Beziehungen zu Menschen können richtig bereichernd und glückselig machend sein, sie können uns aber auch den letzten Nerv rauben. Heute möchte ich einmal auf Liebesbeziehungen eingehen. Warum sind Liebesbeziehungen oftmals so kompliziert? Was ist der Grund, warum sich Menschen so aneinander reiben müssen, aus geistiger Sicht betrachtet? Es wäre doch alles einfach, wenn man sich träfe und dann glücklich miteinander bis ans Ende aller Tage leben würde. Oder doch nicht?

Karmische Beziehungen

Ich beschreibe es bewusst vereinfacht, denn karmische Fäden können unglaublich komplex sein. Sie können so komplex sein, dass wir es mit unserem irdischen Denken gar nicht erfassen können. Deshalb beschreibe ich hier nur das Prinzip ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Die meisten Liebes-Beziehungen haben karmische Hintergründe. Das heißt, man begegnet sich nicht das erste Mal, sondern kennt sich bereits aus früheren Leben und hat sich für dieses Leben wieder verabredet, um eine neue Stufe des Miteinanders zu entwickeln. Zum Beispiel ist es leicht möglich, dass der Partner/die Partnerin in einem früheren Leben ein Kind von uns oder ein Elternteil war, und dass aus dieser Beziehung heraus Themen offen geblieben sind, die sich nun im Rahmen einer Liebesbeziehung – auf Augenhöhe – auflösen dürften. Ich schreibe deshalb im Konjunktiv „dürften“ weil dies oftmals nicht der Fall ist. Die Reste aus der früheren Beziehung wirken oft noch nach, sodass es einen Teil des Paares gibt, der eine dominante Rolle übernimmt, das war dann eventuell der frühere Elternteil, und der andere Partner rebelliert gegen diese Dominanz. Das ist jetzt ganz vereinfacht betrachtet. Aber wenn solch eine Konstellation auftritt, haben beide nichts gelernt und spielen das frühere Spiel einfach weiter. Dies führt dann meist zu unglücklichen Beziehungen und dazu, dass man in einem weiteren Leben eine erneute Runde miteinander drehen darf.

Die Erwartungen an Liebesbeziehungen

Das Problem ist, dass die meisten Menschen sich in Liebesbeziehungen sehr unbewusst verhalten. Sie haben ein Defizit, von dem sie hoffen, dass der Partner dies kompensiert. Ein Klassiker sind die Frauen, die einen reichen Mann suchen, weil sie ein Geld-Defizit haben und deshalb hoffen, dass sie dies durch Heirat lösen können. Ab und zu gibt es die Konstellation auch umgekehrt. Aber auch auf der emotionalen Ebene geht es in Beziehungen oft darum, dass man dem Partner/der Partnerin aufbürdet, das Defizit zu füllen, das man empfindet. Der Partner soll einem zeigen, dass man liebenswert, begehrenswert, attraktiv ist. Und er soll die innere Leere in unseren Herzen füllen. Die Erwartungen gehen somit meist in diese Richtung, dass man sich durch den Partner oder die Partnerin eine Bereicherung des eigenen Seins erwartet. Dies ist eine Einstellung, die zu Problemen führen muss, denn meist zeigt der andere Teil am Anfang Anzeichen, dies zu erfüllen. Doch entpuppt sich dann im Alltag, dass dieses Versprechen auf Dauer nicht gehalten werden kann – meist aus dem Grund, weil ja beide Teile hoffen, mit dem jeweiligen Partner das eigene Defizit auszugleichen.

