Unser Leben im Siebenjahres-Rhythmus

Rudolf Steiner hat schon vor mehr als hundert Jahren aufgezeigt, dass die Biografie des Menschen gewissen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Die Gliederung in Jahrsiebte hat er ebenfalls hellsichtig wahrgenommen, weil jedes Jahrsiebt einem bestimmten Thema unterliegt. Wenn wir nun diesen Siebenjahres-Rhythmus in unserer Biografie ergreifen, können wir viele Phänomene besser verstehen, bzw. auch unser Potential wesentlich besser entfalten, wenn wir uns daran orientieren. Natürlich darf man auch dies nicht als Dogma betrachten. Die sieben Jahre sind Richtwerte – bei dem einen Menschen geschieht ein Entwicklungsschritt etwas früher, bei einem anderen etwas später. Aber als Richtwerte sind die Jahrsiebte auf jeden Fall sehr hilfreich

Das 1. Jahrsiebt „Die Welt ist gut“ 0-7 Jahre

Das Kind im ersten Jahrsiebt ist wie ein großes wandelndes Sinnesorgan, das alles aufnimmt, was in seiner Umgebung geschieht. Sowohl die Stimmungen der Eltern und anderer Bezugspersonen, als auch die Harmonie der Wohn- und Lebenssituation sind ausschlaggebend für das weitere Empfinden der Welt. Je mehr Geborgenheit, Gelassenheit und Schönheit das Kind in diesen Jahren aufnehmen darf, desto mehr kann es den Sinn für diese Qualitäten entwickeln. Im besten Fall erlebt das Kind seine Eltern und Bezugspersonen als „gütige Götter“, die es bedingungslos nachahmen kann. In diesem Jahrsiebt unterstützen die Kräfte der Sonne die Entwicklung des jungen Menschen und der Ätherleib wird in allen seinen Anlagen fertig ausgebildet. Auf das Ende dieses Jahrsiebtes fällt auch der Zahnwechsel.

Das 2. Jahrsiebt „Die Welt ist schön“ 7-14 Jahre

In diesem Alter beginnt die Denkreife. Das Lernen findet nicht mehr nur durch Nachahmung statt. Daher sind frühintellektualisierende Maßnahmen zu unterlassen, da sie die Entwicklung des Kindes nachteilig beeinflussen. Das Kind lebt noch ganz in den Empfindungen und will die Welt daher als schön erleben. Schöne Empfindungen, harmonische Umgebung, das ist das, was die Entwicklung des Kindes in dieser Zeit braucht. Die Eltern sind nun nicht mehr gute Götter sondern werden (im besten Fall!) als weise KönigInnen erlebt. Führungspersönlichkeiten, die aufgrund ihrer natürlichen Autorität die Rahmenbedingungen der Entwicklung leiten. In dieser Zeit wird der Astralleib des Kindes fertig ausgebildet und die Mondkräfte unterstützen zusätzlich zu den Sonnenkräften diesen Prozess.

Das 3. Jahrsiebt „Die Welt ist wahr“ 14-21 Jahre

In dieser Zeit entwickelt der Jugendliche mit der Geschlechts- und Denkreife auch die Erdenreife. Das zeigt sich dadurch, dass nun Kritik- und Urteilsfähigkeit erwacht. Das Abwägen zwischen Gesagtem und Erlebten und das selbstständige Einordnen desselben sind Themen in dieser Zeit. In dem jungen Menschen erwacht das eigene Interesse, die Wahrheit der Welt zu erleben. Wenn der Sinn für Ästhetik im zweiten Jahrsiebt gut ausgebildet worden ist, kann aus dieser Kraft heraus nun die eigene Urteilsfähigkeit und die eigene Moral entwickelt werden. Nun wählt sich der Jugendliche auch seine Autoritäten selbst. Die Erwachsenen werden nun zu kompetenten Wegbegleitern. In dieser Zeit entwickelt sich das Ich des jungen Erwachsenen, sodass er nach Abschluss dieser Periode gut in der Welt drinnen steht und seinen Platz finden kann. In dieser Zeit wirken zusätzlich zu den Sonnen- und Mondkräften noch die Planetenkräfte an der Entwicklung des jungen Menschen mit.

Das 4. Jahrsiebt „Die Welt ist reich“ 21-28 Jahre

Wenn der junge Mensch sich bis hierhin gut entwickelt hat, drängt es ihn nun, sich in die Welt hinaus zu begeben und deren Reichtum und Fülle zu erleben. Das vierte Jahrsiebt ist geprägt von dem Austesten der eigenen Grenzen in der Auseinandersetzung mit dem Fremden. Das ist die Sturm und Drang Zeit des Lebens. Vielfältige Erfahrungen wollen gemacht werden, beruflich werden meist die Weichen für die Karriere gestellt. Der junge Erwachsene will nun all das prüfen und auf die Probe stellen, was er bisher in sich aufgenommen hat. Nun kann der junge Erwachsene seine eigene Autorität finden und sich in der Gesellschaft positionieren. Es unterstützen in dieser Zeit noch die Kraft der Fixsterne und der junge Mensch hat noch die Möglichkeit, kosmische Kräfte für die Entwicklung seiner Persönlichkeit heranzuziehen.

