Heute, am achten März, ist der internationale Frauentag. Und es ist tragisch, dass es heute – 2022 – noch immer eine Benachteiligung von Frauen gibt. Genau genommen gibt es viele Benachteiligungen, die sich, je nachdem wie man es betrachtet, verschieden auswirken. Noch immer werden in vielen Ländern, darunter auch Deutschland und Österreich, Frauen schlechter bezahlt als Männer, selbst wenn sie die gleiche Arbeit verrichten. Wie kann das sein? Das ist doch vollkommen absurd. Überhaupt ist Vieles absurd, was sich auf die Rechte der Frauen bezieht. Während in Österreich und Deutschland die Frauen bereits seit 1918 ein Wahlrecht besitzen, wurde es in der Schweiz erst 1971 (!) eingeführt. Das ist doch der Hammer! Es ist überhaupt unfassbar, wie es sich so lange durchsetzen konnte, dass Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden. Und genau genommen sind wir es immer noch, auch wenn wir wählen dürfen.

Frauen und Karriere

Es gibt immer noch eine Menge Branchen, in denen es als Frau praktisch unmöglich ist, die gläserne Decke zu durchbrechen. Schauen wir uns nur einmal die Aufsichtsräte großer Firmen und Banken an und schauen, wieviele Frauen sich darin befinden. Wenn überhaupt, sind meist nur ganz wenig Frauen in diesen Posten. Auch in verschiedenen anderen Bereichen ist es unmöglich, als Frau Fuß zu fassen.

Frauen und Kinder

Während es mittlerweile kein Problem mehr ist, als Frau die gleiche Bildung wie Männer zu erlangen, kommt es spätestens in den Dreißigern zu der Frage: Kind(er) oder Karriere? Die meisten Frauen, die sich für Kind(er) entscheiden, erleben dadurch einen absoluten Karriereknick. Wenn sich die Frau dazu entschließt, ihre Mutterrolle tatsächlich für eine gewisse Zeit auszuüben, führt dies meist dazu, dass sie später maximal noch Teilzeit in eine meist untergeordnetere Rolle ins Berufsleben zurückkehren kann. Immer noch findet die Entscheidung auf der Ebene statt, dass nicht die Männer zuhause bleiben und sich um das Kind/die Kinder kümmern, sondern aufgrund des vorherigen Missstandes – nämlich, dass Männer für gleiche Arbeit meist mehr verdienen – kommt es zum nächsten Missstand, dass Frauen sich aufreiben dürfen, zwischen Kind(ern) und Beruf.

Ein Klassiker bei Bewerbungsgesprächen: „Ahja, sie haben x Kinder. Wer kümmert sich um die Kinder wenn diese krank sind?“ Männer werden das nie gefragt! Immer müssen sich Frauen rechtfertigen, wie sie es denn schaffen wollen, Kind, Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Wie sieht denn die klassische Verteilung aus?

Männer verlassen in der Früh das Haus und gehen ihrer Tätigkeit nach, die ihnen nicht nur Einkommen, sondern auch Selbstbestätigung, Erfolge und soziale Kontakte beschert. Frauen, die Kinder haben, kümmern sich um den Nachwuchs, räumen die Bude auf und gehen dann vielleicht einer Teilzeitbeschäftigung nach, die oft unter ihren Möglichkeiten liegt. Dann kommen sie nach Hause, pflücken die Kinder aus der Betreuung, beeilen sich, etwas Essbares auf den Tisch zu bringen und erwarten ihren Gatten, der sich – vielleicht – dann noch ein wenig am Haushalt beteiligt.

Das klingt wie aus einem Film der 1950er Jahre, ist aber auch heute in vielen Familien noch gelebte Praxis. Und natürlich sind daran nicht nur die Männer schuld. Nur allzugerne bleiben Frauen für eine Zeit bei ihren Kindern, was aus meiner Sicht auch wichtig und notwendig ist. Aber warum wird dies nicht in irgendeiner Weise honoriert? Es ist eine wichtige und herausfordernde Aufgabe, sich der Brutpflege zu widmen. Würden Frauen genausoviel verdienen wie Männer, könnte man sich das besser aufteilen. Würde der Staat den Frauen in dieser Zeit ihr Gehalt weiterbezahlen, wäre es auch in Ordnung. Schließlich gibt es einen Generationenvertrag und diese Kinder, die da betreut werden müssen, sind diejenigen, die einmal in die Pensionskasse einzahlen werden. Kinder aufziehen ist somit nicht nur Privatvergnügen, sondern stellt auch sicher, dass zwanzig Jahre später die Beiträge fließen. Es fällt ja während der Kinderbetreuung nicht nur der Verdienst aus, sondern auch die entsprechenden Beiträge in der Pensionsvorsorge.