Liebesbeziehungen spirituell betrachtet

Wenn wir erkennen, dass wir unseren Partnern und Partnerinnen meist aus viel tiefer liegenderen Gründen begegnen, als nur hier im Irdischen gewisse Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, dann stellt sich eine andere Art des Verständnisses ein. Wenn wir für uns annehmen, dass die Aufgaben in einer Partnerschaft viel komplexer sind, als wir uns das auch nur vorstellen können, dann wird es uns möglich, genauer hinzuschauen. Wir legen dann unser Augenmerk mehr auf das Seelisch-Geistige des Partners. Wer ist dieser Mensch, der in unser Leben getreten ist? Welche Aufgaben hat er/sie in diesem Leben zu erfüllen? Und weshalb sind wir zusammengekommen? Es ist ein Unterschied, ob wir den Partner durch unsere „Bedürfnis-Brille“ betrachten und oftmals auch bewerten, oder ob wir freilassend schauen können, was sich in unserem Partner offenbaren möchte. Um so eine Haltung einnehmen zu können, ist es wichtig, dass wir den Anspruch aufgeben, dass der Partner oder die Partnerin unsere Bedürfnisse zu erfüllen hat.

Wir dürfen erkennen, dass jeder Mensch seinen Seelenplan hat, den es zu erfüllen gilt

Und oftmals sind gerade die Menschen, die uns sehr nahe kommen auch unsere Lehrmeister. Wenn wir erkennen, dass wir, durch die Menschen in unserem Leben, auch wahrnehmen können, was die eigene Aufgabe im Leben ist, dann sind wir schon einen ganzen Schritt weitergekommen. Haben wir einen Partner, der zu Grenzüberschreitungen neigt, dann ist es vielleicht unsere Lernaufgabe, Grenzen aufzuzeigen – unsere eigenen Grenzen zu wahren. Dann kann es sogar sein, dass es wichtig ist, dass wir die Trennung vollziehen, um dadurch unsere Integrität zu wahren. Beziehungen bedeuten nicht, den bitteren Kelch bis zur Neige auszutrinken, sondern sie können auch bedeuten, zu lernen, die Initiative zu ergreifen und uns in Sicherheit zu bringen.

Beziehungen sind wie Lehrveranstaltungen

Die meisten Menschen gehen Beziehungen ein, um in einen sicheren Hafen einzukehren. Dies kann bei manchen Paaren auch genau so sein – dann haben sie kaum eine karmische Last miteinander. Aber andere Beziehungen können wie Lehrveranstaltungen sein. Wenn wir lernen, uns nicht nur irdisch darin zu verstricken, sondern wenn wir einen Schritt zurücktreten und die Konstellation von einer höheren Warte aus betrachten, dann zeigen sich oftmals in der Beziehung Hinweise, wie wir gewisse Glaubenssätze, Verhaltensmuster, Familienmuster etc. auflösen können.

Das A und O ist, sich von seinen ego-zentrierten Erwartungen zu lösen

Denn die Erfüllung dieser Erwartungen ist ziemlich sicher nicht das, was uns die geistige Welt durch die Beziehung zur Verfügung stellen möchte. Beziehungen zu Menschen – und dies gilt für alle Formen von Beziehungen – zeigen uns auf, wie wir in der Welt stehen. Häufig wiederkehrende Muster machen uns auf unsere eigenen inneren Muster aufmerksam, die wir dadurch auflösen können. Oftmals braucht man dafür Hilfe von geschulten Menschen, damit man auch die blinden Flecke in seiner Wahrnehmung erkennen kann.

Beziehungen schickt uns der Himmel, um ihm einen Schritt näher zu kommen

Nirgendwo können wir unsere Fähigkeiten zur Selbsterkenntnis mehr und besser ausloten als in engen Beziehungen. Dies gilt für Liebesbeziehungen und insbesondere auch für Eltern-Kind-Beziehungen. Wer bin ich eigentlich? Wie stehe ich in der Welt? Was sind meine Bedürfnisse und Defizite? Wie kann ich diese erfüllen, ohne einen Partner/eine Partner dafür zu instrumentalisieren? Dies alles sind spannende Fragen, die wir uns einmal stellen dürfen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen wunderschönen Freitag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Bild von kalhh auf Pixabay

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