Das 5. Jahrsiebt „Die Welt ist geordnet“ 28-35 Jahre

Das fünfte Jahrsiebt gilt ganz der Positionierung des Erwachsenen im Leben. Die Sturm und Drang Zeit findet meist ein Ende und es erwacht der Wunsch nach Stabilität und Familie. Dies ist eine Zeit, die irdischer nicht sein kann. Die kosmischen Kräfte stehen in dieser Zeit auch nicht im gewohnten Umfang zur Verfügung, sondern das Ich bildet sich weiter aus in der direkten Auseinandersetzung mit dem irdischen Leben. Meist ist in dieser Zeit auch keinerlei Interesse an spirituellen Themen, da alles nach der Erfüllung im Irdischen strebt. Man sieht das Leben im Hinblick auf den persönlichen Nutzen und das persönliche Fortkommen in Karriere und Stellung in der Gesellschaft.

Das 6. Jahrsiebt „So stehe ich in der Welt“ 35-42 Jahre

Im sechsten Jahrsiebt – in der eigentlichen Lebensmitte werden Fragen gestellt, wie: „Wer bin ich eigentlich?“ und „Was ist mein Eigenes?“. In dieser Periode erwacht die Suche nach der eigenen Identität. Nicht selten mündet dies in eine Krise, da im Außen Vieles erreicht ist, aber das Innere sich nach Erfüllung sehnt. Viele bisher gemachten Erfahrungen werden in Frage gestellt und die Suche nach dem eigentlichen Seelenweg beginnt. Das Leben erscheint nicht selten als glanz- und farblos und ein gewisser Überdruss kann sich einstellen. Wer bis hierher seine Entwicklung in einem gesunden Maß vollzogen hat, kann nun beginnen, nach dem eigentlichen Sinn des Daseins zu suchen. Es ist die Zeit der Selbsterkenntnis.

Das 7. Jahrsiebt „Ich kann meinen Beitrag leisten“ 42-49 Jahre

Nun tritt bei vielen Menschen der Wunsch auf etwas eigenes zu schaffen. Ideen zu verwirklichen und etwas zu kreieren, dass das eigene Dasein überdauert. Es ist die Zeit in der noch genügend Lebenskräfte vorhanden sind und die Erfahrungen auf allen Ebenen einen guten Grundstock für eigene Projekte und Ziele bieten. Die eigenen Ideale werden nun, insofern sie zuvor gut ausgebildet wurden, zum richtungsgebenden Impuls des Menschen. Nun entsteht der Wunsch in der Welt etwas zu verändern. Ideale wollen in den Vordergrund rücken.

Das 8. Jahrsiebt „Ich kann weise werden“ 49-56 Jahre

Während im siebten Jahrsiebt der Mensch sich noch selbst im Mittelpunkt seines Handelns gesehen hat, kann er nun beiseite treten und unterstützend wirken. Dies ist die Zeit, in der ein Mensch auch beginnen kann, andere Menschen zu lehren. Zuvor ist dies zu stark geprägt von dem Wunsch nach dem Eigenen. Ab dem achten Jahrsiebt tritt dies nun langsam in den Hintergrund und der mehr altruistische Wunsch kann entstehen, der Welt etwas vom erworbenen Wissen zurückzugeben.

Das 9. Jahrsiebt „Ich kann gütig werden“ 56-63 Jahre

Dies ist bereits die Zeit des Abschieds von den äußeren Tätigkeiten in der Welt. Die Zeit des Rückzugs und der Konzentration auf das eigene Innere. Wahrheiten wollen in einem vertieften Maß gefunden werden. Der äußere Schein ist nicht mehr wichtig und ausschlaggebend. Der Mensch, dessen Wahrnehmungsorgane wie Augen und Ohren nun schlechter werden, bezieht sich nun mehr auf das Erleben der Welt in seinem Inneren. Es werden schon gewisse Vorbereitungen für den Abschied von der irdischen Welt getätigt – auch wenn dieser noch lange nicht in Sicht ist. Der Mensch im neunten Jahrsiebt sucht nach

Nach dem neunten Jahrsiebt

Mit 63 endet die Impulsierung der Biografie durch die allgemein menschlichen Entwicklungsgesetzmässigkeiten. Von jetzt an hängt die Entwicklung jedes Menschen ausschliesslich von ihm selber ab. Die Aufgabe besteht darin, innerlich, seelisch immer autonomer, das heisst eigengesetzlicher zu werden, immer weiser, gütiger und selbstloser. Der Mensch hat nun die Möglichkeit, durch Entwicklung seelisch-geistiger Kräfte die Schwere des Leibes, der Materie zu überwinden.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit der Betrachtung Ihrer eigenen Biographie

Manou Gardner Medium

5 Kommentare zu „Unser Leben im Siebenjahres-Rhythmus

  1. Was sucht denn der Mensch im 9. Jahrsiebt? Bei mir fehlt da was am Ende des Satzes?
    Würde mich interessieren. 😀 Danke, liebe Grüße, Bettina

    Gefällt mir

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