Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber ich bin Weltmeister darin, mir viel zu viel in viel zu kurzer Zeit vorzunehmen. Oder wie meine Oma zu sagen pflegte: „Zu wenig und zu viel, das ist des Narren Ziel.“ Und dann kommt unweigerlich der Moment, an dem ich erkennen muss, dass ich reduzieren muss, dass einfach nicht so viel geht, wie ich das gerne hätte. Jedes Mal aufs Neue! Und dann stellt sich die Frage: Was mache ich nun weniger? Wovon ist es überhaupt zuviel? Wieso habe ich schon wieder zuviel auf die Sommer To-Do-Liste gepackt…? Naja und so beginnt die Suche nach dem Teil, der wirklich wichtig ist und nach den Teilen, die eben noch warten müssen.
Da wäre mal der Garten
Ich fange – jedes Jahr aufs Neue – im Frühjahr mit riesiger Begeisterung an, die leider ab Juli total nachlässt. Irgendwie bekommt mein Garten im Juli ein Eigenleben und macht einfach was er will. Und ich stehe daneben und verzweifle innerlich. Überall wächst, was nicht wachsen soll und das Gewünschte…naja…wächst auch irgendwie. Aber es ist nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Jedes Jahr im Juli träume ich davon, dass ich besser Rosengärtnerin werden sollte, die blühen zumindest jedes Jahr. Leider kann man Rosen nur bedingt essen und sehr abwechslungsreich sind sie auch nicht. Und das macht mir dann einen echten Stress. Gerade habe ich beschlossen, dass ich – mal wieder – damit leben werde, dass es zumindest ein wenig besser ist als im letzten Jahr. Genau genommen habe ich jedes Jahr eine kleine Steigerung, aber die frühjährlichen Träume habe ich auch dieses Jahr nicht erreicht. Ich werde damit leben müssen…
Dann wären da noch die unternehmerischen Ambitionen
Davon habe ich eine ganze Menge und auch einen klaren Plan. Das einzige Problem ist: Ich bin nur einer. So arbeite ich zwar von sehr früh bis meist auch recht spät, aber das Tempo, das ich gerne hätte, erreiche ich nicht. Da muss ich ganz klar feststellen, dass die Ambitionen für den Sommer leider nicht realistisch waren. Autsch! Jetzt ist es raus! Ich habe mich total übernommen…das ist eine Erkenntnis, die ich gar nicht leiden kann. Sowas gestehe ich mir absolut ungern ein. Sagt das doch, dass meine Ideen und Träume gerade mit der Realität kollidiert sind. Wie blöd ist das denn?! Aber ganz ehrlich: Da nur wenige Menschen wissen, was ich mir vorgenommen habe, würden es gar nicht viele bemerken, wenn ich es jetzt nicht öffentlich machen würde. Aber ich schreibe das ja nicht ohne Grund: Die meisten Menschen müssen irgendwann erkennen, dass Theorie eben nicht gleich Praxis ist. Während man in der Theorie mit Leichtigkeit, und dabei auch noch gut aussehend, von einem Projekt zum nächsten hüpft, zeigt sich die Praxis dann doch eher so: In der Nacht mit Tränen vor dem Computer, weil man an einer Kleinigkeit festhängt und dadurch nicht weiterkommt, mit Ringen unter den Augen und zwei Tafeln Schokolade auf dem Schreibtisch. Total desillusionierend – und doch total normal.
Wo wären wir ohne die großen Träume und Pläne?
Wenn wir nicht diese Träume und Pläne hätten, würden wir nicht vorankommen. Aber wenn man sich umhört ist es normaler, dass es eben einfach nicht so klappt, wie man es sich vorgestellt hatte. Gerade in diesem Bereich denke ich, ist es wie mit dem Kinderkriegen – gut, dass man vorher nicht weiß, was einen erwartet. Doch die Tatsache, dass ich vier Kinder habe, zeigt ja deutlich, dass ich mit einer gewissen Erkenntnisresistenz geschlagen bin. Das Schöne ist, dass die Dinge rückblickend meist gar nicht mehr so schlimm sind, wie in dem Moment, wo man gerade mitten drin steckt. Auch das ist für alle anderen ambitionierten Menschen wichtig zu wissen. Ja, es fühlt sich oftmals an, als stünde man vor einem Berg Arbeit, der kaum zu bezwingen ist, aber wenn man einfach einen Schritt nach dem anderen tut, wird man zwar langsam, doch kommt man stetig voran. Man muss nur dranbleiben!
Hach, und die vielen ungelesenen Bücher, die sich stapeln
Das ist etwas, das mich in den letzten Jahren am meisten nervt. Ich komme längst nicht mehr so viel zum Lesen, wie ich das über Jahrzehnte gewohnt war. Und wenn ich Zeit habe, bin ich so müde, dass ich nach zwei Seiten einschlafe. Um da mal wieder aufzuholen, fahre ich kommende Woche mit den Kindern das achte Mal nach Kärnten an unseren geliebten Hunde-Campingplatz. Und ich kann Euch sagen, dort ist es für mich sooooo langweilig, dass ich endlich dazu komme zu lesen. Meist schaffe ich fünf und mehr Bücher in dieser Woche. Mein Mann hat diesen Urlaub schon lange für sich gecancelt und fährt nicht mehr mit, WEIL es so langweilig ist. Und ich fahre eben aus dem gleichen Grund noch hin. Ich sehne mich nach einer langen Weile. Nach Tagen, an denen ich maximal über den Morgenimpuls nachdenke und danach nur noch darüber, welches Buch ich zuerst lesen werde. Die Kinder sind groß genug, dass sie mich praktisch nicht mehr brauchen, sondern ihren eigenen Dingen nachgehen. Und ich kann einfach nur herumliegen und lesen. Das letzte Mal habe ich schon ernsthaft befürchtet, bald Druckstellen zu bekommen.
Also, was ist zu tun, wenn alles zuviel wird?
Tja, das ist eigentlich recht einfach. Man darf vom hohen Ross absteigen und einfach damit leben, dass das Leben sich durch das Nicht-Vorhandensein von Perfektion auszeichnet. Es wäre nicht das Leben, wenn einfach alles wie geschmiert läuft. Man darf lernen, mit dem Leben zu tanzen. Alles zu nehmen, wie es gerade kommt und manchmal auch einfach darüber lachen. Man darf unperfekt sein, man darf auch mal verzweifeln, aber man darf auch wieder zuversichtlich werden und vor allen Dingen auch die kleinen Etappenziele, die winzigen Errungenschaften ein wenig feiern. Und man darf auch immer wieder lernen, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Wir sind alle tumbe Toren, wie Parzival, und torkeln halt einfach irgendwie durchs Leben und suchen unseren persönlichen heiligen Gral, der „Seelenpfad“ heißt. Dabei geht es manchmal gut voran, manchmal laufen wir im Kreis und manchmal fallen wir hin. Dann stehen wir halt wieder auf, klopfen uns den Staub von der Hose und gehen weiter. Wir sind hier auf der Erde um genau dies zu tun. Zu ringen, zu weinen, zu lachen, zu lieben, zu verzeihen – vor allen Dingen auch uns selbst – und einfach zu SEIN.
Ich wünsche Euch einen wunderschönen Donnerstag
Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker









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