehr viel Gewicht zulegen würde. Doch nach all den Jahren in denen sie täglich von Rob getadelt wurde, nicht so viel zu essen, genoss sie es umso mehr. Jacky goss ihnen beiden Tee ein und bat: „Tomma kannst du mir bitte den Kandiszucker reichen“ und noch ehe Tomma die Hand nach dem Kandiszucker ausgestreckt hatte, bewegte sich die Zuckerdose in Jackys Richtung. Tomma erschrak. Doch Jacky klatschte begeistert in die Hände. „Oh, wie wunderbar Tomma. Du hast die Fähigkeit der Telekinese! Das ist großartig.“ Tomma war noch immer wie erstarrt. Sie nahm die Zuckerdose in die Hand und überprüfte sie. War das ein Trick? Sie schaute, ob irgendwo Fäden oder Schnüre oder womöglich Magneten angebracht waren, aber sie konnte nichts entdecken außer einer ganz normalen Zuckerdose.


Und morgen geht`s weiter.

Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag!

Ganz liebe Grüße

Manou

Weil du es verdienst, dein seelengerechtes Leben zu leben!

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