Frauen, die keine Kinder haben

Während Männer, die keine Kinder haben, in den seltensten Fällen gefragt werden, warum dies so ist, werden Frauen auch heute noch gerne in eine Rechtfertigungsrolle getrieben. Warum sie keine Kinder haben? Ob sie das nicht später bereuen werden? Warum sollten sie? Es gibt ein Leben ohne Kinder. Es gibt sogar ein tolles Leben ohne Kinder. Nachwuchs zu produzieren ist nicht der alleinige Lebenssinn von Frauen. Frauen sollen und müssen sich dafür oder dagegen entscheiden können, ob sie Kinder wollen oder nicht.

Wie könnte denn eine echte Gleichberechtigung aussehen?

Die Grundlage jeglicher echter Gleichberechtigung wird erst dadurch geschaffen werden, dass Frauen am Arbeitsmarkt das gleiche Einkommen erwirtschaften können wie Männer. Dadurch erst wird es möglich, dass die Care-Arbeit in der Familie ohne finanzielle Einbußen gerecht aufgeteilt werden kann. Männer dürfen lernen zu sehen, dass sie den Frauen nicht im Haushalt helfen, sondern dass dies genauso ihr Haushalt ist, wie der der Frau. Und es sind genauso ihre Kinder wie die der Mutter. Und auch wenn keine Kinder zu betreuen sind, ist die Aufteilung der Arbeiten im Haus oder in der Wohnung fairer zu gestalten.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Männer und Frauen sind unterschiedlich. Es wäre wünschenswert, wenn Frauen im Beruf nicht die besseren Männer sein müssten, um zu bestehen, sondern dass man die verschiedenen Skills mit gleicher Wertschätzung betrachtet. Gerade gemischte Teams können dadurch profitieren, dass die Schwerpunkte aller Geschlechter mit einbezogen werden und ihren Platz finden. Solange Frauen agieren müssen wie Männer, werden sie immer die Unterlegenen sein. Erst wenn Frauen wieder als das geschätzt werden, was sie sind, wird es möglich sein, in wahrer Augenhöhe zu kommunizieren und zu agieren.

Ein neues Matriarchat wäre wunderbar

Wenn wir betrachten, wohin die vorwiegende Herrschaft von Männern uns gebracht hat, könnte ja der Gedanke aufkeimen, dass die Welt unter der Leitung von Frauen vielleicht ein besserer Ort sein könnte. Natürlich denke ich jetzt sofort an alle Politikerinnen und muss allerdings feststellen, dass diese nicht aus ihrer tiefen inneren Weiblichkeit heraus agieren, sondern dass gerade diese Frauen sich so sehr bemühen, wie Männer zu bestehen. Dies führt zu einem tiefen Bruch in ihrer Intuition – die einfach bei Frauen stärker vorhanden ist. Aber wenn Frauen auftreten müssen wie Männer – man sieht das ja schon an der Kleidung – verlieren sie genau diese Intuition. Würden wir Frauen Frauen sein lassen, dann könnte viel mehr Innovation entstehen, weil dann die spezifischen Fähigkeiten von Frauen mit einfließen könnten. So wie das bisher gehandhabt wird, ist es nur eine weitere Unterdrückung. Da dürfen Frauen sein, aber sie dürfen nicht denken und handeln wie Frauen, sondern sie müssen sich in die männlichen Strukturen einfügen. Da ist also ein grundlegendes, ein tiefes Problem.

Alle bestehenden Sgtrukturen sind von Männern gemacht

Solange wir nicht die bestehenden Strukturen neu denken, kann eine echte Gleichberechtigung nicht geschehen. Frauen würden Strukturen ganz anders aufbauen und sie würden neue Kulturen des Miteinanders einführen. Aber derzeit sind sie gezwungen, sich in Hosen – im eigentlichen wie im übertragenen Sinne – zu pressen. Es wäre schön, wenn sich wieder Kreise von Frauen bilden, die sich gesellschaftlicher Themen annehmen, ohne sich selbst zu instumentalisieren und in ein Männerbild zu pressen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen einen wunderschönen Dienstag und internationalen Frauentag!

Manou Gardner Medium aka Manuela Pusker

Bild von Elf-Moondance auf Pixabay

2 Kommentare zu „8. März – internationaler Frauentag

  1. Brillant formuliert Manou, das sehe ich genauso. Danke für diesen tollen Beitrag. Den gebe ich gleich „meiner“ Frauengruppe weiter.

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