Wir leben in einer Zeit, in der sich viele Beziehungen – ob partnerschaftliche oder freundschaftliche – auflösen, da die Menschen in unterschiedlicher Richtung unterwegs sind. Der Bruch ging durch Freundschaften und Familien und ich habe auch jetzt, wo die Spannung etwas nachlässt, nicht das Gefühl, dass es besser wird. Zu tief sind die Verletzungen, so schwerwiegend war das Unverständnis. Und es geht ja nicht nur um irgendwelche Maßnahmen oder Substanzen. In vielen Fällen hat die Situation ja nur sichtbar gemacht, was in den Tiefen längst geschlummert hat, aber bisher gut überdeckt war. Ich erlebe bei vielen KlientInnen, dass sie sogar nahezu ihren ganzen Freundeskreis verloren haben. Und das ist im Prinzip genau das, was die Widersachermächte gerne erreichen möchten. Die Menschen sollen sich nicht mehr nahe sein, sondern sie sollen in die totale Vereinzelung gehen. So sinnlose Maßnahmen wie Lockdowns hatten ja genau diese Absicht – die Menschen voneinander zu isolieren. All die vielen Schäden bei jungen und alten Menschen, die dadurch entstanden sind, wurden billigend in Kauf genommen, oder waren gar erwünscht.

Was können wir gegen die Vereinsamung tun?

Wir können aktiv nach Menschen Ausschau halten, die ein ähnliches Wertesystem vertreten. Ich glaube nicht, dass Menschen, die völlig unterschiedliche Wertesysteme haben, noch sehr viel Beziehung aufbauen können, da es schwierig ist mit der gemeinsamen Basis. Es ist schon alleine deshalb anstrengend, weil neuralgische Themen immer wieder umschifft werden müssen. Ein Gespräch kann schwer in Fluss kommen, wenn man zunächst immer wieder prüfen muss, ob das, was man beabsichtigt zu sagen, auch unverfänglich genug ist. Daher wird es wahrscheinlich besser sein, wenn man sich mit Gleichgesinnten austauscht und einfach akzeptiert, dass die Wege einiger Menschen sich nun von den eigenen entfernen. Wenn man dies auch noch ohne Groll oder Verachtung schafft, dann hat man schon viel dafür getan, dass die Menschen sich zwar vielleicht auseinander entwickeln, aber doch nicht alle Brücken niederreißen. Wir wissen nicht, wie sich die Welt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiterentwickeln wird und wer auf seinem Weg auch wieder umdreht.

So wenig Verletzungen wie möglich zufügen

Zwischenmenschliche Beziehungen können auch auf Distanz aufrecht erhalten werden, solange keine schwerwiegenden Verletzungen stattgefunden haben. Wenn wir einem Menschen jedoch unsere ganze Verachtung ins Gesicht geschleudert haben, bzw. wenn wir diese Verachtung verspüren mussten, dann wird es schwer, ein zwischenmenschliches Band zu erhalten. Jedoch wenn wir es schaffen, dass wir den Standpunkt eines anderen Menschen möglichst neutral und so gut es geht auch wertschätzend betrachten, dann können wir uns auseinander entwickeln, ohne das Band endgültig zu zerreißen.

Verletzungen aus den politischen Lagern

Viele von uns haben von politischer Seite schwere Verletzungen erfahren. Es sollte uns das Leben so schwer wie möglich gemacht werden. Diese Kränkungen, auf die auch die Mitmenschen aufgesprungen sind, haben kollektiv eine große Menschengruppe verletzt. Und erst langsam setzt ein Prozess der Aufarbeitung ein. In der akuten Phase stand das Überstehen und Überleben an erster Stelle – gepaart mit vollkommener Fassungslosigkeit. Niemand hätte damit gerechnet, einmal zu einer öffentlich geächteten Menschengruppe zu gehören. Und nun fängt langsam die Verabeitungsphase an. Man ruft sich wieder ins Gedächtnis, was der Eine oder die Andere gesagt hat und beginnt damit, die entsprechenden Emotionen zu entwickeln. Und da kommt nun in vielen Fällen auch Wut auf. All das muss und darf gespürt werden. Und der Sommer eignet sich auch gut dazu, diese Gefühle anzuschauen. Und ja, manches Mal müssen auch Konsequenzen gezogen werden. Es ist nicht oft nicht leicht, doch kann man Vieles nicht einfach vergessen und „Schwamm drüber“ denken. Wo es möglich ist, wäre es natürlich gut, die Gefühle zu artikulieren und wieder eine neue Gesprächskultur zu erschaffen. Wo dies nicht möglich erscheint, ist es gut, wenn die Wege nun auseinander gehen.

Wir dürfen uns eines vor Augen halten: Wir sind hier auf der Erde um zu lernen. Und auch das Miteinander darf neu erlernt werden. Wo vielleicht die eine oder andere Beziehung zerbricht, entstehen auch wieder neue. Wie viele Menschen hat man in den letzten Jahren neu getroffen und erkannt, dass man auf wundersame Weise im gleichen Boot sitzt. Leben ist auch im Hinblick auf Beziehungen geprägt von Veränderung. Nichts ist schlimmer als Stillstand aus Gewohnheit. Konzentrieren wir uns auf das Neue, das entstehen darf, indem Menschen gemeinsam an einer neuen Zukunft arbeiten.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Freitag

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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