Heute Morgen gab es hier an der Rax ein wunderbares Gewitter, die Temperaturen waren gefallen und der erste Regen fiel auf die ausgetrocknete Landschaft. Wie anders fühlte sich plötzlich die Welt an! War gestern noch alles drückend und heiß, lethargisch und ergeben, so erwachten heute die Lebensgeister wieder. Nicht nur bei mir, sondern auch die ganze Natur atmete auf. Und ich saß draußen und beobachtete und erfühlte, was gerade geschah.

Ich nahm eine große Erleichterung wahr

Ich fühlte deutlich, wie vor allem auch die Bäume erleichtert den Regen in Empfang nahmen und die kühle, feuchte Luft auf ihren Blättern genossen. Der Boden streckte sich richtig dem Wasser entgegen und eine Leichtigkeit entstand. Erwartungsvoll warteten die Rosen, die doch etwas geschützt stehen, auf die ersten Tropfen und auch die Hortensien wollten es kaum glauben, dass die Hitze Pause machen würde. Ich nehme sehr wohl auch wahr, dass die Pflanzen die flirrende Hitze auch mögen, doch brauchen auch sie Pausen davon.

Und so ist es auch im übertragenen Sinn

Mir kam dann der Vergleich mit menschlichen Beziehungen. Wie oft stauen sich Emotionen an und werden – aus Höflichkeit oder Feigheit – nicht entladen. Dies mag auf den ersten Blick der einfachere Weg sein. Jedoch verwehrt es den Neuanfang. So wie nun der Regen den Staub von den Blättern wäscht, so kann ein reinigendes Gewitter zwischen Freunden oder Partnern auch einmal den Staub des Alten wegwaschen. Gewitter sind Naturgewalten, man weiß nie, wie sich entwickeln, und so ist es auch bei emotionalen Gewittern. Wird es nur kurz und heftig sein, oder braut sich etwas Ernsthaftes zusammen? Doch zurückhalten ist keine Option. Der kühle Guss muss erfolgen und es ist eine Frage der Einstellung, wie wir ihn empfinden. So wie Sonnenanbeter vielleicht den heutigen Tag als „Schlechtwetter“ bezeichnen würden, so kann es auch für Menschen unangenehm sein, den Emotionen einmal Luft zu machen.

Aber wie wohltuend ist es, wenn längst Überfälliges einmal ausgesprochen ist, wenn Weichen neu gestellt werden. Es ist eine große Befreiung, den alten Staub von Beziehungen zu waschen.

Wie oft verharren Menschen in Strukturen, die zu irgendeiner Zeit vielleicht einmal gepasst haben – und oftmals nicht einmal damals – nur aus Angst, dass eine Konfrontation den anderen Menschen kränken und dies schlussendlich nachteilig sein könnte. Wie verdreht dabei oftmals die Empfindungen sind! Wir sind so auf Wohlverhalten getrimmt, dass es selbst bei eindeutigen Übergriffen oftmals schwer ist, diese ans Tageslicht zu bringen, zu korrigieren und Grenzen neu zu stecken.

Vielleicht ist heute der Tag, den einen oder anderen Umstand zu verändern – so wie die Natur gerade den Staub und die Hitze wegwäscht, so können wir Staub und Unbehagen in Beziehungen heute wegwaschen.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Dienstag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Bild von jplenio auf Pixabay

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